Loch Lucia (Lucie)
Gewerkschafterin (RS) und Krankenpflegerin

Geb. 1881 Ostpreußen
Gest. 1943 New York, USA

Emigrationspfad: 1938 CH, F, 41 USA

Laufbahn:
Während des ersten Weltkrieges kommt Lucia Loch nach Wien, wo sie als Pflegerin im einem Kriegsspital arbeitet. Der ausbeuterische Drill und die strikte unmenschliche Reglementierung, den die militärischen Spitalskommandanten gegenüber den Pflegerinnen an den Tag legen, empören Lucia Loch derartig, daß sie beginnt, sich dagegen zur Wehr zu setzen, und so zur Sprecherin des Personals wird. Lucia Loch verbindet den Kampf um wirtschaftliche Verbesserungen des Pflegepersonals mit dem politischen Kampf gegen die Habsburgermonarchie. Der Zusammenschluß der Krankenpflegerinnen ist wohl als eine Vorläuferorganisation der Gewerkschaftsbewegung zu sehen. Bald darauf stellt Lucia Loch auch eine Verbindung zu den in der Hierarchie höherstehenden und etwas besser gestellten Krankenschwestern her, sie wird eine der Gründerinnen der gewerkschaftlichen Organisation der Krankenschwestern.

Nach dem ersten Weltkrieg wird Lucia Loch zur Sekretärin dieser Gewerkschaft, welche zunächst eine selbständige Organisation darstellt und später als Teilorganisation im größeren Rahmen des Bundes Öffentlicher Angestellter aufgeht. Viele Verbesserungen der Situation des Krankenpflegepersonals gehen auf den unermüdlichen Einsatz Lucia Lochs zurück. Die Februarkämpfe 1934 und die damit verbundenen Restriktionen gegen bestimmte politische Gruppen treiben auch Lucia Loch in die Illegalität. Zu dieser Zeit wird eine klerikal-faschistische Schwesternorganisation unter dem Protektorat des Kardinals Innitzer eingesetzt.

Lucia Loch stand mit den Krankenpflegerinnen der großen Spitäler in Verbindung, die sich von dieser Organisation nicht vertreten fühlten und hielt eine Art Untergrundorganisation aufrecht, welche die damals offizielle klerikal-faschistische Krankenschwesternorganisation bekämpfte. Zur gleichen Zeit war sie in der Betriebsorganisation der Revolutionären Sozialisten tätig, die dem zentralen Frauenkomitee der Untergrund-Gewerkschaften angehörte. Obwohl sie zu dieser Zeit bereits schwer krank ist, engagiert sie sich für ihre verfolgten Genossinnnen und Genossen. Ihre Wohnung wird zum Treffpunkt und Versteck vieler vom Regime Verfolgter, wie z. B. der Redakteure der Arbeiter-Zeitung, unter ihnen auch Otto Leichter und seine Frau Käthe, einer prominenten Sozialistin, die im Zuge des nationalsozialistischen Terrors 1942 ermordet wird.

1938 versucht Lucie Loch zunächst in Österreich zu bleiben und weiterzuarbeiten, aber eine drohende Verhaftung durch die Nationalsozialisten zwingt sie zur Flucht in die Schweiz, von dort führt ihr Emigrationsweg weiter nach Paris. Sie hielt auch dort die Verbindung zu den österreichischen Sozialisten und Gewerkschaften aufrecht. 1941 flüchtet Lucia Loch in die Vereinigten Staaten. Es sollte die letzte Station auf ihrem Lebensweg werden. Am 13. 12. 1943 stirbt Lucia Loch im Alter von 62 Jahren nach langer schwerer Krankheit in New York.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Tagblattarchiv/AK (Personenmappe)

Literatur:
Austrian Labor Informationn., 1943, November/Dezember, New York
Fleck, Christian / Berger, Heinrich, Gefesselt vom Sozialismus. Der Austromarxist Otto Leichter (1897-1973). (= Studien zur Historischen Sozialwissenschaft, Bd. 27)., 2000, Frankfurt/Main
Pasteur, Paul, Femmes dans le Mouvement Ouvrier Autrichien 1918-1934., 1986, Rouen, Verlag: Centre d'Etudes et de Recherches Autrichiennes

Autorin der Biografie: Karin Nusko