Universität WienGeschichte der Universität Wien im Überblick

 
Archiv der Universität Wien

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DER WIEDERAUFBAU

Am 10. April 1945 erreichten die ersten sowjetischen Soldaten das Wiener Universitätsviertel; drei Tage später war ganz Wien in der Hand der Roten Armee. Das verlassene Universitätsgebäude wurde von sowjetischen Truppen zur Verwendung als Verbandsplatz und Pferdestall requiriert. Doch schon am 11. April begannen die Bemühungen, den Studienbetrieb an der Wiener Universität wieder aufzunehmen. Der Student Kurt Schubert, später Professor für Judaistik, welcher einer katholischen Widerstandsgruppe angehört hatte, trat mit sowjetischen Kommandostellen in Verhandlungen und erreichte die Räumung der Universität am 16. April. Am 25. April wurde der erste Nachkriegsrektor, der Jurist Ludwig Adamovich, gewählt, und am 29. Mai 1945 begann der Vorlesungsbetrieb für das Sommersemester. Damit war die Universität Wien die erste Unterrichtsanstalt, die im vom Nationalsozialismus befreiten Österreich den Betrieb aufnahm. Die Folgen der nationalsozialistischen Herrschaft und des Krieges waren jedoch noch jahrelang spürbar und erforderten höchste Anstrengungen. Ohne den Arbeitseinsatz von Studenten wäre dies nicht möglich gewesen. Lebensmittelmangel, Beseitigung von Bombenschutt, der Rücktransport verlagerter Bücher und Laborgeräte, die Wiederherstellung zerstörter Gebäude und nicht zuletzt die Entnazifizierung des Lehrkörpers mußten bewältigt werden. Von den 1938 Vertriebenen kehrten nur wenige an die Universität zurück; es gab auch kaum Bemühungen, Emigranten nach Wien zurückzuholen. 1951 konnten die Wiederaufbauarbeiten am Hauptgebäude der Wiener Universität abgeschlossen werden.

Lit.: Kurt Schubert, Die Wiedereröffnung der Universität Wien im Mai 1945 (= Wiener Universitätsreden N.F. 1, Wien 1991)

 

Alma Mater Rudolphina im Wiederaufbau

Für den Wiederaufbau der Universität Wien nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs benötigte man Spenden. Diese Postkarte wurde um zwei Schilling verkauft; der Erlös kam als "Baustein-Spende" der Wiederherstellung der Universitätsgebäude zugute. (Foto: Archiv der Universität Wien)

 

Die Rückführung der verlagerten Bücher, 1945/47.

Seit 1943 waren 1.200.000 Bände in neun niederösterreichische Schlösser und in den Keller der Hofburg verlagert worden. Die Rückführungen konnten 1947 abgeschlossen werden. Das Bild zeigt den Direktor der Universitätsbibliothek Johann Gans bei der Rückstellung der Bücher im unbeheizten Magazin (1946). (Foto: Universitätsbibliothek Wien)