Medelsky Lotte, eigentl. Caroline, verh. Krauspe
Schauspielerin

Geb. Wien, 18. 5. 1880 (andere Quelle: 20.5.)
Gest. Wien, 4. 12. 1960 (andere Quelle: Nußdorf am Attersee/OÖ)

Herkunft, Verwandtschaften:
Lotte Medelsky, eigentlich Caroline Medelsky, wird am 18. 5.1880 in Wien-Margareten geboren. Ihr Vater ist von Beruf Gaskassierer, ihre Mutter Weißnäherin. Der Onkel, Joseph Werkmann-Medelsky, verfaßt Theaterstücke, von Beruf ist er Tischlermeister. Die Mutter der kleinen Caroline war von Goethes "Werther" so beeindruckt, daß sie ihre Tochter Lotte nannte, diesen Namen behielt das Mädchen als Künstlernamen bei. Theaterbesuche waren in der Familie Medelsky selbstverständlicher Bestandteil des Lebens, so wurde auch Lotte in dem Wunsch bestärkt, Schauspielerin zu werden.

LebenspartnerInnen, Kinder:
Verheiratet mit dem Schauspieler Eugen Frank, Mutter der Burgschauspielerin Liselotte Medelsky, Sohn Hans (ebenfalls Schauspieler).

Ausbildungen:
Sie erhielt ein Stipendium des Hoftheaters und die Garantie nach Beendigung der Ausbildung ein Jahr an diesem Haus zu spielen.

Laufbahn:
1896 hat Lotte Medelsky ihren ersten Auftritt als Hedwig Ekdal in Ibsens "Wildente". Nach diesem ersten großen Erfolg spielt Lotte Medelsky die Julia in Shakespeares "Romeo und Julia" oder die Amalie in Schillers "Räuber". Ihr Partner in diesen Stücken war Joseph Kainz. Lotte Medelsky ist die ideale Christine in Schnitzlers "Liebelei", die sie ab 1898 immer wieder verkörpert. Doch die Rollenfächer für Lotte Medelsky scheinen nicht festgelegt zu sein. Schon im Alter von 18 Jahren spielt sie Schillers "Jungfrau von Orleans" und die Cordelia in "König Lear". Doch nicht nur Klassiker hat diese vielseitige Schauspielerin im Repertoire; 1919 verkörpert sie das Dienstmädchen Rosl in der Uraufführung von Anton Wildgans "Dies irae" und viele Rollen in Stücken von Anzengruber, Raimund und Grillparzer. So stellte sie im "Verschwender" zuerst die Fee Cheristane, später die Rosl und schließlich ein skurril-komisches Holzweiberl dar. Sie verkörperte Grillparzers Hero sowie die Libussa, sie spielte die lebensfrohe Horlbacher-Lies im "Gwissenswurm" von Anzengeruber und die erdverbundene Vroni in seinem Stück "Meineidbauer".

Für ihre schauspielerischen Leistungen wurde Lotte Medelsky schon früh ausgezeichnet. Bereits 1899, im Alter von 19 Jahren, wird ihr der Titel Hofschauspielerin verliehen, 1924 wird sie Ehrenmitglied des Burgtheaters, 1926 wird sie für ihre großartigen Leistungen durch das Ritterkreuz I. Klasse des Österreichischen Verdienstordens geehrt. 1936 bekommt sie, anläßlich ihres 40 jährigen Burgtheaterjubiläums, das Verdienstkreuz für Kunst und Wissenschaft verliehen, ab 1947 darf sie den Titel "Professor" führen.

Das Privatleben Lotte Medelskys stand, anders als bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen, nie besonders im Blickpunkt der Medien. Lotte Medelsky heiratet den um vier Jahre älteren Schauspielerkollegen Eugen Frank; das Ehepaar lebt abwechselnd in einer Villa in der Wattmanngasse in Wien-Hietzing und in einem Haus am Attersee. Dieses Anwesen, das Lotte Medelsky 1911 erworben hat, wird zu ihrem Erholungsort, besonders nach ihrem Rückzug vom Theater. Die Kinder von Lotte Medelsky und Eugen Frank, Hans und Liselotte, ergriffen beide den Beruf der Eltern, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Eugen Frank starb 1942 nach langer schwerer Krankheit. 1944 geht Lotte Medelsky, nach Schließung des Burgtheaters im Zweiten Weltkrieg, in Pension, sie bleibt dennoch bis 1947 Mitglied dieses Hauses. Ihre letzte Rollle war das Holzweiberl in Ferdinand Raimunds "Verschwender". Lotte Medelsky starb am 4.Dezember 1960 in Wien.

spez. Wirkungsbereich:
1896-1947 Mitglied des Burgtheaters (1899 Hofschauspielerin, 1924 Ehrenmitglied, Doyenne). Großes Rollenrepertoire von klassischen Dramen, Stücken des Naturalismus (vor allem G. Hauptmann), L. Anzengruber, A. Schnitzlers (Urtyp des Wiener Mädels). Bei den Salzburger Festspielen Rolle der Mutter in Hofmannsthals "Jedermann", Frau Welt im "Salzburger Großen Welttheater"; 1947 Professorin am Reinhardt-Seminar. Zahlreiche Gastspiele.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Tagblattarchiv/AK (Personenmappe)

Literatur:
Das kleine Volksblatt, 19. 5. 1955.
Wiener Zeitung 6. 12. 1960.
www.aeiou.at
Buschbeck, E., Die Medelsky., 1922
Fontana, Oskar, Neues Wiener Tagblatt 9. 1. 1937.
Handl, Joseph, Die Schauspieler des Burgtheaters., 1955, Wien/Frankfurt
Pichler, Gustav, Wiener Zeitung, 20. 5. 1960.
Seidolf, Genia, Neue Wiener Tageszeitung, 15. 5. 1955.
Strentzsch, L., L. Medelsky. Die österreichische Schauspielerin., 1947, Wien (Diss.)
Wagner, Renate, Volksblatt-Magazin 15. 9. 1995.

Autorin der Biografie: Karin Nusko