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Gavric, Lisa
Widerstandskämpferin und Politische Funktionärin (KPÖ)

* 31.7. 1907 Wien
† 22.6.1974 Dubna bei Moskau

Lisa Gavric wurde am 31. Juli 1907 in Wien als Tochter der kleinbürgerlichen Familie Bechmann geboren. Gemeinsam mit ihrer Schwester Trude knüpfte sie Kontakte zu kommunistischen Jugendlichen. Trude (Gertrude) Bechmann (verh. Karafiat) wurde am 2. Jänner 1904 in Wien geboren. Sie studierte Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte in Wien, wurde aber wegen politischer Aktivitäten von der Universität relegiert.
Ab 1929 war sie an verschiedenen Theatern als Schauspielerin engagiert, rezitierte bei Veranstaltungen der Internationalen Arbeiterhilfe und schrieb Texte für Frauengruppen. 1939 emigrierte sie nach Jugoslawien und engagierte sich im antifaschistischen Widerstand. 1945 remigrierte sie nach Wien und wurde hier wieder an verschiedenen Theatern tätig. Ab 1956 hatte sie Theaterengagements am Deutschen Theater in Berlin und beim Berliner Ensemble. Nebenbei wirkte sie - in eher kleineren Rollen - in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit wie beispielsweise im DEFA-Spielfilm "Johannes Kepler" von Regisseur Frank Vogel. Am 25. Juli 1982 starb sie in (Ost) Berlin.
Lisa Gavric verläßt 1927 ihr Elternhaus, um nach Paris zu übersiedeln. Dort arbeitet sie für eine Manufaktur und lernt den jugoslawischen Kommunisten Milan Gavric kennen. Die beiden heiraten 1929.
Im selben Jahr wird auch die Tochter Inge geboren.

Die Wohnung der Familie wird zu einem konspirativen Zentrum für die aus Jugoslawien emigrierten KommunistInnen.
1930 übersiedelt die Familie auf Aufforderung der Kommunistischen Jugoslawischen Partei nach Tuzla (Bosnien). Das diktatorische Regime unterdrückt jede Opposition. KommunistInnen werden besonders hartnäckig verfolgt, trotzdem bilden sich überall im Land illegale kommunistische Zellen. Milan Gavric wird Sekretär der KP-Leitung in Tuzla. Auch Lisa arbeitet für die kommunistische Partei und wird Kontaktperson zur KPJ-Organisation in Wien.
Durch einen Spitzel werden viele der kommunistischen Organisationen in Bosnien enttarnt und ihre Mitglieder wegen Hochverrats angeklagt. Auch Milan Gavric wird verhaftet, kann aber aus dem Gefängnis flüchten und kämpft später als Mitglied der Partisanen gegen die deutsche Besatzungsarmee.
Nach 1945 ist er als Journalist tätig. Er stirbt 1982.

Lisa Gavric und ihre Tochter werden aus Jugoslawien ausgewiesen und kommen Anfang 1934 in das Wien des Austrofaschismus und des Bürgerkrieges. Hier kann Lisa Gavric die illegale Arbeit für die kommunistische Partei fortsetzten, den Kontakt zwischen der KPÖ und der KPJ aufrechterhalten und wird im Auftrag der Partei nach Paris geschickt, wo sie für die französische KP tätig wird. 1936, nach dem Francoputsch, läßt Lisa Gavric sich als Krankenschwester ausbilden, um am spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Sie ist in einem Lazarett tätig, bis die Internationalen Brigaden aus Spanien abgezogen werden. Ihre Tochter wird 1937 durch Vermittlung der Roten Hilfe in die Sowjetunion in das Internationale Kinderheim von Iwanow gebracht.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris wird Lisa Gavric nach Südfrankreich ausgewiesen und muss einige Zeit im Internierungslager Gurs verbringen. 1941 soll sie im Auftrag der KPÖ nach Österreich zurückkehren, doch wird ihr die Rückkehr seitens der französischen Regierung verweigert. Daraufhin nimmt sie Kontakt mit der Résistance auf und wird zur sogenannten "Mädelarbeit" eingeteilt. In Paris übernahm sie die "Mädel"-Gruppen von Gerty Schindel. Aufgabe der österreichischen Frauen und Mädchen in diesen Gruppen war es, jeweils zu zweit Kontakt mit Soldaten aufzunehmen, deren Gesinnung zu beeinflussen und ihnen Flugblätter für die Weiterverteilung zu übergeben, um so Agitation gegen den Krieg zu betreiben.

Lisa Gavric führte diese gefährliche und belastende Arbeit bis Ende 1943 aus und wurde dann gemeinsam mit anderen GenossInnen nach Wien entsandt, um hier als französische Fremdarbeiterin mit falschem Pass ihre Widerstandstätigkeit fortzusetzen. Sie wird jedoch enttarnt, im Juni 1944 verhaftet und nach Ravensbrück deportiert. Nach sechs Monaten Lagerhaft kann Lisa Gavric mit Hilfe des von Mela Ernst geleiteten illegalen Lagerkomitees als Französin "Louise Desmeth" in einen Transport des Schwedischen Roten Kreuzes eingeschmuggelt werden.

Nach einer Erholungspause in Schweden kehrt sie nach Österreich zurück und wird für die KPÖ sowohl als Generalsekretärin der Gesellschaft für Österreichisch-Jugoslawische Freundschaft als auch in der Abteilung für Frauenarbeit in Wien tätig.

Ende 1948 übersiedelt sie nach Belgrad, wo sie als Chefredakteurin der Zeitschrift "Schaffende" wirkt, als Kommentatorin der deutschen Redaktion von Radio Jugoslawien tätig wird und im Zentralrat der Gewerkschaften deutsche Fachleute als Instrukteurin betreut. Kurz vor ihrer Pensionierung arbeitet sie im Belgrader Institut für Probleme der internationalen Wirtschaft und Politik.

Während eines Besuches bei ihrer in der UdSSR lebenden Tochter stirbt Lisa Gavric am 22. Juni 1974 in Dubna bei Moskau.

Literatur und Quellen:
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes: Österreicher im Exil Frankreich 1938-1945. Wien 1984
Gavric, Lisa: Die Straße der Wirklichkeit. Bericht eines Lebens. Berlin 1984
Landauer, Hans: Lexikon der Österreichischen Spanienkämpfer 1936-1939. Wien 2003
Robach, Charlotte: Lisa Gavric - Kommunistin und Widerstandskämpferin. (= Alfred Klahr Gesellschaft Mitteilungen. 13.Jg.) Wien 2006)
Spiegel, Tilly: Österreicher in der belgischen und französischen Résistance. Wien - Frankfurt 1969.
Tidl, Maria: Frauen im Widerstand, Frauen im Kampf gegen Faschismus und Krieg. Wien 1983

Bearbeiterin: Karin Nusko