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Hammermann, Anna (Anja),
Ärztin und Widerstandskämpferin

Geb.: Drohobycz, Galizien, 17.3.1907
Gest.: Israel, November 1994

Ehemann: Michael Perilman (Perlman)

Anna Hammermann flüchtete 1914 mit ihren Eltern aus Galizien nach Wien. Die wirtschaftliche Lage der Familie ist schwierig, der Vater steht zwei Jahre im Feld, die Mutter bestreitet den Lebensunterhalt ihrer drei Kinder durch Näharbeiten. Den Schulbesuch muss sich Anna durch Nachhilfeunterricht finanzieren. 1924 schließt sie sich der sozialistischen Mittelschülerbewegung an, zwei Jahre später tritt sie der Kommunistischen Partei bei. Sie engagiert sich in der Frauen- und Jugendarbeit sowie in der Kommunistischen Studentenorganisation Kostufra. Während der Unruhen am 15. Juli 1927 wird sie erstmals verhaftet, bei der Protestkundgebung gegen den Heimwehraufmarsch in Wiener Neustadt im Oktober 1928 erlebt sie ihre zweite Festnahme. Aufgrund ihrer politischen Aktivitäten gerät Anna Hammermann in Konflikt mit den Eltern und zieht von zu Hause aus. Ihr Medizinstudium verdient sie sich als Kindergärtnerin und Krankenschwester. Im Februar 1933 promoviert sie an der Universität Wien zur Doktorin der gesamten Heilkunde. Nach kurzer Tätigkeit in einem Wiener Spital übersiedelt sie in die Sowjetunion und arbeitet dort als Kinderärztin. Mit einer Gruppe von österreichischen Ärzten gelangt sie im Dezember 1937 nach Spanien, um im Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden den Kampf gegen die Franco-Truppen zu unterstützen.

Der erste Eindruck eines Kriegsspitals in Benicàssim wirkt auf die junge Kinderärztin schockierend. Sie wird nach Murcia entsandt, wo sie auf der Chirurgischen Abteilung zum Einsatz kommt. Ihr Engagement gilt vor allem auch den Kindern, die durch den Bürgerkrieg zu Waisen geworden waren und in einer eigenen Klinik betreut werden. Im April 1938 muss das Spital vor der näher rückenden Front nach Mataró (Katalonien) evakuiert werden. Im Krankenhaus von Mataró ist Anna Hammermann als Chirurgin tätig und in einem Kinderhilfskomitee aktiv. Dort lernt sie ihren späteren Mann, den Arzt und Interbrigadisten Michael Perilman kennen. Nach der Demobilisierung der internationalen Freiwilligen im September 1938 wird das Spital aufgelöst. S'Agaró wird zur letzten Station Anna Hammermanns auf dem Rückzug nach Frankreich. Unter dem Bombardement der faschistischen Truppen erreicht sie mit dem Evakuierungstransport, unter dem sich auch Schwerverwundete befinden, die Grenze. Nach kurzfristiger Internierung findet sie Beschäftigung in einem Spital in Perpignan. Im Februar 1939 emigriert sie nach Großbritannien, wohin ihr wenig später Michael Perilman folgt. Anna Hammermann engagiert sich in Exilorganisationen wie der der Association of Austrian Doctors in Great Britain.

1945 geht sie mit ihrem Mann nach Jugoslawien. Nach Titos Bruch mit der Sowjetunion wird Anna Hammermann inhaftiert und nach Montenegro verbannt. 1951 emigrierte das Ehepaar nach Israel. Anna Hammermann war bis zu ihrer Pensionierung als Kinderärztin der gewerkschaftseigenen Krankenversicherungsgesellschaft Kupat Holim Clalit tätig. Sie setzte sich für die jüdisch-palästinensische Verständigung ein und gründete einen binationalen Kindergarten, für den sie auch bei Besuchen in Wien um Unterstützung warb.

Quellen:
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Spanienarchiv, Personendossier Anna Hammermann


Bearbeiterin der Biografie: Christine Kanzler