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Tencer, Ester
Widerstandskämpferin

* 1.4.1909 Ryglice (Polen)
† 1990 Wien

Ester Tencer wurde als Tochter eines Rabbiners in Galizien geboren. 1914 übersiedelt die Familie nach Wien, Ester kommt in die Handelsschule und erhält eine Ausbildung zur Buchhalterin. Sie kommt mit der kommunistischen Studentenbewegung in Kontakt und wird ab 1936 für die im Austrofaschismus verbotene Rote Hilfe tätig.

1939 flieht Ester Tencer nach Antwerpen und schließt sich dort der jüdischen kommunistischen Partei an. Nach der Besetzung Belgiens durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 stellt sie illegales Propagandamaterial her und verteilt dieses gemeinsam mit anderen österreichischen WiderstandskämpferInnen in den deutschen Kasernen.

Ab 1942 setzen in Belgien die Deportationen ein. Die Mutter und eine Schwester von Ester Tencer werden Ende Februar 1943 verhaftet und gelten seither als verschollen. Man muß vermuten, dass sie in einem Vernichtungslager umgekommen sind. Ester Tencer leistet Widerstand gegen die Nationalsozialisten, indem sie sich zur sogenannten „Mädelarbeit“ zur Verfügung stellt. Aufgabe dieser österreichischen Aktivistinnen in den „Mädelgruppen“ sollte es sein, Kontakt mit Soldaten aufzunehmen, sie gegen den Krieg zu beeinflussen und ihnen pazifistisches Propagandamaterial zur Weiterverteilung in den Kasernen zu übergeben mit dem Ziel, Agitation gegen den Krieg zu betreiben und die Soldaten zu demoralisieren.

An dieser Form der Sabotage ist Ester Tencer bis zu ihrer Verhaftung im Frühjahr 1943 beteiligt. Sie wird verhaftet und bis Jänner 1944 in einer Einzelzelle gefangen gehalten.Über das Durchgangslager Malines wird sie nach Auschwitz deportiert. Im Lager wird Ester Tencer von der illegalen politischen Organisation beschützt, indem sie Arbeitskommandos zugeteilt wird und so der Vernichtung in den Gaskammern entgeht. In ihren Erinnerungen betont sie die Solidarität im Lager. Mitte Jänner 1945 wird Auschwitz evakuiert und Ester Tencer gemeinsam mit vielen anderen KZ- InsassInnen auf den Todesmarsch nach Ravensbrück geschickt. Dort kann sie Mitte April 1945 vom Roten Kreuz nach Schweden evakuiert werden.
Nach ihrer Rückkehr nach Wien wird Ester Tencer als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands tätig.

Literatur und Quellen:
Berger, Karin, (Hg.): Ich geb dir einen Mantel, daß du ihn noch in Freiheit tragen kannst. Widerstehen im KZ. Österreichische Frauen erzählen. Wien 1987
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (Hg.): Österreicher im Exil. Belgien 1938 – 1945. Eine Dokumentation. Wien 1987
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (Hg.): Jüdische Schicksale. Berichte von Verfolgten. Wien 1992
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands: Erzählte Geschichte: Widerstand 1934-1938.
Ester Tencer. (http://www.doew.at/service/archiv/eg/tencer.html)
Zanger, Jakob: Bewaffneter Kampf in Belgien: Soldatenarbeit. In : Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft. Wien 1995

Bearbeiterin: Karin Nusko