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Zinn- und Bleiwarenfabrik Quellenstraße 149, Wien Favoriten

Geschichte und Beschreibung


Der Industriebau in der Quellenstraße 149, 1100 Wien, ist seit 1936 eingetragen als Zinn- und Bleiwarenfabrik Franke & Scholz, vormals beherbergte das Gebäude die Maschinenfabrik H. R. Gläser. Begrenzt wird das Grundstück von der Quellenstraße im Norden, Buchengasse im Süden, Siccardsburggasse im Osten und Leebgasse im Westen.

Die ersten Teile des Gebäudekomplexes wurden 1888 und 1889 vom Architekten Oskar Laske für den Industriellen Hugo Reinhold Gläser errichtet. Aus dieser Zeit stammen Werkstatthallen, Schmiede, Kessel- und Maschinenhaus, Wohnhaus für den Fabrikanten sowie alle Nebengebäuden, ausgeführt in schönster Sichtziegelbauweise. 1890 wurde über der Toreinfahr der Bürotrakt errichtet.

Durch Verwendung von Elementen einer verfremdeten Tudor-Neogotik mit romanisierenden Motiven entstand in der Quellenstraße eine bis heute markante, durch die Folge dreier unterschiedlich gestaltetet Giebel charakterisierte, einheitlich-repräsentative und den industriellen Charakter der Anlage gegen die von Wohnhausbauten dominierte Umgebung deutlich absetzende Fassade, die im Verbauungskontext des Viertels einen deutlichen städtebaulichen Akzent setzt, andererseits aber auch als gebautes Zeugnis der Favoritner Industriekultur der Spätgründerzeit erhebliche Bedeutung besitzt.

1899 gelangte die Fabrik in den Besitz des jüdischen Industriellen Maximilian Luzatto aus Triest. Im Jahr 1934 wurde die Fabrik von Maximilian Luzatto, der die kommenden politischen Entwicklungen rechtzeitig erkannte und darauf hin in die USA emigrierte, an die Firma Franke und Scholz verkauft. Franke und Scholz, die ihren Hauptsitz ursprünglich im mährischen Römerstadt hatten, führten die Fabrik in Wien als Nebenstelle weiter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik durch zwei Bombentreffer beschädigt. Eine Bombe schlug im Südöstlichen Teil des Gebäudes ein. Ihre Zerstörung ist heute noch im Grundriß zu erkennen, der hier vom Rechteck abweicht. Diese zerstörten Teile der Werkshallen wurden nicht neu errichtet sondern blieben unverbaut. Die neuerrichteten Wände in diesem Bereich wurden weiß verputzt. Heute befindet sich in diesem Teil des Gebäudes eine Niederlassung der Firma Profi Reifen.

Nach dem Einzug der Roten Armee in Wien diente das Gebäude während der Besatzungszeit als sowjetische Komandatur im 10 Wiener Bezirk. Durch die Vertreibung der Sudetendeutschen und dem damit verbundenen Verlust der tschechischen Besitzungen der Firma Franke und Scholz erweckte die Wiener Fabrik nach dem Abzug der Russen wieder Aufmerksamkeit. Die Hauptproduktion in den 50iger und 60iger Jahren stellten Bleirohre für Wasserleitungen dar. Durch schlechtes Wirtschaften und geringe Anpassungsfähigkeit kam es nach der Erkenntnis der Schädlichkeit von Blei für die Gesundheit und dem damit verbundenen Verbot von Bleirohren für Wasserleitungen zu einem Niedergang der Firma.

Seit den 1980igern wurden zunehmend Räumlichkeiten des Gebäudes weitervermietet. Heute finden sich im Fabrikskomplex neben der Firma Profi Reifen ein Architekturbüro der Wiener Gebietsbetreuung, das Künstleratelier Plattform Quelle, ein Musikproberaum und eine private Kellerbrauerei. Das Wohngebäude, das die meiste Zeit über unbewohnt war, dient seit den 50igern immer wieder als Studentenunterkunft für Familienmitglieder der Frankes und seit den 80igern der verschwägerten Familie Schobesberger. Seit 2005 werden Teile der ehemaligen Fabrikantenwohnung von der bereits dritten Studentengeneration bewohnt.

 

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