Kaltenbrunner, Gerlinde
Extrembergsteigerin

* 13.12.1970

Gerlinde Kaltenbrunner wurde am 13. 12. 1970 in Kirchdorf an der Krems (Oberösterreich) als zweitjüngstes von sechs Geschwistern geboren.
Mutter: Rosa Kaltenbrunner, Schwester: Brigitte Berger; Ehemann: Ralf Dujmovits, Extrembergsteiger, Berführer, Expeditionsveranstalter und Kameramann

Schon früh weckte der Pfarrer ihrer Heimatgemeinde Spital am Pyhrn, Dr. Erich Tischler, welcher mit seiner Jungschargruppe Wanderungen in die umliegenden Berge unternimmt, ihr Interesse am Bergsteigen. Gerlinde besucht die Schihauptschule Windischgarsten, unternimmt mit dreizehn Jahren ihre erste Klettertour am Sturzhahn im Toten Gebirge und verschreibt sich fortan gänzlich dem Bergsport. Zu ihren alpinistischen Aktivitäten zählen neben dem Klettern auch Schi- und Eistouren und sie wird in ihrer Alterklasse eine der besten Schifahrerinnen Österreichs.

Nach dem Schulabschluss absolviert sie eine Ausbildung zur Diplomkrankenschwester in Wien. Danach arbeitet sie neun Jahre lang (bis 2003) in diesem Beruf. Währenddessen qualifiziert sie sich mittels eines harten Konditionstrainings für das Höhenbergsteigen. Ihr Gehalt investiert sie in Touren im Himalayagebiet und im Karakorum. 1994 ersteigt sie ihren ersten Achttausender, den Vorgipfel des Broad Peak in Pakistan. 1998 steht sie auf dem Cho Oyu (Nepal/Tibet), 2000 auf dem Zentralgipfel des Shisha Pangma (Tibet). Ein Jahr später gelingt die Besteigung des Makalu (Nepal). 2002 erreicht sie den Gipfel des Manaslu (Nepal). 2003, nach der Besteigung des Nanga Parbat (Pakistan), dessen Gipfel sie als erste Österreicherin betritt, gibt Gerlinde Kaltenbrunner ihren Beruf als Krankenschwester zugunsten einer Karriere als Profibergsteigerin auf. Im selben Jahr übersiedelt sie zu ihrem Lebensgefährten, dem Extrembergsteiger Ralf Dujmovits, in den Schwarzwald. Er ist zumeist auch ihr Begleiter auf ihren Expeditionen.
Ihre Touren unternimmt sie im Alpinstil, d.h. unter Verzicht auf fix installierte Hochlager, Hochträger, Fixseile und Sauerstoff. Im Mai 2004 besteigt Gerlinde Kaltenbrunner den Annapurna I (Nepal), im Juli den Gasherbrum I (Pakistan. 2005 folgen der Shisha Pangma über die Südwand, die sie als erste Frau durchsteigt, und der Gasherbrum II (Pakistan); die Expedition auf den Mount Everest (Tibet) im selben Jahr musste wegen einer Krankenbergung abgebrochen werden, wobei die gelernte Krankenschwester ihrem Teamkollegen Hirotaka Takeuchi, der unter schweren Symptomen der Höhenkrankheit litt, das Leben rettete.

Ihre nächsten Expeditionen führen sie im Jahr 2006 auf den Kangchendzönga (Nepal) und den Lhotse (Tibet), dessen Besteigung nur etwa 100 m vor dem Gipfel aufgegeben werden muss. Die Expedition auf den Dhaulagiri I (Nepal) im Frühjahr 2007, welche sie gemeinsam mit der tschechischen Alpinistin Lucie Orsulova unternimmt, ist überschattet von Zwischenfällen: Gerlinde Kaltenbrunner muss ihre erkrankte Partnerin ins Basislager zurückbringen. Gemeinsam mit einem spanischen Team wagt sie einen zweiten Aufstiegsversuch, wobei ihre Gruppe aber von einer Lawine verschüttet wird. Während Gerlinde Kaltenbrunner sich aus eigener Kraft befreien kann, kommt für zwei Kollegen jede Hilfe zu spät.

2007 erreicht sie den Hauptgipfel des Broad Peak (Pakistan). Am 1. Mai 2008 glückt gemeinsam mit ihrem Expeditionspartner David Göttler schließlich die Ersteigung des Dhaulagiri I und somit ist sie die erste Frau, welche elf der vierzehn Achttausender zu ihren Gipfelerfolgen zählen darf. Auf das im Extremalpinismus vorherrschende Konkurrenzdenken möchte sie sich freilich nicht einlassen: ihr gelten die spezielle Erlebnisdimension des Höhenbergsteigens und eine bedingungslose Kameradschaftlichkeit mehr als das Anhäufen von Rekorden. Gerlinde Kaltenbrunner berichtet einer interessierten Öffentlichkeit in Multivisionsvorträgen sowie in Form eines Online-Tagebuchs auf ihrer Homepage über ihre Expeditionen.

Expeditionen:
1994: Juni/Juli: Broad Peak, Pakistan (Vorgipfel 8.027 m),
1995: Mai: Muztagh Ata, China (bis 6.600 m),
1997: Oktober: Ama Dablam, Nepal (6.858 m Süd-Westgrat),
1998: April/Mai: Cho Oyu, Nepal/Tibet (8.201 m),
1999: Juni: Alpamayo, Peru (5.947 m, Ferrari-Route),
2000: April/Mai: Shisha Pangma, Tibet (Central Gipfel, 8.008 m),
2001: April/Mai: Makalu, Nepal (8.463 m ),
2002: April/Mai: Manaslu, Nepal (8.163 m ),
2003: April/Mai: Kangchendzönga, Nepal (bis 7.200 m, Nordflanke), Juni: Nanga Parbat, Pakistan (8.125 m, Diamirflanke),
2004: April: Xifeng Peak, Tibet (7.221 m), Mai: Annapurna I, Nepal (8.091 m, Franzosenroute), Juli: Gasherbrum I, Pakistan (8.068 m, Japanercouloir),
2005: Mai: Shisha Pangma, Tibet (8.013 m, Südwand), Mai /Juni: Everest, Tibet (Abbruch wegen Krankenbergung), Juni/Juli: Gasherbrum II, Pakistan (8.035 m, SW-Sporn),
2006: Mai: Kangchendzönga, Nepal (8.587 m, Südseite), Mai: Lhotse (Abbruch in einer Höhe von 8.400 m),
2007: April/Mai: Dhaulagiri I, 8.167 m (bis 7.400 m), Juni/Juli: Broad Peak, Pakistan (Hauptgipfel 8.047 m), Juli/August: K2, Pakistan (8.611 m, über Cesenroute bis auf 8.200 m),
2008: Ma: Dhaulagiri I (8.167 m)
In den Zeiten zwischen den erwähnten Expeditionen unternahm sie verschiedenste Fels-, Eis- und Skitouren in den Ost- und Westalpen.

Literatur, Quellen:
http://www.gerlinde-kaltenbrunner.at http://www.bergnews.com/service/biografien/Kaltenbrunner/kaltenbrunner.php
Rambauske, Thomas: Gerlinde Kaltenbrunner. Frauenpower auf den Bergen der Welt; Interview, Land der Berge 2003;
Koblmüller, Edi: 8000er-Frau aus Oberösterreich, Land der Berge 5/2005) „Glück und Tod sind so nah beieinander“. In: Tagesspiegel, 12.2.2007 (www.tagesspiegel.de);
Meinhart, Edith: Ganz oben bei den Göttern. In: profil 9, 16. Februar 2007 Sebunk, Claudia: „Ich habe überlebt!“ In: Österreich, ? Mai 2007;
"Dieses war der elfte Streich, und der zwölfte folgt sogleich. Gerlinde Kaltenbrunner bezwang den Dhaulagiri". In: Der Standard, 3./4. Mai 2008.

Zitat:
"Bergsteigen sehe ich nicht als Sport wie Schifahren, Laufen oder Leichtathletik an, für mich ist es eine Lebensform. Das ist meine ganz große Leidenschaft und mein Lebensinhalt. Da hat Wettkampf und Konkurrenz überhaupt keinen Platz."
(http://oe1.orf.at/highlights/110970.html)

Filmporträt:
"Bergpassion - Eine Frau ganz oben". Dokumentarfilm, Deutschland, 2006, 77 Min., Buch und Regie: Victor Grandits, Erstsendung: 31. Mai 2007, Produktion: Grandits Film)

Autorin der Biografie: