Universität WienGeschichte der Universität Wien im Überblick

 
Archiv der Universität Wien

 Inhaltsverzeichnis 

NOBELPREISTRÄGER UND DIE UNIVERSITÄT WIEN

Der Nobelpreis geht auf eine testamentarische Stiftung des schwedischen Industriellen und Erfinders Alfred Nobel (1833–1896) zurück. Gemäß dem Wunsch des Stifters wird der Preis alljährlich jenen verliehen, die als Wissenschaftler (Physik, Chemie und Medizin), Literaten oder Förderer des Weltfriedens der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben. Von allen Wissenschaftspreisen genießt er das höchste Prestige, welches nicht nur den Preisträgern zuteil wird, sondern auch auf die Institute und Hochschulen, mit denen die Geehrten in Verbindung stehen, zurückstrahlt. Nach dem Vorbild der Stiftung Nobels wurde der Nobel-Gedächtnispreis der schwedischen Reichsbank, welcher für Wirtschaftswissenschaften verliehen wird, im Jahre 1969 ins Leben gerufen. Auch diese Ehrung gilt in der Öffentlichkeit inzwischen als "Nobelpreis" wie alle anderen. Die folgende Aufstellung berücksichtigt all jene Preisträger, die zumindest einen Teil ihrer wissenschaftlichen Laufbahn an der Universität Wien zugebracht haben.

 

Robert Bárány, Otologe (1876 Wien - 1936 Uppsala)
Nach seiner Promotion in Wien zum Doktor der Medizin im Jahre 1900 trat er 1903 in die Wiener Ohrenklinik (Vorstand: Adam Politzer) ein, wo er 1909 die Lehrbefugnis als Dozent erlangte. 1917 wurde er Professor für Ohren- Nasen- und Kehlkropfkrankheiten in Uppsala. - 1914 Nobelpreis für Medizin.
Ausführliche Biografie

 

Julius Wagner-Jauregg, Psychiater (1857 Wels - 1940 Wien)
Seine wissenschaftliche Laufbahn begann er als Assistent an der I. Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien (Leidesdorf). Nachdem er 1885 die Dozentur erlangt hatte, lehrte er ab 1889 in Graz, wurde aber schon 1893 wieder als Ordinarius nach Wien berufen. Hier stand er zunächst der Ersten, ab 1902 der Zweiten Psychiatrischen Klinik (bis 1928) vor. Er entdeckte die Malariatherapie zur Behandlung der progressiven Paralyse. - 1927 Nobelpreis für Medizin.
Ausführliche Biografie
Zur kontroversiellen Diskussion um seine Involvierung in den Nationalsozialismus:
Entlastendes Gutachten: Gustav Hofmann/Brigitte Kepplinger/Gerhart Marckhgott/Hartmut Reese: Gutachten zur Frage des Amtes der Oö. Landesregierung,"ob der Namensgeber der Landes-Nervenklinik [Julius Wagner-Jauregg] als historisch belastet angesehen werden muss. 2005"
Kritisches Gutachten: Wolfgang Neugebauer / Peter Schwarz: Nobelpreisträger im Zwielicht. Zur historisch-politischen Beurteilung von Julius Wagner-Jauregg (1857-1940). In: Erinnerungskultur. Jahrbuch des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes 2006. (Lit Verlag) Münster:2006

 

Hans Fischer, Chemiker (1881 Höchst a. M. - München 1945)
Mit seinen Forschungen über Blut- und Blattfarbstoffe und die Synthese des Hämins erwarb er große Verdienste. Weiters gelang ihm die Klärung über die Konstitution des Chlorophylls. Fischer hatte Professuren in Innsbruck (1916-18), Wien (1918-21) und München (1921-45) inne. - 1930 Nobelpreis für Chemie.
Ausführliche Biografie

 

Karl Landsteiner, Immunologe (1868 Wien - 1943 New York)
Nach dem Abschluß des Medizinstudiums in Wien (1891) arbeite er zuerst an der I. Chirurgischen Klinik, wurde dann Assistent am Hygieneinstitut und gelangte 1897 an das Pathologisch-anatomische Institut, wo er bis 1907 blieb. 1901 publizierte er in einer knappen Abhandlung seine Entdeckung der Blutgruppen. Erst 30 Jahre später wurde die Bedeutung seiner Entdeckung voll erkannt. Landsteiner wurde in Wien 1903 Dozent, 1911 a. o. Professor und leitete die Prosektur des Wilhelminenspitals. Er ging 1920 nach Holland und erhielt 1922 eine Berufung an das Rockefeller-Institut in New York. - 1930 Nobelpreis für Medizin.
Ausführliche Biografie

 

Erwin Schrödinger, Physiker (1887 Wien - 1961 Wien)
1911 begann er seine Laufbahn als Assistent Franz Exners in Wien und wurde 1914 Dozent für Theoretische Physik. Ab 1920 bekleidete er Professuren in Jena, Stuttgart, Breslau und Zürich (Einstein-Nachfolge) und folgte 1927 einem Ruf nach Berlin (Max Planck-Nachfolge). 1933 ging er nach Oxford, 1936-1938 lehrte er an der Universität Graz. Während des Krieges wirkte er in Dublin und kehrte schließlich 1956 wieder nach Wien zurück. - 1933 Nobelpreis für Physik.
Ausführliche Biografie
Schrödinger-Ausstellung an der Zentralbibliothek für Physik

 

Viktor Franz Hess, Physiker (1883 Schloß Waldstein - 1964 Mount Vernon U.S.A.)
Nach seinen Studien in Graz arbeitete er ab 1906 bei Franz Exner am Physikalischen Institut in Wien, wurde 1910 Dozent und Assistent am neuen Institut für Radiumforschung. Besonders die Entdeckung der kosmischen Strahlung ist mit seinem Namen verbunden. Hess wurde 1920 nach Graz und 1931 nach Innsbruck berufen. 1937 kehrte er nach Graz zurück, mußte aber 1938 in die Emigration. An der Fordham University (N.Y.) erhielt er eine Professur. - 1936 Nobelpreis für Physik.
Ausführliche Biografie

 

Otto Loewi, Physiologe und Pharmakologe (1873 Frankfurt/Main - 1961 New York)
1905 kam Loewi als Assistent seines Lehrers Hans Horst Meyer nach Wien, wo er 1906 zum a.o. Professor der Pharmakologie ernannt wurde. 1909 folgte er einem Ruf aus Graz und emigrierte 1938 zunächst nach England, erhielt dann eine Professur an der New York Medical School. Der Nachweis, daß die Wirkung der Erregung vegetativer Nerven auf ihre Erfolgsorgane chemisch übertragen wird, war seine große Entdeckung. - 1936 Nobelpreis für Medizin.
Ausführliche Biografie

 

Konrad Lorenz, Biologe (1903 Wien - 1989 Wien)
Der Begründer der Vergleichenden Verhaltensforschung hatte in Wien zunächst Medizin, dann Zoologie studiert und arbeitete als Assistent am II. Anatomischen Institut unter Professor Hochstetter. 1937 wurde er Dozent für Zoologie, 1940 Professor für Vergleichende Psychologie in Königsberg. 1949 begründete er das Institut für Vergleichende Verhaltensforschung in Wien, ab 1961 leitete er das Institut für Verhaltenspsychologie der Max-Planck-Gesellschaft in Seewiesen (Bayern). 1973 kehrte er nach Österreich zurück. - 1973 Nobelpreis für Medizin.
Ausführliche Biografie
Konrad Lorenz und der Nationalsozialismus:
Neue Diskussion um Konrad Lorenz (aus: science.orf.at)

 

Friedrich A. von Hayek, Nationalökonom (1899 Wien - 1992 Freiburg im Breisgau)
Hayek studierte an der Universität Wien und erwarb hier das Doktorat der Rechte (1921) und der Staatswissenschaften (1923). Schon früh publizierte er wissenschaftliche Arbeiten, in denen er die Grundlagen seiner Konjunkturtheorie entwickelte, für die er später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Von 1929 bis 1932 lehrte er als Privatdozent an der Universität Wien. Weitere Stationen seiner Laufbahn waren die London School of Economics (1938 britische Staatsbürgerschaft), die Universitäten Chicago (1950) und Freiburg im Breisgau (1962); nach seiner Emeritierung wirkte er als Gastprofessor in Salzburg. - 1974 Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.
Ausführliche Biografie