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Meinhardt (Künstlername), Frida (Frieda), geborene Baronin Friederike Müller von Mühlwerth (Mühlwerth-Gärtner),
Schauspielerin, Vortragskünstlerin und Widerstandskämpferin

Geb.: Wien, 13.1.1879
Gest.: Wien 20.3.1955

Mutter: Baronin Stefanie von Mühlwerth-Gärtner, geborene Skerlecz von Lominza, geb. Schloss Bogátti, Komitat Eisenberg (Ungarn), 30.3.1842: Schriftstellerin
Vater: Friedrich Freiherr von Mühlwerth-Gärtner, geb. 1836, gest. 1890: Soldat und Publizist

Freundschaften:
Alfons Petzold, geb. Wien, 24.9.1882, gest. Kitzbühel (Tirol), 25.1.1923: Schriftsteller und Gemeinderat
Hedwig Petzold, geborene Gamillscheg, geb. 1890, gest. 1968
Christiane Esders, geborene Petzold, geb. 1916, gest. 1984
Valerie Laufer, geb. Brünn, 25.6.1883, gest. 18.1.1958 Wien: Buchhalterin

Frida Meinhardt entstammte einer adeligen Familie. Ihre Mutter, Baronin Stefanie von Mühlwerth-Gärtner, war Schriftstellerin, ihr Vater, Friedrich Freiherr von Mühlwerth-Gärtner trat als Verfasser militärhistorischer und militärwissenschaftlicher Schriften hervor. Die junge Baronin wandte sich der Schauspielerei zu und begann ihre Laufbahn am Deutschen Volkstheater. Sie wirkte an verschiedenen Theatern, unter anderem am Burgtheater, bevor sie sich ausschließlich der Vortragskunst widmete. Auf Vortragsreisen, die sie auch nach Italien und Frankreich führten, rezitierte sie Werke österreichischer Dichter. Mit besonderem Engagement betätigte sich Frida Meinhardt als Rezitatorin in Wiener Arbeiterbildungsvereinen. Bei einem dieser Vortragsabende im Dezember 1907 lernte sie den noch unbekannten Arbeiterdichter Alfons Petzold kennen. Überzeugt von dessen Talent, unterstützte sie ihn fortan in großzügiger Weise und legte so den Grundstein zur erfolgreichen Laufbahn des Dichters. Nach Petzolds Tod im Jahr 1923 blieb Frida Meinhardt seiner Witwe Hedwig und den drei Kindern eng verbunden.

Im Jahr 1942 klopfte Valerie Laufer, die nach den Nürnberger Gesetzen als Jüdin galt, an die Tür der ihr persönlich nicht bekannten Künstlerin. Sie war nach der Deportation ihrer Schwester Marianne im Herbst 1941 untergetaucht, um diesem Schicksal zu entgehen. Frida Meinhardt zögerte nicht, die ihr Unbekannte in ihrer Wohnung in der Wiener Breitegasse 7 aufzunehmen. Angesichts der schwierigen Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs vertraute sich Frida Meinhardt ihrer in Kitzbühel lebenden Freundin Hedwig Petzold an. Diese wiederum weihte ihre Tochter Christiane ein, die in Wien mit dem Textilindustriellen Stefan Esders verheiratet war. Christiane Esders konnte aus den Beständen des Kaufhauses Esders Kleidung abzweigen und half auch mit Lebensmitteln aus. Eine weitere Helferin in diesem Netzwerk couragierter Frauen war die Hausmeisterin Josefa Jäger, die Stillschweigen über die Untergetauchte bewahrte. Frida Meinhardt gelang es später, falsche Papiere zu besorgen, sodass sich Valerie Laufer relativ frei bewegen konnte. Während der Bombardierung Wiens nahm Meinhardt ihren Schützling in den öffentlichen Luftschutzkeller mit. Valerie Laufer überlebte als „U-Boot“ bis zur Befreiung. Da sie, wie so viele Betroffene der nationalsozialistischen Beraubungspolitik, ihre Wohnung nicht zurückerhielt, blieb sie bei Frida Meinhardt, mit der sie mittlerweile eine tiefe Freundschaft verband, bis zu deren Tod im Jahr 1955 wohnen.

Werkangaben:
Geleitwort. In: Petzold, Alfons: Seltsame Musik. Gedichte. Wien ca. 1911, S. 5-8
Erinnerung an Alfons Petzold. In: Austro-American Tribune, Nr. 11, Juni 1947. New York (Beilage)

Literatur, Quellen:
Braun-Prager, Käthe: Zum Gedächtnis Frida Meinhardts. In: Arbeiter-Zeitung, 26.3.1955, S. 9
Grossmann, Kurt R.: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen, Berlin 1957, S. 173-175
Pataky, Sophie: Lexikon deutscher Frauen der Feder, Berlin 1898, Bd. 2, S. 5331f.

Auskunft Matrikelamt der Israelitischen Kultusgemeinde, 10.9.2008
Esders, Andreas: „Le Collier Des Miracles“ oder wie gute Taten fortleben (unveröff. Typoskript, Jänner 1993)
Frida Meinhardt an Hedwig Petzold, undatierter Brief [1944/45], Privatarchiv Andreas Esders, Wien
Meldeauskunft Wiener Stadt- und Landesarchiv, Magistrat der Stadt Wien, Magistratsabteilung 8, 8.10.2008
Mitteilungen Andreas Esders, Wien

Fotos: Privatarchiv Andreas Esders, Wien


Bearbeiterin der Biografie: Christine Kanzler