Fillenkössl Juliane
Fragnerin

Geb. Wien, 1714
Gest. Wien, 1776

LebenspartnerInnen, Kinder:
Gatte Joseph Fillenkössl, Fragner (= Kleinhändler) zum Guten Hirten in der Josephstadt, vier Kinder, allerdings ist nur die älteste Tochter Magdalena, verehelichte Graf, namentlich bekannt. Weiters brachte ihr Mann Joseph einen Sohn namens Anton in die Ehe mit.

Ausbildungen:
keine nachweisbar, da es sich um ein sogenanntes Realgewerbe handelt, das von jedermann erworben und betrieben werden durfte, hat sie sich ihre Berufskenntnisse ausschließlich durch die tägliche Praxis angeeignet.

Laufbahn:
Juliane Fillenkössl wurde 1763 zur Witwe, ihr Mann Joseph erlitt nach längerer Krankheit einen Schlaganfall. Da sie selbst bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht hatte (sie befand sich in ihrem fünfzigsten Lebensjahr), selbst schon seit geraumer Zeit bettlägerig war und mit verschiedenen körperlichen Gebrechen zu kämpfen hatte, suchte sie sofort um die Erlaubnis an, ihr Gewerbe übertragen zu dürfen. Die Niederösterreichische Regierung lehnte dieses Gesuch am 26. März 1763 ab, obwohl sie bereits im fortgeschrittenen Alter war und die Tochter nicht nur bald volljährig, sondern auch heiraten würde – normalerweise ein Grund, Gewerbeübertragungen unbürokratischer abzuwickeln. Doch Juliane Fillenkössl ließ sich nicht abschütteln. 1764 wiederholte sie ihre Bittschrift, allerdings mit Nennung des Namens ihres zukünftigen Schwiegersohnes Johann Georg Michael Kronister. Dieser hatte bereits ihrer Tochter Magdalena Fillenkössl ein ordentliches Eheversprechen gegeben und in die Versorgung der Witwe Juliana Fillenkössl und der drei übrigen Kinder eingewilligt. Auch Franz Klingenberg, der Besitzer des Gebäudes, in dem sich ihre Fragnerei und Wohnung befand, bestätigte die Bettlägrigkeit und Hilfsbedürftigkeit dieser Frau. Diesmal willigte die NÖ Regierung ein, scheinbar aufgrund der neu vorgelegten Versicherungen, da die endgültige Verlobung und ein Attest des Hausbesitzers vorlag.

Juliana Fillenkössl starb am 9. August 1776 in der Josephstadt. In der Verlassenschaftsabhandlung treten einige Besonderheiten auf. Es wird zwar eine Tochter Magdalena genannt, aber keine anderen Kinder. Auch war Magdalena nicht (oder nicht mehr) mit dem Kronister verheiratet, sondern mit einem Fragner namens Peter Graf. Wo der Rest der Familie und Kronister verblieben sind, verraten die Quellen nicht. Sie hinterließ ein recht ansehnliches Vermögen und konnte es sich auch leisten, etliche Gulden für Legate aufzuwenden. Laut Testament vom 15. Juli 1776 stiftete sie 24 Messen sowie 1 Gulden. für die Armenkassa, 1 Gulden für die Normalschule, ebenfalls einen Gulden für das Armenhaus am Alsterbach und 1 fl. für das Waisenhaus. Dem Tischlerjungen Anton Samisch legierte sie 5 Gulden, ebenso Maria Theresia und Elisabeth Samisch, dessen weiblichen Anverwandten, sowie einem Stiefsohn namens Anton Fillenkössl 10 Gulden. Ihre Tochter Magdalena erklärt sie zur Universalerbin. Nach Abzug dieser Stiftungen verblieben Magdalena Graf nur mehr 24 Gulden 32 Kreuzer. Der Wiener Magistrat verzichtete auf die für alle Verlassenschaftsabhandlungen fällige Amtsgebühr von 3 Gulden. Die Legate wurden an die dafür bestimmten Personen bezahlt, wobei Maria Theresia und Elisabeth Samisch sich bar ausbezahlen ließen; Anton Samisch verwendete seines für nötige Kleidung, und auch Anton Fillenkössl hatte die 10 Gulden bar behoben. Nach Zahlung der Taxen wurde Magdalena Graf der Rest der Verlassenschaft zugesprochen. Interessant ist, daß Juliane Fillenkössl den Legaten mehr Vermögenswerte hinterlassen hat als der eigenen Tochter. Allein für die geistlichen Stiftungen hatte sie 100 Gulden ausgegeben, was vermuten läßt, daß sie sehr religiös war. Obwohl auch andere Personen solche Legate in ihren Testamenten festgesetzt haben, sind diese in ihrem Ausmaß bemerkenswert.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Alte Registratur. Intimationsdekrete vom 25. Juni 1763 und 2. April 1764. Wiener Stadt- und Landesarchiv, Alte Ziviljustiz, Verlassenschaftsabhandlung vom 9. August 1776.

Literatur:
Kretschmer, Sigrid, Wiener Handwerksfrauen. Wirtschafts- und Lebensformen im 18. Jahrhundert. 2000, Wien.

Autorin der Biografie: Sigrid Kretschmer