Kirchliche Gerichtsbarkeit (1857–1868)

EHEVERFAHREN

Wie in der Rubrik Nor­men aus­ge­führt, über­ant­wor­te­te das Kon­kor­dat von 1855 die Ehe­ge­richts­bar­keit wie­der der katho­li­schen Kir­che. Für die Ehe­ver­fah­ren im Erz­her­zog­tum Öster­reich unter der Enns fun­gier­ten das Metro­po­litan­ge­richt Wien und das Diö­ze­san­ge­richt St. Pöl­ten als Ehe­ge­rich­te.

Im Gegen­satz zur welt­li­chen Gerichts­bar­keit setz­te ein Schei­dungs­ver­fah­ren wie­der eine kla­gen­de Par­tei vor­aus. Ein­ver­nehm­li­che Schei­dun­gen waren mit Inkraft­tre­ten der „Anwei­sung für die geist­li­chen Gerich­te des Kai­ser­thu­mes Oes­ter­reich“ nicht mehr mög­lich. Zudem konn­ten die katho­li­schen Ehe­ge­rich­te wie­der eine befris­te­te Tren­nung aus­spre­chen.

Im Metro­po­li­tan­ar­chiv Wien konn­ten lei­der nur mehr Quel­len zu Ver­fah­ren des letz­ten Quar­tals des Jah­res 1867 auf­ge­fun­den wer­den. Das Diö­ze­san­ar­chiv St. Pöl­ten beher­bergt dage­gen 23 Kar­tons, gefüllt mit Akten­dos­siers zu Ehe­ver­fah­ren von 1857-1868 bzw. 1872 sowie zwei Sit­zungs­pro­to­koll­bü­cher, wel­che wäh­rend des genann­ten Zeit­rau­mes vom Ehe­ge­richt St. Pöl­ten geführt wor­den waren.

Wäh­rend wir die Gerichts­pra­xis des Metro­po­litan­ge­richt Wien nur am Ende sei­ner Zustän­dig­keit unter­su­chen konn­ten, ermög­lich­te die dich­te Quel­len­über­lie­fe­rung des St. Pölt­ner Ehe­ge­richts die Ana­ly­se der Gerichts­pra­xis zu Beginn (Jän­ner 1857 bis Juni 1857) und zum Ende (Sep­tem­ber bis Dezem­ber 1867) sei­ner Zustän­dig­keit.

Andrea Grie­seb­ner / Isa­bel­la Pla­ner

wei­ter: Kla­gen in der Haupt­sa­che (HV)