Koenig (Pseud.) Alma Johanna, geb. Alma Johanna Freifrau von Ehrenfels, Ps. Johannes Herdan,
Erzählerin und Lyrikerin

Geb. Prag, Böhmen, 18. 8. 1887
Gest. Ghetto Minsk, UdSSR, nach 27. 5.
1942 (verschleppt nach Minsk am 27. 5.1942, ermordet, Todesdatum unbekannt)

Herkunft, Verwandtschaften:
Vater Karl Koenig k.u.k. Hauptmann; Mutter: Susanne Koenig, geb. Herdan 2 Geschwister: Aurelie, Arthur, wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf, stark autoritär geprägte Erziehung. Eltern waren vom jüdischen Glauben zum Katholizismus übergetreten. Sie verbrachte eine einsame Kindheit, versorgt von wechselnden Kindermädchen und in Angst um die herzkranke Mutter und vor dem Vater (gest. 1919), der nur im Kasernenton sprach. Später musste sie die Pflege der Mutter bis zu deren Tod 1913, übernehmen.

LebenspartnerInnen, Kinder:
Heiratete 1921 Bernhard Ehrenfels, Konsul in Algier, 11 Jahre jünger als sie. Die nicht unproblematische Beziehung verarbeitete sie in zahlreichen Werken. Die Ehe wurde 1936 geschieden. 1933/34 wurde der junge Student Jan ihr Partner.

Freundschaften:
Bekanntschaft mit Alfred Grünwald, der sie zum Schreiben anregte, Stefan Zweig, Franz Karl Ginzkey, Jakob Wassermann, Felix Salten; enge Freundschaft mit der Dichterin Helene Lahr, Käthe Braun, Julia Wagner-Jauregg, Emil Lucka; ihr Freund der letzten Jahre: Jan.

Ausbildungen:
Besuchte die Schule des Wiener Frauenerwerbvereins. Laufbahn: A. J. K, begann unter dem Pseudonym Johannes Herdan in Zeitschriften zu publizieren. Der erste Weltkrieg wurde für sie, wie für viele andere Frauen ihrer Generation, zu einer Befreiung von traditionellen Rollenbildern und Verhaltensmustern. 1925 - 30 lebte sie in Algier, wohin sie ihrem Mann dort als Konsul tätigen Mann gefolgt war - dies brachte Material für zahlreiche nordafrikanische Skizzen und Erzählungen.
1930 kehrte sie krank, mittellos und enttäuscht nach Wien zurück, ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich mit Vorträgen über historische Persönlichkeiten. Nach der Machtübernahme Hitlers in Deutschland wurden ihre Werke dort verboten, da sie Jüdin war, und auch in Österreich nicht mehr gedruckt. 1933 - 38 publizierte sie in äußerst bedrängten Verhältnissen in zwei Wiener Tageszeitungen Feuilletons und Erzählungen, machte Buchbesprechungen für den Rundfunk und hielt Lesungen in privaten Zirkeln. Mit dem Anschluß Österreichs 1938 war auch dieses unmöglich. Im Herbst wurde ihr die Gemeindewohnung gekündigt.
Gerade in den Jahren, die sie in immer größer werdender Isolation als "Jüdin" in Wien verbrachte, schrieb sie ihr wichtigstes Prosawerk "Der jugendliche Gott" (1940 - 42). Am 22.Mai 1942 wurde sie abgeholt und fünf Tage später nach Minsk deportiert, seither verschollen.

Ausz., Mitgliedschaften, Kooperationen:
1925 Preis der Stadt Wien für den Wikingerroman "Die Geschichte von Half dem Weibe". Verkehrsflächenbenennung: Alma-König-Weg, 23. Bezirk, seit 1977. Nachlaß, Archive, Quellen: 29 Briefe im Nachlaß von Helene Lahr; Datenbank der Forschungsstelle "Österreichische Literatur im Nationalsozialismus", Universitätsarchiv, Universität Graz, Tagblattarchiv (Personenmappe)

Werkangaben:
Die Windsbraut. Gedichte. Wien: Amalthea 1918. (stark vom Einfluß Rilkes geprägt) Schibes und andere Tiergeschichten. Wien: Strache 1920 (= Die Erzählung); Leipzig: Reclam 1925; Wien: Bergland 1957 (= Neue Dichtung aus Österreich Band 32).
Der heilige Palast. Wien: Speidel 1923; Wien, Leipzig, München: Kola 1923.
Die Lieder der Fausta. Gedichte. Wien: Speidel 1922. Die Geschichte von Half dem Weibe. Roman. Wien: Speidel 1924.
Gudrun. Stolz und Treue. Stuttgart: Franckh 1928; Graz, Wien: Leykam 1951; Wien, München: Jugend und Volk 1964, Berlin: Verlag Neues Leben 1973, Recklinghausen: Bitter 1973. Liebesgedichte. Wien: Speidel 1930.
Leidenschaft in Algier. zunächst als Fortsetzungsroman in der Neuen Freien Presse erschienen, Roman. Wien: Speidel 1932, 1955.
Sonette für Jan. Wien: Luckmann 1946. Der jugendliche Gott. Roman. Berlin, Wien. Roman. Berlin, Wien, Leipzig: Zsolnay 1947; Hamburg, Wien: Zsolnay 1958, Graz, Wien, Köln: Verlag Styria 1980, Berlin: Union-Verlag 1986 Unter dem Titel Nero - der jugendliche Gott. Wien, Hamburg: Zsolnay 1985
Sahara. Nordafrikanische Novellen und Essays. Graz: Leykam 1951 (geschrieben vor 1937). Gute Liebe - böse Liebe. Auswahl. Graz, Wien: Stiasny 1960
Schicksale in Bilderschrift. Historische Miniaturen. Wien: Bergland-Verlag 1967 Vor dem Spiegel. Lyrische Autobiographhie. Graz: Verlag Styria 1978
Gedichte und Erzählungen in "Westermanns Monatsheften"

Literatur:
BLÖF NDB
www.aeiou.at
Autengruber, Peter, Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung. Herkunft. Hintergrundinformation frühere Bezeichnung(en), 1995, Wien, Verlag: Perlen-Reihe
Blumesberger, Susanne / Doppelhofer, Michael / Mauthe, Gabriele (Bearb.), Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert, Hg. Österr. Nationalbibliothek, 2002, München, Verlag: K. G. Saur
Bolbecher, Siglinde / Kaiser, Konstantin, Lexikon der österreichischen Exilliteratur., 2000, S. 384-385, Wien, Verlag: Deuticke
Gürtler, Christa; Sigrid Schmid-Bortenschlager, Erfolg und Verfolgung. Österreichische Schriftstellerinnen 1918-1945, 2002, S. 99-112, Wien, Verlag: Residenz
Kerschbaumer, Marie-Thérese, Der weibliche Name des Widerstandes., 1980, Olten, Freiburg im Breisgau, Verlag: Walter
Rosner, E., Miedzy erosem a caritas., 1987 (Monographie in polnischer Sprache)
Schmid-Bortenschlager, Sigrid; Schnedl-Bubenicek, Hanna, Österreichische Schriftstellerinnen 1880-1938. Eine Bio-Bibliographie., 1982, Stuttgart, Verlag: Akademischer Verlag Hans-Dieter Heinz
Wall, Renate, Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933 bis 1945. 2 Bde., 1995, 1. Bd., S. 182-183, Freiburg i. Br., Verlag: Kore Verlag

Autorin der Biografie: