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Fuchs, Elisabeth Charlotte (Lotte)
Widerstandskämpferin


*23. 10. 1906 Theresienstadt    † Okt. 1944 Auschwitz
Modezeichnerin und Widerstandskämpferin

Lotte Fuchs wird am 23. Oktober 1906 in Theresienstadt, einer k.u.k. Garnisonstadt nördlich von Prag geboren. Ihr Vater war der Regiments- und Generalstabsarzt Dr. Bernhard Fuchs, (geb. am 18. Dezember 1866; gest. am 23. März 1943 im KZ-Theresienstadt). Sowohl er als auch seine Frau Edith (geb. Lenard am 1. November 1876) waren jüdischer Herkunft und konvertierten 1904 zum katholischen Glauben. Die jüngere Tochter Maria wird am 12. Jänner 1908 geboren. Die ältere Tochter Emanuela (verh. Allavena) heiratete nach Mailand. Lotte besuchte nach der Volksschule das Mädchenlyzeum in Wien und danach eine Lehranstalt für Schneiderei, Weißnähen und Modistenarbeit. Hier erhielt sie auch eine Ausbildung als Modezeichnerin, einen Beruf, den sie später ausübte, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie engagierte sich in verschiedenen kirchlichen Sozialbereichen wie in dem Katholischen Blindenapostolat, der Gefallenenfürsorge und im Helferkreis des Frauennotdienstes. Im Sommer 1937 bewirbt sie sich um die Aufnahme in die Wiener Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die von Dr. Hildegard Burjan gegründet worden war. Obwohl sie in einem Brief an die Generalleitung des Schwesternarchivs vom 30. Juli 1937 schreibt, dass es ihr sehnlichster Wunsch sei in dieser Gemeinschaft zu leben und zu arbeiten, bittet sie bereits im März 1938 um ihre Entlassung. Sie arbeitet ab Mai 1938 bei der illegalen katholischen Hilfsorganisation von Pater Bichlmair und Gräfin Kielmansegg mit.

In der von Kardinal Innitzer gegründeten Erzbischöflichen Hilfsstelle für nichtarische Katholiken ist Lotte Fuchs zunächst im Außendienst tätig; Ende Mai 1941 übernimmt sie von Mater Hermine Tintara die Leitung des Büros der Hilfsstelle. Auf ihre Initiative geht die Gründung der jüdischen Altersheime in der Töllergasse und der Seegasse sowie der Schule in der Grüngasse, des Kinderhortes und der Nähstube zurück. Die Nähstube befand sich in den Räumen der Gildemeester-Organisation, dort wurde Bekleidung für Verfolgte hergestellt, die Schneiderinnen wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft vom NS-Regime bedroht. Am 2. Oktober 1942 wird Lotte Fuchs mit ihrer Familie nach Theresienstadt deportiert. Gemeinsam mit ihrer Schwester Maria arbeitet sie dort als Fürsorgerin. Lotte Fuchs war aktiv in der katholischen Gemeinde von Theresienstadt tätig. Es wurden Gottesdienste gestaltet, Kranke betreut, Kinder unterrichtet und Vorträge gehalten.
Am 9./10. Oktober 1944 wird Lotte Fuchs nach Auschwitz deportiert. Wahrscheinlich ist sie in den letzten Tagen, in denen in Auschwitz die Gaskammern in Betrieb waren - sie wurden am 2. November 1944 abgeschaltet -  umgekommen.

Literatur und Quellen
Groppe, Lothar: Die erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken in Wien. In: Wiener Katholische Akademie, Arbeitskreis für Kirchliche Zeit- und Wiener Diözesangeschichte: Miscellanea LXIV. Wien 1978:
Kronthaler, Michaela: Widerstand gegen den Nationalsozialismus und sozial-karitativer Einsatz für rassistisch Verfolgte: Am Beispiel der Mitarbeiterinnen der (erz-)bischöflichen Hilfsstelle in Wien und Berlin. In: Karl Wallner (Hg.): Auditorium Spiritus Sancti. Festschrift zum 200-Jahr-Jubiläum der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz 1802-2002. Heiligenkreuz 2004 S. 347-378.
Metzler G,: Heimführen werd ich euch von überall her. Aufzeichnungen am Rande des Zeitgeschehens. St. Pölten 1979


Bearbeiterin der Biografie: Karin Nusko