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Roidmaier, Franziska, geb. Nandlinger,
im religiösen Widerstand als Zeugin Jehovas

geb.: 3.3.1898 Munderfing/Braunau
verstorben im Juli/August 1943 im KZ Auschwitz

Franziska Roidmaier wird am 3. März 1898 in Munderfing (Bezirk Braunau) als erstes eheliches Kind von Josef und Theresia Roidmaier geboren. Insgesamt hat sie 11 Geschwister, von denen 1940 nur noch drei leben.

Sie besucht bis zu ihrem 14. Lebensjahr die Volksschule in Munderfing und arbeitet danach bis zu ihrer Heirat im Jahre 1930 als Kindermädchen und Magd bei Bauern. Ihr Mann Karl Roidmaier ist Hilfsarbeiter in Friedburg, Gemeinde Lengau. Franziska bringt von 1931 bis 1939 sechs Kinder (Bertl, Maria, Karl, Franziska, Theresia, Anna) zur Welt. Die Familie wohnt in Lengau, Pfannenstiel 4.

Franziska kommt bereits 1933 mit den Zeugen Jehovas in Kontakt. Eine Bibel und religiöse Schriften der Internationalen Bibelforschervereinigung bekommt sie per Post aus der Schweiz. 1935 tritt das Ehepaar aus der römisch katholischen Kirche aus, 1939 wird der Austritt der zwei älteren noch getauften Kinder gemeldet. Franziska ist nach eigenen Angaben bei der Gestapo 1940 noch nicht als Zeugin Jehovas getauft. Ihr Mann besucht die Kongresse der Zeugen Jehovas in Luzern (1936) und Prag (1937). Im April 1939 kommt es zur ersten großen Verhaftungswelle in Oberösterreich, der die meisten der Braunauer Zeugen Jehovas zum Opfer fallen. Eine neuerlich groß angelegte Verhaftungswelle am 12. Juni 1940 trifft nun auch die Familie Roidmaier und weitere 15 Zeugen Jehovas aus der Umgebung, die gemeinsam angeklagt und am 4. Dezember 1940 vom Landgericht Linz verurteilt werden. Franziska wird wegen „Wehrkraftzersetzung“ zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Ihr Lesen der Bibel gemeinsam mit Gleichgesinnten und ihre Kindererziehung nach den Lehren der Zeugen Jehovas wird ihr zum Verhängnis. Franziska wird am 15. März 1941 ins KZ Ravensbrück (Haftnummer 5729) und etwa im Mai 1942 ins KZ Auschwitz eingeliefert. Währenddessen wird sie von ihrer Mutter in Briefen immer wieder angefleht, die von den Nationalsozialisten erwünschte Unterschrift zu leisten und vor allem an ihre Kinder zu denken. Doch Franziska hatte bereits bei der Gestapo in Linz zu Protokoll gegeben, dass sie trotz ihrer sechs Kinder nicht von ihrem Bekenntnis zur Lehre der Zeugen Jehovas ablassen werde, was auch immer mit ihr geschehen möge. Sie kommt wahrscheinlich noch vor dem August 1943 im KZ Auschwitz ums Leben.
Franziskas
Ehemann Karl wird wegen seiner Glaubenstreue und seiner strikten Ablehnung des Militärdienstes zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt. Er befindet sich zunächst im Strafgefangenenlager Aschendorfer-Moor und dann im Zuchthaus Garsten, wo er beim Kraftwerksbau bei Ternberg eingesetzt wird. Er verstirbt am 30. Oktober 1944 im Krankenhaus Steyr an Tuberkulose. Die sechs zurückgebliebenen Kinder kommen zunächst ins Armenhaus Friedburg und hätten später auf verschiedene Pflegeeltern aufgeteilt werden sollen. Dies konnte die Leiterin des Hauses verhindern, indem sie die Kinder für die ersten Jahre privat bei sich aufnahm.

Literatur und Quellen:
DÖW 9336,
DÖW14598,
DÖW 1776,
DÖW 19509 (Gestapoprotokoll)
Archiv Ravensbrück
Jehovas Zeugen Österreich/Geschichtsarchiv: Briefe von Karl Roidmaier an Franziska Roidmaier
Schwanninger, Florian: Im Heimatkreis des Führers, Nationalsozialismus, Widerstand und Verfolgung im Bezirk Braunau 1938 – 1945, Braunau 2007, S. 158-160
Ö1 Journal vom 22.11.2001

Bearbeiterin: Heidi Gsell