Aktionstag! Lernfabriken Meutern! 17. Juni 2015

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„Es beginnt… Meuterei auf der Uni Wien

Von wegen 650-Jahre-Selbstbeweihräucherung – (Nicht nur) Auf der Uni Wien liegt seit geraumer Zeit einiges im Argen! Gegen Überlastung, Prekarisierung und die undemokratische Verwaltung des Uni-Elends, rotten wir uns zusammen und machen wir den Betrieb in der Lernfabrik unsicher! Setzen wir mitten im Juni-Stress der Vereinzelung die Perspektive der Organisierung und der kollektiven Unruhe entgegen!

https://nawi.at/~lernfabriken-meutern/


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Meutern gegen Prüfungsstress und Prekarität!

Studieren macht krank. Tausend Prüfungen gleichzeitig – zum Ende des Semesters hin, zunehmend kein Leben mehr. Dazu kommt: Midterm-Tests, im Hudeln vorbereitete Referate, dahingefetzte „Reflexionen“, verpflichtende Hausübungen, sinnlose Anwesenheitspflichten in uninteressanten Pflichtseminaren. Statt Ferien: Seminararbeiten, Prüfungsvorbereitung, Praktikum. Arbeit und Lernerei fressen die Lebenszeit auf. Müssen wir uns das gefallen lassen?

Kontinuierlich wurde der Druck erhöht: Zulassungsverfahren, die schon prüfen, bevor es überhaupt begonnen hat. STEOP-Prüfungen, die über Lebensverläufe entscheiden sollen und Studienzeiten verzögern. Knock-Out-Prüfungen und Voraussetzungsketten drohen, das Ganze noch länger zu machen, als geplant. Studienpläne laufen aus. Beihilfen laufen aus. Studiengebühren werden fällig. Univis macht keine Ausnahmen.

Das Lernen entleert sich: Tausend Themen anreißen, aber keines wirklich gescheit durchmachen. Powerpoint-Folien überfliegen, anstatt Texte lesen. Unverstandenen Lernstoff just-in-time in großen Mengen reinstopfen, für die prüfungstaugliche Wiedergabe. Referate als geistig abwesendes Herunterbeten, was vorgegeben wurde. Interesse, Vertiefung und Kritik sind hier und da vielleicht erwünscht, tatsächlich aber ein Luxus. Das Studium ist als Vollzeitarbeit organisiert, aufs Nötigste komprimiert. Doch nicht genug: anstatt flächendeckender Existenzsicherung gibt’s schlecht bezahlte „Studijobs“, die auch noch in den Wochenplan müssen. Immer wieder bleibt für LVs, die einem/r wichtig wären, dann keine Zeit.

So sehr Wirtschaft und Staat zunehmend auf Arbeitskräfte mit Uniabschluss angewiesen sind, umso niedriger müssen die Kosten dafür sein. Anstatt für Ausfinanzierung und erträgliche Lern- und Arbeitsverhältnisse an den Hochschulen zu sorgen, wird das Bild der faulen und sowieso privilegierten Student_in herumgeschwenkt, um noch mehr Kosten zu senken und uns über gesteigerte Konkurrenz und „finanziellen Anreizen“ zu noch mehr Produktivität anzuhalten. Dann fordern Rektoren, Minister, Industrielle sowie diverse ÖH-Fraktionen die Bestrafung von „inaktiven“ Studierenden, die Verschärfung der STEOP, die Ausweitung von Zugangsbeschränkungen oder höhere Studiengebühren. Dass diese Maßnahmen irgendwas an unserem Studium verbessern würden, lassen wir uns schon längst nicht mehr erzählen!

Die Idee vom Studieren als Privileg und von der Studienzeit als Phase der „Freiheit“ diszipliniert uns, wenn sie in unserem Kopf weiterwirkt, obwohl die Realität schon längst anders aussieht. Jede zusätzliche Belastung wird dann hingenommen, unbezahlte Praktikumsarbeit zu einer Selbstverständlichkeit, Freizeit schwer zu genießen. Tatsächlich sind aber große Teile der Studierenden mit finanzieller Not konfrontiert. Versagensangst und Überlastung schlagen sich in der Verbreitung von Nerven- und psychischen Erkrankungen wie Panik, Depression und Sucht nieder. Das gemütliche Leben neben Selbstverwirklichung in (Doppel-)Studien wird auch unter Studierenden zur Klassenfrage, wenn bei der Studiendauer das Geldbörsel der Eltern zählt und es bei der anschließenden Arbeitssuche um die „richtigen“ Beziehungen geht. Rundherum, ein Meer prekärer Arbeitsverhältnisse.

Vereinzelter Leidensdruck muss in kollektive Unruhe umschlagen! Es nützt nichts, auf wohlgesonnene Regierungen oder kompetente Vertreter_innen zu warten! Helfen können wir uns nur selbst, indem wir die Individualisierung durchbrechen und uns organisieren. Steigern wir die Kosten! Was es braucht, sind Aufstände in den Lernfabriken. Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg blockieren, Handlungsspielräume (zurück-)gewinnen und die Diskussion verbreiten: Welche Hochschulbildung in welcher Gesellschaft? Am 17. Juni wollen wir diese Perspektive eröffnen. Gemma meutern!“