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Hanika, Anna
Kontoristin und Widerstandskämpferin

Geb.: Wien, 27.6.1903
Gest.: Wien, 14.3.1988

Verlobter: Rudolf Wallner, geb. 1.4.1903, gest. 10.5.1944 (hingerichtet)

Anna Hanika wurde als jüngstes Kind von Therese und Karl Hanika in Wien geboren. Sie hatte einen Bruder, Anton, und eine Schwester, Johanna, die später in den Orden der Karmeliterinnen vom göttlichen Herzen Jesu eintrat. Als sie sechs Jahre alt war, starb der Vater. Anna Hanika, der nur der Besuch der Pflichtschule erlaubt wurde, kam nach dem Ersten Weltkrieg allein für die Versorgung ihrer Mutter auf. Von 1923 bis zu deren Auflösung 1938 war sie als Kontoristin in der christlich-sozialen Gewerkschaft der Gemeindebediensteten tätig, danach arbeitete sie in einer deutschen Kugellagerfirma. Ende 1939 wurde die überzeugte Katholikin durch ihren Verlobten Rudolf Wallner, Vizeinspektor der Wiener Elektrizitätswerke, für die katholisch-konservative Widerstandsgruppe um Karl Lederer, die „Österreichische Freiheitsbewegung“ geworben. Zu Anna Hanikas Aufgaben zählten die Werbung von neuen Mitstreitern und die Kassierung der Mitgliedsbeiträge. Sie gewann Frauen aus ihrem Bekanntenkreis für die Mitarbeit, so etwa Margarete Skroch und Stefanie Wotraubek, mit denen sie im Kirchenchor sang. Mit Hilfe des Schauspielers und Spitzels Otto Hartmann gelang es der Gestapo schließlich, die Gruppe aufzurollen; Anna Hanika wurde im August 1940 verhaftet und gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Gruppe Lederer wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Die Untersuchungshaft verbrachte sie in Wien und Krems. Versuche ihrer Familie, ihre Enthaftung zu erwirken, scheiterten, bis sie schließlich am 10. März 1943 aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurde. Nunmehr von der Arbeitspflicht entbunden, nahm sie den jüngeren Sohn des inhaftierten Widerstandskämpfers Norbert Kastelic, der durch den frühen Tod seiner Mutter zum Halbwaisen geworden war, zu sich. Am 3. März 1944 wurde Anna Hanika vom Volksgerichtshof wegen Beihilfe zur Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe galt durch die Untersuchungshaft als verbüßt.

Gegen ihre Mitangeklagten Karl Lederer, Alfred Miegl und Rudolf Wallner wurde die Todesstrafe verhängt. Mit Wallner stand Anna Hanika bis zu dessen Hinrichtung im Mai 1944 in Verbindung. Auch den zum Tod verurteilten Jakob Kastelic betreute sie in der Haft und ermöglichte es ihm, bei Besuchen seinen jüngeren Sohn zu sehen.
Im Oktober 1945 übernahm es Anna Hanika gemeinsam mit einigen Freunden, am Anatomischen Institut die verstümmelten Körper ihrer hingerichteten Mitkämpfer zu agnoszieren und für ein würdiges Begräbnis zu sorgen. 1947 trat sie als Zeugin im Prozess gegen den Verräter Otto Hartmann auf.
Im Rahmen der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten widmete sich Anna Hanika der Dokumentation der Organisationen der „Österreichischen Freiheitsbewegung“ und ihrer Mitglieder. Ihre Erinnerungen an das Sterben von Jakob Kastelic hat sie in einem erschütternden Bericht zusammengefasst. 1954 übernahm sie auch für Kastelic’ älteren Sohn die Vormundschaft. Sie betätigte sich darüber hinaus karitativ und unterstützte die Missionsarbeit in Afrika durch Medikamentensammlungen. Als sich ihr lebenslanges Herzleiden verschlimmerte, übersiedelte sie 1987 ins Altersheim der Barmherzigen Schwestern in Wien-Gumpendorf, wo sie im März 1988 verstarb.

Schriften:
Erinnerungen … Als Besucherin im Haus des Todes. In: Der Freiheitskämpfer. Organ der Kämpfer für Österreichs Freiheit, Nr. 3, September 1994

Literatur, Quellen:
Anna Hanika – ein Frauenleben im Schatten des Fallbeils. In: Der Freiheitskämpfer. Organ der Kämpfer für Österreichs Freiheit, Nr. 4, Dezember 1994, S. 6f.
Windisch, Josef: Österreichische Freiheitsbewegung Kastelic – Lederer – Scholz. In: Der Freiheitskämpfer. Organ der Kämpfer für Österreichs Freiheit, Nr. 2, Juni 1984, S. 7
DÖW 3043c
DÖW 8324
DÖW 19793/102
Tagesrapport Nr. 13 vom 29. - 30. August 1940. In: Tagesrapporte der Gestapoleitstelle Wien 1938-1945. Online-Datenbank. De Gruyter. 16.12.2009 (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=TRAP-400813)
Tagesbericht Nr. 2 vom 3. - 6.III.1944. In: Tagesrapporte der Gestapoleitstelle Wien 1938-1945. Online-Datenbank. De Gruyter. 16.12.2009 (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=TRAP-440302)
Datenbank VGH, DÖW

Bearbeiterin der Biografie: Christine Kanzler