Universität WienGeschichte der Universität Wien im Überblick

 
Archiv der Universität Wien

 Inhaltsverzeichnis 

DIE UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK

Schon Herzog Rudolf IV. hatte im Stiftbrief vom 12. März 1365 eine "publica libraria" vorgesehen, wo die wertvollen nachgelassenen Bücher der verstorbenen Universitätsmitglieder gesammelt werden sollten. Durch zahlreiche Legate wurde diese Sammlung in der Folge stark vermehrt und zum Grundstock der alten "Libreye", die räumlich mit einem Studentenspital verbunden war. Es gab zudem Bibliotheken an den einzelnen Fakultäten und im Herzogskolleg. Ab dem 17. Jahrhundert ging das Interesse an der alten Bibliothek mit ihren Handschriften und Inkunabeln nach und nach zurück, die moderne Bibliothek im Jesuitenkolleg trat in der Vordergrund. Im Jahr 1756 wurde schließlich die älteste Universitätsbibliothek gänzlich aufgelassen und die Bücher (2787 Bände) der Hofbibliothek – der damals Gerard van Swieten vorstand – einverleibt. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens (1773) wurde aus den Büchersammlungen der fünf niederösterreichischen Kollegien und einer großen Zahl von Dubletten der Hofbibliothek die neue "Akademische Bibliothek" errichtet und am 13. Mai 1777 (dem Geburtstag Maria Theresias) im Gebäude des Akademischen Kollegs eröffnet. Der Anfangsbestand umfaßte rund 45.000 Bücher, der während der josephinischen Klosteraufhebungen bald beträchtlich erweitert werden sollte. Im Gegensatz zu ihren Vorläufern war die neue Bibliothek nun allgemein zugänglich. 1827–29 erhielt sie jenen klassizistischen Anbau (Postgasse 9) an das Akademische Kolleg, in dem sie bis 1884 untergebracht sein sollte. In diesem Jahr erfolgte die Übersiedlung der Hauptbibliothek mit etwa 300.000 Bänden in das neue, von Architekt Heinrich von Ferstel erbaute Hauptgebäude am Ring, wo Magazine für etwa 500.000 Bände bereitstanden. Bei einem Jahreszuwachs von bis zu 30.000 Bänden waren die Raumreserven bald erschöpft. Es mußten immer wieder Erweiterungen der Bücherspeicher erfolgen. Hundert Jahre später umfaßte die Gesamtbibliothek mit Einschluß der Instituts- und Fachbibliotheken mehr als 4.3 Millionen Bände. Heute ist die Wiener Universitätsbibliothek die größte Büchersammlung Österreichs mit den größten Raumsorgen. Neben der Hauptbibliothek, die allein einen Zuwachs von etwa 40.000 Bänden zu bewältigen hat, gehören ihr heute 3 Fakultäts, 32 Fach- und 26 Institutsbibliotheken an.

Lit.: Walter Pongratz, Geschichte der Universitätsbibliothek Wien (Wien-Köln-Graz 1977); Hundert Jahre Universitätsbibliothek Wien im Haus am Ring 1884–1984 (=Biblos-Schriften 126, ed. Ferdinand Baumgartner, Wien 1984); Die Raumnot der Universitätsbibliothek, ed. Ilse Dosoudil (Wien 1997).

Alte Universitätsbibliothek im Akademischen Kolleg, 1829-1884.

Das alte Bibliotheksgebäude im Komplex des Jesuitenkollegs erhielt 1827-29 die bis heute erhaltene klassizistische Fassade. In dem Gebäude waren die Wohnungen des Bibliotheksdirektors und zweier Bediensteter sowie die Leseräume und Magazine untergebracht. 1884 übersiedelte die Bibliothek in das neue Hauptgebäude der Universität am Ring. Seit 1979 ist hier das Archiv der Universität Wien untergebracht. (Orig. Druck: Archiv der Universität Wien)

 

Alter Lesesaal im Akademischen Kolleg, 1884

Die Jesuiten richteten im Akademischen Kolleg eine prunkvolle Bibliothek ein, die nach der Aufhebung des Jesuitenordens, vermehrt um Bücherbestände aufgehobener Klöster, zum Grundbestand der im Jahre 1777 neu eröffneten Universitätsbibliothek wurden. Die seit der Gründung 1365 angewachsene "gemaine puechkamer und libreye" wurde hingegen 1756 der Hofbibliothek einverleibt. Der barocke Lesesaal besitzt ein etwa 250 m2 großes Fresko (Anton Herzog) aus dem Jahre 1734 mit der allegorischen Darstellung der Wissenschaften. Es waren in diesem Saal etwa 45.000 Bände aufgestellt. (Foto: Archiv der Universität Wien)