Unsere ÖH rührt um: Studienrechtverschärfung geht gar nicht! UPDATES FOLGEN am Wochende vom 5.12. :-)

Für Aufregung unter den Studierenden und der der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) sorgt die derzeit geplante Studienrechtverschärfung. Es geht um Zwangsexmatrikulation für nicht prüfungsaktive Studierende, um die Streichung der Cooling-Off-Phase bei nicht bestandener StEOP-Prüfung und um die Streichung der Nachfrist bezüglich der Fortsetzung des Studiums.

Als prüfungsaktiv gelten Studierende, wenn sie je Studienjahr Prüfungen im Ausmaß von mindestens 16 ECTS abgelegt haben. Dies entspricht der Einforderung einer Mindeststudienleistung.

Unter Cooling-Off-Phase versteht man eine Zwei-Semester-Frist, erst nach der man die Studieneingangsphase (StEOP) wiederholen darf.

„Stellen wir uns gemeinsam gegen die geplanten Verschlechterungen! Seid widerständig, wir dürfen uns das gerade in der Krise nicht gefallen lassen!“

Mit diesen Worten appeliert die ÖH an die Studierenden. Eine Möglichkeit sich zu den Studienverhältnissen und den Studienrechtsänderungen zu äußern, besteht in der Teilnahme an unserer Umfrage vom 10. bis zum 15. November, 23:59 Uhr

Die ÖH teilt zu den geplanten Verschlechterungen am 8. November in einer Originalaussendung mit:

„Die ÖH Bundesvertretung positioniert sich … zur Novellierung des Studienrechts … entschieden gegen Mindeststudienleistungen. In diesem Zusammenhang werden auch die negativen Auswirkungen auf Studierende, insbesondere auf die Flexibilität im Studium und die sozialen Auswirkungen einer verpflichtenden Mindeststudienleistung beleuchtet.

„Stattdessen werden qualitätssichernde Maßnahmen, die Verbesserungsmöglichkeiten der strukturellen Rahmenbedingungen und unterstützende Angebote für Studierende aufzeigen sollen, sowie notwendige Maßnahmen zur sozialen Absicherung der Studierenden … gefordert.“

Um was geht es genauer?

In einem Mail an die Studierenden vom 29.10.2020 berichtet die ÖH von besorgniserregenden Entwicklungen:

„Das Universitätsgesetz (UG 2002) definiert den rechtlichen Rahmen an den Unis; unter anderem auch das Studienrecht. Seit einigen Monaten verhandeln die ÖH Bundesvertretung, die Universitätenkonferenz (UniKo) und das Wissenschaftsministerium über Neuerungen im Studienrecht. …

… einige der befürchteten Verschlechterungen des Studienrechts [sollen] tatsächlich umgesetzt werden. Allen voran die

  • verpflichtende Prüfungsaktivität für neu inskribierte Studien; also die Exmatrikulation bei weniger als 16 ECTS Mindeststudienleistung (pro Studium) pro Jahr.
  • Zudem sollen Studierende, die die STEOP nicht bestehen nicht mehr – wie aktuell – für zwei Semester vom Studium ausgeschlossen werden, sondern auf Lebenszeit [1] [2].

Diese Maßnahmen sind für alle, aber besonders für berufstätige Studierende, Studierende mit Betreuungspflichten oder Doppelstudium und auch Studienanfänger_innen eine unhaltbare Zumutung. Weiters soll die Nachfrist für die Meldung der Fortsetzung des Studiums gestrichen werden und die Rektorate noch mehr Macht bekommen.

… Statt alle Studierenden in Österreich (mindestens in der Krise!) finanziell abzusichern und möglichst barrierearmes Studieren zu ermöglichen, werden Studierende ihrer Lernfreiheit und Flexibilität beraubt und zusätzlich unter Druck gesetzt.

Die Entwicklung hin zu einer vermeintlich effizienteren (aber keinesfalls besseren) Universität zeichnet sich schon seit Jahren ab, zuletzt so deutlich geworden wie aktuell ist das wohl während des Bologna-Prozesses. …“

  Chronologie der besorgniserregenden Entwicklung

9.11.2020 Ein Standard-Artikel und ein Presse-Artikel greifen die OTS-Meldung der ÖH vom Vortag auf.

8.11.2020 OTS-Meldung der ÖH zu gefassten Beschlüssen der ÖH-Bundesvertretung auf der Sitzung am 23.10.2020.

29.10.2020 Standard-Artikel: Neues Studienrecht: Faßmanns Ministerium drängt auf Pflicht zu zügigem Studium – Intern wird im Faßmann-Ministerium diskutiert, dass innerhalb von drei Jahren 90 ECTS nachzuweisen seien. Das entspräche 30 ECTS je Jahr, nicht 16. Im Regierungsprogramm ist von einem „leistungsbezogenen Studienrecht“ und von einem „verbindlichen Studium“ die Rede. Über das Bekanntwerden eines entsprechenden internen Papers ist man verärgert: die Notiz sei für ein Gespräch mit Stakeholdern gedacht gewesen, nicht für die Öffentlichkeit. Auch zum Verbot von Mehrfachstudien – das vom Tisch sein dürfte – gesellt sich eine Variante: nur sehr fachähnliche Studien dürften, geht es nach dem Willen des Ministers, künftig nicht mehr parallel studiert werden.
Theo Anders, der diesen Standardartikel verfasste, berichtet abschließend über
“ weitere Eckpunkte, die Faßmanns Ressort vorschweben:
– Ein kombiniertes Master-und Doktoratsstudium nach Vorbild des Institute of Science and Technology (IST) soll eingeführt werden.
– Eine „Strafbestimmung zu Ghostwriting“
– Die Verjährung von Plagiaten
– Bei der Wiederwahl von RektorInnen soll der Senat künftig nicht mehr mitstimmen dürfen, es reicht demnach eine Zweidrittelmehrheit im Universitätsrat. Der Senat würde künftig nur mehr „angehört“.
– Eine „Neufassung der allgemeinen Universitätsreife“ “

28.10.2020 ORF-Beitrag: Studienrecht: Kritik von SPÖ und Studentenvertretern

27.10.2020 APA-Meldung: Studienrecht: Studenten sollen Mindestleistung erbringen müssen

22.10.2020 Standard-Artikel: Universität und Geld: Uniko-Chefin: „Studieren nur um des Studierens willen geht nicht“ . Interview mit der derzeitigen Vorsitzenden der Österreichischen Universitätenkonferenz (UNIKO).

Wer mehr zur UNIKO erfahren möchte, lese die Presseaussendungen dieser Einrichtung und den geschichtlichen Abriss (PDF) zur UNIKO, vormals Österreichische Rektorenkonferenz genannt.

19.10.2020 Standard-Artikel: Studienrecht: Frage der Mindestleistung im Studium für Grüne noch offen – Ideen der Wissenschaftssprecherin der Grünen, Eva Blimlinger.

5.3.2020 Standard-Artikel: Eva Blimlinger: „Bulimielernen ist deppert“ – Die Wissenschaftssprecherin der Grünen und die damalige ÖH-Vorsitzende Adrijana Novaković im Interview zu Berufsaussichten, Studiengebühren, Kürzungen von Prüfungen, zu Prüfungsinhalten, zu Mehrfachstudien und überhaupt: dass sich Uni-Reformen unsinnigerweise an der Zahl der inskribierten Studierenden und an der Zahl Prüfungswiederholungen orientieren. Gefordert wird, dass das Studienrecht mit Blick auf die Lebensumstände Studierender das Studieren erleichtern und nicht formale Hürden errichtet.

3.3.2020 ORF-Beitrag: Novelle: Universitäten bekommen neues Studienrecht

Informationen zur Situation der Studierenden

7.10.2020 ORF-Beitrag: Jeder sechste Unistudent belegt mehr als ein Studium – Die Inskription mehrere Studienrichtungen nimmt seit vielen Jahren ab. Gut vier Fünftel studieren ein Fach, ein Siebentel zwei Fächer, jeder fünzigste Studierende drei Fächer. Nur jeder 200. Studierende studiert mehr als drei Fächer.

24.6.2020 ORF-Beitrag: Studium für die Hälfte schlecht studierbar – das liegt an den Strukturen. „Mit der „strukturellen Studierbarkeit“ eines Studiums“, so der  ORF, „sind jene Aspekte gemeint, die im Gestaltungsbereich der Hochschulen liegen – etwa die Vermeidung von Hürden im System durch Verzögerungen von Anrechnungen, Überschneidungen von Lehrveranstaltungen, die Prüfungsdichte und Planbarkeit des Studiums (z.B. rechtzeitige Bekanntgabe von Terminen), aber auch der Studienplan.“ Erwerbstätigkeit und finanzielle Schwierigkeiten machen das Studieren nicht einfacher.

8.5.2020 ORF-Beitrag: Hälfte aller Studien wird abgebrochen – Die seit Jahren angestrebte höhere „Verbindlichkeit im Studium“ und Maßnahmen zur Steigerung der Prüfungsaktivität  haben bislang nichts gebracht: Ursachenforschung ist angezeigt. Politiker*innen fordern aufzuklären, woran das liegt.

Aus der Forschung gibt es zur Situation der Studierenden die Studierenden-Sozialerhebung mit sehr aufschlussreichen Ergebnissen. Die Erhebungen werden in etwa alle drei Jahre durchgeführt. Die wissenschaftliche Leitung liegt seit vielen Jahren in den erfahrenen Händen von Mag. Martin Unger.  Ein Blick hinein lohnt sich!

Speziell mit der Lernsituation für Studierende unter Corona-Bedingungen beschäftigt sich ein Forschungsteam der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien; hier findet Ihr mehr dazu, hier geht es zu den Ergebnissen der Studie.