Ehrlich Maria Anna, geb. Hueber von Lichtenkirch
Zuckerbäckerin

Geb. Lichtenkirch/Österreich, lebte um 1783
Gest. Wien, (unbekannt)

Laufbahn:
Maria Anna Ehrlich wurde 1774 Witwe, weshalb sie um eine Befugnis für das Kuchen- und Tortenbacken in ihrer Wohnung ansuchte. Wie viele Frauen in ihrer Lage wollte sie dadurch ihre und der Kinder Existenz absichern. 1783, also zirka zehn Jahre später, hatte sie sich bereits fest in diesem Gewerbe etabliert und sich einen guten Ruf aufgrund ihrer phantasievollen und qualitativ hochstehenden Produkte erworben. Allerdings sah sie sich der wachsenden Konkurrenz der Hausierer hilflos gegenüber, da sie ihre Waren nur zu Hause in ihrer Wohnung verkaufen durfte. Um ihre guten Einkünfte auch für die Zukunft zu sichern, suchte sie daher um die Bewilligung zum freien Warenverkauf (inklusive der Erlaubnis zum Hausieren), sowie um ein eigenes Geschäft an. Die Zuckerbäckerzunft aber, die sich bereits durch zwei andere Zuckerbäcker, die mit Sondererlaubnissen in der Inneren Stadt tätig waren, in ihren Rechten geschmälert fühlte, lehnte eine dritte Zuckerbäckerei in diesem Gebiet ab und befand, daß sich Maria Anna Ehrlich trotzdem sehr gut von ihrem Gewerbe ernähren könne. Nachdem auch der Magistrat diesem Vorschlag zustimmte, wurde die handwerkliche Kunst und der Geschäftssinn von Maria Anna Ehrlich der rigiden Zunftherrschaft geopfert. Sie durfte weiterhin nur in ihrer Wohnung backen und verkaufen und konnte ihren Kindern kein gesichertes Gewerbe mit auf ihren Lebensweg geben.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Alte Registratur. Intimationsdekrete vom 27. Jänner 1783.

Literatur:
Kretschmer, Sigrid, Wiener Handwerksfrauen. Wirtschafts- und Lebensformen im 18. Jahrhundert. 2000, Wien

Autorin der Biografie: Sigrid Kretschmer