Lanzer Wanda
Journalistin und Herausgeberin
(Helena Lanzer-Sillèn: "... ich glaube, meine Mutter würde sich wundern über diese Titel")

Geb. Wien, 25. 5. 1896
Gest. Wien, 17. 11. 1980

Emigrationspfad: 1939 S (Obs)

Herkunft, Verwandtschaften:
Wanda Lanzer wurde am 25. 5. 1896 als Wanda Janina Landau in Wien geboren. Ihr Vater war der Rechtsanwalt Max Landau. Der Mädchenname ihrer Mutter, Helene Landau, war Gumplowicz (in späterer Ehe Helene Bauer). Beide Elternteile waren polnische Emigranten, die einander in Wien kennengelernt hatten. Außer der Tochter Wanda hatten die Landaus noch zwei Söhne, Leszek (1897-1923) und Wladyslaw (1906-1933).

LebenspartnerInnen, Kinder:
Verheiratet mit Dr. Felix Lanzer, Jurist bei der Gemeinde Wien, 2 Töchter

Ausbildungen:
Wanda Landau besuchte in Wien die Volks- und Bürgerschule und absolvierte ein Jahr im Mädchenlyzeum. Im Jahre 1911 übersiedelte der Vater mit den drei Kindern nach Lemberg. Dort maturierte Wanda Landau und erteilte anschließend in einem Mädchengymnasium Unterricht in deutscher Spache.
Die Mutter, Helene Landau, trennte sich in dieser Zeit von Wandas Vater und heiratete nach dem Ersten Weltkrieg Otto Bauer.
1922 kehrte Wanda Landau nach Wien zurück und besuchte die Universität. 1924 promovierte sie zur Dr. phil., ihre Dissertation schrieb sie über "Marxistische Krisentheorie".

Laufbahn:
Kurz nach ihrer Rückkehr nach Wien 1922-23 wird Wanda Landau Referentin der Sozialdemokratischen Zentralstelle für das Bildungswesen. In dieser Funktion gab sie den entscheidenden Anstoß zur Gründung des "Mittelschulkurses Sozialistischer Arbeiter". Dieser Mittelschulkurs wurde zum Vorläufer der Arbeitermittelschule, aus der sich 1951 das "Abendgymnasium für Berufstätige" entwickelte.

1925 heiratete Wanda Landau den Juristen Felix Lanzer, einen Magistratsbeamten der Gemeinde Wien. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter, die 1931 bzw. 1933 geboren wurden. Wanda Lanzer arbeitete von 1927-1934 als Bibliothekarin in der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Wiener Arbeiterkammer.

1938 fand in der Wohnung der Familie Lanzer eine Hausdurchsuchung statt, danach verschwand Felix Lanzer spurlos und wurde 1945 für tot erklärt. Wanda Lanzer konnte über Intervention Richard Sandlers, eines schwedischen Sozialdemokraten, nach Stockholm emigrieren. Auch Wandas Mutter, Helene Bauer konnte sich kurz danach nach Stockholm retten. Den Lebensunterhalt bestritt die Familie in dieser Zeit hauptsächlich mit Hilfe einer kleinen Unterstützung, welche Helene Bauer von der Sozialistischen Internationale erhielt. Die österreichischen Emigranten standen in regelmäßigem Kontakt zueinander, wozu vor allem jene zählten, die in Rasunda, einem Vorort von Stockholm, wohnten. Mitglieder dieser Gruppe waren Bruno Kreisky, Ernst Winkler, Franz Novy und Josef Pleyl.

Helene Bauer setzte ihren Emigrationsweg 1941 in die USA fort. Wanda Lanzer arbeitete in dieser schweren Zeit in den Archiven des Stockholmer Stadthauses. 1945 wurde sie als Dolmetscherin und Fürsorgerin zur Betreuung geretteter KZ-Insassen angestellt, wobei ihr ihre Sprachkenntnisse in Deutsch, Polnisch, Französisch und Schwedisch zugute kamen. 1949 wurde Wanda Lanzer im Stockholmer "Arbetarröelsens Arkiv", dem Archiv der schwedischen Arbeiterbewegung, angestellt. Dort blieb sie bis 1964 leitende Mitarbeiterin. Bestehendes Ergebnis ihres Einsatzes im Archiv ist die Bearbeitung des Nachlasses von Hjalmar Branting, des großen schwedischen Arbeiterführers und späteren Staatsministers der ersten sozialdemokratischen Regierung.

Nach der Rückkehr nach Wien arbeitete Wanda Lanzer ab 1964 in der Wiener Arbeiterkammer. Sie bearbeitete die Nachlässe von Victor und Friedrich Adler, welche 1970 dem "Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung" zur Betreuung übergeben worden waren und wurde Mitglied des Herausgeberkomitees der Werkausgabe ihres Stiefvaters Otto Bauer. Bis zu ihrem Tod zählte Wanda Lanzer zum Vorstand des Vereins für die Geschichte der Arbeiterbewegung.

Wanda Lanzer starb in ihrem 84. Lebensjahr am 17.11.1980 in Wien.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Institut für Zeitgeschichte, München, Tagblattarchiv / AK (Personenmappe)

Literatur:
Arbeiterzeitung 26. 5. 1976
Archiv. Mitteilungsblatt des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung, 1981, Jänner, Wien
Röder, Bd. I., S. 420
Pasteur, Paul, Femmes dans le Mouvement Ouvrier Autrichien 1918-1934., 1986, Rouen, Verlag: Centre d'Etudes et de Recherches Autrichiennes

Autorin der Biografie: Karin Nusko