Universität WienGeschichte der Universität Wien im Überblick

 
Archiv der Universität Wien

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DIE THERESIANISCH-JOSEPHINISCHE EPOCHE

Ab dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts setzte die Kritik an den Unterrichtsmethoden des Jesuitenordens ein. Vor allem der schlechte Zustand der weltlichen Fakultäten wurde den Jesuiten angelastet. Es entwickelte sich die Ansicht, daß sich der Zweck der Studien in erster Linie auf den Staat und das "Politicum" auszurichten habe. Unter Maria Theresia wurde der kaiserliche Leibarzt Gerard van Swieten zur zentralen Person der universitären Reformen. Die von ihm vorgeschlagenen und durchgesetzten Maßnahmen veränderten nicht nur das Studium an der medizinischen, sondern auch an den drei übrigen Fakultäten grundlegend. Mit der Einführung des Amtes der Studiendirektoren sicherte sich der Staat den Einfluß auf alle wichtigen Universitätsgeschäfte und Studienangelegenheiten. Der Jesuitenorden wurde nach und nach aus der Universität gedrängt, bis er 1773 überhaupt aufgehoben wurde. Im Sinne des "aufgeklärten Absolutismus" österreichischer Prägung sollte der klerikale Charakter der Universität in den Hintergrund treten, um sie zu einer Ausbildungsstätte für Staatsdiener und nützliche Untertanen zu gestalten. 1778 wurden Protestanten zu den akademischen Graden zugelassen, 1782 auch Juden zum medizinischen und juridischen Doktorat. Die universitäre Sondergerichtsbarkeit fand 1783 ihr Ende. Die Studienpläne wurden weitgehend auf die Erfordernisse des Staates ausgerichtet. Wesentliche Impulse erfuhr die Medizinische Fakultät mit der Errichtung neuer Lehrkanzeln (z. B. Botanik/Chemie), durch den damals größten und modernsten Klinikbau der Welt, das Allgemeine Krankenhaus von 1784, sowie durch die Eröffnung eines neuen "Anatomischen Theaters" (1784) im "Theresianischen Aulagebäude". Auch die Juridische Fakultät profitierte durch die Errichtung neuer Lehrkanzeln, während die Theologische und die Philosophische Fakultät eher benachteiligt blieben.

Lit.: Waltraud Heindl, Beamte, Staatsdienst und Universitätsreform. Zur Ausbildung der höheren Bürokratie in Österreich, 1740–1848. In: Das achtzehnte Jahrhundert und Österreich 4 (1987) 35-53. ¾ Johann Wrba SJ, Der Orden der Gesellschaft Jesu im Alten Universitätsviertel von Wien. In: Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien 2 (1985) 47-74.

Gerard van Swieten (1700-1772), 1746.

Eigenhändige Intitulation in die Matrikel der Rheinischen Akademischen Nation mit eingeklebtem Porträt. Der aus Leiden stammende Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia reformierte den Universitätsbetrieb (besonders der Medizinischen Fakultät) im Sinne einer weitgehend staatlichen Einflußnahme und Kontrolle. Er war auch an dem Neubau des "Aulagebäudes" (heute Akademie der Wissenschaften) 1755/56 beteiligt. Als Direktor der k. k. Hofbibliothek übernahm er die Handschriften und Wiegedrucke der alten Wiener Universitätsbibliothek, die 1756 aufgelöst wurde. (Orig.: Archiv der Universität Wien, Cod. NR 5)

 

Maria Theresia empfängt den Rektor der Universität Wien, 1743

Rektorsblatt aus der Hauptmatrikel der Universität Wien. Die Kaiserin förderte die Reform des Unterrichtswesens in Österreich nach Kräften. (Orig. Federzeichnung: Archiv der Universität Wien, Cod. M 9).

 

Die "Neue Aula", das theresianische Aulagebäude mit Sternwarte, 1756.

Das "Theresianische Aulagebäude", welches 1756 der Wiener Universität von Kaiserin Maria Theresia gestiftet wurde, mit Sternwarte. In diesem Gebäude befindet sich seit 1857 die Österreichische Akademie der Wissenschaften; der Aufbau mit der Sternwarte ist nicht vollständig erhalten. (Orig.: Archiv der Universität Wien, Cod. M 11 zu fol. 25)