Hoffer Gerda, geb. Pollatschek, Ps. Illy Stefan, Stefan Illy
Schriftstellerin, Übersetzerin, Journalistin und Erwachsenenbildnerin

Geb. Wien, 3. 2. 1921 (andere Qu.: 1922)

Emigrationspfad: 1938 CSR, 39 GB, 78 ISR

Herkunft, Verwandtschaften:
Vater: Stefan Pollatschek (Schriftsteller, 17. 6. 1890 Wien – 17. 11. 1942 im englischen Exil Epson); Mutter: Ilka Lion, Gründerin des ersten Bridgeclubs in Wien. Ihre Vorfahren waren bereits im 17. Jahrhundert in Prag als Ärzte tätig

LebenspartnerInnen, Kinder:
Gatte: Fritz Hoffer (Dr. jur., Rechtsanwalt, war 25 Jahre lang in London als Experte in Fragen des internationalen Erbrechts tätig)

Ausbildungen:
Schulbesuch in Wien, Studium der vergleichenden Religionswissenschaft, 1964 Abschluß

Laufbahn:
G. H. wohnte als Kind in Grinzing. Mit 15 Jahren wurde sie Mitglied der illegalen kommunistischen Jugendbewegung und wurde verhaftet. Später begann sie eine Kosmetikausbildung. Sie flüchtete als Kind jüdischer Eltern, nachdem der Vater anonym gewarnt wurde und in letzter Minute ein Visum für Shanghai bekam, im Juli 1938 nach Prag. Sie erhielt durch das Thomas Mann Committee das Visum für Großbritannien. Am 31. Dezember 1938 kam sie in London an und verdiente sich ihren Lebensunterhalt zunächst als Kindermädchen. Während des Krieges arbeitete sie unter anderem als Schuhverkäuferin und Fabriksarbeiterin. Nach ihrer Heirat begann sie vergleichende Religionsgeschichte zu studieren. Nach dem Abschluß des Studiums, 1964, arbeitete sie als Lehrerin in der Erwachsenenbildung. Nachdem sie zahlreiche Reisen nach Israel unternommen hatte, ließ sie sich 1978, nach dem Tod ihres Mannes, endgültig dort nieder und lebt nun in Israel. 1980 bis 1990 unterrichtete sie an der University Ammamit, einer Volkshochschule. Ihre Werke publiziert sie auf Englisch und Deutsch. Für amerikanische und englische Zeitschriften verfaßt sie lustige Erzählungen. Unter anderem bearbeitete sie ein von ihrem Vater unvollendet gebliebenes Werk "Dr. Ascher und seine Väter" (ersch. im Mandelbaum Verlag, Wien) . In ihrem neuesten Werk (Zeit der Heldinnen. Lebensbilder außergewöhnlicher jüdischer Frauen München: DTV 1999) beschäftigte sie sich mit dem Leben zwölf jüdischer Frauen, denen es gelang, Berufe zu ergreifen, die bis dahin nur von Männern ausgeübt wurden. G. H. hält immer wieder Vorträge, unter anderem in Deutschland.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Literaturhaus/Exilbibliothek, Korrespondenz mit Susanne Blumesberger am 4. 6. 2000.

Werkangaben:
Guilty my Lord Hongkong 1968 (Detektivroman)
Fountains, fireworks and Balloons Hongkong, 1969 (Mitverfasserin)
I did not survive Jerusalem 1981
Ererbt von meinen Vätern. 400 Jahre europäisches Judentum im Spiegel einer Familiengeschichte Köln: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1990 (urspr. unter dem Titel: The Utitzlegacy. A personalized history of Centraleuropean Jewry, 1988)
Nathan Ben Simon und seine Kinder. Eine europäisch-jüdische Familiengeschichte München: DTV 1996
Zeit der Heldinnen. Lebensbilder außergewöhnlicher jüdischer Frauen München: DTV 1999

Beiträge (Auswahl):
Kleider machen Leute In: Mit der Ziehharmonika Nr. 1, 1991, S. 19f; in: Wer war Viktor Matejka, Epelant, 1994
Exil In: Mit der Ziehharmonika Nr. 4, 1995, S. 16

Literatur:
Alternative. Zeitschrift gegen den Zeitgeist Nr. 12., 1999, S. 21f.
Die Presse 1991, 27./28.4.1991
Blumesberger, Susanne / Doppelhofer, Michael / Mauthe, Gabriele (Bearb.), Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert, Hg. Österr. Nationalbibliothek, 2002, München, Verlag: K. G. Saur
Bolbecher, Siglinde / Kaiser, Konstantin, Lexikon der österreichischen Exilliteratur., 2000, S. 314-315, Wien, Verlag: Deuticke
Douer, Alisa, Neuland. Isarelische Künstler österreichischer Herkunft. Israeli Artists of Austrian Origin., 1991, Wien, Verlag: Picus
Wlaschek, Rudolf M., Biographia Judaica Bohemiae. (Veröffentlichung der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund, hg. Johannes Hoffmann, Reihe B Band 52), 1997, Dortmund

Autorin der Biografie: Susanne Blumesberger