Nein zu den geplanten Zugangsbeschränkungen – unsere Stellungnahme

Wie bereits vor einigen Wochen bekannt geworden ist, wird auf Weisung des Rektorats für alle sozialwissenschaftlichen Bachelorstudien ein Aufnahmeverfahren eingeführt, das aus zwei Schritten besteht: Ein Online-Self-Assessment im Frühjahr zu (Selbst-)Einschätzung des Studieninteresses und eine Aufnahmeprüfung, durch die eine vorab fixierte Maximalzahl (z.B. bei der Soziologie zwischen 400-600 Personen) für die Zulassung zum Bachelorstudium ausgewählt werden soll. Diese Prüfung wird ausschließlich im Sommer angeboten werden.

Wir als Studienvertretung | BaGru Soziologie lehnen die Einführung einer Aufnahmeprüfung für den Bachelor Soziologie, aus folgenden Gründen ab:

Fairer Zugang zu Hochschulbildung wird weiter erschwert

– Keine fairen Zugangsbedingungen: Wer mehr Geld hat, kann sich zusätzliche Prüfungsvorbereitungen und die Prüfungsgebühr von 50€ eher leisten. Wer für den Lebensunterhalt arbeiten oder zu Hause Pflegeaufgaben übernehmen muss, hat weniger Zeit für die Vorbereitung. Das widerspricht dem Grundsatz freier, allgemeiner Bildung.

– Selbst die bloße Existenz von Aufnahmeverfahren schreckt ab – vor allem Studierende mit sozioökonomischen Nachteilen und/oder aus nicht-akademischem Elternhaus.

– Der Aufnahmetest soll nur einmal jährlich im Sommer stattfinden. Wer im Sommersemester beginnen möchte. müsste den Test bereits einen Sommer vorher absolvieren.

 

Verschärfte Konkurrenz und Exklusion trotz Budgetwachstums

– Das Budget der Uni Wien wird aufgestockt, trotzdem werden Studienplätze gekürzt – in diesem Fall sogar als Bedingung für mehr Budget. Warum wird das Mehr an Geld künftig für weniger Studierende eingesetzt?

– Ein Grund dieser Pläne ist die Befürchtung, dass die, die in anderen Studiengängen nicht aufgenommen wurden, auf die Sozialwissenschaften ausweichen. Dieses Problem ist durch zuvor eingeführte Aufnahmeprüfungen also hausgemacht und wird nur weiter verschoben!

– Nicht das eigentliche Abschneiden, sondern der Vergleich mit anderen Bewerber_innen entscheidet, wer studieren darf. Das heißt: bei großem Andrang werden Personen auf Grund einer willkürlichen Studienplatzbegrenzung vom Studium abgehalten, auch dann, wenn sie eine sehr gute Aufnahmeprüfung geschrieben haben.

 

Fundierte Orientierung und Bildung sind wichtiger als erzwungene Effizienz

– Das Online Self-Assesment ist zu früh angesetzt – Studieninteressierte müssen sich teilweise schon während der Matura für ein Studiengang entscheiden.

– Durch Aufnahmeverfahren wird der Studienfachwechsel schwieriger. Wir kritisieren die Versuche, junge Menschen den Wechsel zu erschweren und sie zum schnellen Studienabschluss zu drängen. Es muss möglich sein, das Studienfach gründlich kennenzulernen und auch gegebenenfalls ohne Abschluss zu wechseln. Studienwege mit Umbrüchen gehören genauso wie gradlinige Studienverläufe zu einem Hochschulsystem, in dem kompetente und von ihrem Fach überzeugte Absolvent_innen entstehen.

 

Exklusion der Studienvertreter*innen vom Entscheidungsprozess

Die Studienvertretungen hatten kein Mitspracherecht bei der Einführung der Aufnahmeverfahren. Dies widerspricht den Empfehlungen der EU-Kommission, alle Ebenen einer Universität – besonders die Studierenden – in Entscheidungsprozesse einzubinden.

 

Unsere Forderungen sind deshalb:

  • Das Rektorat muss seine Entscheidung revidieren und dafür sorgen, dass die in Vorbereitung befindlichen Aufnahmeverfahren nicht angewendet werden.
  • Bildungschancen dürfen nicht vom Einkommen abhängen: Sowohl Gebühren für Aufnahmeprüfungen als auch für das Studium selbst abschaffen oder zumindest für Studierende mit geringem Einkommen vollständig erlassen.
  • Studienvertretungen an den Verhandlungstisch: Keine_r kann die Zugangs- und Studienbedingungen besser beurteilen, als wir Studis selbst.