Amerika - fremdes Land - Dietmar Herz - 2003

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Amerika - fremdes Land ·

Herz Dietmar (Autor) · Erfurt 2003 (2003)

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Sprache: Deutsch · Version: v1.00 (Volltext)
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Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung der Universität Erfurt "Amerika - fremder Freund", 20.05.2003
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Herz Dietmar: Amerika - fremdes Land . In: eLib.at (Hrg.), 19. Januar 2019. URL: http://elib.at/
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Geschichte · Anglistik · Geographie · Psychologie · Germanistik
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Volltext


Dietmar Herz

Amerika - fremdes Land

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung der Universität Erfurt "Amerika - fremder Freund", 20.05.2003

Erfurt 2003

Link zur Seite der Uni Erfurt.
Vereinigte Staaten - Länderinformation USA
Amerikabild - Themenkreis



I. Vorbemerkung

Amerika ist ein uns fremdes Land. Wir glauben das Land, seine Geschichte, sein politisches System, die Menschen, die Sprache und die Mentalität der Amerikaner zu kennen. Ich behaupte, dass diese Auffassung falsch ist und dass ein Gutteil unserer Erklärungsversuche amerikanischer Politik - vorsichtig ausgedrückt - unzulänglich ist.

Der Grund für unsere häufigen Fehleinschätzungen liegt meines Erachtens in überkommenen Perzeptionen - oder Fehlperzeptionen - der amerikanischen Lebenswelt und Politik.

Diese Perzeptionen sind alt. Der europäische Diskurs über Amerika (später die USA) hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten kaum verändert. Die Genese des amerikanischen politischen und gesellschaftlichen Systems und dessen aus dieser Genese und weiteren Entwicklungen resultierende radikale Eigenständigkeit werden weitgehend ignoriert. Kommentatoren, Journalisten und Politiker versuchen nach wie vor, Amerika mit einer für diesen Zweck völlig ungeeigneten europäischen (oder deutschen) Begrifflichkeit und Vorstellungswelt zu erklären. Das Verständnis fremder Kulturen setzt aber eine dichte Beschreibung ihrer politischen und religiösen Rahmenbedingungen und Praktiken voraus. Dabei ist von einer Eigenständigkeit der zu betrachtenden Inhalte auszugehen. Wird darauf - wie im Fall der USA - verzichtet, ist die Strafe das Missverständnis.

Ich möchte diese hier etwas zugespitzt formulierte These in drei Schritten erläutern. (1) In einer Rekonstruktion der europäischen Vorstellungen über Amerika und die USA - vor allem im 19. und 20. Jahrhundert. (2) In einer Skizze des weit verbreiteten, doch recht problematischen Begriffs "Amerikanisierung". Also einer Betrachtung der Diskussion über das "Amerika in Europa". Und (3) in der Betrachtung eines zentralen Aspekts der amerikanischen Selbstinterpretation. Wenn wir diese Selbstinterpretation ernst nehmen, hat das Folgen für die Erklärung und damit für das Verständnis amerikanischer Politik.


II. Ideal und Enttäuschung: die "Europa- und Amerikamüden"

Von Amerika hatte man in Europa - seit der Entdeckung des Kontinents - klar umrissene, nicht immer auf Wissen und Empirie beruhende Vorstellungen. Der Kontinent Amerika und die mit seiner Erforschung und Besiedlung verbundenen Möglichkeiten wurden im politischen Denken Europas seit dem 16. Jahrhundert mit bestimmten politischen, religiösen oder anderen weltanschaulichen Vorstellungen assoziiert, sie waren Gegenstand der intellektuellen Debatte und wurden in der Literatur verarbeitet. Diese intellektuelle Aneignung möchte ich zunächst kurz skizzieren, um so der Frage nachzugehen, was man in Europa mit dem Begriff "Amerika" bezeichnete, und was in der Folge zur Ursache von Missverständnissen wurde.

Dabei lässt sich als Ausgangspunkt unserer Amerikavorstellungen eine früh einsetzende und lang anhaltende - mehrschichtige - Entwicklung feststellen: Amerika wurde von den Europäern zunächst als ein Idyll der Natürlichkeit - als Natur schlechthin - gesehen, später dann als ein Ort der Voraussetzungslosigkeit, der die Chance eines persönlichen, religiösen oder politischen Neuanfangs birgt.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand schließlich ein Bild von Amerika, das diese positiven Eigenschaften in ihr Gegenteil verkehrte: Nunmehr war die Rede von Kulturlosigkeit, Oberflächlichkeit, schrankenloser Geld- und Besitzjagd (dem Gipfelpunkt des Kapitalismus), von Bindungslosigkeit und gleichzeitigem religiösen Fanatismus.

Lassen Sie mich dabei auf zwei Dinge hinweisen: Erstens, diese Vorstellungen entwickelten sich zwar im Wesentlichen nacheinander, doch kam es natürlich zu Überlagerungen und Gleichzeitigkeiten. Auch zu Zeiten, als Amerika bereits von vielen als kapitalistischer Moloch und kulturlose Wüste gesehen wurde, gab es Bewunderer, die in Amerika immer noch die verwirklichte Utopie sahen. Das europäische Bild von Amerika ist zumindest janusköpfig. Zweitens, es geht mir hier ausdrücklich um europäische Vorstellungen über Amerika, die von amerikanischen Selbstwahrnehmungen und auch der Realität der tatsächlichen amerikanischen Gesellschaft weit abweichen können. Ich überprüfe an keiner Stelle den empirischen Gehalt dieser Vorstellungen. Es geht mir um die Wahrnehmung von außen - im Kontrast zur Selbstwahrnehmung im Inneren. Diese Wahrnehmungen aber entfalteten vielfältige faktische Wirksamkeit und sind also, indem sie beispielsweise europäische Politik beeinflussen, Teil der Realität, sie sind aber nicht die Realität Amerikas. Und natürlich bestreite ich nicht, dass es hellsichtige Interpretationen der amerikanischen Kultur und Gesellschaft gab. Alexis de Tocqueville sei anstelle Vieler genannt. Ihre Wirkmächtigkeit blieb jedoch eingeschränkt.


1. Amerika als Land des Ursprungs

Anfangs erschien den Europäern Amerika als das Land des Ursprungs. Amerika war das Land der Natur (als das den Menschen Umgebende) und der Natürlichkeit (als des Einklangs des Menschen mit der Natur). Vorstellungen paradiesischer Unberührtheit hatten schon die ersten spanischen und portugiesischen Entdeckungsreisenden und Eroberer beseelt. Im Gefolge der Konfrontation mit den Kulturen Meso- und Südamerikas waren diese Vorstellungen jedoch an den Rand gedrängt worden.

An der indianischen Bevölkerung Nordamerikas, so sah es später etwa John Locke in seinem Second Treatise on Government, hingegen sei zu studieren, wie die Menschen am Anfang der Geschichte - vor allen zivilisatorischen und technologischen Entwicklungen - lebten. Amerika wurde als das tatsächliches Beispiel des zuvor bloß gedanklichen Konstrukts des "Naturzustands" gesehen. Diesem Gedanken folgend schrieb Locke: "Thus in the beginning all the world was America, and more so than that is now; […]"

In Amerika, so vermutete einige Jahrzehnte später Rousseau, lebten die Menschen in einem Zustand der ursprünglichen Reinheit und Gleichheit. Dort war er zu finden: le bon sauvage, der edle Wilde. Er verkörpert die reine unverbildete Natürlichkeit. Ihm sind der Luxus und der bourgeoise Verfall der Gesellschaft in einem System der Missgunst und Heuchelei fremd. Ein solcher Naturzustand fand sich in der Entdeckungsphase vor allem im nördlichen Teil des Kontinents. Die Konfrontation mit der Zivilisation in Mittel- und Südamerika und deren Vernichtung ließ eine ähnliche Deutung dort nicht zu.

Die Beobachter konstatierten eine Dichotomie zwischen Amerika und Europa. Einen solchen Gegensatz zwischen dem amerikanischen Idyll einerseits und der Zivilisation Europas andererseits verdeutlicht Rousseau in seinem Discours sur l'inegalité mit folgender in die Argumentation eingeflochtener Anekdote:

Ich entsinne mich […] der Geschichte eines Häuptlings irgendwelcher Nordamerikaner, den man vor ungefähr dreißig Jahren an den englischen Hof brachte. Man führte ihm tausend Dinge vor Augen, im Bestreben, ihm ein Geschenk zu machen, das ihm gefallen könnte, ohne dass man etwas fand, das ihn zu kümmern schien. Unsere Waffen erschienen ihm schwer und unbequem; unsere Schuhe rieben ihm die Füße wund, unsere Kleider beengten ihn, er wies alles zurück; schließlich bemerkte man, dass er, nachdem er eine Wolldecke genommen hatte, Vergnügen daran zu finden schien, sie sich um die Schultern zu legen. ‚Ihr werdet zumindest', sagte man sogleich zu ihm, ‚die Nützlichkeit dieses Stückes zugeben.' - ‚Ja'- antwortete er, ‚das erscheint mir fast so gut wie eine Tierhaut.'

Rousseau fügt hinzu, dass der Indianer das nicht gesagt hätte, wenn er die Decke im Regen getragen hätte.


2. Amerika: Persönlicher und politischer Neubeginn

Diese Vorstellungen von Amerika als Land des ursprünglichen Naturzustandes gerieten im Zuge der im späten 16. Jahrhundert beginnenden Besiedlung der Ostküste im Norden des Kontinents in den Hintergrund - sie verschwanden jedoch nicht gänzlich.

Mit der Besiedelung kam eine neue Vorstellung hinzu. Der neue Kontinent sollte nicht seiner Natürlichkeit überlassen bleiben. Amerika wurde als form- und gestaltbar begriffen. Hier konnten die politische Ordnung und die persönliche Biographie stets von Neuen begonnen werden.

"To beginn the world anew" - wie Thomas Paine dies später - für die Politik - nannte. Die neu zu schaffende politische, gesellschaftliche und soziale Ordnung der Siedlungen wurde nun zum Kern der Vorstellungen über Amerika.

Die neue Ordnung war zunächst ein religiös begründetes Unterfangen. Die Siedlungen, die sich an der Ostküste bildeten, wurden zum Kristallisationspunkt religiöser Sehnsucht für Suchende und Verfolgte in Europa.

Dieser Kristallisationspunkt konnte persönlich oder politisch bestimmt sein. Zum Persönlichen: Mit "Amerika" - und der Reise dorthin - wurde eine religiöse Erfahrung verbunden. Amerika wurde zu einer religiösen Metapher - es selbst wurde zum Gelobten Land, die beschwerliche und gefahrvolle Reise nach Amerika war eine Pilgerfahrt, ein religiöses Experiment, das den Reisenden näher zu Gott - mithin zum Paradies - brachte.

Der Augsburger Prediger Samuel Urlsperger schrieb über eine Gruppe Salzburger Protestanten, die 1734 das Fürstbistum verlassen musste und nach Georgia auswanderte: "es war nicht der Zweck dieser Reise nach Georgia, dass sie [die Auswanderer] dort eine bequemes Leben führen." Der pietistische Pastor, der die Auswanderergruppe begleitete, vermerkte lapidar in seinem Tagebuch: "Dies alles [die Reise] brachte uns in große Gefahr aber näher zu Gott." Amerika - die Auswanderung - wurde Mittel einer religiösen Erfahrung. (4)

Es ist zu bedenken, dass die Auswanderung nicht einfach war: Es bedurfte Gelder für die Überfahrt. Man musste sie selbst aufbringen oder sie mussten - wie im Fall der Salzburger - von Wohltätern organisiert werden. Es erforderte auch beträchtlichen Mut - der manchmal schlicht der Verzweiflung entsprang -, seine gewohnte Umgebung zu verlassen.

Es ging diesen Auswanderern nicht primär um die Hoffnung auf materiellen Wohlstand, auch nicht um die bloße Flucht vor religiöser Verfolgung, sondern Amerika wurde mit einer genuin religiösen Erfahrung verbunden.

Dies war aber nur eine Seite. Die apolitische religiöse Erfahrung wurde auch ins Gemeinschaftliche und Politische gewendet. Viele der religiös motivierten Emigranten waren von der in Europa verbreiteten Vorstellung beseelt, ein religiöses Refugium zu errichten, das Vorbildcharakter hatte und eine immer perfektere Ordnung verwirklichte. In den Kolonien Neu Englands sollte das "Neue Jerusalem" entstehen - die biblische "Stadt auf dem Berge". Die Notwendigkeit, vor religiöser Unterdrückung in Europa zu fliehen, ging über in einen Gestaltungsanspruch der zur Emigration gezwungenen religiösen Gemeinschaften.

Als politischer Kristallisationspunkt war Amerika Asyl und Utopie. Viele der frühen Einwanderer flohen vor staatlicher Verfolgung aus religiösen Motiven, um dort ihre Religion frei praktizieren zu können und errichteten über Zeit weitgehend autonome Kolonien, aus denen sich später Staaten entwickelten: Der Mayflower Compact der Pilgrim Fathers von 1620, die in Massachusetts eine Gemeinschaft zum gottgefälligen Leben begründen wollten - die häufig zitierte City upon a hill - geht auf die Puritaner zurück, die Kolonie (der spätere Bundesstaat) Pennsylvania, benannt nach ihrem Gründer William Penn, war den Quäkern eine Zuflucht, und Maryland ist schließlich eine der englischen Königin Henrietta Maria und der Gottesmutter geweihte katholische Gründung.

Amerikanisten heben zu Recht hervor, dass die Neuschöpfung politischer Ordnung im Zuge der Selbstorganisation religiöser Gruppen ein wichtiger Gründungsmythos am Anfang der amerikanischen Geschichte ist. Er wurde Teil der amerikanischen Selbstinterpretation und Ausgangspunkt der Verfassungsordnung.

Er wirkte aber auch auf Europa zurück und formte in einer abstrakten Version das europäische Bild von Amerika: Wo religiöser Antrieb in politische Gestaltung mündete, betonten Europäer mehr und mehr die Voraussetzungslosigkeit Amerikas und verbanden damit eine politische und persönliche Hoffnung - in Amerika war ein Neuanfang, ohne die Bindung biographischer oder historischer Erinnerungen, möglich. Goethe fand dafür die später oft zitierten Worte:

Amerika du hast es besser
Als unser Continent das alte,
Hast keine verfallene Schlösser
Und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.
Benutzt die Gegenwart mit Glück!
Und wenn nun Eure Kinder dichten
Bewahre sie ein gut Geschick
Vor Ritter- Räuber- und Gespenstergeschichten. (5)

Dass Amerika ohne Geschichte war, hielt Goethe für ein "gut Geschick". Die "Ritter- Räuber- und Gespenstergeschichten" Europas beschwerten das junge Land nicht; Amerika war politisch voraussetzungslos.

Ein weiters kommt hinzu: Amerika war für die Europäer nicht nur der Ort, der religiös und politisch Verfolgten Zuflucht und die Chance auf einen Neuanfang bot. Amerika gewährte auch denjenigen Aufnahme und Lebenschancen, die in Europa unter wirtschaftlicher Not litten. In den großen wirtschaftlichen Krisen Europas kam es zu Auswanderungswellen. Amerika erschien als eine oft letzte Möglichkeit, ein wenigstens bescheidenes Auskommen zu erreichen. Dass für die Auswanderung wiederum Ressourcen nötig waren, wurde schon gesagt.

Die Unberührtheit der Natur, Voraussetzungslosigkeit, die Möglichkeit eine religiöse oder politische neue Ordnung zu schaffen, sein persönliches Glück zu machen, in Sicherheit zu sein - dies waren nicht nur Beweggründe für die Auswanderung nach Amerika, es sind Komponenten eines Bildes von Amerika.

In Amerika selbst begann mit der Besiedlung eine geschichtliche Entwicklung, die diese Bedingungen stetig veränderte. In Europa formte sich indes - ohne Bezugnahme auf diese Veränderungen - das Bild von Amerika. Denn nach und nach verbinden sich in der europäischen Vorstellung diese Motive - namentlich in Deutschland. Das so entstehende Bild von Amerika wird zum Gegenbild eines als dekadent und despotisch empfundenen Europas. Das als Zukunft imaginierte Leben in Amerika wird gleichzeitig auch zum Gegenbild des jeweils eigenen Lebens, der Gegensatz zu Amerika lässt eine persönliche wie politische Utopie entstehen. Es entsteht ein imaginiertes Amerika.


3. "Europamüdigkeit" - Amerika als Utopie

Dies alles findet seinen Widerhall in der Literatur, in Volksliedern und politischen Pamphleten. Im frühen 19. Jahrhundert wird der amerikanische Kontinent zu einem Sujet in der deutschsprachigen populären Literatur, teils noch - wie bei Charles Sealsfield (6) oder bei Friedrich Gerstäcker (7) - als bloßer romantisch-exotischer Handlungshintergrund, vor allem aber, wie in Ernst Willkomms Roman Die Europamüden (1838) (8) , als ersehnter Fluchtpunkt angesichts der restaurativen Verhältnisse in Deutschland.

Anhand dieses Romans sei kurz die im frühen 19. Jahrhundert vorherrschende Sicht auf Amerika skizziert. Er verdeutlicht das mittlerweile entstandene Amalgam der Vorstellungen über Amerika.

In Willkomms Roman wird wiederholt der Ruf nach einer großen Tat des Protagonisten erhoben - ohne dass gesagt wird, was diese Tat zum Inhalt haben soll. Jedenfalls: Das Leben in den altgewohnten Bahnen muss sich ändern. Hier aber, in Europa, so scheint es, ist dies nicht mehr möglich.

Die "Europamüdigkeit" ist Ausdruck einer allgemeinen Zivilisationsmüdigkeit. Rousseausche Gedanken der Rückkehr zur Natur sind nach Willkomms Ansicht in Europa längst nicht mehr zu verwirklichen, weil hier alles verdorben und unnatürlich ist. In Amerika glaubt er die Natur noch zu finden, dort vermutet er Zustände, die dem Menschen ein naturgemäßes Leben ermöglichen, in dem sie sich zu körperlich und geistig gesunden Individuen entwickeln können, und er erhofft für die spätere Zukunft, dass von Amerika ausgehend auch Europa wieder zur Gesundung finden könne.

Diese Vorstellung, die - in verschiedenen Variationen - weit verbreitet war, wird im Roman ohne näheres Eingehen auf amerikanische Realitäten als Erlösung verkündet. Es ließen sich viele weitere Beispiele nennen; ich werde später noch auf eines eingehen.


4. "Amerikamüdigkeit": Von der Utopie zur Dystopie

Es gibt in Willkomms Roman aber bereits eine leise Skepsis gegen Amerika: "Amerika trotz seiner Geldaristokratie ist und bleibt dennoch das Land der Zukunft: Geht nicht in die Städte sondern geht in die Wälder, traut Euch der Natur an…" (9)

Die Skepsis gegenüber der kapitalistischen Seite Amerikas - der "Geldaristokratie" -, die in Willkomms Roman noch leise geblieben war, wird im Verlauf des 19. Jahrhunderts - vor allem in den Jahren nach 1830 - zur vorherrschenden Sicht auf Amerika. Aus den "Europamüden" werden die "Amerikamüden".

Die Gründe hierfür liegen in den Enttäuschungen vieler Auswanderer: Die mittlerweile entstandenen Vereinigten Staaten entsprechen nicht der in Europa noch geglaubten Utopie. Die dortige wirtschaftliche Entwicklung wird mit den Augen der europäischen Kapitalismuskritik gesehen. Erstmals stellen viele Beobachter fest, dass in den USA eine Gesellschaft entstanden ist, die nicht ihren Vorstellungen entspricht.

Ein neues Bild von Amerika, den USA, entsteht. In bewusstem Kontrast zu Willkomms Die Europamüden erschien 1856 der Roman Die Amerikamüden von Ferdinand Kürnberger. Die gegensätzlichen Titel spiegeln eine weit verbreitete Wandlung des Amerikabildes wider.

Ferdinand Kürnberger, der 1848 nach dem Scheitern der Märzrevolution als liberaler Publizist aus Wien fliehen musste und in Hamburg Auswandererschicksale kennen lernte, wendet sich kritisch gegen die Verklärung und "politisch-liberale Schönfärbereien" des Lebens in der Neuen Welt.

Die Geschichte, die Kürnbergers Roman Die Amerikamüden erzählt, war vermutlich angeregt durch Nikolaus Lenaus missglückten Auswanderungsversuch von 1832/33.

Der Dichter Nikolaus Lenau war 1832 - enttäuscht von den politischen Verhältnissen - nach Amerika ausgewandert. Sein Gedicht Abschied. Lied eines Auswandernden - entstanden im Frühjahr 1832, kurz vor seiner Abreise - spiegelt noch, mit den europäischen politischen Verhältnissen abrechnend, die auf Amerika gerichteten Hoffnungen wider:

Sei mir zum letzten Mal gegrüßt,
Mein Vaterland, das, feige dumm, Deutschland / Europa
Die Ferse dem Despoten küsst
Und seinem Wink gehorchet stumm.
[…]
Du neue Welt, du freie Welt,
An deren blütenreichem Strand
Die Flut der Tyrannei zerschellt,
Ich grüße dich, mein Vaterland! (10) Amerika

Lenau erhoffte sich von Amerika eine bessere politische Ordnung, aber auch eine Art persönlicher Erlösung - die Überwindung einer Schaffenskrise: "Vielleicht geht mir in der neuen Welt zugleich eine neue Welt der Poesie auf." (11) Er geht also mit hohen Erwartungen in die USA. Von Amerika erhofft er sich die Lösung seiner Probleme.

Knapp ein Jahr später kehrt Lenau - tief enttäuscht - nach Europa zurück: "Diese Amerikaner sind himmelanstinkende Krämerseelen. Tod, für alles geistige Leben, mausetod." (12)

Die Romanhandlung in Kürnbergers Die Amerikamüden erinnert an diese Erlebnisse Lenaus. Der Dichter Dr. Moorfeld sucht in Amerika die Erfüllung seiner politischen wie künstlerischen Träume. Programmatisch heisst es: "Das Individuum sagt: mein besseres Ich, der Erdglobus sagt: Amerika. Es ist der Schlussfall und die große Cadenz im Concerte der menschlichen Vollkommenheiten" (13).

In New York angekommen, hält sich Moosfeld zunächst in der Einwanderersiedlung Klein-Deutschland auf, lernt den amerikanischen Kunstliebhaber und -händler Bennett kennen und trifft in dem jungen Benthal, der als Teilnehmer des Hambacher Festes aus Deutschland fliehen musste, den Typus des hoffnungsvollen, optimistischen Liberalen.

Letzterer erkennt in der sich durchsetzenden Industrialisierung des Kontinentes die sozialen Spannungen und flüchtet nach Westen. Und auch Moorfeld selbst ist vom Leben in New York zunehmend enttäuscht. Er, der glaubte, in Amerika dem Ideal näher gekommen zu sein, erkennt zunehmend Betrug und Geldgier hinter dem allgegenwärtigen Handelsgeist.

Schließlich weicht er in die Wälder von Ohio aus, wo er Farmland ersteigert und dieses zusammen mit dem Vorbesitzer, einem Deutschen namens Anhorst, bewirtschaftet.

Ein Methodistenaufstand, bei dem ein von Moorfeld verehrtes Mädchen dem Wahnsinn verfällt, treibt den Dichter weiter in die unberührten Wälder Ohios. Bei seiner Rückkehr - Anhorst war während einer Handelsreise umgekommen - sieht er die Farm in der Hand eines Betrügers, und auch die Freunde in New York sind Anhänger des amerikanischen Lebensstils geworden. Benthal ist zum Unternehmer aufgestiegen und hat dafür seine Braut verlassen.

Als Moorfeld auch noch deutschfeindliche Pogrome erlebt, kehrt er desillusioniert nach Deutschland zurück: "Amerika ist ein Vorurtheil", resümiert er seine Erfahrung.

Eingeschoben in die Handlung finden sich zahlreiche Reflexionen und Gespräche über die Zustände auf dem Neuen Kontinent. Kürnberger hebt immer wieder Verrohung, Kulturlosigkeit und schrankenlosen Egoismus hervor. Die von seinem Helden Moorfeld gesuchte Idealität findet sich nirgends, eher die Intensivierung all dessen, was er einst an Europa bemängelt hatte:

"Das ist das Land, in welchem Niemand zu Grunde geht, wenn er arbeiten kann! Richtig, gewiß; denn von den zu Grundegegangenen braucht man bloss zu sagen, sie konnten nicht arbeiten."

Die Kritik an Amerika, die in diesem Roman einen ersten Höhepunkt erfährt, entzündet sich an der konkreten gesellschaftlichen und politischen Ordnung der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie betrifft insbesondere den (individualistischen) Kapitalismus. Anleihen für seine Erzählung entnahm Kürnberger, der selbst niemals in Amerika gewesen war - bei zeitgenössischen Landes- und Kulturbeschreibungen. (14)

Der Roman enthält eine Vielzahl paradigmatischer Kritikpunkte, die sich auch heute noch in kritischen Darstellungen Amerikas finden. So zitiert der österreichische Parlamentsabgeordnete Peter Pilz zustimmend aus Michael Moores Stupid White Men: "Zu Amerikas Ethik gehört es, auf Menschen einzuschlagen, die am Boden liegen. Wenn du krank bist, sagt dir die Gesellschaft: Fuck you. Wenn du arm bist: Fuck you [...]". Pilz zitiert Daten zum Reichtum einiger weniger Amerikaner und folgert: "Die Gier ihrer wirtschaftlichen und politischen Eliten ist [ein] Hauptgrund, die amerikanische Herrschaft zu beenden." (15)

Diese Kritik war schon beim Erscheinen von Die Amerikamüden ein fester Bestandteil der Amerikakritik. Damit noch einmal zurück zu Nikolaus Lenau. In Lenaus Ende Mai 1839 verfassten Gedicht Das Blockhaus - der Autor war längst wieder in Europa - erzählt der Autor folgende Geschichte:

Müdgeritten auf langer Tagesreise
Durch die hohen Wälder der Republik,
Führte zu einem Gastwirt mein Geschick;
Der empfing mich kalt, auf freundliche Weise,
[…]
Als ich eintrat in die geheizte Stube,
Sprang mit Fragen heran des Farmers Bube,
Was von meinem Gepäck dies jenes koste?
[…]
Später schwatzten die männlichen Hausgenossen
Am Kamin, die scharfe Zigarr im Munde,
Von Geschäft und Betrieb, bis eine Stunde
Mir in traulicher Langweil hingeflossen.
[…]
Schweigend ließ ich die Reden vorüberziehn.
Endlich gewann der Schlaf den stillen Sieg
Und sie gingen zu Bett; ich blieb allein,
Trank noch eine Flasche vom lieben Rhein,
Als das englische Talergelispel schwieg.
[…]
Aber mit einmal war die Freude geschwunden,
Und mir wollte der Rheinwein nicht mehr munden.
"Uhland! wie steht´s mit der Freiheit daheim?" die Frage
Sandt ich über Wälder und Meer ihm zu.
[…]
Also führt ich mit mir ein wirres Plaudern;
(Hoffnungsloser Kummer ist ein Phantast,)
Und ich blickte mich um - und musste schaudern. (16)

Enttäuscht von der gesellschaftlichen Wirklichkeit Amerikas, verwarf die europäische Intelligenz viele der Hoffnungen, die ehemals auf Amerika gerichtet waren. Im Zuge der Wahrnehmung des Materialismus, der Amerika durchdrang, wandelte sich die Utopie Amerika zur Dystopie - das heißt an die Stelle der positiven trat eine negative Zukunftsvision. Allerdings blieb auch die Utopie bestehen.

Das Bild von Amerika wurde zu einer Diskussion über die gegenwärtige Gestalt Europas, die beklagt wurde oder die als die erhaltenswerte Alternative zu Amerika gesehen wurde. Europa und Amerika blieben einander in zweifacher Weise entgegengesetzt.

Diese Diskussion wurde in den folgenden Jahrzehnten fortgesetzt: in der Populärliteratur bei Karl May u.a., in Texte von Thomas und Klaus Mann, bei Jean Baudrillard und vielen anderen.


III. Die "Amerikanisierung" Europas

Es kam aber ein neues Element hinzu: Die amerikanische Lebenswelt - beschrieben als Utopie oder als Dystopie - war zuerst eine Beschreibung und Auseinandersetzung mit den USA. Später, mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, wurde die Diskussion über Amerika - das innere "Wesen" Amerikas - eine Diskussion über die Zukunft Europas. Europa - so der Befund - war im Begriffe sich "zu amerikanisieren". Man sprach von Amerika und Europa in einem Zuge und meinte, dass Amerika - das Wesen Amerikas - Europa und die europäischen Gesellschaften zu penetrieren anfange. Vergleichbar zur Wandlung der Wahrnehmung Amerikas im 19. Jahrhundert wurde das zunächst mit Hoffnung, später mit Abwehr, wenn nicht sogar Abscheu gesehen. Das (imaginierte) Bild von Amerika wurde nun auf Europa projiziert.

Die Idee der "Amerikanisierung" ist alt. Es finden sich schon Hinweise bei Tocqueville und Max Weber. Ein großes Thema wurde daraus nach dem Ende des 1. Weltkrieges, der erstmals amerikanische Truppen nach Europa gebracht hatte.

1920, der Krieg war noch nicht lange zu Ende, schrieb Bert Brecht sein Deutschlandgedicht. Deutschland ist darin ein "Aasloch". Am Ende des Gedichts erwacht in den Jungen des alten Kontinents ein utopisches Amerika:

Deutschland, du Blondes, Bleiches
Wildwolkiges mit sanfter Stirn!
Was ging vor in deinen lautlosen Himmeln?
Nun bis du das Aasloch Europas.[…]
O Aasland, Kümmernisloch!
Scham würgt die Erinnerung
Und in den Jungen, die du
Nicht verdorben hast
Erwacht Amerika! (17)

Brecht setzt Amerika in den frühen 20er Jahren mit Optimismus, Gerechtigkeit, mit Dynamik, Vitalität, Sportlichkeit und Fairness gleich. Von Amerika gilt es zu lernen. "Amerikanisierung" ist eine Forderung des Tages.

Tatsächlich wird ab den 1920er Jahren die amerikanische populäre Kultur in den deutschen Metropolen rasch und äußerst positiv aufgenommen. Ab 1925 wird Duke Ellington gespielt, Louis Armstrong ist bereits 1928 in Deutschland ein Star, ebenso Josephine Baker. Das amerikanische Kino tritt neben das deutsche: Buster Keaton, Charles Chaplin und Al Jolson werden zu bekannten Namen. Es begann der bis heute andauernde Siegeszug der amerikanischen populären Kultur.

Es erscheinen auch Reiseberichte, die Amerika als verwirklichte Utopie beschreiben. Der Unterschied zu den Vorstellungen des 18. und 19. Jahrhunderts ist aber nun, dass Amerika nicht mehr als Ziel und Zuflucht gilt, als Ziel einer möglichen Auswanderung. Amerika gibt ein in Europa zu verwirklichendes Modell vor: "die Wonne letzt-errungenen Menschenfortschritts; und letzt-ersonnener Arbeitsmöglichkeit". (18) Amerika muss in Europa geschaffen werden.

Als Woodrow Wilson nach dem Ersten Weltkrieg zur Pariser Friedenskonferenz reist, wird er in Paris von euphorischen Bevölkerungsmassen als "prince of peace" empfangen. Um so herber die Enttäuschung.

Doch ebenso wie das Bild von Amerika selbst, ist auch das Bild der "Amerikanisierung" der Gesellschaften Europas gegensätzlich. Auch hier kommt es zu einer raschen Gegenbewegung - "Amerikanisierung" wird zum Synonym für Kulturverfall und politische und moralische Abstumpfung.

So schrieb der deutschnationale Publizist Adolf Halfeld bereits 1927: "Die sonderbare Doppelseitigkeit im amerikanischen Leben - das idealistische Pathos, das sich mit gerissenen Geschäftspraktiken paart; die religiöse Unterbauung des Erfolgsgedankens; der Prediger; der Unternehmer ist; der Proselytenmacher der Moral; der Geschäftsmann mit Gott und Idealen auf den Lippen; die Vierzehn Punkte; der von der Wallstreet beglaubigte Weltfriede - alles dies geht im letzten Sinne auf das puritanische Ethos, das Ethos des sich selbst befreienden Bürgertums zurück. Und wie aller Welt Fanatismus endet auch dieser in Intoleranz." (19)

Auch Bert Brecht veränderte seine Auffassung von Amerika. In seinen Schriften ab 1926 werden die USA mehr und mehr zu einer Symbiose von Oberflächlichkeit, sozialer und christlicher Heuchelei. Die USA stehen als Sinnbild des Kapitalismus und der Kulturlosigkeit. Er bemerkt, "daß etwas Unedles, Infames, Geistloses allen Verkehr von Mensch zu Mensch anhaftet und von da übergegangen ist auf alle Gegenstände, Wohnungen, Werkzeuge, ja auf die Landschaft selbst." (20)

Euphorische Hoffnungen und tiefe Frustration über Amerika beziehen sich dabei nicht im eigentlichen Sinne auf Amerika als Kulturnation und politisches Gemeinwesen, sondern selbstreferentiell auf die Entwicklung von Gesellschaft, Kultur und Politik in Europa selbst. Der Diskurs über die "Amerikanisierung" ist eine Kritik an der Entwicklung der eigenen Gesellschaft, deren Modernisierungsprozesse als "amerikanisch" interpretiert wurden.

Die technische Entwicklung sorgt für Beschleunigung (Eisenbahn, Autos, Flugzeuge), die entstehende Kulturindustrie (Radio, Tonträger, Film) für eine wachsende Dominanz der Unterhaltungsindustrie, die oft als kulturlos gesehen wird. Die beiden Weltkriege zerstören die noch weitgehende statische Sozialordnung, der Wohlstand der Nachkriegszeit führt zu einer größeren Egalität und Mobilität. All dies wird als "amerikanisch" verstanden. Wir haben "gelernt", die gesellschaftliche Entwicklung - positiv oder negativ - mit Amerika in Verbindung zu bringen.

Indem geglaubt wird - sei es nun im positiven oder im negativen Sinne - Europa "amerikanisiere" sich, nahm man auch an, Amerikanisches und in Folge dessen Amerika gut zu kennen.

Abgesehen davon, dass es aus kultur- und sozialwissenschaftlicher Sicht in vielerlei Hinsicht adäquater wäre, von einer "Modernisierung" zu sprechen, verstellt die Rede von der Amerikanisierung den Blick darauf, wie weit Amerika von uns entfernt ist. Wir deuten Modernisierung fälschlich als Amerikanisierung, meinen, Amerika zu kennen, konstatieren, dass Amerika ins Mark Europas vordringt, und verkennen dadurch, wie fern Amerika doch tatsächlich ist. Wir sprechen von Amerika und meinen doch nur immer uns selbst. Daran ändern auch amerikanische Filme und Fernsehserien, Kenntnisse (nicht Beherrschung) des amerikanischen Englisch und amerikanischer Eßgewohnheiten nichts. Sie nehmen in Europa schnell eine andere Gestalt an und sind im Modernisierungs- und Auflösungsprozess der europäischen Gesellschaften letztlich marginal.

Das Amerika unserer Utopien und Dystopien und das der Amerikanisierung gibt es nicht. In Alain Resnais Film Mon Oncle d'Amérique sagt eine Figur lapidar: "Amerika existiert nicht. Ich weiß das, denn ich bin dort gewesen."

Man könnte an dieser Stelle auch die Wahrnehmung Europas durch die Amerikaner darstellen - an dieser Stelle ist hierfür leider kein Platz. (21)Dies würde meines Erachtens zu einem anderen Ergebnis führen.


IV. Die amerikanische Selbstinterpretation

Wie sollen wir uns Amerika also nähern? Ich plädiere für Vorsicht. Zunächst: Wir nehmen die Selbstinterpretation der amerikanischen Gesellschaft nicht ernst. Im Laufe der amerikanischen Geschichte sind zum Mythos der Einwanderung - den wir noch am ehesten verstehen - weitere, für die amerikanische Nation konstitutive Narrationen gekommen. Sie haben keinen Eingang in unser Amerikabild gefunden. Diese Selbstinterpretationen der Amerikaner müssen aber der Ausgangspunkt einer Diskussion über Amerika / die USA sein.

Ich will dies - abschließend - an einem zentralen Beispiel - verdeutlichen. Ich greife eine der für das amerikanische Selbstverständnis konstitutive Narration auf:

Eine entscheidende amerikanische Grunderfahrung ist die Erschließung neuer Siedlungsgebiete an der frontier und die Schaffung von politischer Ordnung. Ich möchte versuchen, dies im Folgenden etwas zu verdeutlichen.

Es gibt in der amerikanischen Vorstellungswelt eine grundlegende Dichotomie zwischen politischer Ordnung und Anarchie. Dabei kann bei der Schaffung politischer Ordnung in der Regel der Einsatz von Gewalt nicht ausgeschlossen werden. Die neue Ordnung entsteht aus der Gewalt. Das herausragende Beispiel hierfür ist der Bürgerkrieg. Abraham Lincoln sprach in Gettysburg von der Wiedergeburt der Nation (und ihrer politischen Ordnung) im Kriege. Abgeschlossen war diese Wiedergeburt erst mit Lincolns eigenem gewaltsamen Tod und der Akzeptanz der von ihm geschaffenen Ordnung (symbolisiert in der triumphalen Überführung seines Leichnams in seinen Heimatstaat).

Diese Grunderfahrung wird immer wieder in verschiedenen kulturellen Ausdrucksformen reproduziert und reflektiert. Eine populäre Variante hiervon ist das auch in Europa sehr bekannte Filmgenre des "Westerns".

Vermutlich täusche ich mich nicht, wenn ich behaupte, dass die folgenden Schlagworte markieren, woran man in Europa denkt, wenn man sagt: "Heute Abend läuft ein Western im Fernsehen". Das sind: Landschaftsaufnahmen - Pferde - vermutlich eine Liebesgeschichte - harte Männer - Saufgelage im Saloon - Schießereien - etliche Tote - also "Action". Eine simple Dramaturgie; die holzschnittartige Darstellung von Gut und Böse.

Eine solche Sichtweise erfasst nur die parodistische Variante des Genres. Denn im Kontext der amerikanischen Kultur, stehen diese Filme für weit mehr. Sie zeichnen ein Bild der Amerikaner, das einem durchaus politischen Ideal entspricht. Wie es der Publizist Lawrence Wright formuliert, wenn er über John Wayne spricht:

"Damals verkörperte John Wayne für mich das amerikanische Ideal. Stets brachte er, sei's mit Fäusten oder seinem Revolver, die Leute zur Vernunft; und immer war er im Recht. Unvorstellbar, dass John Wayne die andere Wange hinhielt, und doch hielt er sich an bestimmte Regeln: Geh keinem Streit aus dem Weg, fang aber nie selber Ärger an! Zieh nie als erster, wenn aber doch, dann leg den anderen gleich um! In stilleren Momenten, in seinem Schlafsack unter dem Sternenmeer, konnte John Wayne hinaufschauen und verstehen, was für eine kleine Nummer er war im großen Weltenplan; doch dieser Gedanke zog schnell vorüber und brachte keinen Trost. Die Nacht wimmelte vor Banditen und Indianern, und deshalb schlief John Wayne nie. Am Morgen setzte die Sonne die existentialistische Landschaft in Brand, und man wusste: Es gibt keinen Gott, nur John Wayne." (22)

Eine ironische Charakterisierung. Es bleibt aber doch: Aufrichtigkeit, Pflichtbewusstsein, Mut, persönliche Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und Humor verkörpern das amerikanische Ideal. Sie sind die individuelle Verankerung der politischen Ordnung. Denn eine zu schaffende politische Ordnung beruht auf den Handlungen des Individuums.

John Wayne ist der Mann der frontier, der mit sicherem Instinkt die Schwächen und die Verderbtheit anderer erkennt und entschlossen bekämpft, ein Mann, der sich nie selbst verliert. Vor allem aber versteht er es, in einer gesetzlosen Gesellschaft Ordnung zu schaffen. Dies ist das seit langem gepflegte Selbstbild, gehen wir an den historischen Ausgangspunkt dieser Vorstellung zurück.


1. Owen Wisters The Virginian

Wann entstand dieses Bild? Wann wurde es wirkmächtig? Wie sahen sich die Amerikaner, als die Europäer noch "europamüde" oder schon "amerikamüde" waren?

In dem Roman The Virginian. A Horseman in the Plains, hat Owen Wister 1902 dieses ideale Selbstbild gezeichnet. (23) Wister war ein Studienkollege und Freund von Teddy Roosevelt - dieser bat ihn um einen Roman über das Wesen Amerikas.

In diesem klassischen - dem ersten - "Western" lässt Owen Wister einen Besucher aus dem Osten der Vereinigten Staaten seine Eindrücke von der Lebensform und der Natur der Menschen an der westlichen Zivilisationsgrenze berichten.

Im Zentrum des in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Wyoming spielenden Geschehens steht ein Mann aus dem zivilisierten Osten der USA, der als Vorarbeiter auf einer Ranch arbeitet und von jedermann nur "The Virginian" genannt wird. Er ist mit der Aufgabe betraut ist, dem Fremden das Land zu zeigen.

Bei einem Besuch der benachbarten Kleinstadt macht er sich den arbeitsscheuen Trampas zum Feind, da er ihn zwingt, seine verleumderischen Bemerkungen über die junge Lehrerin Molly Wood zurückzunehmen. Trampas versucht daraufhin vergeblich, die Cowboys gegen den Virginier aufzuwiegeln.

Trampas ist ein Gesetzloser; er macht mit seinen Kumpanen das Land durch Pferdediebstähle und andere Übergriffe unsicher.

Dabei kommt es zu einem Zwischenfall: Ein Mann namens Steve, der mit dem Virginier befreundet ist, wird von Trampas auf seine Seite gezogen, von Viehzüchtern gestellt und im Schnellverfahren hingerichtet.

An diesem Akt der Lynchjustiz beteiligt sich auch der Virginier - obwohl er Gewalttaten verabscheut. Es leitet ihn die Überzeugung, um des friedlichen Zusammenlebens willen müsse ein Exempel statuiert werden.

Bei der Wiederbegegnung mit Trampas lässt er sich widerwillig - aber notgedrungen - zu einem Schusswechsel herausfordern. Er tötet den Gegner.

Er muss sich für alle dieser Handlungen die Vorwürfe der von den Konventionen ihrer Heimat Neuengland geprägten Molly gefallen lassen, doch auch sie gelangt schließlich zu der Einsicht, dass das Land im Westen nur durch hartes Durchgreifen befriedet werden kann.

Schließlich nimmt sie die Werbung des Virginiers an - eine romantisch gefärbte Konstellation, die in diesem Genre immer wieder nachgeahmt wurde.

Der Roman wurde dramatisiert, 1904 erstmals auf der Bühne aufgeführt und immer wieder neu inszeniert, mehrmals auch verfilmt. Er gilt als Klassiker der amerikanischen Literatur, der an Schulen und Universitäten in den USA regelmäßig gelesen wird. Die Geschichte, die der Roman erzählt, ist eine Selbstinterpretation der amerikanischen Geschichte und Mentalität. Sie ist ein fester Bestandteil des kollektiven Bewusstseins der Amerikaner.


2. The Man who shot Liberty Valance

Diese Geschichte ist seither immer wieder erzählt worden. Ich werde sie daher noch einmal - in einer anderen Version - kurz referieren. In seinem Film "The man who shot Liberty Valance" hat der Regisseur John Ford 1962 eine Erzählung von Dorothy M. Johnson umgestaltet. Es handelt sich hier um einen Film, der ausdrücklich als eine Selbstinterpretation - als eine Legende über die Gründung eines Bundesstaates - angelegt ist.

Anlässlich des Begräbnisses von Tom Doniphon (John Wayne) kommt Senator Stoddard (James Stewart) mit seiner Frau (Vera Miles) erstmals nach vielen Jahren in die Stadt Shinbone zurück.

In Shinbone begann die Karriere Stoddards, hier wurde er berühmt als "der Mann, der Liberty Valance erschoss". Jetzt endlich erzählt Stoddard einem jungen Reporter und dem Chefredakteur (Edmond O'Brien) der Lokalzeitung die Wahrheit.

Als junger Rechtsanwalt lässt sich Stoddard in Shinbone nieder. Bald gerät er in eine Auseinandersetzung mit dem berüchtigten Banditen "Liberty" Valance (Lee Marvin). Als es ihm nicht gelingt, Valance mit den Waffen des Rechts unschädlich zu machen, tritt er ihm in besinnungsloser Wut mit der Waffe in der Hand entgegen. Natürlich hat der Rechtsanwalt nicht die geringste Chance gegen den erfahrenen "Gunman", tatsächlich geht Stoddards Schuss weit am Ziel vorbei. Aber Liberty Valance sinkt tot zu Boden. Er wurde erschossen von Tom Doniphon, der die Szene heimlich beobachtet hat. Kein Mensch hat ihn gesehen; alle glauben, Stoddard habe seinen Gegner getroffen.

Hier setzt wieder die Rahmenhandlung ein: Als der Senator seine Erzählung beendet hat, zerreißt der Chefredakteur die Aufzeichnungen seines Reporters. Er erklärt: "Unsere Legenden wollen wir uns bewahren. Sie sind für uns Wahrheit geworden". Liberty Valance wurde letztlich heimtückisch ermordet. Doch die Legende, der Rechtsanwalt und Repräsentant der Ordnung habe über Liberty Valance - dem Repräsentanten der ungezügelten Freiheit - den Sieg errungen, ist wichtiger als die Aufklärung der Wahrheit.


3. Ordnung vs. anarchische Gewalt

Betrachten wir das auf einer grundsätzlicheren Ebene: Die frontier, die der Film schildert, ist gekennzeichnet von einer Dichotomie von (ersehnter und allmählich entstehender) Ordnung und anarchischer Gewalt. Im Roman The Virginian steht die Kultur Virginias (als des Staates, der am stärksten mit der amerikanischen Verfassung assoziiert wird) und die der Ostküste, vertreten durch Molly, für die Zukunft. Auf der anderen Seite steht der gesetzlose Trampas. Ähnlich im Film: Der Rechtsanwalt Stoddard (der das Gesetz verkörpert) steht gegen "Liberty" Valance. "Territory" (also Anarchie und Selbstjustiz) steht gegen "statehood" (also Recht und Verfassung).

In beiden Erzählungen wird Gewalt durch Gewalt in Ordnung überführt. In Wisters Roman wird die frontier überführt in einen Teil des kultivierten Gesamtstaates; in Fords Film steht am Ende die Transformation des Territoriums in einen Bundesstaat der Union. In beiden Erzählungen wird der rechtlose Zustand durch Gewalt beseitigt.

Diese Gewalt wird nicht beschönigt: Einmal ist sie ein Akt der Lynchjustiz und des Zweikampfes, einmal ein Mord aus dem Hinterhalt. In beiden Filmen wird die Gewalt gerechtfertigt. Der Verlust der vollkommenen Freiheit (und der damit verbundene persönliche Verlust der Unschuld) wird als von einer spezifischen Situation (der frontier) erzwungene Notwendigkeit akzeptiert. Es zeigen sich hier die Konturen eines Grundverständnisses von Politik.


4. Das europäische Missverständnis

Die gerade besprochenen Deutungen von The Virginias und The man who shot Liberty Valance sind keine weit hergeholten Interpretationen, sondern präsentes kulturelles Wissen in Amerika.

Ich vermute, dass in Europa die hier enthaltene Botschaft nur selten verstanden wird. In der europäischen Vorstellung wird aus der Frontier der "Wilde Westen": Der Mann der frontier wird zum schießwütigen Cowboy. Die politische Logik dieser Selbstdarstellungen wird nicht weiter beachtet.

Das europäische Verständnis entspricht Western-Shows wie "The Wild West", mit der Buffalo Bill im 19. Jahrhundert in Europas Hauptstädten auf Tournee war (und einen Orden des bayerischen Königs bekam). Solche Darbietungen versuchten, das Leben im Westen zu zeigen, präsentierten aber ganz bewusst eine stilisierte und parodistische Fassung. Wir Europäer sehen diese Parodie als die amerikanische Vorstellung der Welt.

In Amerika hingegen werden die Grenzen zwischen Parodie und ernsthafter Selbstinterpretation klar gezogen und wahrgenommen. Als Präsident Bush in einigen seiner Reden der letzten Zeit Redewendungen einflocht, die an das Bild des schießwütigen Cowboys erinnerten, kritisierte das die International Herald Tribune scharf - unter Bezug auf Owen Wisters Roman.


V. Die Notwendigkeit dichter Beschreibungen Amerikas

Das Missverständnis in Europa ist, die amerikanische Tradition der Selbstdeutung zu ignorieren. Dem komplexen amerikanischen Selbstverständnis setzten wir unsere Utopien, Dystopien und unsere Idee der Amerikanisierung entgegen. Die europäische Betrachtung ist dabei auf eine seltsame Weise geschichtsfern. Während wir in Europa jegliche Politik mittels eines Rekurs auf die Geschichte erklären, betrachten wir amerikanische Politik stets als gegenwärtig und erfahrungslos. So bleibt die historische Erfahrung Amerikas - von der ich nur eine skizziert habe - unberücksichtigt.

Die das amerikanische politische Denken prägende Abfolge von historischen Ereignissen und deren Interpretationen findet so gut wie keine Erwähnung. Die Konsequenz ist klar: Es ist verfehlt, amerikanische Politik mit der Begrifflichkeit des europäischen politikwissenschaftlichen Vokabulars zu analysieren. Wir sollten aufhören zu glauben, Amerika sei so wie wir. Amerika und Europa haben sich jahrhundertelang voneinander wegbewegt, es ist uns so fremd, wie uns - ein willkürliches Beispiel - Japan fremd ist.


Endnoten

1. John Locke, Second Treatise on Government, hrsg. v. J.W. Gough, Oxford 1956, Chap. V, Sec. 49.

2. Jean-Jacques Rousseau, Diskurs über die Ungleichheit. Discours sur l'inégalité, 4. Aufl., Paderborn 1997, S. 375.

3. Thomas Paine, Common Sense and the Crisis, New York 1973, S. 59.

4. Dietmar Herz, John David Smith, in: "Into Danger but also Closer to God": The Salzburgers`Voyage to Georgia, 1733-1734, The Georgia Historical Quartely, Vol. LXXX, No. 1, Georgia Historical Society, Spring 1996, S. 1.

5. Johann Wolfgang von Goethe, "Den Vereinigten Staaten", in: Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.), Johann Wolfgang von Goethe - Verweile doch, 111 Gedichte mit Interpretationen, Frankfurt/Main 1997. Als Goethe dieses Gedicht im Jahre 1827 schrieb, war er selbst vielleicht schon zu alt, um noch wirkliche Sehnsucht nach Amerika zu empfinden. Zweifelnd bemerkte er, dass er Amerika bereits für zu "alt" oder, wie er es (am 15. Februar 1824) gegenüber Eckermann ausdrückte, für "schon zu helle" hielt, um noch das Ziel der Sehnsucht junger Menschen sein zu können.

6. Charles Sealsfield, Lebensbilder aus der westlichen Hemisphäre, Stuttgart 1846.

7. Friedrich Gerstäcker, Aus zwei Wettheilen: Gesammelte Erzählungen, Leipzig 1954; ders., Streifzüge durch Amerika 1837-1843, Stuttgart 2000; ders., Die Flusspiraten des Mississippi, Kehl 1993.

8. Ernst Willkomm, Die Europamüden. Modernes Lebensbild 1. und 2. Teil, Göttingen 1968.

9. Otto Neuendorff, "Nachwort", in: Ernst Willkomm, Die Europamüden, Göttingen 1968, S. 7.

10. Nikolaus Lenaus, "Abschied, Lied eines Auswandernden", in: G. Emil Barthel, Nikolaus Lenaus. Sämtliche Werke, Leipzig 1883, S. 115., Gedichte, Hartmut Steinecke (Hrsg.), Stuttgart 1993, S. 40

11. G. Emil Barthel, "Biographische Skizze", in: ders., Nikolaus Lenaus. Sämtliche Werke, Leipzig 1883, S. L IIf.

12. Ebd., S. LXIII.

13. Ferdinand Kürnberger, Der Amerikamüde, Weimar 1973.

14. G. Duden, Bericht über eine Reise nach den nordwestlichen Staaten Nordamerika´s und einen mehrjährigen Aufenthalt am Missouri…, 1829 sowie bei Sealsfields Erzählung von 1835 Morton oder die große Tour (hrsg. v. Günter Schitzler, München 1997).

15. Peter Pilz, Mit Gott gegen alle. Amerikas Kampf um die Weltherrschaft. Stuttgart und München 2003, S. 198.

16. "Das Blockhaus", in: Nikolaus Lenau. Gedichte, hrsg. v. Hartmut Steinecke, Stuttgart 1993, S. 95.

17. Brecht, "Deutschlandgedicht", in: Werke (Bd. 8), Frankfurt a.M. 1967, S. 184

18. Alfred Kerr, Yankee-Land, Berlin 1925.

19. Adolf Halfeld, Amerika und der Amerikanismus, Jena, 1928, S. 11.

20. Bertolt Brecht, Werke, Bd. 20, S. 297.

21. Der amerikanische Blick auf Europa: Wenn die Europäer über Amerika reden, reden sie zumeist über kulturelle Entwicklungen in Europa, über europäische Vorstellungen, Utopien und Dystopien. Amerikaner tun das nicht auf gleiche Weise. Wenn Amerikaner über Europa reden, gehen sie von der Vorstellung aus, dass Europa kulturell und politisch grundverschieden ist, nicht mit der Vorstellungswelt eines Amerikaners erfassbar ist und aus sich selbst heraus verstanden werden muss. Da die Einwanderer Amerikas zunächst durchweg aus Europa kamen, musste sich diese Sichtweise erst in einer Art kulturellem Emanzipationsprozess vom alten Kontinent herausbilden: Von den Schriften Jeffersons, über R.W. Emerson und die Romane, Erzählungen und Reiseberichte Mark Twains, bis hin zur Gegenwart zieht sich eine Linie. Amerika grenzt sich von Europa ab. Auch die Auseinandersetzung mit "europäischen" Themen nach dem Ersten Weltkrieg - bei Gertrude Stein, Ernest Hemingway u.a. - ist eine spezifisch amerikanische Sicht auf Europa. Nicht die Ähnlichkeit wird gesucht, sondern das Andere. Die europäische Welt dient auch nicht als Folie für inner-amerikanische Diskussionen. Diese Entwicklung versetzt die Amerikaner in die Lage, Europa bzw. die einzelnen europäischen Nationen als aus sich zu verstehende kulturelle Einheiten zu begreifen. Es würde sich lohnen, der Frage nachzugehen, wie die Europäer nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf das amerikanische Bild auf Europa reagierten. Wir übernahmen (auch) den als zu Europa gehörig empfundenen amerikanischen Blick. So wurde der Nachkriegsgeneration beispielsweise ein Bild von Spanien und Frankreich vermittelt, das zumindest auch von den amerikanischen Schriftstellern, die in Europa lebten, geprägt war.

22. Lawrence Wright in: "In the new World", Growing Up with America From the Sixties to the Eighties, Existential Politics, First Vintage Books Edition, February 1989, S. 136: "My ideal American then was John Wayne. He was always setting people straight, with his fists or his gun, and he was invariably right. You could never imagine John Wayne turning the other cheek, but he did live by a code. Never back away from a fight, but don`t looking for trouble. Never draw first, but when you do, shoot to kill. In his humbler moments, when he was lying in his bedroll under a billion stars, John Wayne might gaze upward and realize what a small figure he was in the universal scheme of things, but that was a passing thought and he found no solace in it. The night was filled with bandits and Indians, so John Wayne never slept. In the morning the sun lit up the existential landscape and you knew there was no God, there was only John Wayne." (eigene Übersetzung).

23. Owen Wister, The Virginian, New York 2002. Vgl. dazu E. Douglas Branch, The Cowboy and His Interpreters, New York 1926. N. O. Rush, Fifty Years of the Virginian, in: PBSA, 46, 1952, S. 99-120. J.B. Frantz / J.E. Choate Jr., The American Cowboy: The Myth and the Reality, Oklahoma 1955. J.T. Bratcher, Owen Wisters "The Viginian": Two Corrections, in: Western Folklore, 21, 1962, S. 188-190. G.E. White, The Eastern Establishment and the Western Experience: The West of F. Remington, T. Roosevelt, and Owen Wister, New Haven 1968. D. Sherman, Owen Wister.: An Annotated Bibliography, in: Bull. of Bibliography and Magazine Notes, 28, 1971, S. 7-16. R.W. Etulain, Owen Wister, Boise 1973. S.E. Marovitz, Owen Wister: An Annotated Bibliography of Secondary Material, in: ALR, 7. 1974, S. 1-110. J. Mason, Owen Wister, in: DLB, Bd. 9, 1981, S. 166-172. J.J. Murphy, "The Virginian" and Antonia Shimerda: Different Sides of the Western Coin, in: Woman and Western American Literature, hrsg. v. H.W. Stauffer / S.J. Rosowski, Troy 1982, S. 162-178. R. Hutson, Fleming´s "The Virginian": Re-Politicizing Popular Culture, in: Purdue Univ. Seventh. Annual Conference on Film, hrsg. v. M. Deutebaum u.a., West Lafayette 1983, S. 188-194. J.D. Nesbitt, Owen Wisters Achievement in Literary Tradition, in: WAL, 18. 1983, S. 199-208. L.J. Cobbs, Owen Wister, New York 1984. S.E. Marovitz, Unseemly Realities in Owen Wister´s Western/American Myth, in: ALR, 17. 1984, S. 209-215. G. Scharnhorst, "The Virginian" as a Founding Father, in: Arizona Quarterly, 40, 1984, S. 227-241. L.C. Mitchell, "When you call me that…" Tall Talk and Male Hegemony in "The Virginian", in: PMLA, 102, 1987, S. 66-77. M. Butler, Owen Wister, in: DLB, Bd. 78, 1989, S. 324-334.


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