1. Exekutionsverfahren ab 1655

Die Exe­ku­ti­ons­ord­nung für Öster­reich unter der Enns von 1655 defi­nier­te die Schrit­te, wel­che Gerich­te beim Exe­ku­ti­ons­ver­fah­ren set­zen soll­ten. Vor­aus­set­zung für die Geneh­mi­gung einer Exe­ku­ti­on war die Vor­la­ge eines rechts­gül­ti­gen Urteils bzw. eines gül­ti­gen Ver­tra­ges.

Auf die ers­te Kla­ge und ohne Anhö­rung des Schuld­ners bzw. der Schuld­ne­rin soll­te das Gericht einen „Gebots­brief“ aus­stel­len. Die­ser beinhal­te­te die Auf­for­de­rung, inner­halb einer bestimm­ten Zeit (meist 14 Tage) zu zah­len. Kam der bzw. die Schuld­ne­rIn der For­de­rung nicht nach, soll­te das Gericht auf Antrag der kla­gen­den Par­tei einen „War­nungs­ratschlag“ aus­stel­len, wel­cher, sofern der bzw. die Schuld­ne­rIn in der Zwi­schen­zeit nicht bezahlt hat­te („wofern nichts ein­kom­men“), die Pfän­dung unter kür­ze­rer Frist­set­zung (meist acht Tage) androh­te. Ließ der bzw. die Schuld­ne­rIn auch die­se Frist ver­strei­chen, so soll­te beim drit­ten Antrag die Pfän­dung bzw. die Voll­zie­hung des Urteils bewil­ligt wer­den.

Mit der Durch­füh­rung der Pfän­dung („dem Ansatz“) hat­ten die Gerich­te den Gerichts­die­ner zu beauf­tra­gen. Sei­ne Auf­ga­be war es, dem Gericht eine Beschrei­bung (Ver­zeich­nis der gepfän­de­ten Güter) zu über­mit­teln.

Reich­ten die im Ver­zeich­nis beschrie­be­nen Güter nicht aus, um die Schul­den zu decken, so soll­te die kla­gen­de Par­tei das Gericht ersu­chen, dem bzw. der Schuld­ne­rIn auf­zu­tra­gen, „Auflag­gü­ter“ bekannt zu geben. Der bzw. die Schuld­ne­rIn war ver­pflich­tet, inner­halb von drei Tagen (bei sons­ti­gem Per­so­nal­ar­rest) wei­te­re Besitz­tü­mer bekannt zu geben. Kam er bzw. sie die­ser Auf­for­de­rung nicht nach, so soll­te das Gericht die Bekannt­ga­be der „Auflag­gü­ter“ noch­mals mit einer drei­tä­gi­gen Frist ein­mah­nen.

Soll­te der bzw. die Schuld­ne­rin ange­ben, über kei­ne bzw. über kei­ne wei­te­ren „Anla­ge­gü­ter“ zu ver­fü­gen, die kla­gen­de Par­tei aller­dings begrün­det dar­le­gen, dass der bzw. die Schuld­ne­rin über nicht ange­ge­be­ne Güter ver­füg­te, so konn­te das Gericht dem bzw. der Schuld­ne­rIn die Able­gung eines kör­per­li­chen Eids auf­tra­gen, dass er bzw. sie „kei­ne bes­se­re Zahlungs=Mittel in sei­nem Ver­mö­gen habe“.

Die gepfän­de­ten Güter gin­gen in den vor­läu­fi­gen Besitz des Gerichts über und soll­ten mit einer sechs­wö­chi­gen Frist per „Edict“ zur Ver­stei­ge­rung aus­ge­schrie­ben wer­den. Wäh­rend die­ser Zeit hat­te der bzw. die Schuld­ne­rIn noch die Gele­gen­heit, sei­ne bzw. ihre Schul­den zu bezah­len. Bezahl­te sie oder er, so hat­te das Gericht die Pfän­dung auf­zu­he­ben und rück­gän­gig zu machen („Rela­xie­rung des Ansat­zes“).

Ver­lief die sechs­wö­chi­ge Frist, ohne dass der bzw. die Schuld­ne­rIn sei­ne bzw. ihre Schul­den bezahlt hat­te, so soll­te das Gericht, neu­er­lich auf Antrag der kla­gen­den Par­tei, die „Ein­ant­wor­tung“ (Trans­fe­rie­rung der Güter) und „Schät­zung“ bewil­li­gen. Wider­setz­te sich der bzw. die Beklag­te der Schät­zung, indem er bzw. sie sich zum Bei­spiel wei­ger­te, einen Grund­buchs­aus­zug vor­zu­le­gen, konn­te er bzw. sie in Arrest genom­men wer­den. Fühl­te sich ein Teil nach der vor­ge­nom­me­nen Schät­zung benach­tei­ligt, konn­te er eine „Com­mis­si­on zur Über­schät­zung“ bean­tra­gen.

Andrea Grie­seb­ner

wei­ter: 2. Exekutionsverfahren ab 1781