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BREYCHA Josefine
Kontoristin, im Widerstand der Arbeiterbewegung (KPÖ)

* am 8. März 1919 in Wien
† am 2. Jänner 1995 in Wien

Josefine Breycha wurde am 8. März 1919 als Tochter der Albine Breycha (geb. Pirner, geb. am 18. September 1895) und des Ladislaus Breycha in Wien geboren. Das Elternhaus war sozialdemokratisch eingestellt. Der Vater war Kassierer und die Mutter verkaufte die Zeitschrift „Die Unzufriedene“. Josefine Breycha war in die Jugendorganisationen der Sozialdemokratie eingebunden und beteiligte sich an den Veranstaltungen der „Roten Falken“.

Josefine Breycha besuchte die Volks- und Hauptschule sowie zwei Klassen der Frauen- Oberschule in Hietzing. Diese Ausbildung konnte sie aus finanziellen Gründen nicht beenden. Von Mai bis November 1938 ließ sie sich zur Kinderpflegerin ausbilden. Ab April 1939 arbeitete sie als Vertragsangestellte bei der Postsparkasse. Sie trat im September 1938 dem BDM bei.

Am 20. Mai 1939 fuhr Josefine Breycha im Auftrag der KPÖ nach Zürich. Dort wurden ihr einige Schriftstücke übergeben. Am 28. / 29. Mai 1939 fand in Zürich eine Tagung der kommunistischen Partei der Schweiz statt. Vermutlich wurde Josefine Breycha nach Zürich entsandt, um Verbindung mit ausländischen KommunistInnen aufzunehmen und Nachrichten, Deckadressen und sonstige Informationen nach Wien zu bringen.
Am 31. Mai 1939 trat sie die Rückreise nach Wien an und die deutsche Grenzkontrolle findet bei ihr die Schriftstücke der Schweizer Kommunisten. Anläßlich einer darauffolgenden Hausdurchsuchung bei Josefine Breycha werden französische und Schweizer Deckadressen gefunden. Sie wird am 2. Juni 1939 wegen Vorbereitung zum Hochverrat verhaftet und in das Polizeigefängnis gebracht, wo sie bis 21. August 1939 inhaftiert bleibt. Bis zu ihrer Gerichtsverhandlung am 8. Februar 1940 ist sie im Gefängnis des Landesgerichtes Wien inhaftiert. Vom 1. bis 21. August 1939 wird ihre Strafmündigkeit durch die psychiatrisch-neurologische Universitätsklinik Wien untersucht und ihre Zurechnungsfähigkeit festgestellt. Bei den Vernehmungen bestreitet Josefine Breycha, Kommunistin zu sein, gesteht allerdings, erkannt zu haben, dass ihre Kurierinnnentätigkeit den Interessen der KP gedient habe.

Am 8. Februar 1940 wird Josefine Breycha vom Oberlandesgericht Wien wegen Hochverrats zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Als erschwerend im Sinne der Anklage wird gewertet, dass „die Tat im Ausland begangen wurde.“ Weiters heißt es im Urteil, dass „auf den hysterischen Zug ihres zum Träumerischen und Abenteuerhaften neigenden Charakters“ Rücksicht genommen wurde. Das angesichts des Schuldspruches wegen Hochverrats relativ „milde“ Urteil erklärt sich durch den Umstand, dass das Urteil in die Zeit des „Nichtangriffspaktes“ zwischen Deutschland und der Sowjetunion fällt, weil Josefine Breycha bereits zu einem frühen Zeitpunkt der NS-Herrschaft angeklagt und verurteilt worden war.
Im Gefolge des Russlandfeldzuges - ab 1941 - wurden die Gesetze zur Bekämpfung der Widerstandstätigkeit radikal verschärft: Der Volksgerichtshof wurde angewiesen, bei allen Prozessen, in welchen es um Anklagen wegen kommunistischer Betätigung ging, Todesurteile auszusprechen. Zusätzlich kam es zu einer rigorosen Beschränkung der Gnadenakte. (Luza, Radomir, S.140f)

Josefine Breycha wurde in das Zuchthaus Aichach deportiert, wo sie bis zum 30. Juni 1941 inhaftiert blieb.


Literatur und Quellen:
DÖW–Akt 1560, 7646
Brauneis, Inge: Widerstand von Frauen in Österreich gegen den Nationalsozialismus 1938- 1945. Diss. Wien 1974
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945. Eine Dokumentation. Bd. 2, Wien 1984
Luza, Radomir: Der Widerstand in Österreich. 1938-1945. Wien 1985


Autorin der Biografie: Karin Nusko