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Meller (Mella), Theresia (Therese),
Kellnerin und Widerstandskämpferin

Geb. Wien 27. 1. 1918
Gest. Wien 9. 1. 1945 (hingerichtet)

Lebensgefährte: Walter Greif (Deckname: Alphonse Müller), geb. 30.6.1911, gest. Auschwitz 1944

Theresia Meller war die Tochter eines Kaufmanns. Da sie keinen Beruf erlernt hatte, verdiente sie ihren Lebensunterhalt unter anderem als Hausbesorgerin, Arbeiterin und Kellnerin. Bereits 1930 wurde sie Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend, der sie bis 1936 angehörte. Danach war sie in der Kommunistischen Partei und der Roten Hilfe aktiv. Zu dieser Zeit freundete sie sich mit Walter Greif an, der 1937 nach Spanien ging, um an der Seite der Republikaner zu kämpfen. 1942 kehrte Greif aus dem Pariser Exil als französischer Zivilarbeiter getarnt nach Österreich nach Wien zurück, um zusammen mit anderen kommunistischen Emigranten wie Ludwig Beer, Frieda Günzburg und Gottfried Kubasta die Strukturen KPÖ in Österreich zu reorganisieren und Kontakte zu Widerstandsgruppen zu knüpfen. Theresia Meller beherbergte Greif in ihrer Wohnung, die auch als Treffpunkt für illegale Zusammenkünfte diente. Sie betätigte sich als Verbindungsfrau zwischen kommunistischen Funktionären und Angehörigen von Betriebsgruppen, so etwa der Rote-Hilfe-Organisation des Gaswerks Simmering, und beteiligte sich am Vertrieb von Flugschriften.

1943 gelang es der Gestapo, das weit verzweigte Widerstandsnetz aufzurollen. Theresia Meller und Walter Greif wurden am 28. August verhaftet. In Mellers Wohnung wurden Parteigelder und Materialien zur Herstellung von Druckschriften sichergestellt. Greif wurde später ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo er nach Zeugenaussagen ermordet wurde. Theresia Meller wurde zehn Monate in Gestapohaft festgehalten. Danach befand sie sich im Allgemeinen Krankenhaus. Am 30. Oktober 1944 wurde sie vom 5. Senat des Volksgerichtshofs wegen Hochverrats in erschwerter Form, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung zum Tod verurteilt. Obwohl ihr ein fachärztliches Gutachten verminderte Zurechnungsfähigkeit aufgrund einer Erkrankung bescheinigte, machte der Senat von der Möglichkeit einer Strafmilderung keinen Gebrauch, „denn auch dieser Fall zeigt wieder, daß die von Psychopathen ausgehende Gefahr für die Allgemeinheit mindestens so groß ist wie bei Gesunden“, wie es in der Urteilsschrift heißt. In den Gerichtsakten wird wiederholt in gehässiger Weise auf ihre jüdische Herkunft (nach den Nürnberger Gesetzen galt sie als „Mischling 1. Grades“) verwiesen.

Theresia Meller wurde am 9. Jänner 1945 im Wiener hingerichtet. Ihr Name findet sich auf einer Gedenktafel in der Weihestätte des Hauses.

Literatur, Quellen:
Fein, Erich: Die Steine reden. Gedenkstätten des österreichischen Freiheitskampfes. Mahnmale für die Opfer des Faschismus. Eine Dokumentation, Wien 1975, S. 25
Weisz, Franz: Die geheime Staatspolizei Staatspolizeileitstelle Wien. 1938 – 1945. Organisation, Arbeitsweise und personale Belange. Wien, Univ., Diss., 1991, Bd. 4.1, S. 184
Anklage 7J 139/44, in: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933-1945. Online-Datenbank. K. G. Saur Verlag (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=wh1967)
Urteil 5H 89/44 , 5H 82/44 -- 7J 139/44 , 7J 130/44. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933-1945. Online-Datenbank. K. G. Saur Verlag (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=wh1968)
Datenbank Nicht mehr anonym. Fotos aus der Erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien, www.doew.at
Datenbank Shoah-Opfer, www.doew.at
DÖW 8476


Bearbeiterin der Biografie: Christine Kanzler