Kirchliche Gerichtsbarkeit (1558–1783)

DATENERHEBUNG

Die heu­te als Diö­ze­san­ge­rich­te bezeich­ne­ten geist­li­chen Gerich­te wur­den im Unter­su­chungs­ge­biet „Kon­sis­to­ri­en“ genannt. Jedes Bis­tum bzw. jede Diö­ze­se ver­fügt bis heu­te über ein Kir­chen­ge­richt, wel­ches vom Offi­zi­al bzw. Gene­ral­vi­kar gelei­tet wird. Im Unter­su­chungs­zeit­raum gehör­ten den Kon­sis­to­ri­en sowohl geist­li­che als auch welt­li­che Räte an, die unter dem Vor­sitz von und im Namen des Offi­zi­als und Kon­sis­to­ri­ums Recht spra­chen.

Im Unter­su­chungs­ge­biet hat­te die katho­li­sche Kir­che bis 1783 nicht nur die Gerichts­bar­keit in geist­li­chen Sachen (spi­ri­tua­les) und Kir­chen­sa­chen (eccle­si­asti­ca) inne, son­dern ver­füg­te, teils in Kon­kur­renz, teils in Koope­ra­ti­on mit der welt­li­chen Obrig­keit auch über die Gerichts­bar­keit in Ehe­sa­chen, die zu den cau­sae mix­ti fori zähl­ten. Der wei­te Begriff ‚Ehe­sa­chen‘ ver­an­schau­licht den Anspruch der katho­li­schen Kir­che, in allen die Ehe betref­fen­den Ange­le­gen­hei­ten Gerichts­in­stanz zu sein.

Die geist­li­chen Gerich­te ent­schie­den bei­spiels­wei­se dar­über, ob Ehe­ver­spre­chen rechts­gül­tig waren oder eine eines Ehe­ver­spre­chens beklag­te Per­son eine ande­re Ehe ein­ge­hen durf­te. Sie erteil­ten oder ver­wei­ger­ten Per­so­nen Ehe­dis­pen­se, die auf­grund ihrer ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hung, Kon­fes­si­ons­ver­schie­den­heit oder auch wegen eines vor­an­ge­gan­ge­nen Ehe­bruchs nach den Vor­schrif­ten des kano­ni­schen Rechts nicht hei­ra­ten durf­ten. Dar­über hin­aus bestimm­ten sie, ob Ehen annul­liert bzw. als nich­tig erklärt wur­den und gewähr­ten oder ver­wei­ger­ten Ehe­frau­en bzw. Ehe­män­nern eine Tren­nung oder Schei­dung von Tisch und Bett.

Seit der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts muss­ten die Kon­sis­to­ri­en bei allen Annul­lie­rungs­ver­fah­ren einen Defen­sor Matri­mo­nii, einen Ehe­bands­ver­tei­di­ger bei­zie­hen. Das Amt des Defen­sor Matri­mo­nii war von Papst Bene­dict XIV. mit der Con­sti­tu­ti­on (Bul­le) Dei­mi­se­ra­tio­ne vom 3. Novem­ber 1741 ein­ge­führt wor­den, um Annul­lie­run­gen zu erschwe­ren.

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