Frischauf-Pappenheim Marie, Ps. Maria Heim
Ärztin und Schriftstellerin

Geb. Preßburg, Ungarn, 4.11.1882
Gest. Wien, 24.7. 1966

Emigrationspfad: 1934 F 1940 MEX 1947 A/Wien

Herkunft, Verwandtschaften:
Vater Max P., Volksschullehrer, Mutter Regina Sprecher;
zweites Kind, 1 Bruder Dr. Martin P., geboren genau am selben Tag des Jahres 1878 (-23.11.1943).
1 Sohn Dr. Johannes F. (* 8.5.1919), Univ. Prof. Wien.

LebenspartnerInnen, Kinder:
17.10.1918 verheiratet mit dem aus der russischen Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Dr. Hermann F. (1879-1942), Jugendpsychiater in Wien, Scheidung auf Wunsch M.s, um die Familie nicht zu gefährden;
er wird trotzdem in das KZ Buchenwald deportiert (1938-40) KZ Buchenwald und stirbt an den Folgen der KZ-Haft.

Freundschaften:
Im Sommer 1909 Treffen mit Alban Berg, Anton Webern, Erwin Stein und Arnold Schönberg.
Die Freundschaft mit Arnold Schönberg motivierte sie zur Verfassung eines Librettos für sein opus 17 "Erwartung", sein erstes Bühnenwerk, ein Monodrama, das nach der Komposition (August 1909) 25 Jahre lang auf die Uraufführung warten musste.
Schönberg malte auch ein Porträt von ihr.
In Mexiko Freundschaft mit dem Komponisten Marcel Rubin und dessen Frau Hilda.

Ausbildung:
1885 übersiedelte die Familie nach Wien.
1903 Matura am Maximiliangymnasium in Wien,
Studium der Medizin an der Universität Wien gegen den Willen der Eltern, Promotion 16.6.1909.
Im März 1912 erstmals als Gast in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, 1917 psychiatrische Gutachterin im Prozess von Gavrilo Princip, dem Attentäter auf Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo.
Privatpraxis in Wien,
1928 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung,
1932 (1934 Fallend) Emigration nach Palästina,
Univ. Prof. Psychiatrie und Neurologie;

Laufbahn:
Dr. med., 1918-34 Fachärztin für Dermatologie in Wien.
Bereits während des Studiums schriftstellerische Tätigkeit, Mitarbeit bei „Die Fackel".
Nach der russischen Oktoberrevolution 1917 Mitglied der neugegründeten Kommunistischen Partei Österreichs;
Hautärztin mit Praxis und Wohnung in der Rathausstraße 11 im 1. Wiener Gemeindebezirk, kultureller und politischer Treffpunkt.
Im Dezember 1928 gemeinsam mit Wilhelm Reich Gründung der „Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung"; Errichtung von sechs „proletarischen Sexualberatungsstellen" mit kostenloser Beratung.
Ab 1930 (bis 1938) Leitung des Verlags Grünberg&Co, welcher eine enge Verbindung zur Kommunistischen Jugendinternationale unterhielt.
1933 Mitglied der Exekutive der internationalen Arbeiterhilfe (IAH); .
Führendes Mitglied des „Österreichischen Bundes der Freunde der Sowjetunion" mit Ziel der kulturellen Verbundenheit; Publikation zweier Aufklärungsbroschüren;
vermutlich Zusammenarbeit mit der illegalen KPÖ und Mitarbeit bei der „Roten Hilfe".
1934 nach den Februarkämpfen Mitarbeit bei der illegalen „Sozialistischen Arbeiterhilfe" und
Vorsitzende des Bundes proletarischer Solidarität, der Nachfolgeorganisation der verbotenen "Roten Hilfe";
kurzfristig Haft, anschließend Emigration nach Paris.
In der Folge als kosmetische Ärztin und in der Partei tätig,
nach Anschluss Österreichs Gründung des „Cercle Culturell Autrichien", um durch Vorträge, Lesungen und Konzerte für die Befreiung Österreichs zu wirken und die Identifikation Österreichs mit Deutschland zu verhindern.
1940 Flucht vor deutschem Vormarsch nach Südfrankreich, Internierung im Lager Gurs nahe der Pyrenäen, nach Öffnung des Lagers beim Herannahen der deutschen Truppen 1940 Emigration nach Mexico City.
Als Ärztin tätig, gelegentlich Mitarbeit bei „Freies Deutschland" und vermutlich „Austria Libre", politische Tätigkeit in KPÖ-Parteigruppe in Mexiko und Engagement in zahlreichen Initiativen,
Mitgründerin des deutschsprachigen Exilverlags „El Libro Libre", Engagement im „Heinrich-Heine-Klub" und im Mai 1947 Rückkehr nach Wien;
Mitarbeit bei „Die Stimme der Frau".
Bis 1952 als Dermatologin in der Ambulanz der Wiener Gebietskrankenkassa tätig, fand sie erst dann Gelegenheit, ihre schriftstellerische Tätigkeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Wiederholtes Auftreten als engagierte Kommunistin, z. B. Appell am 3.5.1950 an alle österreichischen Schriftsteller, sich dem Aufruf des österreichischen Friedensrates gegen die Produktion von Atomwaffen anzuschließen.

Werkangaben - ab 1908 Lyrik und Prosa in zahlreichen Zeitschriften:
- Erwartung (Textbuch).1909 vertont von Arnold Schönberg 1917. Wien, Leipzig 1923; Wien: Universal - Edition 1925,1963.
- Gem. m. Annie Reich: Ist Abtreibung schädlich. Wien: Münster 1930 (= Schriften der sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung...Nr.2).
- Gem. m. Annie Reich: Der graue Mann. Roman. Wien: Globus 1949; Wien: Die Buchgemeinde 1949.
- Sie ist immer viel zu gut. In: Volksstimme, 26.2.1950.
- Im Kampf um den Frieden. Österreichische Zeitung, 3.5.1950.
- Gedichte. Wien: Europäischer Verlag 1962.
- Verspätete Ernte zerstreuter Saat. Wien, 1962.

Literatur:
Freies Deutschland, Mexiko, 1941-46., 1975
Blumesberger, Susanne / Doppelhofer, Michael / Mauthe, Gabriele (Bearb.), Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert, Hg. Österr. Nationalbibliothek, 2002, München, Verlag: K. G. Saur.
Bolbecher, Siglinde / Kaiser, Konstantin, Lexikon der österreichischen Exilliteratur., 2000, S. 226-228, Wien, Verlag: Deuticke.
Fallend, Karl, Marie Frischauf-Pappenheim. In: Keintzel, Brigitta; Korotin, Ilse (Hg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben, Werk, Wirkung. 2002, Wien-Köln, Verlag: Böhlau.
Pasteur, Paul, Femmes dans le Mouvement Ouvrier Autrichien 1918-34, 1986, Rouen
Schmid-Bortenschlager, Sigrid; Schnedl-Bubenicek, Hanna, Österreichische Schriftstellerinnen 1880-1938. Eine Bio-Bibliographie., 1982, Stuttgart, Verlag: Akademischer Verlag Hans-Dieter Heinz.
Spiegel,Tilly, Österreicher in der belgischen und französischen Résistance. Monographien zur Zeitgeschichte, 1969, S.10, Wien, Frankfurt, Zürich (Schriftenreihe des DÖW).