Maly Ida Sofia Franziska
Malerin

Geb. Wien, 22.10.1894
Gest. Hartheim/OÖ, vermutlich am 11.2.1941

Religionsbekenntnis: Römisch-katholisch

Zivilstand: Ledig

Kinder:
Tochter Elga Maly (1921-1989), Malerin

Lebensmittelpunkte:
Graz, München, Paris, Wien

Freundschaften:
Martha Newes (1894-1984), Schauspielerin; Tilly Wedekind (1886-1970), Schauspielerin

Herkunft:
Geboren als dritte Tochter des k.k. Obereichmeisters Franz Maly und seiner Frau Sophie. Kindheit und Jugend in einem bürgerlichen, den künstlerischen Interessen der Töchter aufgeschlossenen Umfeld.

Ausbildung:
Um 1910/12 Besuch der Landeskunstschule und Staatsgewerbeschule Graz mit ihrer Schwester Paula Maly (1891-1974); 1914/15 ebenfalls mit Paula Maly Besuch der Kunstgewerbeschule Wien, dort Kurse bei Oskar Strnad und Franz Cizek. Der weitere Ausbildungsweg ist unbekannt.

Laufbahn:
Zwischen Herbst 1916 und Frühjahr 1917 in St. Pölten, Arbeit in einer Fabrik. Von Herbst 1918 bis Anfang 1925 in München, zeitweise Unterkunft bei ihrer Jugendfreundin aus Graz, der Schauspielerin Martha Newes, und deren Mann Hans Carl Müller. Durch Newes Bekanntschaft mit deren Schwester Tilly Wedekind, der Witwe des Dramatikers Frank Wedekind. Gemeldet als „Malerin und Schauspielerin“; Gelegenheitsarbeiten wie Retouchieren von Fotos und Anfertigung von Exlibris, sowie Kopien von Werken in der Alten Pinakothek.

Am 8. Jänner 1921 Geburt der unehelichen Tochter Elga Maly in München. 1923 aufgrund der prekären finanziellen Lage Übergabe Elgas an Pflegeeltern in Graz; Aufenthalte in Berlin und Dresden, dort Kopie des Gemäldes „Leda und der Schwan“ von Rubens in der Gemäldegalerie. Die zwischen 1923 und 1924 entstandenen Porträts weisen eine stilistische Nähe zur Neuen Sachlichkeit auf und belegen Malys Experimentierfreude mit verschiedenen Kunststilen.

1925 mehrmonatiger Aufenthalt in Paris, dort zahlreiche Aktstudien und eine Mappe mit Zeichnungen von Kaffeehausbesuchern. Im Oktober 1925 Rückkehr nach Wien. Dort als „Kunststudierende“ gemeldet, zahlreiche Bleistiftzeichnungen mit fantastischen Motiven, die der Bildwelt von Alfred Kubin verwandt sind. Verschlechterung der finanziellen Situation.

Im Frühjahr 1928 Rückkehr nach Graz zu Paula Maly. Am 1.8.1928 Einlieferung in die „Landes Heil- und Pflegeanstalt Am Feldhof“ in Graz, Diagnose: „Schizophrenie“. Entstehung des Spätwerks, das, ausgehend vom früheren Formenvokabular (Neue Sachlichkeit, Art Deco), eine stilistische Neuorientierung darstellt und von gepanzerten Maschinenmenschen und filigranen Fantasiewesen bevölkert ist. Die bildlichen Darstellungen sind mit Texten verbunden, die, wie durch ein visuelles Codesystem verschlüsselt, über das Leben in der psychiatrischen Anstalt berichten und Kommentare zu Ständestaat und Nationalsozialismus enthalten.

Vermutlich am 11.2.1941 Transport nach Schloss Hartheim bei Linz (Benachrichtigung an die Mutter) und Ermordung in der Gaskammer des Schlosses; im Totenschein vom 20. Februar 1941 Angabe der Todesursache: „Pneumonie“.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Bilder und Dokumente in Privatbesitz und in der Graphischen Sammlung der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz; Arbeiten aus dem Ornamentkurs bei Franz Cizek im Cizek-Nachlaß, Wien Museum; ein Ordner mit biografischen Informationen im Eisenhut-Archiv in der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz.

Ausstellungen:
Outsiders, Hayward Gallery, London, 8. Februar bis 8. April 1979 (als „Anonymous“).
Art Brut Hommagen, Galerie Susanne Zander, Köln, 1991.
Outsider. Die Sammlung Arnulf Rainer, Vestisches Museum Recklinghausen, 18. September bis 6. November 1994.
Austria im Rosennetz, Museum für Angewandte Kunst, Wien, 11. September bis 10. November 1996.
Collectie Arnulf Rainer, Museum de Stadshof, Zwolle, 21. September 1996 bis 16. Februar 1997.
Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1945, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz, 24. März bis 15. August 2001.
Missratene Töchter. Avantgardistinnen der 20er und 30er Jahre im Schatten des Patriarchats, Stadtmuseum Graz, 4. Oktober 2003 bis 29. Februar 2004.
NS-Euthanasie in der Steiermark. Wiedergefundene Lebensgeschichten von Grazer Opfern der Rassenhygiene, Zeitgeschichtelabor/Haus der Wissenschaft, Graz, 9. Oktober 2004 bis 28. Jänner 2005.
Ida Sofia Maly (1894-1941). Watercolors, Drawings and Prints, Austrian Cultural Forum, Embassy of Austria, Washington D.C., 25. Jänner bis 31. März 2005.
Ida Maly (1894-1941) Eine Außenseiterin der Moderne, Hofgalerie, Graz, 22. Juli bis 18. September 2005.
Arnulf Rainer and his Collection of Art Brut, Paris, Maison Rouge, 23. Juni bis 9. Oktober 2005.
Ida Maly alles Gute zum 111. Geburtstag, Schloss Hartheim, KunstFormenHartheim, 24. November 2005 bis 24. Februar 2006.
Oltre la ragione. Le figure, i maestri, le storie dell’arte irregolare, Bergamo, Palazzo della Ragione, 5. Mai bis 6. Juli 2006.
Arnulf Rainer and Outsider Art, Den Haag, Gemeentemuseum, 17. Dezember 2005 bis 12. März 2006.
Arnulf Rainer. Artist and Collector, Gent, Museum Dr. Guislan, 3. Juni bis 3. September 2006.
„Kulturhauptstadt des Führers“. Kunst und Nationalsozialismus in Oberösterreich, Ausstellungskatalog, Linz, Schlossmuseum, 17. September 2008 bis 22. März 2009.

Literatur:
Dichter Claudia, „Die Sammlung Arnulf Rainer“, in: Müller Angela und Schubert Jutta (Hgg.), Weltsichten. Beiträge zur Kunst behinderter Menschen, Berlin, 2001. S. 126-129.
Eisenhut Günter, „Ida Maly“, in: Eisenhut Günter und Weibel Peter (Hgg.), Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1945, Ausstellungskatalog, Graz, 2001, S. 282-295.
Hayward Gallery, Outsiders. An Art without Precedent or Tradition, Ausstellungskatalog, London, 1979, S. 40-41 (als „Anonymous“), Kat. 6-9.
Kirchmayr Birgit, „ ‚Kulturhauptstadt des Führers’? Anmerkungen zu Kunst, Kultur und Nationalsozialismus in Oberösterreich und Linz“, in: „Kulturhauptstadt des Führers“. Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich, Ausstellungskatalog, Weitra, 2008, S. 42 und 43, Abb. 19 und 29.
Holler-Schuster Günther (Hg.), Ida Maly (1894-1941) Eine Außenseiterin der Moderne, Ausstellungskatalog, Graz, 2005.
Lehninger Anna, Die Malerin und Graphikerin Ida Sofia Maly (1894-1941), ungedr. phil. Diplomarbeit, Universität Wien, 2003.
Lehninger Anna, „Die Malerin und Grafikerin Ida Sofia Maly (1894-1941). Eine Grazer Künstlerin als Opfer der NS-‚Euthanasie‘ “, in: Freidl Wolfgang und Sauer Werner (Hgg.), NS-Wissenschaft als Vernichtungsinstrument. Rassenhygiene, Zwangssterilisation, Menschenversuche und NS-Euthanasie in der Steiermark, Wien, 2004, S. 303-333.
Müller Hans Carl, „Die Leda mit dem Schellfisch“, in: Das Schauspiel, Blätter des neuen Schauspielhauses Königsberg i. Pr., Heft 20, 1929/30, S. 198-199.
Rainer Arnulf, Art Brut Hommagen, Galerie Susanne Zander, Köln, 1991, (als „I.F.S. Maly“), S. 8 (Abb.), S. 16 (abb.), S. 22 (Abb.) und S. 24 (Abb.).
Szeemann Harald und Noever Peter (Hgg.), Austria im Rosennetz, Ausstellungskatalog, Wien-New York, 1996, S. 274 und Liste der ausgestellten Werke und Dokumente.
Tosatti Bianca (Hg.), Oltre la ragione. Le figure, i maestri, le storie dell'arte irregolare, Ausstellungskatalog, Mailand, 2006, S. 310-315 (Kat. 243-263) und S. 348-349.
Ulrich Ferdinand (Hg.), Outsider. Die Sammlung Arnulf Rainer, Ausstellungskatalog, Recklinghausen, 1994, S. 4, S. 33, S. 35 (Abb.) und S. 38.

Autorin: Anna Lehninger