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Maier, Ines Victoria,
Deckname: Wera
Architektin und Widerstandskämpferin

Geb.: Santiago de Chile, 30. 10. 1914
Gest.: Chile, 2004 (?)

Eltern: Ernesto Maier, Emma Maier, geb. Mayer
Freundschaften: Herbert Eichholzer, geb. Graz, 31. 1. 1902, gest. Wien, 7. 1. 1943 (hingerichtet): Architekt und Widerstandskämpfer
Margarete Schütte-Lihotzky, geb. Wien, 23. 1. 1897, gest. Wien, 18. 1. 2000, Architektin und Widerstandskämpferin

Ines Victoria Maier wurde in Santiago de Chile als eines von sieben Kindern des Ernesto und der Emma Maier geboren. Als sie zwei Jahre alt war, starb der Vater. Sie wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. 1936 ging sie nach Europa, um ein Architekturstudium aufzunehmen. Sie studierte zuerst in München, dann an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Clemens Holzmeister. Im September 1939, nach Beendigung ihres Studiums, folgte sie einem Ruf Holzmeisters als Mitarbeiterin in seinem Team in Istanbul. Im Umfeld Holzmeisters fanden sich antifaschistisch gesinnte Personen zusammen, zu denen auch die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky und der Grazer Architekt Herbert Eichholzer zählten. Aus diesem Kreis rekrutierte sich die Auslandsgruppe der Kommunistischen Partei Österreichs in der Türkei. Über Vermittlung Eichholzers wurde Ines Victoria Maier von Erwin Puschmann („Gerber“), Mitglied des Zentralkomitees der KPÖ, mit der Funktion einer Verbindungsperson zwischen dem In- und Auslandsapparat der Partei betraut. Ziel war der Wiederaufbau der Parteistrukturen in Österreich. Im Verlauf des Jahres 1940 unternahm Ines Victoria Maier Kurierreisen nach Jugoslawien, Österreich und die Schweiz. Wiederholt traf sie mit leitenden Parteifunktionären wie Puschmann, Willi Frank („Harald“), Julius Kornweitz („Bobby“) und Anton Reisinger („Tondo“) zusammen und knüpfte in enger Zusammenarbeit mit Eichholzer Verbindungen zwischen Vertretern von Widerstandsgruppen aus Wien, Linz und Graz. Im September 1940 übersiedelte Ines Victoria Maier aus beruflichen Gründen nach Linz und setzte von dort aus ihre Tätigkeit fort. Inzwischen war es der Gestapo mit Hilfe des V-Mannes Kurt Koppel („Ossi“) gelungen, sämtliche Verbindungen innerhalb des Widerstandsnetzes aufzudecken. Mehr als 500 Personen fielen der Anfang 1941 einsetzenden Verhaftungswelle zum Opfer. Victoria Maier wurde am 22. Jänner festgenommen, als sie die Wiener Wohnung Margarete Schütte-Lihotzkys betrat. Sie wurde vier Wochen lang von der Gestapo verhört. Während ihrer Haft in den Gefängnissen auf der Elisabethpromenade und in der Schiffamtsgasse konnte sie sich heimlich mit Schütte-Lihotzky verständigen. Nach einem Jahr konnte ihre Familie erreichen, dass Victoria Maier, die chilenische Staatsbürgerin war, enthaftet wurde. Sie wurde nach Deutschland abgeschoben, wo sie unter polizeilicher Meldepflicht kurzfristig zur Arbeit verpflichtet wurde, und schließlich nach Chile ausgewiesen. Victoria Maier setzte ihre Laufbahn als Architektin fort. Sie starb um 2004 in Chile.

Literatur, Quellen:

Halbrainer, Heimo: „Von der Kunst zur Politik“. Herbert Eichholzer und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus (http://www.korso.at/archive/korso/DStmk/eichholzer/Politik.htm)

Schütte-Lihotzky, Margarete: Erinnerungen aus dem Widerstand. Das kämpferische Leben einer Architektin von 1938 - 1945. Hg. von Irene Nierhaus, Wien 1994, S. 78f., 83f., 105f.

Tagesbericht Nr. 2 vom 4. - 5. 2. 1942. In: Tagesrapporte der Gestapoleitstelle Wien 1938-1945. Online-Datenbank. De Gruyter, http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=TRAP-420202

Anklage 7J 257/41. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933-1945. Online-Datenbank. K. G. Saur Verlag, http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=wh1320

VGH 5.138/A2, Bundesarchiv, Zwischenarchiv Dahlwitz-Hoppegarten


Bearbeiterin der Biografie: Christine Kanzler