Katscher Berta, Ps. Ludwig Ungar, Albert Kell(n)er, Ludwig Koelle, Ludmilla Koelli (Koelle)

Erzählerin, Kinderbuchautorin, Übersetzerin und Feuilletonistin

Geb. Trencsin/Oberungarn, Ungarn, 12. 6. 1860 (Trencsén)
Gest. Budapest, Ungarn, 16. 9. 1903 (17.9.)

Herkunft, Verwandtschaften:
Verbrachte ihre Jugend in Ungarn und in der Türkei.

LebenspartnerInnen, Kinder:
1881 verheiratet mit ihrem Cousin, Leopold K., Schriftsteller und Journalist (Tschakowa b. Temesvár (Ciacova/Timisoara), Rumänien, 30. 8. 1853 - Luzern, 25. 2. 1939)

Laufbahn:
Als sie zwei Jahre alt war, starb ihre Mutter. Ihre älteste Schwester übernahm die Erziehung und ging dabei sehr streng mit dem Kind um. Märchen bedeuteten dem kleinen Mädchen später sehr viel. Es erfand selbst welche und erzählte sie ihren Freundinnen. Später kam Berta Katscher zu Pflegeeltern und mußte ihnen, als sie 13 Jahre alt war, in die Herzegowina folgen. Dort war sie zumeist im Haushalt beschäftigt.
Dies änderte sich jedoch nach ihrer Eheschließung, denn ihr Mann wollte eine Schriftstellerin zur Frau haben. Ihre ersten beiden Arbeiten erschienen in der "Frankfurter Zeitung" und der Wiener Zeitschrift "Die Heimat".
Sie unternahm zu dieser Zeit viele Reisen und hielt sich zeitweise auch in London auf. Dies regte sie zu ethnografischen Skizzen an. Diese Beiträge veröffentlichte sie unter anderem in der "Wiener Mode", in der "Münchener Allgemeine", in der "Leipziger Illustrierten", in der "Leipziger Zeitung" und im "Bazar". Später beschäftigte sie sich in ihren Werken mit ernsteren Themen und setzte sich für den Tierschutz und für die Friedensidee ein, schrieb gegen Justizirrtümer und gegen Spiel- und Trunksucht. Berta Katscher begann auch an der Zeitschrift "Die Waffen nieder" von Berta von Suttner mitzuarbeiten. Ihre Friedensbestrebungen flossen auch in ihre Kinder- und Jugendbücher ein.
Nebenbei war sie für bedeutende Zeitschriften als Übersetzerin aus dem Englischen und Ungarischen tätig und verfaßte Kritiken für mehrere literarische Blätter. Zahlreiche Novellen, Humoresken, Feuilletons und Kritiken erschienen unter ihren Pseudonymen. Ihre Arbeiten geben tiefen Einblick in das gesellschaftliche Leben Österreichs um die Jahrhundertwende. Seit ihrer Verheiratung hatte Berta Katscher in London, Berlin, Baden bei Wien und in Wien gewohnt, ab 1897 lebte sie in Budapest.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Katzoom Nominalkatalog 1500-1929

Werkangaben:
Erzählungen (Auswahl):
Aus jungen Tagen. Humoristische Erzählungen. Leipzig: Verlag der Zehnpfennig-Bibliothek 1890.
Mein längster Tag (unter Ludwig Koelle) In: Heitere Liebesgeschichten. Österr-Ungar. Volksbücher Nr. 1 1890
Londoner Nebelbilder (unter Ludwig Koelle) In: Winterbilder aus Weltstädten Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 2
Herzensschläge In: Aus jungen Ehen. Humoristische Erzählungen Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 3 1899
Meine Verirrung In: Aus jungen Ehen. Humoristische Erzählungen Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 3 1899
Die moderne Lucretia, oder: nur ein Kuß (als Ludwig Ungar) In: Aus jungen Ehen. Humoristische Erzählungen Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 3 1890
Die "Schwaben" im Banat In: Deutsches Leben Da und Dort Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 4
Der verlorene Hut In: Aus Bädern und Sommerfrischen Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 5 1890
Er bleibt ein Hagestolz (unter Ludwig Ungar) In: Aus Bädern und Sommerfrischen Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 5 1890
Die Kunst, sich zu kleiden (unter Ludwig Ungar) In: Allerlei schwierige Künste Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 6 1890
Die Kunst, reich zu werden (unter Albert Kellner) In: Allerlei schwierige Künste Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 6 1890
Der versteigerte Rock (Humoreske) In: Reisegeschichten Österr.-Ungar. Volksbücher Nr.8 1890
Wie ich zu einem Gatten kam (unter Albert Kellner) In: Reisegeschichten Österr.-Ungar. Volksbücher Nr.8 1890
Weihnachts-Geschichten (Weiße Rose, Schani, Was dann?, Fritzchens Weih-nachten, Die alte Uhr) In Österr.-Ungar. Volksbücher Nr.10 1890
Hektor (unter Albert Kellner) In: Aprilscherze Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 12
Amor im Schnee In: Lustige Heiratsgeschichten Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 19
In der Löwengrube In: Weibergeschichten Österr.-Ungar. Volksbücher Nr. 22
Irmas Ostersonntage In: Liebesleid Österr. Ungar. Volksbücher Nr. 26
Ein Zwischenfall (unter Ludwig Ungar) In: Liebesleid Österr. Ungar. Volksbücher Nr. 26
Der Steinwurf Heilbronn: Weber 1912 (Bunte Sammlung interessanter Erzählungen 47. Band)
Die Kunst des Plauderns. Wien o. J.
Im Rachen des Todes. Dresden o. J.
Londoner Nebelbilder (London im Nebel) Wien o. J.
Mein längster Tag. Wien o. J.

Fachbeiträge:
Kinderschutz und Kinderarbeit in England. Neuere kleine Beiträge (gemeinsam mit Leopold Katscher) Prag: Calve 1907 (Sammlung gemeinnütziger Vorträge Nr. 350/351)
Zwei Muster-Arbeitgeber (gemeinsam mit Leopold Katscher) Gautzsch bei Leipzig: Felix Dietrich 1908 (Kultur und Fortschritt Nr. 199)

Jugendbücher:
Hermann Vamberys Leben und Reiseabenteuer. Der Jugend erzählt Teschen: Verlag der K.K. Hofbuchhandlung Karl Prochaska 1892
Soldatenkinder. Eine Erzählung für die reife Jugend Stuttgart: Süddeutsches Verlagsinstitut 1897
Die Studentin Berlin: A. Weichert 1900

Romane:
Die Kunst Mensch zu sein. Herzensworte (zusammen mit E.J. Hardy) Leipzig: Wartig 1887
Fremdartige Geschichten Der Wirklichkeit frei nacherzählt Dresden: Pierson 1902
Die Stychovs. Zeitroman aus dem Leben Berlin: E. Hahn 1903
Das große Los 1912
Gebüßt Dresden: Verlag deutscher Buchwerkstätten 1917 (Residenz Bücher Nr. 6)

Theaterstücke:
Die beiden Toten. Lustspiel in 1 Aufzug Leipzig: Lipinski 1914 (Lustige Bühne Nr. 8) 1892

Übersetzungen:
Boyesen: Fidelhans 1890
Donelly: Cäsars Säule 1892
Meadows: Irrenhausroman 1898
Hamer: Willis Geheimnis 1893
Molloy: Die Bettelmaid 1894
Stevenson: Schiffbruch 1898
Hardy: Liebe und Ehe berühmter Männer 1899
Buckley: Gräfin Leszezymia 1900
Hervey: Dartmoor 1901
Buchanan: Deserteur 1901

Literatur:
Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Bd. 8, 1903. Totenliste.
Deutsches Biographisches Archiv. Neue Folge
Kürschners Deutscher Literatur-Kalender., 1879 ff.; hier 1936, Bremen, Berlin u.a.
ÖBL
Blumesberger, Susanne / Doppelhofer, Michael / Mauthe, Gabriele (Bearb.), Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert, Hg. Österr. Nationalbibliothek, 2002, München, Verlag: K. G. Saur
Eisenberg, L., Das geistige Wien. Künstler- und Schriftstellerlexikon. 2 Bde., 1889-93; hier 1893, Bd. 1
Giebisch, H.; Pichler, L.; Vancsa, A. (Hg.):, Kleines österreichisches Literaturlexikon., 1948, Wien
Giebisch, Hans, Gugitz, Gustav (Hg.), Bio-bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart., 1964, Verlag: Brüder Hollinek
Heuer, Renate, Bibliographie Judaica. Verzeichnis jüdischer Autoren deutscher Sprache. Bd. 1
Internationales Institut für Jugendliteratur und Leseforschung (Hg.), Die österreichische Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1999, Wien (CD-ROM)
Jaksch, Friedrich, Lexikon sudetendeutscher Schriftsteller und ihrer Werke für die Jahre 1900-29., 1929
Keckeis, Gustav, Olschak, Christine (Red.):, Lexikon der Frau. 2 Bde., 1953 - 54, Zürich
Nagl, J. W.; Zeidler, J.; Castle, E. (Hg.):, Deutsch-österreichische Literaturgeschichte. 4 Bde., 1899-1937; Bd. 4, S. 1442, Wien
Pataky, Sophie, Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 1.., 1899
Schmid-Bortenschlager, Sigrid; Schnedl-Bubenicek, Hanna, Österreichische Schriftstellerinnen 1880-1938. Eine Bio-Bibliographie, 1982, Stuttgart, Verlag: Akademischer Verlag Hans-Dieter Heinz
Wininger, Salomon, Große Jüdische National-Biographie. 7 Bde., Bd. 3, S. 414, Czernowitz
Wininger, Salomon, Große jüdische National-Biographie. Bd. 3, 1925

Autorin der Biografie: Susanne Blumesberger