Santifaller Maria Christina, gen. "Maria Ditha", verh. Hemsoth, zuletzt Sellschopp, Ps. Christina Suntaval,
Kunsthistorikerin, Lyrikerin, Übersetzerin, Kulturorganisatorin und Unternehmerin

Geb. Kastelruth/Südtirol, 30. 6. 1904
Gest. Dortmund/Deutschland), 5. 11. 1978

Herkunft, Verwandtschaften:
Vater: Michael Santifaller, ein musisch sehr interessierter Notar, Gerichtskommissär und Gutsbesitzer,
Mutter: Christine Fulterer, Bauerntochter.
Geschwister: Univ. Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Leo Santifaller (1890-1974), Historiker, Pius Santifaller, Schriftsteller (geb. 1893), Karl Santifaller (1899-1914) und Sabine, verehelichte Salzinger (1897-1991)

LebenspartnerInnen, Kinder:
Verehelicht: 1944-1958 mit Dr. Hans Hemsoth, Transportunternehmer, ab 1966 bis zu ihrem Tod mit dem Agrarfachmann Dr. Ernst August Sellschopp

Ausbildungen:
Einem sehr alten ladinischen Geschlecht entstammend, wurde Maria Santifaller auf dem elterlichen Lafayhof in Kastelruth geboren und besuchte in ihrem Heimatdorf, dann in Bozen die Volks-, Bürger- und zweijährige Handelsschule. Danach kurze Zeit im Kunstverlag Amonn beschäftigt, ging sie 17jährig nach Italien und betrieb in Bologna und Verona vor allem Sprachstudien, daran schlossen sich ein England- und ein Frankreichaufenthalt, gleichfalls zwecks Erlernung der Sprache.
Ab dem Wintersemester 1931/32 studierte sie, daneben auch als Journalistin und Übersetzerin tätig, vorerst als externe, dann als ordentliche Hörerin an der Universität Wien Kunstgeschichte und Germanistik (die Matura holte sie 1933 in Klosterneuburg nach), am 3. 2. 1939 promovierte Santifaller an dieser Universität mit ihrer 1938 approbierten Dissertation über "Die Radierungen Giambattist Tiepolos", eines Malers, mit dessen Oeuvre sie sich auch später, besonders in Würzburg, noch intensiv beschäftigen sollte. Im Anschluß an ihr Studium ging sie wegen eines Ergänzungsstudiums an die Universität Florenz, wo sie organisatorische Leiterin der "Kurse für Ausländer" wurde und in der Folge das Diplom für Kunstführungen (in vier Sprachen) und jenes für Übersetzungen erwarb. 1942 wurde ihr österreichischer Doktortitel von der Universität Florenz anerkannt, zudem wurde ihr die Doktorwürde der philosophischen Fakultät verliehen.

Laufbahn:
Bis 1943 lebte Maria Santifaller in Florenz, übersetzte zahlreiche Abhandlungen - häufig über kunsthistorischen Themen - ins Italienische und leitete einige Jahre auch das Uffizio internationale culturale. 1944 heiratete sie den Dortmunder Transportunternehmer Dr. Hans Hemsoth, mit dem sie 1946 für zwölf Jahre nach Buenos Aires ging. 1957 kehrte das Ehepaar nach Dortmund zurück, wo Hemsoth jedoch bereits im darauffolgenden Jahr verstarb. Nach seinem Tod übernahm Maria Santifaller die Leitung der Transportfirma. 1966 heiratete sie den verwitweten Dr. Ernst August Sellschopp, mit dem sie bis 1970 in Lima lebte, von wo aus sie ihre Firma leitete. 1977 übergab sie die Firmenleitung an ihren Stiefsohn und wandte sich zunehmend ihren kunstgeschichtlichen Studien zu. Bis zu ihrem Tod lebte sie mit ihrem zweiten Mann in Dortmund.
Bereits in ihrer Wiener Zeit begann Maria Santifallers literarisches Schaffen: Sie veröffentlichte Lyrik in Anthologien, Zeitschriften und - vor allem Wiener und Innsbrucker - Zeitungen sowie in einer eigenen Sammlung ("Gedichte", 1933), die 1978 stark erweitert als "Deine Ernte sammle" erschien, und trat mit Lesungen, unter anderem auch im Rundfunk, hervor.
Aber nicht nur ihre sehr einprägsame, dem Heimaterleben entsprungene Lyrik ist für ihr Oeuvre bestimmend, sondern auch ihre kunstgeschichtlichen Arbeiten, vor allem zur Kunst Venedigs im 18. Jahrhundert, welche sie in deutschen, italienischen und englischen Kunstzeitschriften, Katalogen etc. veröffentlichte und die ihr einen anerkannten Namen in der Kunstwelt sicherte. So wurde ihr 1974 "in Würdigung wissenschaftlicher Verdienste um die Studien zur Malerei des späten 17. und 18. Jahrhunderts, insbesondere in Oberitalien und vor allem zu Giovanni Battista Tiepolo" die Ehrenbürgerschaft der Universität Würzburg verliehen.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Archiv der Universität Wien; Dokumentation Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Bibliothek, Innsbruck. Tagblattarchiv (Personenmappe)

Werkangaben:

Lyrik
Gedichte Wien: Krystall-Verlag, 1933
Deine Ernte sammle. Gedichte 1930 – 1970 Bozen: Ferrari-Auer AG, 1978
Südtirol. Land der Erinnerungen, München-Innsbruck: Südtirol-Verlag 1985 (mit Photographien von Elisabeth Fuchs-Hauffen)
Beiträge in Anthologien, Zeitungen und Zeitschriften, u. a. Neue Freie Presse, Neues Wiener Tagblatt, Literarische Monatshefte, Die Fackel, Der getreue Eckart, Innsbrucker Nachrichten (große Anzahl), Neueste Zeitung, Der Schlern, Münchner Neueste Nachrichten, Ruhrnachrichten usw.
Gedichte in italienischer Übersetzung in Il Garda (Verona)

Kunsthistorische Abhandlungen (in Auswahl)
Die Radierungen G. B. Tiepolos. Diss. Wien 1938 (Sedlmayr/Praschniker).
Il "Continente Asia" degli affreschi del Tiepolo a Würzburg e alcuni fogli degli Scherzi di Fantasia, in: Arte Veneta, Jg. 25, 1971, S. 205-211
Die Gruppe mit der Pyramide in Giambattist Tiepolos Treppenhausfresko der Residenz zu Würzburg. Versuch einer neuen Deutung, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, 3. Folge, Bd. 26, 1975, S. 193-207
Zur Graphik Giambattista Tiepolos, in: Pantheon. Internationale Zeitschrift für Kunst. International Art Journal. Revue Internationale d’Art, Jg. 23, 1975, S. 327-342
L’Abbazia di Münstschwarzach in Franconia e le pale d’altare dei Tiepolo, in: Arte Veneta, Jg. 32, 1978, S. 405-411
Giandomenico Tiepolos "Hl. Joseph mit dem Jesuskind" in der Staatsgalerie Stuttgart und seine Stellung in der Ikonographie des Barock, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, Bd. 13, 1976, S. 65-86
usw.

Literatur:
Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch.begründet von Wilhel Kosch, 3. Aufl., Bd. 14., 1992
Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, ed. Walter Killy, Bd. 10., 1991
Nachrichten aus Südtirol. Deutschsprachige Literatur in Italien, ed. Alfred Gruber (= Auslandsdeutsche Literatur der Gegenwart 4)., 1990, S. 290 (mit 2 Gedichten S. 114f.), Hildesheim-Zürich-New York, Verlag: Olms Presse
Gruber, Alfred, Nachwort. In: Santifaller, Maria: Deine Ernte sammle. Gedichte 1930-1970., 1978, S. 176-179, Bozen, Verlag: Ferrari-Auer AG
Hubala, Erich, Worte bei der Trauerfeier zur Einäscherung von Dr. Maria Santifaller-Sellschopp am 9. 11. 1978. In: Information. Mitteilungsblatt der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Jg. 12, Nr. 5, 1978, S. 12-14 (mit Porträt)
Oberkofler, Elmar, "Ich habe keine Sehnsucht mehr als die der Berge". Maria Christina (Ditha) Santifaller (1904-1978) zum 20. Todestag. In: Der Schlern, Jg. 72, 1998, S. 595-600 (mit Abb.)
Oberkofler, Elmar, Maria Christina (Ditha) Santifaller. 1904-1978. In: Heimatforscher, Priester, Künstler ..., in: Südtirol in Wort und Bild, Jg. 42, H. 4, 1998, S. 33f. (mit Porträt)
Telberg, Ursula, Die Lyrik von Maria Santifaller. In: Dolomiten, 24. 1. 1979.

Autorin der Biografie: Elisabeth Lebensaft