Reinitzer Sigrid Fridrun
Bibliothekarin

*1941

Rel. Bek.: Ev. AB

Lebensmittelpunkt: Graz

Verwandtschaft:
S.R. ist das zweite Kind von Dr. Edith und Dr. Gernot Reinitzer, beide Mittelschullehrer. Ihr Bruder Heimo (geb. 1943) ist Universitätsprofessor für Germanistik-Altes Fach in Hamburg, sein Zwillingsbruder Gero Professor für Mathematik und Physik an der American International School in Wien. Ihr Großvater Univ.Prof. Friedrich Reinitzer war Entdecker der Flüssigkeitskristalle.

Ausbildung:
S.R. studierte an der Universität Graz Jus, Germanistik, Geographie und Volkskunde und wurde 1968 zum Dr.phil. promoviert. Daneben nahm sie 1956-1968 an Wettkämpfen im dynamischen Achtkampf teil und erteilte bis zu 40 Wochenstunden Nachhilfeunterricht. 1970-1972 absolvierte sie eine zweijährige chemotechnische Ausbildung mit Diplomabschluss.

Laufbahn:
1968-1970 arbeitete sie als Sekretärin beim Verband der Akademikerinnen Steiermark. Nach der vorübergehenden Leitung von StudentInnenheimen und Arbeiten für Rundfunk und Tageszeitungen wurde sie 1971 an der Universitätsbibliothek Graz angestellt, wo sie sich nach Absolvierung der bibliothekarischen Ausbildung und Dienstprüfung als Leiterin der EDV- und Informationsabteilung (ab 1978) z.B. bei der Gründung der Online-Informationsvermittlungsstelle UBIS und der Entwicklung des Ausleihesystems GRIBS durch alle Probleme dieser Pionierzeit der Bibliotheksautomatisierung durchkämpfte. 1984 wurde sie Stellvertreterin des Bibliotheksdirektors Dr.Franz Kroller und mit 1.9.1989 seine Nachfolgerin. Damit wurde sie auch die erste Frau an der Spitze der zweitgrößten Universitätsbibliothek Österreichsund wurde zur Hofrätin ernannt.

Unter ihrer Leitung erfolgte die Umstellung der Bibliothek auf das Österreichische Bibliothekenverbundsystem BIBOS und auf dessen Nachfolgesystem Aleph sowie die Gründung eines Kompetenzzentrums für Digitalisierung. Sie richtete eine Blindeninformationsstelle und ein Seniorenreferat ein. Ihren besonderen Einsatz erforderte das Großbauprojekt der Fakultät für Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften mit dem Neubau der Fakultätsbibliothek und dem Verbindungstrakt als Erweiterung der Hauptbibliothek sowie die Errichtung der Fachbibliotheken in der Heinrichstraße 36 und in der Merangasse 70 und der Neubau einer Fachbibliothek Medizin im Rahmen des Zentrums für Medizinische Forschung am Grundstück des Landeskrankenhauses. Von 1972-1999 wirkte sie auch als Lektorin am Institut für Analytische Chemie (Einführungin chemische Nachschlagewerke).1988 wurde sie nach langjähriger Mitarbeit zur Präsidentin der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliotheare (VÖB) gewählt - als 2. Frau (die 1. war Dr. Magda Strebl, Generaldirektorin der Österr.Nationalbibliothek). Ein besonderes Anliegen war ihr in dieser Funktion die enge Zusammenarbeit mit den anderen Berufsverbänden und Ausbildungsstellen des Informationswesens.

Auszeichnungen, Mitgliedschaften und Kooperationen:
Mitgliedschaft und Funktionen in der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB), in der International Federation of Library Associations and other Institutes (IFLA), in der ALPS-Adria Research Library Group, in LIBER (Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche) und in der ELAG ( European Library Automation Group) sowie im Verein deutscher Bibliothekare.
Mitherausgeberin der Zeitschriften BIT-Online, der VÖB-Mitteilungen und der deutschen Fachzeitschrift ABI-Technik.
1980 wurde ihr die Dr. Josef-Bick-Ehrenmedaille in Bronze, 2000 jene in Gold verliehen, 1985 die Pro Meritis Medaille der Karl-Franzens-Universität Graz, 1986 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und 2001 die Bürgerschaft der Stadt Graz.

Werke:
Untersuchung der Struktur und Planung des wissenschaftlichen Dokumentations- und Informationswesens in der Bundesrepublik Deutschland. Gaz 1977.
Abstracts- und Indexwerke: Einführung mit praktischen Beispielen. 2. Aufl. Graz 1979 (Bibliograph. Informationen.7).
Bibliotheken bauen und fühen. Eine internationale Festgabe für Franz Kroller zum 60. Geburtstag. Hrsg. S.R., München 1983.
S.R. und Elisabeth Böllmann: Chemie. Wien etc. 1985 (Fachinformationsführer 7, Hrsg. Bundesmin. f. Wiss. u. Forschung).
Über 150 Publikationen in in- und ausländischen Fachzeitschriften und Publikationsreihen über bibliothekstechnische, -organisatorische, bibliographische, Berufsbild- und Ausbildungsfragen.

Quellen:
Jahresberichte der Universitätsbibliothek Graz. Who's Who in Österreich. Zug 1999, S. 1200. Schriftliche und mündliche Auskünfte von S.R.


Autorin der Biografie: Dr. Edith Stumpf-Fischer