Kirchliche Gerichtsbarkeit (1558–1783)

VERKNÜPFTE VERFAHREN

Ehe­frau­en und Ehe­män­ner wand­ten sich mit den ver­schie­dens­ten Inter­es­sen an die bei­den unter­such­ten Kon­sis­to­ri­en. Wäh­rend wir in der Rubrik Ehe­ver­fah­ren die unter­schied­li­chen Ver­fah­ren in der Haupt­sa­che erklä­ren und ers­te quan­ti­ta­ti­ve Aus­wer­tun­gen prä­sen­tie­ren, fin­den Sie in die­ser Rubrik quan­ti­ta­ti­ve wie auch ers­te qua­li­ta­ti­ve Ergeb­nis­se zu den Fol­ge­ver­fah­ren, den Zusatz­ver­fah­ren, den Exe­ku­ti­ons­ver­fah­ren und den Appel­la­ti­ons­ver­fah­ren.

Obwohl die Ehe­ver­fah­ren in der Regel „sowohl schrift- wie münd­lich“ geführt wur­den, sind, wie in der Rubrik Daten­er­he­bung erklärt wird, für die Ehe­ver­fah­ren bis 1783 die ein­ge­reich­ten Schrif­ten und Attes­te nicht mehr über­lie­fert. Die oft sehr dürf­ti­gen Pro­to­koll­ein­trä­ge kon­fron­tier­ten uns mit der Her­aus­for­de­rung, die­se dem „rich­ti­gen“ Ver­fah­ren zuzu­ord­nen. Die Datie­rung der Ein­trä­ge war nicht immer ein Anhalts­punkt, da die Ehe­leu­te neben dem Ver­fah­ren in der Haupt­sa­che oft auch gleich­zei­tig in Zusatz­ver­fah­ren pro­zes­sier­ten. Vor allem für Zeit­ab­schnit­te, in wel­chen die Kon­sis­to­ri­al­pro­to­kol­le zwar kur­ze Infor­ma­tio­nen zu den ein­ge­reich­ten Anträ­gen und deren gericht­li­cher Erle­di­gung ent­hal­ten, die Tag­sat­zun­gen und die Urtei­le aber nicht ver­zeich­net sind, stell­te die Zuord­nung eine intel­lek­tu­el­le Her­aus­for­de­rung dar.

Die Rekon­struk­ti­on der ver­schie­de­nen Ehe­ver­fah­ren wie auch die Zuord­nung der ein­zel­nen Ein­trä­ge setz­te nicht nur eine genaue Kennt­nis des Zivil­pro­zess­rech­tes und sei­ner unter­schied­li­chen Ver­fah­rens­ab­schnit­te vor­aus, son­dern auch ein clo­se rea­ding aller über­lie­fer­ten Infor­ma­tio­nen zu einem Ehe­paar. Viel­fach muss­ten wir anhand der gericht­li­chen Erle­di­gun­gen ent­schei­den, ob die Ein­ga­ben sich auf das Ver­fah­ren in der Haupt­sa­che oder auf eines von manch­mal meh­re­ren Zusatz­ver­fah­ren bezo­gen. Die Zuord­nung der Ein­trä­ge zu den Ver­fah­rens­ar­ten und den jewei­li­gen Kate­go­ri­en ist daher immer auch Inter­pre­ta­ti­on und wäre ohne einer rela­tio­na­len Daten­bank nicht mög­lich gewe­sen. Die Dif­fe­ren­zie­rung in wie auch die Benen­nung der ein­zel­nen Ver­fah­rens­ar­ten und ihrer Kate­go­ri­en wur­de vor allem aus den Quel­len ent­wi­ckelt und ist ein wich­ti­ges For­schungs­er­geb­nis.

Andrea Grie­seb­ner, Juli 2018

wei­ter: 1. Fol­ge­ver­fah­ren (FV)