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BERGER, Melanie, (verh. Volle)
Schneiderin, im Widerstand der Arbeiterbewegung (KPÖ) / Widerstand im Exil

* am 8. Oktober 1921 in Wien

Melanie Berger trat 1936 von den Revolutionären Sozialisten zu den Revolutionären Kommunisten (RK) über. Die RK vertraten pointiert internationalistische Positionen. Im März 1938 emigrierte sie aus Österreich über Deutschland nach Belgien und arbeitete als illegale Ausländerin in Antwerpen in der Auslandsorganisation der Revolutionären Kommunisten, u.a mit Georg Scheuer. Gemeinsam gingen sie im Frühjahr 1939 nach Frankreich (Paris), wo Melanie Berger ihre Widerstandstätigkeit fortsetzte. Nach der Internierung von Georg Scheuer und Gustav Gronich in Les Milles wurde sie nach Clermont-Ferrand verwiesen, wo sie bei einem Rechtsanwalt arbeitete. So konnte sie vorläufig einer Internierung entgehen.
Sie reorganisierte die Gruppe in Clermont-Ferrand und fungierte als Verbindungsfrau zwischen den Stützpunkten in Antwerpen, Les Milles, London, Zürich und New York. Vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Clermont-Ferrand wurde sie evakuiert und siedelte sich in Montauban an und traf dort wieder mit Georg Scheuer zusammen. Im Jänner 1942 wird sie verhaftet und am 16. September vom Militärtribunal Toulouse wegen „kommunistischer und anarchistischer Aktivität“ zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Danach wird sie in das Frauengefängnis „Baumettes“ in Marseille überstellt.

Die Situation von „Anna“, so der Deckname Melanie Bergers im Widerstand, wird prekär, da die Gestapo seit 1943 in den Gefängnissen der Vichy-Regierung nach politischen Häftlingen forscht. Nachdem Melanie Berger mit akuter Gelbsucht in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, kann sie von dort in einer spektakulären Aktion von einem Kommando der RK, bestehend aus Ignaz Duhl, Gustav Gronich, Lotte Israel und Georg Scheuer, befreit werden. Die Mitglieder der RK, unter denen sich auch ein Wehrmachtsoldat befindet, geben sich dabei als Nazi-Funktionäre aus, die gekommen seien, um Melanie Berger abzuholen.


Literatur und Quellen:
DÖW–Akt 20866, 21577, 21657
Arbeitsgruppe Marxismus (Hg.): Trotzkistische Opfer des NS-Terrors in Österreich. Eine Dokumentation. In: Marxismus, 2001, Sondernummer 8 Wien 2001
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Österreicher im Exil - Belgien 1938-1945. Eine Dokumentation. Wien 1987
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Österreicher im Exil - Frankreich 1938-1945. Eine Dokumentation. Wien 1984
Quelques biographies de militants de l’Opposition In: Cahiers Léon Trotsky, 1980, No 5, 1er Trimestre. Paris 1980
Scheuer, Georg: Nur Narren fürchten nichts. Szenen aus dem dreißigjährigen Krieg 1915- 1945. Wien 1991
Schwager, Ernst, Die österreichische Emigration in Frankreich. 1938 - 1945.Wien / Köln / Graz 1984


Autorin der Biografie: Karin Nusko