Grundprinzipien der Rhythmik

Viele Prinzipien und Grundbegriffe, welche Musikethnologen für die afrikanische Musik ausgearbeitet haben, sind auch für die Erklärung der Malinke - Rhythmen anwendbar.

Einige Grundbegriffe:

Polyrhythmik und Polymetrik:

Entscheidend ist auch bei der Malinkemusik z.B., "daß sich in afrikanischer Musik immer mindestens zwei Rhythmen gleichzeitig entwickeln." (Chernoff, 1994, S.64)

Die meisten Trommelstücke bestehen aus mindestens zwei, präzise miteinander verzahnten Pattern (Muster) Das ergibt ein dichtes Gewebe, ohne daß sich die verschiedenen Pattern an einem Punkt treffen. Solche Rhythmen kann man nur spielen, wenn man jedem Spieler sein eigenes Metrum zuerkennt. Häufig spielt ein Spieler einen Dreier - Rhythmus und der zweite Spieler einen Vierer dazu, die dann nach zwölf Schlägen ihren gemeinsamen Zyklus wieder beginnen. Oft sind die gespielten Einzelrhythmen gar nicht kompliziert, nur die Zusammensetzung ergibt die Komplexität (so sind es meist Zweier-, Dreier- und Vierermetren und nicht, wie oft angenommen, 7/4 oder 5/4, die man nur schwer tanzen könnte).

Für solche kontrastierende, gegeneinander gesetzte rhythmische Muster wurden in der Musikethnologie einige unterschiedliche Begriffe wie "Polyrhythmen", "Kreuzrhythmen" oder "Korrelationsrhythmen" (Volker Schütz) verwendet.

Die Musiker können ihren Einsatz nicht durch das Zählen eines Taktes finden, sondern nur in Beziehung zu den anderen Instrumenten. Die Fähigkeit dieses Einsetzens in das kreuzrhythmische Gewebe hat Robert F. Thompson als "getrenntes Spielen" bezeichnet. Die einzelnen Parts werden einzeln gedacht.

Es scheint, daß solche Rhythmen keinen gemeinsamen Hauptschlag (Beat) besitzen. Das es einen solchen aber gibt, beweist alleine die Tatsache, daß die Musik tanzbar ist. Und bei der näheren Analyse der Tanzschritte erkennt man auch, daß die Schritte meist auf den Hauptschlag fallen.

Da sich die Trommeln in ihrer "Tonhöhe" unterscheiden, oder mit der Djembe mehrere "Tonhöhen" erzeugt werden könne, entstehen beim Spiel nicht nur rhythmische, sondern auch "melodische" Gestalten.

Wenn man jetzt einmal von Polyrhythmen und Kreuzrhythmen absieht und die einzelnen Parts betrachtet, kann man erkennen, daß auch hier der Hauptschlag oder Beat selten geschlagen wird. Er wird meistens geschickt umspielt oder der Akzent wird auf den Nebenschlag (off-beat) gesetzt. Die Fähigkeit, den Hauptschlag zu hören, hat Richard Watermann den "Metronomsinn" genannt (Waterman, 1948).

Ein weiterer wichtiger Faktor in der Malinke-Musik bildet die Wiederholung. Diese Form des Gesprächs zwischen den Musikern (z.B. Der Wechsel zwischen Solo und Chor) wird allgemein als "Frage-und-Antwort" ("call-and-response") bezeichnet. "Wenn also rhythmische Vielfalt die afrikanische Alternative zur harmonischen Komplexität ist, dann ist die Wiederholung rhythmischer Antwortphrasen das afrikanische Pendant zur Entwicklung einer Melodie" (Chernoff, 1994, S. 78 ff). Auch wenn es in der abendländischen Musik Solophrasen gibt, so erkennt man auch hier einen großen Unterschied. Der westliche Musiker beginnt sein Solo auf der "Eins", dem Hauptschlag. In der afrikanischen Musik ist es umgekehrt. Der Solist bringt sein Spiel nicht mit dem ersten sondern mit dem letzten Schlag in Übereinstimmung, mit dem Schwerpunkt, auf dem der Chor wieder seinen Einsatz hat. Dadurch entsteht auch eine große Dynamik.

Der Solist hat natürlich die Freiheit, das vorgegebene "Fragespiel" bei seiner Antwort zu variieren, er darf jedoch bei seiner Improvisation nicht zu stark abweichen, da er sonst die Wirkung des rhythmischen Schwerpunkts zerstören könnte.

Diese rhythmischen Grundprinzipien, die auf große Teile der afrikanischen Musiklandschaft passen, können anhand der Malinke-Trommelmusik konkreter beschrieben werden.

In den letzten Jahren wurden einige unterschiedliche Notationssysteme entwickelt. Die folgende Form erscheint uns sehr übersichtlich:

Baßtrommeln:  
  • Glockenschläge
 
  • Offene Schläge
 
  • Abgestoppte Schläge
 
Djembe:  
  • Bass
 
  • Open
 
  • Slap
 

Erklärung der einzelnen Parts der Trommeln anhand des Rhythmus Soli:

Die Baßtrommelspieler spielen auf den Glocken zyklisch wiederkehrende Pattern (genauer time line Pattern):

Auf den Trommeln werden eine bestimmte Auswahl der Glockenschläge gespielt:

Das polyrhythmische Zusammenwirken der drei Bässe ergibt eine sog. melorhythmische Struktur, wobei die einzelnen Trommelpattern nicht mehr isoliert hörbar sind, sondern nur mehr als Melodie, die sich aus dem Zusammenwirken aller Trommeln ergibt:

Zu dieser "Grundmelodie" spielen ein- bis zwei Djembes eine einfache Basis dazu.

Sehr häufig ist die zweite Basis nur eine Verschiebung der Ersten in den Off-Beat

Auf dieses Hörbild aufbauend spielt der Djembesolist seine Solophrasen (ein oder mehrere Pattern). Er hält sich hier oft an vorgegebene Muster, teilweise improvisiert er aber ziemlich frei (Besonderheiten der afrikanischen Solostruktur wurden bereits oben erwähnt).

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