Weltliche Gerichtsbarkeit (1783–1850)

Die Ehe­ver­fah­ren, wel­che vor den welt­li­chen Gerich­ten geführt wur­den, konn­ten wir groß­teils anhand über­lie­fer­ter Akten­dos­siers rekon­stru­ie­ren. Obwohl die­se Quel­len­über­lie­fe­rung die Rekon­struk­ti­on der Ehe­ver­fah­ren enorm erleich­ter­te, sind auch die Akten­dos­siers meist nicht nach den ver­schie­de­nen Ver­fah­ren geord­net, son­dern ver­mi­schen Akten, wel­che die Schei­dungs­fol­gen regeln, mit Akten des Ver­fah­rens in der Haupt­sa­che. Die Dif­fe­ren­zie­rung der ver­schie­de­nen Ehe­ver­fah­ren gestal­te­te sich aber auch des­halb ein­fa­cher, weil die Magis­tra­te und Orts­ge­rich­te von den Ehe­paa­ren nicht mehr genützt wer­den konn­ten, um die Bedin­gun­gen des ehe­li­chen Zusam­men­le­bens zu ver­han­deln. Auch muss­ten wir nicht mehr zwi­schen Tren­nung und Schei­dung von Tisch und Bett dif­fe­ren­zie­ren, da die Magis­tra­te Ehen nur schei­den, nicht aber zeit­lich befris­tet tren­nen konn­ten. Abge­se­hen von eini­gen weni­gen Anträ­gen auf „Anord­nung der Coha­bi­tie­rung“ fun­gier­ten die Magis­tra­te und Orts­ge­rich­te als rei­ne „Schei­dungs­ge­rich­te“.  In ihrer Kom­pe­tenz lag nun aber auch die Ent­schei­dung über die Schei­dungs­fol­gen.

Bir­git Dober / Andrea Grie­seb­ner / Isa­bel­la Pla­ner

wei­ter: 1. Kla­gen in der Haupt­sa­che (HV)