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Soucek, Aloisia (Luise), geb. Jarosch
Deckname: "Luise Kurz"
Buchhalterin und Widerstandskämpferin

Geb.: Wien, 8.2.1908
Gest.: Sowjetunion, um 1950

Vater: Johann Jarosch
Mutter: Magdalena Jarosch, geb. Wolschleger
Geschwister: eine Schwester, zwei Brüder
Ehemann: Josef Soucek
Kinder: ein Sohn

Aloisia Soucek wurde als Kind eines Fabriksarbeiters und einer Wäscherin in Wien geboren. Nach dem Besuch der Pflichtschule absolvierte sie einen zweijährigen Handelskurs. Sie war seit ihrem 14. Lebensjahr erwerbstätig, ab 1929 war sie arbeitslos. 1925 trat sie der Sozialdemokratischen Partei bei, seit 1930 gehörte sie der Kommunistischen Partei an. Im Jahr 1931 oder 1932 übersiedelte sie mit ihrem Mann Josef Soucek in die Sowjetunion. Nachdem sie zunächst als Stenotypistin am Marx-Engels-Institut in Moskau gearbeitet hatte, besuchte sie die Kaderschulen "Kommunistische Universität der Nationalen Minderheiten des Westens" (KUNMS) und "Internationale Leninschule" (ILS), wo sie von 1936 bis 1938 Sekretärin des österreichischen Sektors war. Danach arbeitete sie im Verlag für fremdsprachige Literatur.
Nach dem Überfall des nationalsozialistischen Deutschland auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde Aloisia Soucek zur Funk- und Fallschirmagentin ausgebildet. Auftrag der Agenten war es, aus ihrem Zielgebiet Nachrichten über die militärische und wirtschaftliche Lage nach Moskau zu übermitteln, Verbindungen zum örtlichen Widerstand herzustellen sowie gegebenenfalls neue Widerstandsgruppen aufzubauen.

Im Sommer 1943 sprang sie gemeinsam mit der österreichischen Emigrantin Hilde Mraz über polnischem Territorium ab, von wo die beiden Frauen nach Wien gelangten und mit ihrem Kontaktmann Gregor Kersche zusammentrafen. Souceks Versuche, Funkkontakt mit Moskau herzustellen, scheiterten jedoch. Anfang Jänner 1944 flog die Gruppe auf. Aloisia Soucek und ihre Mitkämpfer wurden verhaftet und ins Gestapohauptquartier auf dem Morzinplatz gebracht. Unter dem Druck der Folter zwang man sie, mit der deutschen Gegenspionage zusammenzuarbeiten. Im Rahmen so genannter "Funkspiele" übermittelten sie fingierte Nachrichten zur Desinformation des Gegners.
Als die Wachmannschaft im April 1945 vor der heranrückenden Roten Armee geflohen war, verließen Aloisia Soucek und Hilde Mraz den Gestapokeller und nahmen Kontakt mit den sowjetischen Befreiern auf. Per Flugzeug brachte man die beiden Frauen nach Moskau zurück. Sie ahnten nicht, dass sie vom Geheimdienst NKWD als Verräterinnen und Kollaborateurinnen betrachtet wurden. Nach ihrer Ankunft wurden sie umgehend in Haft genommen und im August 1945 zu acht Jahren Lagerstrafe verurteilt.
Die gemeinsame Odyssee durch mehrere Lager hat Aloisia Soucek nicht überlebt. Sie starb um 1950 in der Haft.

Literatur, Quellen:
Österreicher im Exil. Sowjetunion 1934-1945. Eine Dokumentation. Hg. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1999, S. 129, 686.
Schafranek, Hans: Im Hinterland des Feindes. Sowjetische Fallschirmagenten im Deutschen Reich 1942-1944. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Jahrbuch 1996, Wien 1996, S. 38f.
Spira, Leopold: Hilde Mraz. In: Memorial. Österreichische Stalin-Opfer, Wien 1990, S. 79-83.
DÖW 22865/16.
http://www.marxforschung.de/docs/kbiosb3.pdf
Datenbank Nicht mehr anonym. Fotos aus der Erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien, www.doew.at


Bearbeiterin der Biografie: Christine Kanzler