Datenbank Aschach – Suche

Demoversion - Testdatenbank

Die hier abfragbaren Daten dienen nur zu Testzwecken. Sie umfassen nur Daten der Jahre 1727 und 1728, die noch nicht endkorrigiert wurden. Die vollständige Datenbank wird im Laufe des Jahres 2022 online gestellt werden.

Die Aschacher Mautprotokolle – Eine Gebrauchsanweisung

Peter Rauscher – Andrea Serles

Der folgende Text bietet eine kurze Einführung in die Aschacher Mautprotokolle als historische Quelle sowie in die Suchmöglichkeiten der sie erschließenden Datenbank. Bitte beachten Sie, dass die Arbeiten an der Datenbank noch nicht abgeschlossen sind und es sich bei den momentan veröffentlichten Daten für die Rechnungsbücher von 1728 und 1729 um eine Testversion zu Demonstrationszwecken handelt. Im Zuge der Endredaktion der Jahrgänge 1706–1740 wird es noch zu Korrekturen (etwa durch Vereinheitlichung der Personennamen, Orts- und Warennamen oder der regionalen Zuordnung) kommen. Ebenfalls implementiert werden noch Download-Möglichkeiten der Suchergebnisse.

  1. Die Edition von Mautregistern

    Mautregister1Im süddeutschen Sprachraum wurden die Begriffe „Maut“ und „Zoll“ synonym verwendet. Dies gilt auch für den vorliegenden Text. – Rechnungsbücher über die Einnahmen einzelner Mautstellen – geben einen detaillierten Einblick in den Transport von Gütern oder Personen. Besonders in Zeiten vor statistischen Erhebungen von Warenströmen bilden sie die entscheidenden Quellen, um Fragen nach Handelskonjunkturen und wirtschaftlichen Verflechtungen einzelner Räume zu beantworten. Die in den Mautregistern verzeichneten Frachten erlauben Rückschlüsse auf sich wandelnde Konsumgewohnheiten; die Nennung der Transportunternehmer und ihrer Kunden (v. a. Kaufleute) bildet die Grundlage für eine Analyse der Organisatoren des Warenumschlags. Darüber hinaus können Mautregister eine Vielzahl anderer Informationen wie etwa zur Klima-, Migrations- oder Militärgeschichte (Transport oder Versorgung militärischer Einheiten) enthalten. Einen besonderen Quellenwert erlangen Mautregister dann, wenn sie für einen größeren Zeitraum überliefert sind und damit die Grundlage für die Erhebung langjähriger Datenreihen bilden, auf deren Basis syn- und diachrone Strukturanalysen durchgeführt und Handelskonjunkturen ermittelt werden können.

    Wie bei anderen Editionsprojekten sind auch im Fall seriell vorliegender Rechnungsbücher, wie sie Mautregister darstellen, forschungsstrategische Grundsatzentscheidungen zu treffen und methodische Vorüberlegungen anzustellen. Zweifellos sind der zeitliche Aufwand einer detaillierten Erschließung solcher Quellen und die damit verbundenen Kosten hoch. In der Forschung wurde daher häufig auf eine Edition verzichtet; meist beschränkte man sich – nur teilweise durch die Überlieferungslage begründet – auf die Analyse einzelner Jahresrechnungen. Beispiele für den österreichischen Raum bilden etwa die Studien von Herbert Hassinger, Othmar Pickl oder Erich Landsteiner2Vgl. etwa zum Zoll vom Lueg am Brenner im Jahr 1734: Herbert Hassinger, Der Verkehr über Brenner und Reschen vom Ende des 13. bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Mit einem Tabellenanhang, in: Neue Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Tirols. Festschrift für Univ.-Prof. Dr. Franz Huter anläßlich der Vollendung des 70. Lebensjahres, 1. Teil, hg. von Ernst Troger–Georg Zwanowetz (Tiroler Wirtschaftsstudien 26, Innsbruck–München 1969) 137–194; zu Donaumauten: Othmar Pickl, Handel an Inn und Donau um 1630, in: Wirtschaftskräfte und Wirtschaftswege 2: Wirtschaftskräfte in der europäischen Expansion. Festschrift für Hermann Kellenbenz, hg. von Jürgen Schneider et al. (Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte 5, [Stuttgart] 1978) 205–243; ders., Österreichisch-ungarische Handelsbeziehungen entlang der Donau vom 15. bis zum 18. Jahrhundert Historisches Jahrbuch der Stadt Linz (1987) 11–40; Erich Landsteiner, Handelskonjunkturen, in: Die frühneuzeitliche Residenz (16. bis 18. Jahrhundert), hg. von Karl Vocelka–Anita Traninger (Wien–Köln–Weimar 2003) 201–205; ders., Der Güterverkehr auf der österreichischen Donau (1560–1630), in: Wiegen – Zählen – Registrieren. Handelsgeschichtliche Massenquellen und die Erforschung mitteleuropäischer Märkte (13.–18. Jahrhundert), hg. von Peter Rauscher–Andrea Serles (Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas 25, Innsbruck–Wien–Bozen 2015) 217–254.. Verbunden damit ist freilich ein enormer Verlust an Informationen und an Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Hinzu kommt, dass auf der Basis einzelner Bände von Mautregistern nur ein punktuelles Bild von Transport und Handel gezeichnet werden kann, das – abhängig etwa von kurzfristigen Ereignissen wie dem Wetter, Kriegszügen oder Seuchen – vom längerfristigen Trend stark abweichen kann. Dies gilt beispielsweise auch für die Bearbeitung der einzigen erhaltenen Linzer Mautrechnung aus dem Jahr 1627, die während der bayerischen Besatzung des Landes ob der Enns in einer Phase unmittelbar nach dem oberösterreichischen Bauernkrieg entstand. Ihre Auswertung beruht stark auf aggregierten Daten und ist zudem auf mehrere Bände einer Zeitschrift verteilt3Hans-Heinrich Vangerow, Linz und der Donauhandel des Jahres 1627. Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1962 (1963) 223–332, 1963 (1964) 255–377 [mit Beilagenband], 1964 (1965) 41–98.. Auch Hassingers Mischung aus Edition und Handbuch zur Handels- und Verkehrsgeschichte in Kärnten und Salzburg bietet ebenso wenig eine befriedigende Lösung zur Auswertung von Mautquellen wie die Tabellen zu den Passagen durch den Sund auf Basis der dänischen Sundzollregister.4Nina Ellinger Bang–Knud Korst (Bearb.), Tabeller over skibsfart og vaeretransport gennem Øresund 1497–1783, 7 Bde. (København–Leipzig 1906–1953); Herbert Hassinger, Geschichte des Zollwesens, Handels und Verkehrs in den östlichen Alpenländern vom Spätmittelalter bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. 1: Regionaler Teil, erste Hälfte: Westkärnten–Salzburg (Deutsche Handelsakten des Mittelalters und der Neuzeit 16, Deutsche Zolltarife des Mittelalters und der Neuzeit 5, Stuttgart 1987).

    Im Gegensatz zur Präsentation aggregierter Daten wurden Rechnungen von Zöllen/Mauten, wie etwa der Katzenelnbogener Rheinzölle, nur selten im Volltext publiziert5Karl E. Demandt (Bearb.), Das Katzenelnbogener Rheinzollerbe 1479–1584, 3 Bde. (Wiesbaden 1978–1981).. Mit dem rapiden Fortschritt der EDV können heute große Datenmengen wesentlich benutzerfreundlicher aufbereitet werden als dies in Buchform möglich ist. Das Projekt „Sound Toll Registers Online“6Das Projekt wird an der Universität Groningen und dem Zentrum für friesische Geschichte und Literatur „Tresoar“ in Leeuwarden durchgeführt. Jan Willem Veluwenkamp, Die „Sound Toll Registers Online“ als Instrument für die Erforschung des frühneuzeitlichen Ostseehandels, in: Rauscher–Serles, Wiegen (wie Anm. 2) 365–384, mit der aktuellen Forschungsliteratur und Internetressourcen. ediert beispielsweise seit 2009 mit den dänischen Sundzollregistern die bekannteste und umfangreichste europäische Serie von Zollrechnungen in Form einer online abfragbaren Datenbank. Bereits seit 2008 wurden die – freilich von ihrem Umfang her nicht vergleichbaren – Kremser Waag- und Niederlagsbücher in einer ähnlichen Weise erschlossen. Welchen Aufschwung und Bedeutungswandel Editionen und Editionstechniken durch den Einsatz von EDV und Internet in den letzten Jahren erlebt haben, spiegeln aktuell auch die Schwerpunkte einer ganzen Reihe von Fachtagungen zum Thema Massenquellen und Editionstechnik sowie bereits realisierte Projekte wider.7Vgl. etwa die Jahresrechnungen der Stadt Basel 1535 bis 1610 – digital, hg. von Susanna Burghartz unter Mitarbeit von Sonia Calvi–Lukas Meili–Jonas Sagelsdorff–Georg Vogeler (Basel–Graz 2015): http://gams.uni-graz.at.

  2. Die „Protokolle der Maut zu Aschach“: Überlieferung und Online-Erschließung

    Von den großen landesfürstlichen Aufschlagämtern und Mauten an der österreichischen Donau in Engelhartszell, Linz, Mauthausen, Ybbs, Stein und Wien hat sich keine Serie von Rechnungsbüchern erhalten. Aufgrund dieser Überlieferungssituation kommt den Aschacher Mautprotokollen eine herausragende Bedeutung zu. Die bereits seit dem Hochmittelalter bestehende Maut zu Aschach wurde 1622 von Karl Graf von Harrach erworben. Die Maut blieb eineinhalb Jahrhunderte im Besitz der Familie, bis sie 1775/76 wie die anderen „Privatmauten“ vom Staat abgelöst und aufgehoben wurde.8Zum Folgenden siehe Peter Rauscher, Die Aschacher Mautprotokolle als Quelle des Donauhandels (17./18. Jahrhundert), in: Rauscher–Serles, Wiegen (wie Anm. 2) 255–306, dort mit weiterer Literatur.

    Aus der Zeit der Harrach’schen Verwaltung hat sich ein umfangreicher Aktenbestand zur Maut Aschach erhalten, der 1954 als „Depot Harrach“ an das Oberösterreichische Landesarchiv in Linz (OÖLA) übergeben wurde. Seinen Kern bilden die Einnahmerechnungen der Mautner, die als „Protokollbücher der Maut zu Aschach“ bezeichnet werden. Diese Rechnungen liegen für den Zeitraum von 1627 bis 1775 in insgesamt 194 Bänden (davon 53 sog. Konzepte/Dubletten) vor. Den Quellenwert dieser Bücher, die zunächst quartalsweise, später jahrgangsweise angelegt wurden, hat bereits Georg Grüll, der Autor des Bestandsverzeichnisses, deutlich erkannt: „Gerade diese Sammlung der Mautprotokolle von Aschach aus der Zeit von 1627–1775 bildet für die Wirtschaftsgeschichte unseres Landes eine einmalige und ihrer Geschlossenheit wegen äußerst wertvolle Quelle.“ Die von Grüll betonte Geschlossenheit des Bestandes ist jedoch zu relativieren: Ist die Überlieferung mit Ausnahme der 1670er Jahre bis inklusive der 1680er Jahre noch recht lückenhaft, sind von den 1690er bis zu den 1760er Jahren mindestens sechs von zehn Jahrgängen pro Jahrzehnt erhalten. Allein aufgrund dieser Überlieferungsdichte müssen die Aschacher Mautprotokolle als wichtigste Quelle zum österreichischen Donauhandel des 17. und 18. Jahrhunderts angesehen werden.

    Seit 2013 erschließt das vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderte Projekt „Der Donauhandel in der Frühen Neuzeit – Erschließung und Analyse der Aschacher Mautregister“ die Aschacher Mautprotokolle für einen Zeitraum von fast vier Jahrzehnten (1706–1740). Ziel ist es, die Rechnungsbücher vollständig nach Orten, Personen und Gütern durchsuchbar und damit die Quelle der historischen Forschung zugänglich zu machen. Die vom Oberösterreichischen Landesarchiv gescannten Bücher der Jahre 1706–1740 sind bereits auf der Projektwebsite durchblätterbar.

  3. Inhalt und Struktur der Quelle

    Ein Jahrgang der Aschacher Mautprotokolle umfasst etwa zwischen 450 und 650 Blatt, also 900 bis 1300 Seiten. Die Einträge sind chronologisch geordnet und enthalten die folgenden Informationen:

    • 1. Das Datum gefolgt vom Namen des Schiffführers und von dessen Herkunft, die Art und Anzahl der Wasserfahrzeuge, die die Mautstelle passierten, sowie die dafür zu leistende Gebühr. Problematisch sind dabei die Ortsangaben: Einerseits beziehen sich diese offensichtlich auf den Ausgangspunkt der Fahrt, was häufig vorkommende unterschiedliche Herkunftsangaben ein und desselben Schiffführers deutlich belegen. Anderseits wird auch der Herkunftsort des Schiffführers genannt, etwa in Fällen, in denen Schiffmeister aus Linz oder Wien – also von Orten unterhalb von Aschach – auf Passagen flussabwärts nach Aschach genannt sind. In solchen Fällen kann es sich bei den Ortsangaben zu den Schiffleuten nicht um die Ausgangsorte der Fahrten handeln, sondern um deren Wohnorte oder um den Ausgangsort einer vorher durchgeführten Bergfahrt (gegen die Fließrichtung des Stromes). Im Gegensatz zu den Sundzollregistern verzeichnen die Aschacher Mautregister nur in der Minderheit der Fahrten deren Ziel, auch die Fahrtrichtung ist nur selten mit „herauf“ oder „hinab“ (flussauf- bzw. flussabwärts) angegeben. Eine Bergfahrt kann jedoch aus der am Ende des Eintrages aufgeführten Anzahl der Schiffsrösser, die die Fahrzeuge stromaufwärts zogen, erschlossen werden.
    • 2. Im Anschluss an die Informationen zu den Fahrzeugen werden in der Regel eventuell mitfahrende Passagiere meist summarisch – „Leute“, „Kirchfahrtner (Wallfahrer)“, „Geistliche“, „ein Graf“ – angeführt, wobei besonders sozial hochstehende Personen auch namentlich genannt sein können.
    • 3. Nach den Passagieren folgen die Einträge zur Ladung, wobei zunächst der Name des Besitzers/der Besitzerin bzw. des Empfängers/der Empfängerin (Person, Institution wie Bistum, Kloster etc.) angeführt ist. In seltenen Fällen können nur eine Berufsbezeichnung („dem Fleischhacker zu Aschach“) oder – noch unspezifischer – die Angabe „einem Mann“ stehen. In sehr wenigen Fällen findet sich die Angabe „Mautzettel ohne Namen“ bzw. „Mautzettel ohne Unterschrift“. Wenn solche Hinweise fehlen und einer Ladung kein Name zugeordnet ist, ist davon auszugehen, dass es sich um Güter des Schiffführers selbst handelt.9Dies geht z. B. aus einem Eintrag zum 15. Juli 1736, Hs. 133, [pag. 488] hervor:
      Christoph Küblpöckh v. Englzehl, 1 formb [Farm; Typ des Fahrzeugs]:
      2 vas drin 157 st. rupfen, 30 st. leinwath;
      idem er:
      2 vas drin 143 st. rupfen, 12 st. leinwath;
      deto Küblpöckh:
      1 vas mit 51 st. rupfen, 20 st. leinwath (...)“.

      Schließlich wird oft, aber nicht immer, die Art des Gebindes z. B. Päckel, Kistel oder Fässel angeführt sowie – ebenfalls nicht durchgängig – das Gewicht, die Menge oder der Wert der transportierten Güter. Für jeden Ladungsposten ist außerdem die erhobene Maut bzw. eine Mautbefreiung vermerkt.

    Diesen Angaben der Aschacher Mautprotokolle ist daher zu entnehmen, welcher Schiffmann aus welchem Ort an welchem Tag mit welcher Art und Anzahl an Fahrzeugen Aschach passierte, ob er Passagiere beförderte und welche Ladung er transportierte. Der, auch im Vergleich zu den Sundzollregistern, große Vorzug der Aschacher Rechnungen ist, dass in ihnen auch die Besitzer (allerdings nicht deren Herkunft) der verschifften Güter genannt sind. Auf dieser Basis ist es möglich, ein detailliertes Bild von den im Donauraum aktiven Kaufleuten zu zeichnen.

  4. Schwierigkeiten der Quelleninterpretation

    Trotz der immensen Vorzüge der Aschacher Mautprotokolle als Quelle für Transport und Handel auf der Donau als dem wichtigsten Verkehrsweg des süddeutsch-österreichischen Raumes setzt die Qualität der Einträge ihrer Erschließung und Interpretation Grenzen. Besonders problematisch sind:

    • 1. Die nicht immer mögliche Lokalisierung der genannten Orte aufgrund verstümmelter Ortsnamen oder der Existenz mehrerer gleichnamiger Orte im Einzugsbereich der Donau.
    • 2. Die Unsicherheit, ob es sich bei genannten Orten um den Ausgangspunkt der Fahrt und/oder den Herkunftsort des Schiffführers handelt.
    • 3. Starke orthographische Abweichungen der Familiennamen. Z. B. „Wagner“. Varianten: „Wagner, Wägner, Magner, Wag, Wanger“; „Rugendas“. Varianten: „Rugenlos, Rugendos, Rugendros, Ruggenloß, Ruckenloß“. Für die Erschließung besteht deshalb die Gefahr, dass entweder mehrere Personen zu einem Individuum vereint oder eine Person in unterschiedlichen Varianten in die Datenbank aufgenommen wird. Solche Fehler sind nicht auszuschließen und bei der Abfrage zu berücksichtigen.
    • 4. Fehlende oder uneinheitliche Maßangaben der beförderten Güter, wodurch die Ermittlung genauer Quantitäten nicht möglich ist:
      • 4.1 Fehlende Maßangaben, bloße Nennung der Gebinde: z. B. „1 Fass Zucker“;
      • 4.2 Uneinheitliche Maße der Güter: Volumen, Gewicht, Anzahl/Stück, Warenwert;
      • 4.3 Kombination unterschiedlicher Waren in einem Gebinde bzw. summarische Maßangabe: z. B. „2 ½ Zentner Mandeln, Weihrauch und Kaffee“;
    • 5. Die Identifizierung der in der Quelle genannten Güter.

    Um diese Schwierigkeiten zu minimieren werden im Zuge der noch laufenden Erschließungsarbeiten der Aschacher Mautprotokolle Normdaten zu Personen, Orten und Gütern gebildet und über eigene Browsing-Zugänge diese und die Datenbank durchsuchbar werden, wie dies bereits für die Erschließung der Kremser Waag- und Niederlagsbücher implementiert wurde.

  5. Grundregeln der Dateneingabe

    5.1 Normierung

    Um eine Auswertung der Datenbank möglichst einfach zu gestalten, werden die Personen-, Orts- und Warennamen normiert. Dabei gilt, dass alle Namen entweder aktuellen Schreibregeln folgen (Orte, Waren) oder – im Fall von Personen – eine Schreibvariante gewählt wird, die aktuellen Gepflogenheiten nahe kommt. Ist eine Person in der Literatur bekannt, wird die gängige Schreibweise des Namens verwendet (also z.B. „von Starhemberg“, nicht „von Stahrnberg“). Ist keine Ähnlichkeit zu aktuellen Schreibweisen erkennbar, wird eine der Quelle entsprechende Schreibweise verwendet (v. a. bei Gütern und Orten).

    5.2 Regeln zur Personeneingabe

    a) Vornamen

    Auch wenn vermutet wird, dass zwei Personen identisch sein könnten, ihre Vornamen jedoch voneinander abweichen, werden zwei getrennte Einträge in der Personendatenbank vorgenommen. So werden z. B. zwei Personendatensätze für „Johann Sinzinger“ und „Johann Georg Sinzinger“ angelegt. Das Gleiche gilt, wenn einer bereits durch Vor- und Nachnamen identifizierten Person durch einen weiteren Eintrag in der Quelle ein Herkunftsort zugeordnet wird, der im bestehenden Datensatz zu dieser Person noch nicht vorhanden ist. Auch dann werden zwei – oder mehr – Personen angelegt, da die Identität der Personen nicht belegt werden kann. Z. B.: Person 1: „Johann Wagner“; Person 2: „Johann Georg Wagner“; Person 3: „Johann Wagner, Wien“; Person 4: „Johann Georg Wagner, Wien“.

    Für die Recherche in der Datenbank bedeutet dies, dass zahlreiche Personen in mehreren Varianten in der Datenbank enthalten sein können und diese Varianten bei der Recherche zu berücksichtigen sind.

    Ausnahme: Han(n)s ist immer „Johann“.

    Als identische Vornamen werden angesehen:
    • Andre – Andreas
    • Johann – Johannes
    • Jörg – Georg
    • Wolf – Wolfgang
    • Marx – Markus
    • Matthäus - Matthias
    • Johann Maria – Johann Marina /Morina
    Wahrscheinlich – aber nicht sicher – synonym verwendet wurden von den Schreibern der Aschacher Mautprotokolle folgende Namen, die im Rahmen der Erschließung als unterschiedliche Vornamen aufgefasst werden. Bitte beachten Sie, dass Träger solcher Vornamen mit anderen Personen identisch sein können:
    • Albert – Albrecht
    • Christian – Christoph
    • Georg – Gregor
    • Gottlieb – Gotthard – Gottlob
    • Leopold – Leonhard

    Fremdsprachige Vornamen werden in der fremdsprachigen Version aufgenommen, es sei denn, es gibt auch eine deutsche Variante des Vornamens in der Quelle. So wird z. B. „Jean Ja(c)ques Briann“, der auch als „Johann Jakob Briann“ in der Quelle aufscheint, in der Datenbank durchgehend als „Johann Jakob Briann“ bezeichnet.

    Ebenfalls getrennt – als zwei unterschiedliche Personen – aufgenommen werden Personen, deren Vornamen wahrscheinlich gestürzt sind: Z. B. „Karl Christoph Mayr“ – „Christoph Karl Mayr“.

    b) Bezeichnungen

    Die Eingabe von Personen in die Datenbank kann problematisch sein, wenn die Person nicht namentlich bezeichnet wird, sondern über ihre Funktion bzw. über ihren Titel. Es gelten folgende Regeln:
    • 1. „Herr“ ist kein Titel und wird nicht aufgenommen, außer „Herr“ steht ohne sonstige Bezeichnungen und ohne Nennung eines Vornamens vor einem Familiennamen:
      • z. B.: „an Herrn Strobl“: Person: „Strobl, Herr“
      • z. B.: „Herr General“: „General“
      • z. B.: „Herr Graf“: „Graf“
      Das Gleiche gilt für „Frau“, „Monsieur“ etc. Falls eine Person in manchen Fällen „Monsieur“, in anderen „Herr“ genannt wird, wird die deutsche Version verwendet. Ehefrauen werden immer „Ehefrau“ genannt. Z. B.: „XY mit seiner Frau“: „Ehefrau des XY“
    • 2. „Ihro Gnaden“, „Exzellenz“, sind keine Titel und werden nicht aufgenommen.
    • 3. Die Funktionsbezeichnung steht vor dem Titel. Z. B.: „General Graf von Starhemberg“, Bezeichnung in der Datenbank: „von Starhemberg, General, Graf“.
    • 4. „Herr“ – „Freiherr“ – „Baron“ sind identisch, wenn es sich um einen Freiherrn / Baron handelt (d.h., wenn die Person mindestens einmal so genannt wird). In manchen Fällen werden Namen mit und ohne Adelsprädikat „von“ angegeben. Hier wird die Version mit „von“ bevorzugt.
    • 5. „Bürger“: Einwohner Aschachs, die als „Bürger“ bezeichnet (und daher mautbefreit) sind, werden auch dann als „Bürger“ in die Datenbank eingegeben, wenn diese Bezeichnung in der Quelle an einer Stelle fehlt.
    • 6. Personen mit zwei oder mehreren Bezeichnungen Wird eine Person an unterschiedlichen Stellen in der Quelle mit abweichenden Titeln bezeichnet, wird die Person mehrmals angelegt. Z. B.: Quellenstelle 1: „an den Hofkriegsrat Kampmillner“; Quellenstelle 2: „an Herrn Kampmillner Geheimen Referendar“. Person 1: „Kampmillner, [Bezeichnung:] Hofkriegsrat; Person 2: Kampmillner, [Bezeichnung:] Referendar (geheim)“.
    • 7. Adjektive Bei Adjektiven zur näheren Bezeichnung einer Funktion steht das Adjektiv in Klammern nach der Funktion: Z. B.: „bayerischer Hofrat“: „Hofrat (bayerisch)“
    • 8. Familiennamen (außer beim Adel) und Bezeichnungen für Frauen werden mit „-in“ gekennzeichnet:
      • „Daucherin“, nicht: „Daucher“
      • „Frau General“: „Generalin“
      • „Frau Pflegerin“: „Pflegerin“
    • 9. Personengruppen werden grundsätzlich getrennt aufgenommen:
      Z. B.: „Graf Sinzendorf samt Frau und Bediente“:
      • Person 1: „von Sinzendorf, Graf“
      • Person 2: „Ehefrau des Grafen von Sinzendorf“
      • Person 3: „Dienerschaft des Grafen von Sinzendorf“
      Z. B.: Hauptbergwerksämter Hall und Schwaz in Tirol:
      • „Person“ 1: „Hauptbergwerksamt, Hall, Tirol“
      • „Person“ 2: „Hauptbergwerksamt, Schwaz, Tirol“
    • 10. Regimenter Regimenter werden nach folgendem Schema bezeichnet: „Art des Regiments“ (Kürassierregiment, Infanterieregiment, Dragonerregiment, Husarenregiment, Regiment etc.) und „Regimentsinhaber“. Z. B. „Dragonerregiment Prinz Eugen“. Nur wenn der Inhaber nicht ermittelt werden kann, wird die Regimentsbezeichnung als Adjektiv in Klammern nachgestellt.
    • 11. Kaiserhof – ksl. Hofstaat Bei der Empfängerbezeichnung „zur Notdurft des ksl. Hofstaats zu Wien“ wird die Bezeichnung („Person“) „Kaiserhof“ verwendet.
    • 12. „Nichtnatürliche Empfänger“ Wenn kein natürlicher Empfänger eines Guts aus den Quellen ermittelt werden kann, wird ein „nichtnatürlicher Empfänger“ angelegt. Z. B. „Marmor für die Pestsäule am Graben“. In diesem Fall ergeben als alternative Empfänger „Kaiser“ oder „Kaiserhof“ wenig Sinn; anders etwa bei „für den Hochaltar in Klosterneuburg“, Empfänger hier: „Stift Klosterneuburg“.
    • 13. Zusätzliche Angaben In den Aschacher Mautprotokollen kommen häufig zusätzlich Angaben zu den Versendern bzw. Empfängern von Gütern wie „an“, „in“, „zu“ „für“, „per“, „einem“, „dem“, „der“, „Herrn“ [dem Herrn], „Frauen“ [der Frau], „zur Notdurft“ vor. Diese Angaben werden in den jeweiligen Datensatz aufgenommen und werden in der Ergebnisliste mit „Ja“ markiert. Bitte beachten Sie, dass sich aus platztechnischen Gründen die Angaben „einem/dem/Herrn“ auf die männliche und die weibliche Variante „einer/der/Frauen“ beziehen.
    • 5.3 Ortsnamen und regionale Zuordnung

      1. Schreibung

      Ortsnamen werden grundsätzlich normiert und in der heute üblichen (deutschen) Variante aufgenommen. Namen von Orten, die nicht lokalisiert werden können, werden in einer Variante aus den Quellen übernommen.

      2. Regionale Zuordnung

      Die Orte werden von den BearbeiterInnen einer historischen Region (in der Regel einem Reichsterritorium, im Einzelfall auch Herrschaften oder Reichskreisen) zugeordnet. Nur in seltenen Fällen enthält die Quelle selbst regionale Angaben wie z. B. „Lesenotdurften nach Unterösterreich [Niederösterreich/Österreich unter der Enns]“ oder „Leute nach Hungarn [Ungarn]“. In solchen Fällen werden diese Regionen als Zielorte angegeben.

      Kann ein Ort nicht lokalisiert werden oder existier(t)en mehrere namensgleiche Orte in verschiedenen Territorien, entfällt die regionale Zuordnung. Reichsstädte (v. a. Nürnberg, Augsburg, Ulm, Regensburg) werden keiner Region zugeordnet.

      5.4 Fahrtziel des Schiffes / Floßes

      Ein Fahrtziel der Fahrzeuge wird angegeben, wenn dies in der Quelle ausdrücklich genannt ist. Z. B.: „1 Plättel nach Wien“. Ebenfalls wird ein Fahrtziel angegeben, wenn nur eine Ladung mit einem Fahrtziel (z. B.: „mit Bier nach Linz“) bzw. ein(e) Passagier(gruppe) (z. B.: „Leute nach Ungarn“) genannt sind.

      5.5 Sammelangaben von Gütern mit einem gemeinsamen Mautbetrag

      Sammelangaben mehrerer Güter ohne einzelne Maßangaben werden in den meisten Fällen als ein Gut angelegt. Hierbei gilt, dass die einzelnen Güter mit Komma getrennt werden. Die Ordnung der Waren erfolgt nicht in der Ordnung der Quelle, sondern alphabethisch. Z. B.: „12 Pfund Würste und Käse“: 12 Pfund „Käse, Würste“. Wichtig für die Auswertung der Datenbank nach Gütern ist es, dass nicht nur nach einzelnen Gütern (z. B. „Käse“) mit Hilfe der Dropdown-Listen („Detailsuche“), sondern über die freie Suche („Einfache Suche“) nach allen Kombinationen, in denen eine Gut („Käse, Würste“ etc.) vorkommt, gesucht wird.

      In Fällen von Sammelangaben mit einzeln angeführten Maßen aber nur einer Mautgebühr (z. B.: „1 Vässl Bayrisch Rueben, 2 Dutzend Würst: 12 d.“) berechnen die Editoren die Mautgebühren selbst. Z. B. „1 Kalb und 1 Lämpel: 5 d.“: „1 Kalb 4 d.“, „1 Lamm 1 d.“. In Einzelfällen ist die exakte Angabe der Mautgebühr nicht möglich.

  6. Abfragemaske: Suchmöglichkeiten

    Die Abfragemaske kombiniert eine „Freie Suche“ nach jeder beliebigen Zeichenfolge mit einer „Detailsuche“ mit Hilfe von Dropdown-Listen. Es ist somit möglich, nicht nur nach ganzen Personen-, Orts- und Güterbezeichnungen zu suchen, sondern auch nach Wortteilen. Damit können beispielsweise alle Varianten der Ware „Seide“ (Seide, Seidenwaren, Halbseidenbarcan etc.) ermittelt werden. Diese „Freie Suche“ kann auf Personen bzw. Güter beschränkt werden. Bitte beachten Sie, dass die „Freie Suche“ zu keinen Treffern führen kann, wenn die eingegebene Zeichenkombination nicht in der Datenbank enthalten ist.

    Die Dropdown-Listen der „Detailsuche“ legen den Inhalt der Datenbank offen und garantieren Treffer (außer wenn kombiniert über mehrere Eingabefelder gesucht wird). Neben der Suche nach Orten (Ausgangs- bzw. Zielorte der Fahrten, Herkunftsorte von Personen), Personen (Schiffleute, Besitzer/Empfänger von Gütern, Passagiere) und transportierten Gütern bietet die Abfragemaske besonders folgende Möglichkeiten:

    • 1. Die Suche über einen bestimmen Zeitraum. Z. B.: alle Fahrten zwischen dem 01. 12. 1728 und dem 31. 12. 1728.
    • 2. Die Suche nach Tagen, an denen – meist aus Gründen der Witterung – keine Schifffahrt auf der Donau möglich war (Vereisung, Hochwasser bzw. ohne Nennung von Gründen).
    • 3. Die Suche nach Frauen und jüdischen Personen in der Datenbank. Damit soll die Auswertung der Aschacher Mautprotokolle zu Themen der Frauen- und Geschlechtergeschichte sowie der Jüdischen Geschichte erleichtert werden. Bitte beachten Sie, dass jüdische Personen in den Mautprotokollen in der Regel nur dann als Juden bezeichnet werden, wenn sie als Passagiere an Bord waren und daher die Leibmaut entrichten mussten10Vgl. Peter Rauscher, Den Christen gleich sein. Diskriminierung und Verdienstmöglichkeiten von Juden an österreichischen Mautstellen in der Frühen Neuzeit (16./17. Jahrhundert), in: Hofjuden und Landjuden. Jüdisches Leben in der Frühen Neuzeit, hg. von Sabine Hödl–Peter Rauscher–Barbara yStaudinger (Berlin–Wien 2004) 283–332.. Als Besitzer/Empfänger von Gütern wurden Jüdinnen und Juden von den Mautnern selten von anderen Personen durch die Bezeichnung „Jude“ unterschieden. Die Markierung einer Person als „Jude“ ist daher weitgehend eine Interpretation durch die Editoren, so dass nicht garantiert werden kann, dass alle in den Mautprotokollen genannten jüdischen Personen als solche erkannt wurden.
    • 4. Die Suche ausschließlich nach Passagieren. Z. B. bzgl. der Auswanderung nach Ungarn oder Wallfahrern.
    • 5. Die Suche nach Fahrzeugtypen.
    • 6. Die Suche nach Fahrzeugen, die donauabwärts fuhren und Schiffrosse für die anschließende Bergfahrt transportierten („mit Rossen“).
    • 7. In den Mautprotokollen ist nur selten direkt angegeben, ob es sich um einen Transport flussauf- oder -abwärts handelt. Jedoch wurde durchgehend die Anzahl der Pferde („Rosse“), die für den Schiffsgegenzug benötigt wurden, am Ende eines Eintrags vermerkt. Gelegentlich wurden Hin- und Rückfahrt auch gleichzeitig vermautet (auf- und abwärts bzw. ab- und aufwärts).

  7. Ergebnispräsentation

    Die Treffer („Suchergebnis“) werden in chronologischer Reihenfolge präsentiert und enthalten zunächst folgende Basisinformationen: Datum der Passage – Angaben zur Quelle (Nr. des Aschacher Mautprotokolls sowie Jahr) – Seitenangabe („pag.“) sowie den internen Identifikator (ID) der Passage. Über das Datum wird der einzelne Datensatz einer bestimmten Passage durch die Aschacher Mautstelle geöffnet („Detailergebnis“). Dieser enthält:

    • 1. Datum und archivalische Angaben,
    • 2. Name und Herkunft des Fahrzeugführers sowie Herkunft (des Fahrzeugs bzw. des Schiff- bzw. Floßführers), Anzahl, Typ und Fahrtrichtung des Fahrzeugs sowie die zu leistende Mautgebühr,
    • 3. Links zu den Scans der betreffenden Seiten der Quelle,
    • 4. Informationen zu den transportierten Gütern bzw. Passagieren.

  8. Testversion

    Um das Potential der Quelle zu demonstrieren und mögliche Unzulänglichkeiten in der Ergebnispräsentation zu ermitteln, bieten wir derzeit die Möglichkeit, die Datenbank zur Erschließung der Aschacher Mautprotokolle für die Jahre 1728 und 1729 online zu durchsuchen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um Rohdaten handelt, die sich im Zuge weiterer Korrekturschritte verändern können. Für Verbesserungsvorschläge wenden Sie sich bitte an den Projektleiter Peter Rauscher.

    Bitte beachten Sie, dass die für die Endversion der Datenbank geplanten Normdatensätze zu Personen, Orten und Gütern derzeit noch bearbeitet werden und diese Informationen daher derzeit noch nicht öffentlich zugänglich sind. Zukünftig werden auch Download-Möglichkeiten für einzelne Suchergebnisse sowie für die gesamte Datenbasis zur Verfügung stehen.

Juni 2018

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Allgemeine Angaben:

Eisrinnen:
Hochwasser:
keine Fahrt:

Person:

Name/Firma/Bezeichnung:
Herkunft:
Jude:
Frau:
Passagiere:

Fahrzeug:

Fahrzeugtyp:
Mit Rossen:
Fahrtrichtung:
Zielort:

Ladung:

Güter:
Zielort: