Universität WienGeschichte der Universität Wien im Überblick

 
Archiv der Universität Wien

 Inhaltsverzeichnis 

ZUR GRÜNDUNGSGESCHICHTE

Der Ausbau Wiens als politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum eines künftigen österreichischen Königreiches stand im Mittelpunkt der hochfliegenden Pläne Herzog Rudolfs IV. Am 12. März 1365 bekräftigte er die Gründungsurkunde für das Wiener Generalstudium mit Promotionsrecht in allen "erlaubten" Wissenschaften, das nach dem Vorbild der Pariser Universität eingerichtet wurde. Die Konfirmation dieser Stiftung erfolgte am 18. Juni 1365 durch Papst Urban V., der jedoch die Zustimmung für die Theologische Fakultät verweigerte. Die Ursache dafür könnte sowohl in einer Intervention Kaiser Karls IV. liegen, der die Konkurrenz für seine Universität in Prag fürchtete, als auch in der noch unzureichenden finanziellen und räumlichen Ausstattung. Erst Herzog Albrecht III. gelang 1384 der Ausbau der Gründung seines Bruders zu einer Volluniversität mit allen vier Fakultäten: Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Artes liberales (freie Künste, später Philosophische Fakultät). Er stiftete einen Gebäudekomplex gegenüber dem Dominikanerkloster für die Unterbringung des Herzogskollegs, einer der Universität eingegliederten Korporation, bestehend aus zwölf Magistern der Artistenfakultät und zwei Doktoren der Theologie. Die heute älteste, dauernd bestehende Universität im deutschsprachigen Raum nahm bald nach ihrer Etablierung einen großen Aufschwung. Im 15. Jahrhundert wies sie die höchsten Studentenzahlen im römisch-deutschen Reich auf. Bis ins 19. Jahrhundert bildeten die Bestimmungen der beiden herzoglichen Stiftbriefe die Grundlage der universitären Selbstverwaltung. Das Pergament mit der Unterschrift Herzog Rudolfs IV. und seiner Brüder vom 12. März 1365 wurde nie außer Kraft gesetzt.

Lit.: Paul Uiblein, Mittelalterliches Studium an der Wiener Artistenfakultät. Kommentar zu den Acta Facultatis Artium universitatis Vindobonensis 1385-1416 (=Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien, Bd. 4, 2. Aufl., Wien 1995).

Gründungsurkunde der Universität Wien

Gründungsurkunde der Universität Wien vom 12. März 1365, lateinische Fassung

Die lateinische Fassung des Stiftbriefs diente zur Vorlage bei der Kurie in Rom. Aussteller der Urkunde und damit Stifter der Universität Wien war der junge Herzog Rudolf IV., der nach dem Vorbild seines Schwiegervaters, Kaiser Karls IV., seine Residenzstadt mit der Gründung eines "studium generale" aufwerten wollte. Das Diplom legt die organisatorischen Strukturen der Universität fest und regelt das Verhältnis der Universitätsangehörigen zur Wiener Stadtgemeinde. Der Papst bestätigte die Gründung, verweigerte jedoch zunächst die Errichtung einer theologischen Fakultät in Wien. (Orig.: Archiv der Universität Wien).

 

Papst Urban V. bestätigt die Stiftung der Universität Wien, 18. Juni 1365

Mit dieser Urkunde erteilte Papst Urban V. die Zustimmung zur Errichtung der Universität in Wien, allerdings ohne Bewilligung einer theologischen Fakultät. Diese Einschränkung betraf fast die Hälfte aller Universitätsgründungen bis 1400. Erst 1384 erfolgte die päpstliche Erlaubnis zur Errichtung der Theologischen Fakultät an der Universität Wien. (Orig.: Archiv der Universiät Wien)