Waschenkrag Maria Anna
Fragnerin

Geb. Wien, lebte um 1768
Gest. Wien, ? (Datum unbekannt)

Ausbildungen:
Sie war sechs Jahre lang in der Küche des Wiener Kaiserhofes als Küchengehilfin angestellt.

Laufbahn:
Maria Anna Waschenkrag versuchte, sich nach Abschluß ihrer Ausbildung in der kaiserlichen Hofküche eine eigenständige Existenz aufzubauen. Wie viele andere Frauen wollte sie nicht den Rest ihres Lebens in Herrschaftsdiensten verbringen, sondern selbständig jenes Gewerbe führen, welches sie sechs Jahre hindurch ausführlich erlernt hatte. Sie begann, Festmähler für kleinere Familienfeste wie zum Beispiel Hochzeiten und Taufen zuzubereiten, jedoch ohne eine offizielle Erlaubnis dafür zu besitzen. Darum stieß sie auch sehr bald auf den Widerstand der Wiener Stadtköche, die sich auf ihre Privilegien beriefen, daß nur sie solche Mahlzeiten herstellen dürften.
Maria Anna Waschenkrag wurde im Juli 1768 vor den Magistrat gerufen und ernstlich abgemahnt, nicht mehr für Familienfeste zu kochen und schon gar nicht ihre Speisen an jedermann zu verkaufen. Daraufhin richtete sie an die Niederösterreichische Regierung die Bittschrift, den Wiener Magistrat aufzufordern, ihr das Kochen für kleinere Feste bis zu 40 Personen zu gestatten. Dies wurde ihr jedoch nicht gewährt.
Im Oktober desselben Jahres konnte man ihr wiederum illegale Tätigkeiten nachweisen, obwohl sie sich den Decknahmen "Pfarrersköchin" zugelegt hatte. Die Zunft beschwerte sich, sie würde aus purem Eigennutz das Geschäft der Stadtköche stören, und daß sie sich ihrer Schuld bewußt sei, zeige sich daran, daß sie sich ein Pseudonym zugelegt habe. Die Meister verlangten, daß man Frau Waschenkrag das Kochgeschirr abnehmen solle und ihr jegliche Tätigkeit außerhalb des Herrschaftsdienstes verbieten solle. Der Magistrat stimmte dieser Bitte nach langen Verhandlungen zu. Maria Anna Waschenkrag mußte ihre selbständige Kochlaufbahn aufgeben und sich eine Stellung als Küchengehilfin suchen. Eine Ausbildung außerhalb der Zunft war demnach wertlos, nur Zureichtätigkeiten wollten die Stadtköche ihrer weiblichen Konkurrenz zugestehen.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Alte Registratur. Bericht vom 27. Oktober 1768.

Literatur:
Kretschmer, Sigrid, Wiener Handwerksfrauen. Wirtschafts- und Lebensformen im 18. Jahrhundert. Milena Verlag, Wien 2000.

Autorin der Biografie: Sigrid Kretschmer