Das Exil von Frauen – historische Perspektive und Gegenwart

Neuere Tendenzen in der Exilforschung zeigen einen Paradigmenwechsel von der ausschließlichen Befassung mit dem historischen Exil während der Ära des Nationalsozialismus bzw. des Austrofaschismus bis hin zu einer Erweiterung des Forschungsgegenstandes auf die gegenwärtigen Flucht- und Migrationsbewegungen.

Gibt es vergleichbare Aspekte zwischen dem Exil von Frauen in der Periode 1933-45 und dem Asyl von Frauen heute - und was sind die Gemeinsamkeiten, was die Unterschiede? Ist der Beitrag zur Erinnerung an die Verfolgung konstitutiv für unsere Haltung gegenüber heutigen Fluchtbewegungen und führt die eigene Flüchtlingserfahrung, sei es zur Zeit der Shoa, sei es in den Jahren nach 1945, zu praktizierter Solidarität mit den heute Verfolgten? Im Arbeitskreis, der sich als Fortsetzung und Intensivierung bisheriger Seminare und Tagungen zum Thema „Frauen im Exil“ versteht, soll nun neuerlich die Frage nach geschichtlichen Kontinuitäten aufgenommen und diskutiert werden.


VORTRAG 
diesmal am
Mittwoch, dem 18.12. 2019 von 18:30–20:00 Uhr
Berggasse 17 (EG links):

Susanne Blumesberger: Rusia Lampels Blick auf die israelische Jugend. Jugendbücher als fast vergessene Zeitdokumente?

Rusia Lampel wurde 1901 in Galizien geboren. Sie lebte zunächst in Lemberg, ab 1909 in Wien. Sie war im zionistischen Jugendbund aktiv. 1926 ging sie erstmals nach Palästina, kam aber immer wieder zurück nach Wien. 1934 übersiedelte sie nach Tel Aviv, nach einem Jahr ging sie nach Jerusalem und schrieb zunächst Hörspiele.

Als ein deutscher Verlag ein „positives Buch“ über die israelische Jugend forderte, führte sie akribische Forschungen und Befragungen durch und verfasste „Der Sommer mit Ora“, wofür sie später eine Prämie des deutschen Jugendbuchpreises erhielt. In diesem Werk, im Folgeband „Eleanor. Wiedersehen mit Ora“ (1965) und in weiteren Jugendbüchern gelang es ihr ein lebendiges, realistisches Bild der israelischen Jugend zu zeichnen. Interessant dabei ist, dass sie auch die Schwierigkeiten, mit denen die zweite Generation der EinwanderInnen zu kämpfen hatte, nicht verschweigt.
Rusia Lampel, die mit dem Organisten und Musikwissenschaftler Max Lampel verheiratet war, Hauskonzerte veranstaltete und junge MusikerInnen förderte, starb 1978 in Jerusalem.
Susanne Blumesberger, 1999-2014 Mitarbeiterin des Projekts „biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen“ am Institut für Wissenschaft und Kunst.

Konzeption und Organisation:
FrauenAG der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) und biografiA – Dokumentationsstelle Frauenforschung (IWK