Schwarzwald Eugenie
geb. Nußbaum, Pädagogin und Schulgründerin

Geb.: Polupanowka, Galizien (?), 4 .7. 1872
Gest.: Zürich, Schweiz (Zürich, Schweiz), 7. 8. 1940 (6. 8. BLÖF)


Geograph. Lebensmittelpunkt(e): Ukraine, Wien, Zürich


Emigrationspfad: 1938 DK, 1938 CH


LebenspartnerInnen, Kinder:
16. 12. 1900 Heirat mit Dr. Hermann Schwarzwald, Sektionschef im Finanzministerium +1939


Freundschaften:
Während ihrer Studienjahre in Zürich war Eugenie Schwarzwald mit der Schriftstellerin Hedwig Waser befreundet. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt ihre Freundschaft mit der späteren Lehrerin Esther Odermatt, die zeitweise in Wien an Eugenie Schwarzwalds Schulen unterrichtete. Eine weitere Freundschaft bestand mit der Journalistin Dorothy Thompson, die Eugenie Schwarzwald in der Emigration auch finanziell unterstützte. Die Haushälterin und Freundin Eugenie Schwarzwalds, Maria Schneider, erreichte die Überführung des persönlichen Besitzers derselben nach Zürich 1938. Weitere Freundinnen waren Helene Weigel, auch Schülerin, und Lotte Leonhard.


Ausbildungen:
Volksschule in Czernowitz und Wien, Studium der Germanistik an der Universität Zürich, 1900 Dr.phil.


Laufbahn:
15. Jan. 1901 Erster Vortrag im Wiener Frauen Club, erste Vortragstätigkeit im Rahmen der Volkshochschulen, vor allem im Verein Volksheim in Wien-Ottakring;
1901 übernimmt E. S. das Mädchen-Lyzeum am Franziskanerplatz 5 in Wien von Eleonore Jeiteles,
Umwandlung in reformpädagogisch ausgerichtete Schulanstalten, die zunächst am Kohlmarkt und schließlich in der Wallnerstraße situiert waren.
Die Schulanstalten umfaßten im Laufe der Jahre eine Koedukationsvorschule (1903), ein Realgymnasium (1909), ein Mädchengymnasium (1911), humanistische Gymnasialkurse, eine höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe und wissenschaftliche Fortbildungskurse.
1903 folgt die Errichtung eines alkoholfreien Speisehauses im Volksheim Ottakring.
1915 Einrichtung eines Erholungsheimes für Kinder und Erwachsene in St. Wolfgang, Beginn der Aktion "Wiener Kinder aufs Land".
1917 Eröffnung der ersten Gemeinschaftsküche ("Akazienhof") auf genossenschaftlicher Basis in Wien, ab 1923 auch in Berlin.

Ab 1918 gründete sie eine Reihe von Erholungsheimen, in der Südsteiermark, am Semmering, in Reichenau, am Grundlsee, in der Helmstreitmühle bei Mödling, in den folgenden Jahren Durchführung von Sommeraktionen und Ferienkolonien für Kinder.
1919 Errichtung einer Jugendwerkstatt für Knaben in der Invalidenschule in Favoriten;

1922 Gründung des Schwarzwald'schen Wohlfahrtswerks, von dem die verschiedenen Aktivitäten verwaltet wurden;
1923 die "Österreichische Freundeshilfe" ermöglicht die Einrichtung von vier Gemeinschaftsküchen in Berlin;

Eugenie Schwarzwald war auch an der Rechtsakademie für Frauen beteiligt, die vor der Zulassung von Studentinnen an die juridischen Fakultäten in Wien geführt wurde. Sie leitete einige kommerzielle Betriebe, mittels derer sie ihre reformerischen Projekte finanziell fördern konnte, so eine Gemüsefarm und eine Taxigesellschaft.
Im März 1938 tritt E. S. eine Vortragsreise nach Dänemark an und kehrt nicht mehr nach Wien zurück, sondern bleibt in Zürich. Die meisten Projekte Eugenie Schwarzwalds wurden 1938 von den Nationalsozialisten aufgelöst, ihr Vermögen durch den Stillhaltekommisar liquidiert.


Ausz., Mitgliedschaften, Kooperationen:
Die dänische Schriftstellerin Karin Michaelis förderte die sozialen Projekte Eugenie Schwarzwalds ideell und finanziell und veröffentlichte ein Buch über die Schulanstalten.

Bekannte Schülerinnen Eugenie Schwarzwalds waren u. a. Alice Herdan-Zuckmayer, die auch eine Biographie ihrer Lehrerin veröffentlichte, weiters Emmy verh. Wellesz, Hilde Spiel und Elisabeth Neumann-Viertel. Eugenie Schwarzwald hielt auch engeren Kontakt zu den Müttern ihrer Schülerinnen, u. a. zu Hansi Niese und zu Alice Herdan-Zuckmayers Mutter, der Schauspielerin Claire Liesenberg.
Lehrerinnen an den Schwarzwaldschulen waren u. v. a. Amalie Mayer und drei Schwestern Reiss. Eugenie Schwarzwald arbeitete sowohl mit den Frauen des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins zusammen - sie hielt Vorträge im Ersten Wiener Frauenklub und kündigte Frauenfortbildungskurse in den "Dokumenten der Frauen" an-, als auch mit den Frauen im Vorstand des Bundes Österreichischer Frauenvereine: hier leitete sie die Anti-Alkohol-Komission.


Spezieller Wirkungsbereich:
E. S. gilt in der Geschichte des österreichischen Bildungswesens als Pionierin der Reformpädagogik: Ihre pädagogischen Verdienste sind sowohl auf dem Gebiet der Schulorganisation als auch der Bildungskonzeptionen außerordentlich bedeutsam. Sie wirkte bestimmend auf die Modernisierung der höheren Mädvhenbildung. Ihr Shulreformwerk war geprägt von modernen Lehrmethoden und außergewöhnlichen Lehrerpersönlichkeiten.


Biograph. Mitteilungen, Hinweise:
Zahlreiche karikierende Erwähnungen bei Karl Kraus, Alfred Polgar, Egon Friedell, Jakob Wassermann, Hugo Bettauer


Nachlaß, Archive, Quellen:
Privatarchiv Hans Deichmann (Mailand): dieses so genannte "Schwarzwald-Archiv" befindet sich im Wiener Stadt- und Landesarchiv; (Signatur: Nachlässe (3. 5. 1998), Schwarzwald-Archiv (Dokumentation Hans Deichmann));
NB Porträtsammlung, s. Katalog;
Literaturhaus/Exilbibliothek (Informationsquelle: WE, Die Zeit 1.8.1992, Feuilleton VI, DÖW Ö-Röder; Bestand Doku: ebd.)


Werkangaben:
Metapher und Gleichnis bei Berthold von Regensburg. Diss. Zürich 1900 literaturwissenschaftliche Veröffentlichungen


Anmerkungen:
Wissenschafts-Lexikon Wolfsberger


L.:BLÖF
Erinnerungen an die Schwarzwaldschule. Rundfunkmanuskript "Memo", ORF, 11.10.1980.
IWK-EMIGRATION
Deichmann, Hans, Leben mit provisorischer Genehmigung. Leben, Werk und Exil von Dr. Eugenie Schwarzwald (1872 - 1940), 1988, Wien
Göllner, Renate, Mädchenbildung um Neunzehnhundert. Eugenie Schwarzwald und ihre Schulen., 1986, Wien
Hacker, Hanna, Doppelsinn und Eigensinn. In: Kulturjahrbuch 2, 1983.
Herdan-Zuckmayer, Alice, Genies sind im Lehrplan nicht vorgesehen, 1979
Keckeis, Gustav; Olschak, Christine (Red.):, Lexikon der Frau. 2 Bde., 1953 - 54, Zürich
Keintzel, Brigitta, Eugenie Schwarzwald. In: Gelehrte Frauen., 1996, S. 238 - 241, Wien, Verlag: BMUK
Lind, Anna, Das Frauenstudium in Österreich, Deutschland und der Schweiz., 1961, Wien
Mayer, Amalie, Die Gesellschaft der Schwarzwaldschen Schulanstalten.
Michaelis, Karin, Glaedensskole.
Scheu, Friedrich, Ein Band der Freundschaft. Schwarzwald-Kreis und Entstehung der Vereinigung Sozialistischer Mittelschüler., 1985, Wien
Schweizer Verband der Akademikerinnen, Das Frauenstudium an den Schweizer Hochschulen., 1928
Sheean, V., Dorothy and Red., 1963
Stefan, Paul, Frau Doktor. Ein Bildnis aus dem unbekannten Wien., 1922
Streibel, Robert (Hg.), Eugenie Schwarzwald und ihr Kreis, Verlag Picus, Wien 1996.