Literatur:Oesterreichisches Deo Gratias - Abraham a Sancta Clara - 1688

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Österreichisches Deo Gratias ·

Abraham a Sancta Clara (Autor) · ()

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Sprache: Deutsch · Version: v1.00 (Volltext)
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Abraham a Sancta Clara: Österreichisches Deo Gratias . In: eLib.at (Hrg.), 26. Mai 2019. URL: http://elib.at/
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Abraham a Sancta Clara - 1644-1709


Österreichisches Deo Gratias


Oesterreichisches Deo Gratias, Das ist: Ein außführliche Beschreibung eines Hochfeyerlichen Danck-Fests/ Welches Zu Ehren der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit Wegen gnädiger Abwendung der über uns verhängten schwären Straff der Pest in der Kayserl. Haupt- und Residentz-Statt Wienn/ den 17. Junii Anno 1680. durch die Löbl. N. O. Herrn Land-Ständ höchst-aufferbäulich angestellt worden
Sambt einer kurtzen Predig/ so vor einer Volckreichen Versamblung in Mitte der Statt bey der Säulen der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit vorgetragen / Durch Pr. Fr. Abraham a S. Clara, Augustiner Baarfüsser/ [et]c.
Saltzburg/ gedruckt und verlegt bey Melchior Haan/ Buchdrucker und Buchhandlern/ Anno M.DC.LXXXVIII.


Beschreibung deß gezierten
Platzes/ insgemein der Graben
genannt.
ALlweilen die Kaeyserliche Residentz--Stadt/
das weit und
Weltberuehmte Wienn / den Nahmen
erhalten von dem naechst vorbeyrinnendem
Wasser/ welches unfern dieser
Stadt in dem dicken Gehoeltz und Schatten--reichen
Wald den Ursprung nimt/ jedoch
bald wieder in die breite Donau einfaellet;
Also hat obberuohrte Residentz--Stadt
auch einem Fluß wollen nacharten/
unter dessen Eigenschafften absonderlich
die Danckbarkeit erhellet/ dann ein jeder
Fluß urspruenglich herruehret von dem
Meer/ und erwirbt sein gantze nasse Haabschafft
von der grundlosen Schoß deß
Meers/ damit er sich aber danckbar um
solche Gutthat erweise/ also giest er sich
wieder mit all seinem Gewaesser ins Meer/
zu zeigen/ er habe gelernt/ was Aristoteles
gelehrt lib. 1. Eth. Oportet regratiari qui


gratiam fecit; Solche danckbare Art hat
das beruehmte Wienn zwar aus hoechst--obliegender
Schuldigkeit der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit erweisen wollen/ um weilen
es durch dero unergruendliche Guetigkeit
von der harten Pestilentzischen Seuch
und unerhoerten Sterbens--Noth ist erloest
worden.
Es hat die Wiennstadt wollen tretten in
die Fusstapffen der krancken Schwiger deß
Heil. Petri / welche nach laut deß Evangelisten
Lucæ mit einem starcken Fieber behafft
ware/ weilen aber die Gegenwaertige
Christum den HErrn eyffrigst ersuchten/
Er wolle doch mittels seiner wunderthaetigen
Vermoegenheit ihr die gewuenschte Gesundheit
erstatten/ also hat hierueber sich der
HErr erbarmet/ und sich mit maenniglichen
Frolocken augenblicklich von dem Fieber
curiert/ fuer welche grosse Gutthat die
Schwiger Petri sich wolt Gebuehr und
Schuldigkeit halber danckbar erzeigen/ deßwegen
sich eylfertig aus dem Beth begeben/
und Christo dem HErrn zu Tisch gedienet.
Ministrabat Christo Commensalibus
ejus, tanquam grata de beneficio sanitatis
sibi tam miraculosé collato. Dionis:
chartus: ser. 4.


Anno 1679. ware das betrangte
Wienn mit einem solchen harten Fieber behafft/
daß fast allhier maenniglich an Haend
und Fuessen gezittert/ ob edr grausamen und
mit unbeschreiblichem Gewalt und Qual
grassirender Pest; Indeme aber Wienn
durch die Goettliche Huelff der unzertheilten
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit so wunderbarlich
von diesem groesten Ubel erloest worden/
also hat es mit der Schwiger deß Heil.
Petri um die tausend gewuenschte Gesundheit
nicht wollen das DEO gratias vergessen/
sondern dessenthalben ein allgemeines
Danck--Fest mit gesamtem Eyfer begehen/
wie dann hierzu Jhr Excellentz Herr Hans
Balthasar Graff von Hojos / Gehaimer
Deputirter Rath/ und der Zeit werthister
Land--Marschall mit samt den Loebl.
N. O. Herren Landsstaenden den gantzen
Platz/ allwo die auffgerichtete Bildnus--Saeulen
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit
stehet/ nicht ohne grossen Unkosten zieren
lassen/ wie folgends zu lesen.
Erstlich ware der gantze Graben mit
einer schoenst verfertigten Gallerie von
hundert und mehr aufgerichten Schwibboegen
fast zu trutz einem Roemischen Amphitheatro,


und vielleicht deß Ptolomæi
Philadelphi praechtigsten Triumphboegen
nicht ungleich gezieret/ also daß gedachter
Platz/ welcher mit etlich zwantzig hohen
und schoenen Haeusern eingeschraenckt/ schier
aehnlicher und gleicher scheinte einer koestlichen
Schaubuehn/ als einer Gassen.
Die zwey Bruennen auf erst--gedachtem
Platz waren in Gestalt zweyer schoenen
Piramidum formiret/ welche mit ihren
hohen Gipffeln die Menschliche Augen zugleich
den Himmel locketen/ dem Allerhoechsten
zu dancken: Auf einer Piramide stunde
die Bildnus deß H. Josephs / welcher in
der rechten Hand ein Lilien/ in der lincken
aber ein brennendes Hertz gehalten/ mit
beygefuegter Schrifft/ subveniam HISOPE
meá, wordurch auf den Nahmen
deß H. Josephs anagrammaticé alludirt
wird; Auf der andern Seyten waren folgende
Wunsch--Woerter zu lesen/ Austria
perpetuis florescat fertilis annis. Auf der
andern Piramide stunde die hoch--erhebte
Bildnus deß H. Oesterreichischen Marg--Graffen
und Landes--Patron Leopoldi , in
dessen rechter Hand eine Kirchen/ in der
lincken aber ein blauer Fahn mit fuenff Lerchen/


welche Lieb-- und Lob--Voegel in ihren
Schnaeblen fuenf folgende Wort fuehrten/
Splendescat felix Austria SOLE DUPLO,
worinnen der Namen Leopoldus per anagramma
oder Buchstaben--Wechsel zu
finden/ auf der andern Seiten waren diese
Trost--Wort gezeichnet/ Austria turgescat
fructu fæcunda perenni; Auf dem
Schild der ersten Piramidis, so mit lauter
Purpurfarben Rosen kuenstlich umflochten/
seynd folgende Wort gestanden: Austria Electum
In Orbe Viridarium, der andere
Schild mit mehristen fruchtbaren Weintrauben
umgeben/ zeigte diese Schrifft: Austria
Electa In Orbe Vinea.
Mehr stunde vor der Saeulen der
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit eine sehr
praechtig--erbaute Capellen von klaristen
Spiegelglaesern zusammengefuegt/ welche
allerseits wegen verguldter Architectur und
schoenster Zierrathen kostbar anzusehen/
in Mitte dieser ware ein Altar von dem
puristen Feinsilber herrlich getrieben/ auf
deme das H. Hoch--Amt mit hoechstloeblichem
Eyfer gehalten worden/ dergestalten/
daß wegen der klar--durchscheinenden
Glaesern/ von allen Seyten das haeuffige


Volk/ dem H. Hoch--Amt mit gebogenen
Knien andaechtigst beywohnte/ und dem guetigsten
GOTT um die empfangene Gesundheit
schuldigst danckte/ wie auch Jhn
um fernern Wohlstand eyfferigst ersuchte.
So ware auch die Saeulen der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit mit haeuffigem
Silber und kunstreichen Blumen--Werck
dermassen geziert/ daß alles und jedes den
Augen so wohl koestlich als kuenstlich vorkommen/
und haben die herumgestellte
kostbare Laternen und Crystalline Lampen
gleichsam einen kleinen gestirnten
Himmel angezeigt; Mehr hielten die neun
Engel so viel schoene Fahnen von blauen/
rothen und weissen Taffet/ worinnen unterschiedliche
Sinn--Bilder der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit gemahlt waren/ und
zwar das erste thaete vorbilden die strahlende
Sonn/ wie selbige durch zwey Wolcken
scheinend/ und darinnen noch zwey andere
Sonnen--Bildnusser præsentirt/ mit
der Uberschrifft/ Lux ab uno. Das andere
ein Triangel/ mit der Uberschrifft/
æqualis undique; Das dritte ein dreyfaerbiger
Regen--Bogen/ mit der Uberschrifft/


Nullus altero potior. Das vierdte ein
Haupt mit dreyen Gesichtern/ mit der
Uberschrifft/ Mens unica; Das fuenffte ein
Thurn mit dreyen Fenstern/ mit der Uberschrifft/
Turris fortissima Nomen Domini;
Das sechste ein Denck--Ring von drey Gliedern/
mit der Uberschrifft/ Memoriale Domini,
Das siebende ein Hand/ mit dreyen
Fingern die Welt--Kugel haltend/ mit der
Uberschrifft/ Qui appendit tribus digitis
Molem terræ; Das achte ein dreyfaches
Kleeblat/ mit der Uberschrifft/ Una ' divina
Trinitas; Das neundte drey Cronen/
in deren einer geschrieben/ Soli, in der
andern Deo, in der dritten Gloria. Ware
also die schoene Geluebd--Saeulen SS. Trinitatis
mit solchen praechtigen Aufbutz geziert/
daß selbige so wohl zur Verwunderung
als zur Andacht maenniglich bewegt hat/
und weilen aus weisester Anordnung eine
staete Schildwacht gedachter Saeulen beywohnet/
also war selbiger Soldat mit stattlichem
und von Gold sehr reich gebrambten
Kleyd angelegt/ dessen Brustschild mit einem
von Gold hochgestickten Adler gantz
schoen und herrlich anzusehen war.
Es seynd auch fuer die Hochloebliche


N. O. Herren Land--Staend/ auch andere
Hoch--Adeliche Stands--Personen schoene
und mit kostbaren Tappezereyen gezierte
Oratoria aufgerichtet worden; Der gantze
Graben und grosse Platz ist mit solchem
Pomp und wunderschoenen apparat
versehen gewest/ daß er einem grossen Salomonischen
Tempel gleichte/ ja die aus
allen Fenstern ausgehengte kostbare Tappezereyen/
die ueberal angehaeffte wohlriechende
Blumen--Buesch/ die an allen Haeusern
hoechst--befliessene Zierungen thaeten
fast den Menschlichen Augen ein irrdisches
Paradeys vorstellen/ und weilen der lobwuerdigsten
Andacht der Tag viel zu kurtz
scheinte/ also hat auch die Nacht muessen die
Allerheiligste Dreyfaltigkeit preysen/ indeme
nemlich alle Fenster mit zierlichen
Laternen von gruener/ rother und weisser
Farb illuminirt waren/ und also etlich
tausend Lichter schier die Nacht in einem hellen
Tag verstellten.
Die Andacht aber und grosse Solenitaet
desselbigen Tags ist folgender Weis
angestellt worden; Erstlich befuegte sich die
gantze Clerisey um acht Uhr fruehe in St.
Stephans Thumkirchen/ wie auch die


Hochloebl. N. O. Herren Land--Staend alda
emsig erschienen/ von dort aus um neun
Uhr erhebte sich die Procession auf den
Graben in Volck--reicher Versammlung/
zu der aufgerichten Geluebds--Saeulen der
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit/ allwo der
Wohl--Ehrwuerdige Pater Fridericus Jellenschitz
aus der Societaet Jesu der Zeit
Thum--Prediger eine Predigt gehalten/
nach dero Vollendung ein gesungenes
Hoch--Amt in der daselbst aufgerichten
Glaesern Capellen celebrirt worden von
dem Hochwuerdigsten Herrn/ Herrn Francisco Bonvisto /
Ertz--Bischoffen zu Thessalonica /
unsers Heiligsten Vatters Innocentii
deß Eylfften Hoff--Praelaten und Assistenten/
wie auch desselben bey dem Kaeyserlichen
Hoff hohen Legaten und Nuncio
Apostol. @. allwo die sehr schoene und
kuenstliche Music von zweyen hierzu aufgerichten
Choeren mit maenniglichen Trost
gantz Freuden--voll erschallte/ beynebens
auch die allda auf dem Graben versammlete
Stadt--Guardia unter dem gesungenen
Hoch--Amt mit ruehmlicher Anstalt in
schoener Ordnung beygewohnt/ und also
nach vollendtem Hoch--Amt die Procession


ihre Ruckkehr nach St. Stephans Thumkirchen
genommen. Nachmittag um drey
Uhr haben die Wohl--Ehrwuerdige PP. Dominicani
mit ihrer Loebl. Ertz--Bruderschafft
deß Heil. Rosenkrantz gleichfalls eine
Procession zu besagter Geluebd--Saeulen
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit gefuehrt/
allwo der Ehrwuerdige Pater Ambrosius Angerer
dessen Ordens ein Sermon
gehalten/ und mit dem andaechtigen Volck
den H. Rosenkrantz offentlich gebetet/ und
denselbigen mit einem Trost--reichen Lob--Gesang
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit
geschlossen/ auch folgends in guter Ordnung
die Procession ihren Ruckweg genommen.
Auf den Abend zwischen sieben
und acht Uhr ist die Bruderschafft der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit von St. Peters
Kirchen aus mit einer schoenen Procession
zu mehr--gedachter Geluebds--Saeulen
gangen/ und allda in Beysein der Hochloebl.
N. O. Herren Landstaend ich die hierbeygefuegte
Predigt gehalten/ nach welcher ein sehr
schoene und von Music und Trompetenschall
wohllautende Letaney der Andacht deß
voelligen Tags ein Ende gemacht/ den andern
Tag haben die Wohl--Ehrwuerdige


PP. Franciscaner von S. Hieronymo gleichmaessig
mit einer schoenen Procession samt
kurtzer Predigt vielgedachte Geluebds--Saeulen
auf den Graben verehrt; Wordurch die
Allerheiligste Dreyfaltigkeit gepriesen/ das
Volck in der Andacht vermehrt/ und die
Residentz--Stadt absonderlich getroestet worden/
worbey auch unter andern die Loebl.
Waellische Nation/ hohen und niedern
Stands/ ihren ruehmlich--bekandten Eyffer
insonderheit verspuehren lassen/ in vester und
bester Zuversicht/ daß sie hinfuehro von allem
Ubel und ueblen Sterbens--Noethen/
werde frey und unberuehrt bleiben durch die
Gnad und Schutz GOtt deß Vatters und
deß Sohns/ und deß H. Geists/ dieser
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit.


GLORIA PATRI, ET
FILIO, ET SPIRITUI
SANCTO.
Glori/ Ehr/ Preiß und Danck
seye GOtt dem Vatter/ und
dem Sohn/ und dem
H. Geist.
79.O Wohl ein unglueckseelige
Zahl| 80. O wohl ein glueckseelige
Zahl| Wie bist du
gewest/ du ansehnliche Stadt Constantinopel
Anno Christi 379. Antwort/ ich bin
ueberfuellt und ueberhuellt gewest mit lauter
Truebsalen und Elend/ und foerderst wegen
der Unruhe und hoechstschaedlichen Zwiespalts
deß Alexandrinischen Maximi. O
unglueckseeliges 79. Wie bist du gewest/
du fromme Stadt Antiochia Anno Christi
479. Antwort/ ich hab muessen leben
und schweben in einer unermaeßlichen Betrangnus
wegen harter Verfolgung von
den Eutichianischen Ketzern. O unglueckseeliges
79. Wie bist du gewest/ du beruehmte
Stadt Pariß Anno Christi 579.
Antwort/ ich bin gleichsam versenckt und
ertraenckt gewest in lauter Widerwaertigkeiten/
absonderlich wegen deß Todts meines
Koenigs Sigiberti ; Welcher durch gottlose
Anleitung Fridigundis ist ermordet worden.


O unglueckseeliges 79| Wie bist du
gewest/ du vortreffliches Northumbria
Anno Christi 679? Antwort/ ich hab unbeschreibliche
Kriegs--Empoerungen gefunden
und empfunden unter meinem Koenig
Egfrido . O unglueckseeliges 79| Wie
bist du gewest/ du ansehliches Sachsen Anno
Christi 779? Antwort/ mich hat mit
Kriegs--Waffen ueberzogen und ueberwogen
Carolus Magnus der Kaeyser; O unglueckseeliges
79| Wie bist du gewest/ du
Weltkuendiges Rom Anno Christi 879?
Antwort/ mein Stand hatte damal keinen
Bestand/ und muste ich sitzen und
schwitzen mitten unter denen Saracenern /
so mich aeusserst verfolgten; O unglueckseeliges
79| Wie bist du gewest/ du Schutzreiches
Engelland Anno Christi 979? Antwprt/
mein Handel/ mein Wandel stund
dazumahl in immerwaehrender Forcht und
Zittern/ zumahl dieses ganze Jahr eine
blutige Wolcken ober meiner erschienen/
welche deß kuenfftigen Ubels eine warhaffte
Prophetin gewest ist; O unglueckseeliges
79| Wie bist du gewest/ du herrliches
Koenigreich Pohlen An. Christi ?
Antwort/ ueber mich ist kommen ein Guß
und Uberfluß aller Truebsalen/ forderist ist
wegen deß Todts meines H. Bischoffs
Stanislai / welchen mein gewissenloser
Koenig Boleslaus ermordt/ und dessentwegen
durch gerechtes Urtheil GOttes


ganz wuetend und unverstandlos/ endlich
von den Hunden zerrissen worden; O unglueckseeliges
79| Wie bist dann du gewest/
du beruehmteste Kaeiserl. Residentz--Stadt
Wienn Anno Christi 79? zumahlen
Num. 79. fast allerseits lauter Truebsal mit
sich gezogen? antwort/ Anno Christi 79.
bin ich gewest ein Jnhalt alles Elends/ ein
Einkehr aller Truebsal/ ein Ort voller
Schrecken und Zittern/ ein angefuellter
Kraeiß mit Pestilentzischem Gifft/ ein untergebene
Vasallin deß Todts/ ja ein lauterer
Freythoff; Die belaegerte Stadt Bethulia
hat nicht also getrauret wie ich| Die
bedrangte Stadt Jerusalem hat von Tito Vespasiano
nicht also gelitten wie ich; Die
abgesetzte Koenigin Vasthi ist nicht also bedrangt
gewest/ wie ich; Die Wittib zu
Nain hat nicht also geweinet/ wie ich elende
Troepfin in diesem 79sten Jahr; Aber
wahr ist es/ was der Poet sagt:
Imber adest soli, comitantur gaudia
fletum.
Es kommt Seegen nach dem Regen/
Es kommt Freud nach dem Leyd.
Jn diesem 80sten Jahr bist du Wienn
wieder in den vorigen Glueckstand erhoben
in allen deinen Gassen erschallet mehrmal
ein Christliches Frolocken/ deine Volckreiche
Versam-lung und eiverige Gewerbschafften
haben wiederum den vergnuegten
Gang und Fortgang/ aller Jam-er scheint


verschwunden/ und prangest du mehrmal
mit dem vorigen Ehren--Krantz; Wem
hast du dieses zuzuschreiben/ als eben der
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit/ deßwegen
hebe mit gesamtem Eiffer deine Haend gen
Himmel/ und widerhole zu tausendmal
aus schuldigster Danckbarkeit/ Gloria Patri,
' Filio, ' Spiritui Sancto; Glory/
Ehr/ Preiß und Dank seye der unzertheilten
Allerheiligsten Dreyfaltigkeit.
Was Gaben und Gnaden haben die
Jsraeliter empfangen von dem hohe- Himmel|
Sie waren in einer harten Dienstbarkeit
bey den Egyptiern / und GOtt hat
sie nach erwiesenen vielfaeltigen Wunderthate-
erloeset/ auch seynd sie durch die wunderthaetige
Ruthen Mosis der uebelthaetigen
Ruthen Pharaonis entgangen/ lauter
Gnaden|
Es hat den Jsraeliten das tieffe Meer
solche unerhoerte Courtesi erwiesen/ daß es
sich von freyen Stucken voneinander zertheilt/
und beederseits wie zwey Chrystallene
Mauren stillgestanden/ bis sie mit
trucknen Fuessen durchmarschirt/ entgegen
die nachfolgende und verfolgende Egyptier
in dem Meer ertrucken/ wie koennte es anderst
seyn/ als daß das schwere Gewissen
nicht sollte zu Boden sincken; lauter Gnaden|
Weil den Jsraelitern in der Wuesten
die nothwendige Unterhaltung scheinte abzugehen/


hat ihnen GOtt lassen das suosse
Manna oder Himmelbrod regnen/ und
es ihnen dißfalls gekiechlet/ zumalen eines
jeden Appetit dardurch ersaettiget worden|
lauter Gnaden.
Weil der Durst nicht ein wenig einen
trucken und trucknen thut/ auch unter den
Peinen nicht die geringste/ also hat sie
GOtt mit einem Brunnen/ so wunderbarlich
aus einem truckenen Felsen herausquellte/
sattsam getroest; lauter Gnaden.
Der Fluß Jordan hat den Jsraelitern
freyen Paß gestatt/ also zwar/ daß sie
nicht den geringsten Fuß genetzt/ sondern
durch das nasse gangen/ und nicht naß
worden/ welches Privilegium sonst alleinig
den Sonnenstralen vergunt ist; lauter
Gnaden.
Daß sie die Amelechiter ueberwunden/
ist ein Gnad gewest von GOtt/ daß sie die
Chananeer geschlagen/ ist ein Gnad gewest
von GOtt/ daß sie die Chaldeer obgesieget/
ist ein Gnad gewest von GOtt/
daß sie die Ameniter zuruckgetrieben/ ist
ein Gnad gewest von GOtt/ daß sie von
den Assiriern seynd erloest worden/ ist ein
Gnad gewest von GOtt; lauter Gnade.
Unter andern Gnaden aber ist diese
nicht die geringste/ als sie nemlich der Koenig
Pharao frey und ledig gelassen/ hat
sie der Allmaechtige GOtt wunderbarlich
durch die Wuesten gefuehrt/ und aus der


Wuesten; nemlich beym Tag in Gestalt
einer Saeulen oder Wolken--Saeul/ bey
der Nacht aber in Gestalt einer Feuer--Saeul/
Dominus autem præcedebat eos
ad ostendendam viam per diem in columna
Nubis, ' per noctem in columna
ignis. Exod. . Es ware auch bey den
Hebreern schon bereits in ein Sprichwort
kommen/ und die kleine Kinder es schon
auf der Gassen/ Gesang--weis nachgatzeten
diesen Reim:
Quis fuit Ductor meus, nisi in columna
DEUS;
Wer thaet uns erloesen/
Als GOtt/ der auf der Saeul gewesen/
Jetzt wolt ich ehender zehlen die Stern/
so GOtt der HErr gezeigt hat dem Patriarchen
Abraham ; ehender wolt ich zehlen
die Tropffen deß Meers/ in welchem
Jonas die schwimmende Herberg durch 3.
Tage genossen; ehender wolt ich zehlen die
Blaetter auf den Baeumen deß weiten und
breiten Bergs Libani , ehender wolt ich
zehlen die Haar in dem Strobel--Kopf deß
stolzen und hochmuethigen Absalon / ehender
wolt ich zehlen die Traeidkoernlein der
Philistæischen Aecker/ welche der Samson
mit brennenden Fuchsschweiffen wol nicht
auf ein Schmaichl--Weiß in den Aschen
gelegt/ als zehlen/ und zehlen die jenige
Gnaden/ welche wir da hie von dem guetigsten
GOtt durch so viel Jahr empfangen/


mehr als die Israeliter ; Daß Wienn
schon lang gewest ist ein Rosen--Garten/
trutz dem Garten der Semiramidis ; Daß
Wienn schon lang gewest ist ein Lusthaus/
trutz dem Lusthaus deß Macedonischen
Archelai ; Daß Wienn schon laengst gewest
ist ein Schaubuehn aller Begnuegung/ trutz
der Schaubuehn deß Roemischen Trajani ;
Daß Wienn schon lang ganz Glorreich/
Trost--reich/ Freuden--reich/ Frieden--reich/
Ehrnreich/ Schutzreich/ Schatzreich/ Lobreich/
Liebreich/ Volckreich/ Siegreich/
Kunstreich/ Gunstreich/ Gnadenreich gewest/
ist es alles der Goettlichen Guete zuzuschreiben;
unter andern Gnaden O Wien /
schreibe dieses zum allerersten/ daß dich
GOtt der HErr auf der Saeulen wie die
Jsraeliter aus der Wuesten gefuehrt;
Wienn / du must es bekennen/ daß Anno
79. in dem Monat August/ Septembr/
October/ November/ wegen der grassirenden
Pest in dir nichts anderst gewest ist/
als ein lautere Wuesten; ware es dann nit
wuest? Wie man in allen Gassen Todte gesehen/
von allen Haeusern Todte geschleifft/
in allen Winckeln Todte begraben/ auf allen
Waegen Todte gefuehrt/ an allen Orten
Todte gelegen/ bey allen Leuten/ von Todten
geredt; Wienn ein solche Wuesten ganz
oed/ und wo man vorhero hundert auf der
Gassen angetroffen/ bey der Zeit aber kaum
einen und diesen nicht gesund; Die Jsraeliter


haben ewig bekennt/ daß Gott auf einer
Saeulen sie aus der Wuesten gefuehrt.
Jhr Wienner / wir Wienner / die Wienner
muessen es bekennen/ bekennen es auch
gern/ daß sie niemand anders aus solcher
elenden Wuesten habe gefuehrt/ als GOtt
auf der Saeul/ dann sobald wir ein Saeulen
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit mit
gesammtem Eiffer auf dem Graben aufgericht/
alsbald haben wir augenscheinlich
wahrgenommen/ daß die Wuesten und
Verwuestung der Stadt aufgehoert; O
gebenedeyte Saeulen/ die du uns ewig erinnerst
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit/
welcher ein jeder heut und vielfaeltig widerholt:
Gloria Patri, ' Filio, ' Spiritui
Sancto. Glory/ Ehr/ Preiß und Dank
seye der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit.
So bringt dann das Drey fast allzeit
Freuden/ nach drey Tagen ist der gebenedeyte
JEsus gefunden worden im Tempel;
So ist dann das Drey allezeit glueckseelig.
Nach drey Tagen ist der Sieghaffte Heyland
von Todten auferstanden; So ist
dann das Drey fast allezeit Gnaden voll.
Nach drey Tagen hat der HErr JEsus
das Volck wunderbarlich gespeist in der
Wuesten; So ist schier das Drey fast allezeit
heilsam. Nach drey Tagen ist der Jonas
von dem nassen Arrest deß Wallfisch
erloest worden; So ist dann das Drey allezeit
ein gutes Zeichen. Jn dem dritten Jahr


hat die Judith den Holofernem obgesieget
So bringt dann das Drey fast allemal etwas
guts| Drey Mariæ seynd gewest/
welche die Freuden--volle Urstaend Christi
haben ausgebreit; So ist dann das Drey
zum oefftern Trost--voll. Drey gecroente Monarchen
seynd gewest/ welche mit dreyen
Schenkungen den neugebohrnen JEsum
angebetet; So ist dann das Drey fast allezeit
gewuenscht. Drey Apostel sind gewest/
welche den Abriß der himmlischen Glori
gesehen auf dem Berg Thabor ; So ist dan-
das Drey mehristen Lobreich. Drey Sprachen
seynd gewest/ welche JEsumi von Nazareth
ein wahren Koenig der Juden auf
dem Creutz--Tittel erklaert haben; Aber kein
bessers Drey/ kein glueckseeligers Drey ist/
als die Allerheiligste Dreyfaltigkeit/ dann
dieses Goettliche Drey/ machte uns von der
Pest frey; Weßwegen ein Ursach ist/ daß
ich mit einem jeden/ ein jeder mit mir heut
und allezeit singet und klinget: Gloria Patri,
' Filio, ' Spiritui Sancto.
Der allwissende/ und allweisende/ und
allerweiseste GOtt hat so gar den vernunfftlosen
Thieren gewisse Kraeutlein und
Erdgewaechs verordnet/ zu denen sie in ihren
Krankheiten und Leibspresten ihre Zuflucht
nehmen; Der Hirsch/ wann er sich
uebel befind/ so curirt er sich mit dem Kraeutlein
Dictam. Der Beer/ wann er uebel auf
ist/ so heilet er sich mit dem Epheu. Der


Drach/ wann er krank ist/ so curirt er sich
mit den wilden Lattichblaettern. Die Katz
braucht fuer ihre dunkle Augen das Neptenkraut.
Die Haennen und Turteltauben/
wann sie nit gar gesund seyn/ curiren
sich mit dem Kraut/ Tag und Nacht genannt/
auf Lateinisch Parietaria. Die
Schwalmen curiren sich mit dem Schaellkraut.
Die Schlang curirt sich mit dem
Fenchel; so gar der schmutzige Schnek curirt
sich mit dem Kraut Cunila oder Quendel.
Es ist kein Thierl noch Thier so gering/
deme GOtt nicht sein Medicin haette vorgeschrieben
in den Kaeutern und Erdgewaechsen/
und soll dann dem Menschen/
welcher nach dem Ebenbild GOttes erschaffen/
nicht auch ein Kraeutl fuer die Pest
von dem guetigsten GOtt verordnet seyn?
Aesculapius , Machaon , Podalirius , Serapio ,
Mesue , Avicenna , Apulejus , lauter
hocherfahrne Maenner eignen den Kraeutern
und Wurtzeln Tormentill/ Bibenell/
Weißwurz/ Diptam, Rauten/ Baldrian/
Angelica, Borragen rc. solche starcke
Wuerckung zu/ daß sie nemlich gut und
heylsam seyn fuer die Pest; Es kan seyn/ ich
laß seyn; Aber ein anders/ und ein bessers
und heylsamers Kraeutl haben wir Wienner
fuer die Pest gefunden/ solche Kraeutlein
nennt Plinius viola flamméa, etliche tituliren
es Phlox oder Phlagion, andere geben
ihm den Namen Freissam/ insgemein


aber wird es genen-t Flos Trinitatis Dreyfaltigkeit--Bluemel/
waechset gemeiniglich in
den Gaerten; wo und woher diesem Bluemel
solcher Namen ruehret/ ist mir unbekant/
allein ihr hochgelaehrte Medici habt
nie gewust/ daß dieses gut seye fuer die Pest;
Du allweisester Salomon / der du aller
Kraeuter Wuerckung und Eigenschafft wol
gewust/ und von allen natuerlichen Dingen
disputirt und geredt/ von dem Cederbaum
an bis auf den Hysop/ der aus der Mauer
kriecht/ hast dannoch nicht so viel ergruend/
daß dieses Kraeutel heilsam fuer die Pest
sey/ wir Wienner aber bekennen es offentlich/
bestaettigen es schrifftlich und muendlich/
bezeugen es unwiederrufflich/ daß uns
aus allen Kraeutern/ Wurzeln/ kein bessers
Mittel fuer die Pest seye gewest/ als Flos
Trinitatis, das Dreyfaltigkeit--Bluemel/
verstehe die Allerheiligste Dreyfaltigkeit/
GOtt Vatter/ der uns erschaffen/ GOtt
Sohn/ der uns erloest/ GOtt H. Geist/ der
uns geheiliget/ diese drey Allerheiligste
Personen in einer einigen unzertrennten
Gottheit/ diese hat uns die schaedliche Pest
vertrieben/ diese hat uns erloest/ dieser seynd
wir verpflicht unendlich Dank zu sagen:
Gloria Patri, ' Filio, ' Spititui Sancto.
Wie Moses dem feindlichen Pharaoni
entgangen/ und samt seinem ganzen Jsraelitischen
Volck durch das Meer kommen/
und das gewuenschte Gestatt erhalten/ so


hat er angefangen GOtt den HErrn zu loben/
und schuldigsten Dank abzulegen mit
allen den Seinigen/ also zwar/ daß durch
ein Wunderwerck auch die kleine unmuendige/
und erst zwey oder drey Monat alte
Kinder auf den Armen ihrer Muetter redend
worden/ GOtt mit gelobt und mit
gedankt: Cantemus Domino. Verwichnes
Jahr/ als nemlich 1679. hat uns ein starcker
Feind verfolgt/ nemlich die grassirende
Pest/ aus den unsern viel tausend erlegt/
die Stadt/ die Hoef/ die Haeuser/ die Zimmer
schier ganz oed gemacht/ und niemand
kan es anderst aussagen/ als daß wir etlich
Monat aneinander durch das Meer gewandert/
das ist/ durch lauter Bitterkeit
und Truebsalen/ endlich seynd wir mit der
Huelff der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit an
das Gestatt deß vorigen Wolstandes und
Glueckstandes gelanget/ Cantemus Domino,
deßwegen ihr gesamte Jnnwohner zu
Wienn / Reiche und Arme/ Alte und Junge/
auch ihr kleine Kinder/ dafern euch die
Natur die Red--Stuben noch versperrt/ so
last euch doch von euren Amlen die zarte
Haendl gen Himmel heben/ und helfft uns
dancken der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit/
Gloria Patri, ' Filio, ' Spiritui Sancto.
Mit einer dreyfachen Lantzen ist Absolon
der Feind deß Davids aus dem Weg
geraumt worden/ auch mit einer dreyfachen
Lantzen/ das ist: mit der Allerheiligsten


Dreyfaltigkeit wir die Pest/ diesen harten
Feind aus dem Weg geraumet/ das
bekennen wir mit aufgehebten Haenden/
last uns deßwegen dancken/ und tausendmal
dancken.
Drey Maenner haben den Abraham
die Freuden--volle Zeitung gebracht/ daß er
werde einen Sohn bekommen/ den Jsaac /
so da verdolmetscht wird/ Risus, ein Gelaechter;
Drey seynd gewest/ nemlich GOtt
Vatter/ Sohn/ und H. Geist/ welche uns
nach so grossen Drangsaal eine Freud/ und
Frolocken gebracht/ als nemlich die Erloesung
von der Pest/ das bekennen wir mit
aufgehebten Haenden/ last uns deßwegen
dancken und tausendmal dancken.
Die drey Knaben in dem Babylonischen
Ofen seynd beym Leben erhalten worden/
weil sie die Zahl Drey bey sich hatten.
Joannes Chrysostomus hom. 46. Auch
wir zu Wienn seyn bey einer grossen Sterbens--Noth
beym Leben erhalten worden/
um weil wir dem Drey/ das ist/ der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit ein Ort vergunt
auf dem Graben / das bekennen wir mit
aufgehebten Haenden/ last uns deßwegen
dancken/ und tausendmal dancken.
Der Poet sagt:
Hæc TRIA tabificam pellunt adverbia
pestem,
Mox, longé, tardé, cede, recede, redi.


Drey Ding seynd gut zur Pest/ die merken
soll ein jeder/
Weich bald/ mach dich weit weg und
komm fein langsam wieder.
Uns Wienner aber hat ein anders
Drey von der Pest erloeset/ nemlich die
Allerheiligste Dreyfaltigkeit/ das bekennen
wir mit aufgehebten Haenden/ last uns
deßwegen dancken/ und tausendmal dancken/
und zugleich preisen die grundlose
Guete der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit/
wie gethan jener/ von deme Raderus schreibet:
Unter dem Kaeiser Mauritio befande
sich zu Constantinopel ein Advocat/ benebenst
aber ein Erz--Zauberer/ welcher auf
eine Zeit einen Juengling an-- und aufgenommen/
mit dem Titul/ daß er sein Notari
und Secretari solle seyn; Dem guten
jungen Blut ware unbekannt die schwarze
Kunst seines Herrn/ einmal ist geschehen/
daß beede zu Pferd gegen den Abend hinausgeritten/
und nach geraumer Zeit in
ein unbekannte Wuesten kommen/ alldort
stunde ein Castell oder Geschloß/ mit starcken
eisenen Pforten verschlossen/ nachdem
solches durch unsichtbaren Gewalt aufgesperrt
worden/ zeigte sich gleich in Mitte
deß Hofs ein gantz guldener Tempel mit
viel guldenen Lampen und Liechter auf das
herrlichste erleucht/ in welchem Tempel die
Stuehl ganz ordentlich ausgetheilt/ und


mit lauter schwarzen Mohren besetzt/ absonderlich
ware sehr stattlich der erste Sitz/
so in Form eines ansehnlichen Throns/
worauf ein Mohren--Koenig mit einer
ernsthafften Authoritaet den obbenennten
Advocaten bewillkommt/ und unverzueglich
gefragt/ wer der Juengling seye/ den er
mit sich gebracht? Dein Diener/ antwortet
der Advocat/ du mein Diener? Sagte
hierueber der hoellische Mohren--Koenig?
Auf diese Rede faste der Juengling ein
Herz/ und schreyet mit lauter Stimm auf/
Ego sum Famulus Dei Patris, ' Filii, '
Spiritus Sancti: Ich bin ein Diener GOtt
deß Vatters/ und deß Sohns/ und deß
H. Geistes: Auf solche Rede ist alles uhrploetzlich
verschwunden/ der Advocat und
der Juengling allein sammt den Pferden
sich in einer wilden Einoede befunden/ auf
solches hat der Juengling eilfertig nach der
Stadt getracht/ und den ganzen Verlauff
mit einem Eidschwur betheuret/ kurz
hernach ist er von einem frommen Herrn in
Dienst aufgenommen worden/ welcher
nach loeblicher Gewohnheit gegen Abend in
die Kirchen mit Namen Pietro , sich begeben/
und allda seine Andacht verricht/ siehe
Wunder| Mitten unter waehrendem Gebet
wendet das geschnitzelte Crucifix--Bild
sein Gesicht ab von dem Herrn/ und schaute
ganz freundlich den Diener an/ als der
fromme Herr solches hatte beobachtet/


schaffte er dem Juengling/ er soll auf die
rechte Seiten knyen/ als nun hierinn der
Diener den Gehorsam geleist/ so hat sich
gleichmaessig das Crucifix auch auf die rechte
Seiten gewendet/ worueber der Herr
mit ganz bestuertztem Herzen sich zur Erden
niedergeworffen/ und mit unaufhoerlichen
Thraenen zu GOtt geschryen: O JESU
quare avertis faciam tuam á me?
O JEsu / warum wendest du dein Angesicht
von mir ab? Habe ich doch niemal
meine Augen abgewendt von den Armen/
der deine Stelle vertritt/ auf solche Wort
vernimt er aus dem Bild folgende Stim-:
Tibi quidem gratias habeo pro obsequio
in mei mihi præstito ' acceptæ sunt tuæ
eleemosynæ, sed huic famulo tuo plus debeo,
in summo terrore me non neganti,
sed me palum acPatrem ' Spiritum Sanctum
profitenti. Du hast viel gethan/
sagte der gecreutzigte JEsus / indem du
meinen Armen das Deinige gereicht/ aber
diesen Juengling bin ich mehr schuldig/ weilen
er in der groesten Forcht und Schrecken
mich nicht verlaugnet/ sondern GOTT
Vatter/ Sohn/ und H. Geist oeffentlich
bekennt; Aus dem erhellet dann/ was
Nutz und Schutz mit sich bringe die Andacht
zu der allerheiligsten Dreyfaltigkeit;
O wie Trost--voll ist dieses Goettliche Drey;
wol recht lautet das allgemeine Sprichwort/
alle gute Ding seynd Drey. Drey


Farben hatte jener wunderschoene Regenbogen/
welchen GOtt nach dem Suendfluß
an den blauen gewoelbten Himmel gestellt
hat/ zum Zeichen/ daß Er nicht mehr wolle
auf solche Weis straffen. Alle gute Ding
seynd Drey; Drey Soldaten seynd gewest/
welche mit unerhoerten Heldenmuth
durch die feindliche Waffen gedrungen/
und aus der Cistern zu Bethlehem dem
David einen frischen Trunk offerirten.
Alle gute Ding seynd Drey; Drey Staette
hat Moses verordnet den Jsraelitern /
welche er Civitates refugiorum aus Befelch
Gottes/ Staedt der Zuflucht benahmsete.
Alle gute Ding seynd Drey;
Dreymahl hat der HErr JEsus gebetten
in dem Garten/ das Drittemahl ist er von
dem Engel Michael gestaerkt worden. Alle
gute Ding seynd Drey? Jn Drey--Himmel
ist der H. Paulus dieser Tarsensische
Prediger verzuckt worden. Alle gute Ding
seynd Drey; Drey Brod hat ein Freund
von dem andern gebetten/ nach der Parabel
Christi . Alle gute Ding seynd Drey;
den dritten Tag ist die Esther mit Koeniglichen
Kleinodien und Zierden angethan
worden. Alle gute Ding seynd Drey;
Das jenige himmlische Jerusalem / welches
in einer wunderlichen Verzuckung der
H. Johannes gesehen/ hatte auf einer jeden
Seiten drey Porten/ von Aufgang
Drey/ von Mittag Drey/ von Mitternacht


Drey; alle gute Ding seynd Drey/
forderst in der Gottheit/ in dieser seynd
drey heiligste Personen/ GOtt Vatter/
Sohn/ und Heiliger Geist/ dieses Goettliche
Drey ist von Natur gut/ in Natur
gut/ an Natur gut/ gut/ und aber gut/
gut haben es wir erfahren/ indeme uns
dieses gute Drey/ machte von der Pest
frey/ weßwegen Ursach alle haben ihre
Haende aufzuheben/ und der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit danken/ Gloria Patri,
' Filio, 'Spiritui Sancto.
Philibertus Marchinus tract. de B. D.
remed. 114. notirt, daß die Bononienser
und Florentiner ein bewaehrtes Amulet erfunden
fuer die Pest/ nemlich:
Recipe:
Schwefel/ zwoelff Loth.
Arsenici/ zwey Loth.
Weihrauch/ zwoelff Loth.
Naegele und Lorbeer.
Muscatnuß mit der Bluehe.
St. Peters--Blaetter.
Wie auch Rettichblaetter.
Tausendgueldenkraut--Blaetter.
Granulirte Myrrhen.
Mastix fuenf Gran jedes.


Eisenkraut--Wurzel.
Jngwer--Wurzel.
Ein Peonien--Blat/ Rautensamen.
Alle groblecht gepuelvert/ und in ein seidenes
Saeckel an Hals gehaengt/ gegen dem
Herzen/ das ist ein bewaehrtes Amuletum,
probatum.
Ich laß seyn/ aber weit ein bessers hat
die Stadt Wienn / die Burger in der
Stadt Wienn / forderst die Geistliche und
Weltliche Obrigkeit in der Stadt Wienn
erfunden/ und zwar ein solches Amuletum,
wie da der Heilige Gregorius Nazianzenus
jenen Muettern vorgeschrieben/
welche allerley Mittel gebrauchen/ damit
ihre Kinder vom Vergifften und Anschreyen
befreyt seyn/ Orat. 40. Nil tibi amuletis
opus est, Trinitatem ipsi da, magnum
inquam illud ' pulchrum amuletum; Es
ist unnoethig/ um viel Mittel und Præservativen
umzuschauen/ gib einem die Allerheiligste
Dreyfaltigkeit/ diß ist das beste
Mittel.
Solches Mittel haben wir Wienner
erfunden/ haben es an den Hals gehaengt/
gegen dem Herzen/ ja gar in das Herz
hinein/ und seynd von nun an alle Wienner--Herzen
gewidmet der Allerheiligsten
[?]yfaltigkeit/ welche uns in der grassirenden


Pest erhoeret hat/ unser erbarmet
hat/ uns erloeset hat.
Wann jemand fragen solte/ wer
den Lazarum einen Bruder Marthæ und
Magdalenæ / vom Tod und vom Grab erloeset
habe? Wer ihn getroestet habe? so
antworte ich ihm nicht/ sondern an statt
meiner antwortet der heilige Erzvatter Augustinus .
Weil der HErr JEsus bey dem
Grab Lazari seine Augen gen Himmel gewendet/
und seinen himmlischen Vatter
gebetten/ Pater gratias ago tibi, Joh. 11.
Also habe Lazarum die Allerheiligste Dreyfaltigkeit
erwecket/ Ego ' Lazarus, quod
resurrexit, ' á Patré, ' á Filio suscitatus
est, ' gratia Spiritus Sancti, ' illud mirabile
opus Trinitas fecit.
Lazarus und Lazareth fuehren fast einen
Namen/ frag mich ein Jnlaender/ ein
Auslaender/ weil unser Wiennerisches Lazareth
mit etlich tausend ware angefuellt/
und nichts darinn/ daran/ darum/ darob/
als Elend/ daß sich ein harter Stein haette
moegen erbarmen/ und waere kein Wunder
gewest/ die Mauren und Eckstein deß Lazareths
haetten die bittere Zaehren vergossen/
in Ansehung deß grossen Elends/ so einen
nunmehr unmueglich scheinet zu beschreibe-/
dieses Lazareth hat in kurzer Zeit mit hoechster
Verwunderung also abgenommen/
daß in diesem 1680sten Jahr den 29. Maji
kein einiger Kranker mehr darinn gefunden


worden/ mit hoechster Verwunderung/
weil die Stadt wieder so volkreich wie zuvor/
und weil die benachbarte Oerter
und Laender in der Pest/ und doch Wienn
ohne Pest/ als kan es niemand anders als
ein Wunderwerk tauffen; Fragt mich jemand/
wer diß gethan? dem antworte ich
also: Lazarum hat vom Tod erweckt die
Allerheiligste Dreyfaltigkeit/ unser Lazareth
hat von Todten/ von Elend/ von der
Pest erlediget/ auch die Allerheiligste Dreyfaltigkeit/
Illud mirabile opus Trinitas fecit.
Dann so bald wir diese gegenwaertige
Geluebds--Seulen/ aus gesamtem Eifer/
da auf dem Graben ausgerichtet/ hat
das Graben und Todtengraben ein Ende
genommen/ so bald wir dieses Ehren--Gebaeu
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit haben
aufgerichtet/ seynd alle Leut weit aufrichtiger/
das ist/ froelicher dahergangen;
Samson durch Umwerffung der Seulen/
hat etlich tausend umgebracht/ wir Wienner
aber/ durch Aufrichtung der Seulen/
haben viel tausend beym Leben erhalten/
das muessen wir alle bekennen/ alle/ alle/
und dessenthalben unendlich danken/ danken
mit gebogenen Knien/ danken mit aufgehebten
Haenden/ danken mit Mund
und Herzen/ Gloria Patri, ' Filio, ' Spiritui
Sancto.
Es wird sehr denkwuerdig von dem
großen heiligen Lehrer Basilio geschrieben/


daß er allen mueglichsten Fleiß habe angewendet/
die Allerheiligste Dreyfaltigkeit/
und dero unzertrennte Einigkeit wider die
Arianische Ketzer zu defendiren/ ob welchen
dann der Kaeyser Valens als gleichfoermig
Arianisch/ nicht einen geringen
Widerwillen schoepffte; Alle diese in Jrrthum
verblendete Ketzer seynd der irrigen
Meinung und Aussag gewest/ als seye die
Goettliche Natur in diesen drey Allerheiligsten
Personen ungleich/ wider welches
dann unaufhoerlich der heilige Lehrer Basilius
geschryen und geschrieben/ so lang/ bis
der Kaeyser Valens aus gefasten Grimmen
unwiederrufflich beschlossen/ erstgedachten
Lehrer Basilium in das Elend zu
schicken/ wie er dann selbst der erzuernete
Kaeyser sich niedergesetzt/ und mit eigenen
Haenden das Decret wollen verfertigen/
sihe aber die wunderbarliche Guete der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit gegen den Basilium |
Kaeyser Valens ergreifft die Feder/
diese wolte aber keine Dinte lassen/ er
nimmt eine andere/ die thaete deßgleichen/
er nimmt mit Unwillen die dritte Feder/
so aber auch die Dinten halsstarrig innenhielte/
da er nun nach der vierdten griffe/
zitterte er an dem ganzen Leibe dergestalt/
daß es ihn gedunckte/ alle Glieder und
Senn--Adern wollen sich zertheilen/ darueber
zerreisset er das Papier/ weilen er nemlich
augenscheinlich wargenommen/ daß


durch diese drey Federn die Allerheiligste
Dreyfaltigkeit/ dem Lehrer Basilio beygestanden/
als welcher dieses Goettliche Drey
jederzeit geliebet/ gelobet und defendiret.
Wer hat nun den heiligen Lehrer Basilium
vom Elend errettet? Es antwortet der heilige
Effrem / Tres calami consubstantialitatem
Trinitatis prædicanti patrocinati.
Jhn hat vom Elend erhalten die Allerheiligste
Dreyfaltigkeit.
Ein groß Elend/ ein groessers Elend/
das groeste Elend ware die von uns ausgestandene
Pest--Noth/ daß wir aber nunmehr
von diesem Elend erlediget worden/
muessen es wir auch mit Basilio zuschreiben
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit. Daß
Esther aus einem gemeinen Maegdlein eine
Koenigin worden/ das hat sie zu danken
gehabt dem Aluero . Daß den Jsraelitern
das bittere Wasser in ein suosses verkehrt
worden/ das haben sie zu danken gehabt
dem Moysi . Daß dem Tobias das
Gesicht wieder erstattet worden/ das hat
er zu danken gehabt dem Raphael diesem
Erz--Engel. Daß der Kraut--Topff der
ProphetenKinder ist versuost worden/ das
haben sie zu danken gehabt dem Elisaeo .
Daß die arme Wittib zu Sarepta ist getroestet
worden/ das hat sie zu danken gehabt
dem Eliæ . Daß wir Wienner wieder
von dem Ungluecks--Stand zu dem
Gluecks--Stand komme-/ daß unser Wienn


wieder aus einem Freythoff ein Freudenhoff
worden. Daß bey uns Wiennern
das vielfaeltige Lamentiren in ein Jubiliren
verkehret worden/ das haben wir zu
danken dir/ O Allerheiligste Dreyfaltigkeit|
Weilen der heilige Lehrer und Erzvatter
Augustinus nicht ohne Geheimus
auch die Buchstaben zaehlet in dem Wort
Adam / also weil wir Wienner verwichen
den Tod nur gar zu wol betrachten koennen/
haben wir gleichmaessig gar die
Buchstaben in dem Woertlein Tod gezaehlet/
und endlich leicht gefunden/ daß
derselben nicht mehr noch weniger als 3.
seyn/ Tod. Jst uns demnach der heilige
Gedanken eingefallen/ als sollen wir wider
dieses 3. ein anders 3. brauchen/ nemlich
die Allerheiligste Dreyfaltigkeit/ und
solches also gewuenscht abgeloffen/ daß
wir nicht anders bishero bekennet haben/
nicht anders annoch bekennen/ nicht anders
hinfuoran bekennen werden/ als daß
uns erloeset habe die Allerheiligste Dreyfaltigkeit.
O grundlose Guete| O guetigste Dreyfaltigkeit|
Dir sey demnach Glori/ Ehr/
Preis und Dank/ von Ewigkeit zu Ewigkeit;
Wir wollen/ wir versprechen/ wir
verheissen uns hinfueroan emsiger zu halten
als der Patriarch Jacob . Von diesem
verzeichnet die Heilige Schrifft/ daß


er einest vor der Stadt Luca bey naechtlicher
Weil habe auf dem Feld geschlaffen/
vorhero aber etliche Stein an statt deß
Polsters seinem Haupt untergelegt/ welche
Steine nachmals durch ein Wunderwerk
in einen einigen sich verwandelt/ ja
die Lehrer geben vor/ als habe Jacob drey
Steine untergelegt/ welche er in der Fruehe
in einen verkehrt gefunden/ und seye ihme
hierdurch das Geheimnus des Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit/ in dero eine einige
Gottheit/ und drey Personen/ geoffenbaret
worden: Jacob hatte solcher gestalten
ein steinernes Sinnbild der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit gehabt unter dem
Kopff/ wir wollen aber hinfueroan dieses
Goettliche Drey gar stets tragen in dem
Kopff/ das ist/ stets in der Gedaechtnus/
stets in Augen/ stets im Mund/ stets im
Herzen; zumal ohnedas deß Menschen
sein Namen und Herz der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit scheinet gewidmet zu seyn;
dann der Mensch in Lateinischer Sprach
genennet wird HOMO, der erste ist kein
Buchstab zu nennen/ sondern das H ist
nur ein aspiration; die zwey O seynd gleicher
massen keine Buchstaben/ sondern
nulla, bleibet dannenhero in dem Wort/
HOMO, das einige M, welches dann ein
eigentlicher Entwurff der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit: Dann dieser nur ein
Buchstab ist/ und dannoch hat er drey


Buchstaben in sich/ als nemlich zwey I
und in der Mitte ein V. Durch das erste I
wird verstanden/ Initium, das ist/ GOtt
der Vatter/ welcher ein Anfang und ein
Schoepffer aller Ding/ durch das mittlere
V wird angedeutet/ Verbum caro factum,
der Sohn GOttes/ welcher die
Menschen angenommen; durch das andere
und letzte I wird verstanden Ignis, der
Heilige Geist/ so in Gestalt feuriger Zungen
erschienen: Traegt derohalben der
Mensch in seinem Namen Homo, wie hierbey
verzeichnet ein immerwaehrendes Gedenk--Zeichen
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit.
1 3
2
HOMO
Mehr zeiget sich offtgedachtes Allerheiligstes
Geheimnus auch in der Figur
deß Menschlichen Herzens/ dann so man
uebersich macht ein 3 welches so viel bedeutet
als Trinum, untenher fuehret man den
Buchstaben V welches vnum heist/ diß
Trium ' Vnum stellt ein natuerliches Herz
vor/ wie oben zu sehen. Weil dann ohne
das in deß Menschen Namen und Herz
das Sigill der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit
scheinet eingedruckt zu seyn/ also wird
uns dieses noch ein groessere Anmahnung


seyn zur Verehrung dieses Goettlichen
Drey; Ja unsere Herzen sollen seyn und
werden seyn/ wie das Herz deß Glorreiche-
Lehrers Augustini , der also verliebt ware
in dieses allerheiligste Geheimnus/ daß
auch nach seinem Tod alle Jahr das in
Crystall eingeschlossene Herz an dem Fest
der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit auf den
Altar gestellt worden/ und dasselbige zu
dem Ausspruch deß Lobs der Allerheiligste-
Dreyfaltigkeit sich merklich geruehrt/ und
sich wie ein Fisch im Wasser beweget hat.
Unsere Herzen sollen seyn/ und werden
seyn wie das Herz der heiligen Clara
de Monte Falconis , welche also verliebt
ware in dieses Goettliche Drey/ daß man
nach deroselbigen Ableiben/ in ihrem Herzen
drey Kuegelein gefunden/ deren eines
so groß als das andere/ eines so schwer als
das andere/ und alle drey so schwer als eines/
welches man nicht ohne Verwunderung
auf den Wagschalen abgenommen/
und darbey gelobt und gepriesen die Allerheiligste
Dreyfaltigkeit.
Unsere Herzen sollen seyn und werden
seyn/ wie das Herz deß Gottseligen
Manns Francisci Folliani , welcher eine
solche Jnbrunst getragen gegen der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit/ daß man nach
seinem Tod in seinem Herzen drey erhebte
Flammen angetroffen/ wordurch die Andacht
zu diesem Goettlichen Drey verspuehret
worden.


Dir dann/ O Goettliches Drey|
fallen wir heut sammentlich zu Fuessen/
und opffern nicht mit dem
Abraham einen Widder/ nicht mit
dem Salomon viel Ochsen/ nicht
mit dem Melchisedech Wein und
Brod/ nicht mit dem Abel einige
Korngarben/ nicht mit dem Noe
allerley Gefluegelwerk/ nicht mit
den drey Koenigen/ Gold/ Weihrauch
und Myrrhen/ sondern dir
schicken wir/ dir schenken wir/ dir
opffern wir unsere Herzen zu einem
ewigen Dank.
Jn dem Koenigreich Pohlen
gibts vornehme Grafen/ mit Namen
Hab Dank. Und hat solcher
Titul folgenden Ursprung;
Graf Scabricus wurde als ein Gesandter
aus Pohlen geschickt/ zu
dem Roemischen Kaeyser Henricum 4.
welcher neben andern gedachtem
Gesandten einen unbeschreiblichen
großen Schatz gezeigt von purem
Gold/ mit dieser Rede: Hic
Polonos perdomabit: Dieser wird
die Polacken ueberwinden; solchen


schier unloeblichen Hochmuth deß
Henrici manierlich zu treffen/ ziehet
der Gesandte einen guldenen
Ring von dem Finger/ wirfft selbigen
in den Schatz mit folgenden
Worten: Aurum adjiciamus auro,
last uns Gold zu Gold gesellen;
Der Kaeyser aber/ als achtete er solchen
Schimpff nicht viel/ sagt zu
dem Legaten: Hab Dank. Worvon
es kommen/ daß dieser Graff und
sein ganzes Haus den Namen/ HabDank
angenommen/ Comites
Habtanck .
So gibt es dann vornehme Herren
in Pohlen / die heissen HabDank ;
dahier gibt es aber noch
mehr; Die vier hinterlassene geheime
Deputirte hohe Kaeiserliche
Raethe heissen HabDank / die Hochloebliche
N. O. Herren Land--Staende
heissen HabDank / die wieder so viel
Hoch--Adeliche Damasen allhier
heissen HabDank / die ganze grosse
Clerisey zu Wienn heisset heut auch
HabDank / alle gesamte Jnwohner
zu Wienn heissen heut alle HabDank .


Hab Dank/ hab Dank/
O Lieb--volle/ O Lob--volle/ O
Trost--volle/ O Gnaden--volle/
O Schutz--volle/ O Freudenvolle
Allerheiligste Dreyfaltigkeit/
hab Dank/ daß du
von uns hast abgewendet die
grassirende Pest. Hab Dank
du Goettliches Drey/ nicht nur
dreymal/ nicht nur dreyhundert
mal/ nicht nur dreytausend
mal/ nicht nur dreytausend
mal tausend mal/ sondern
unendlich hab Dank.
Gloria Patri, ' Filio, '
Spiritui Sancto, Glori/ Ehr/
Preiß und Dank/ seye der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit/
also danke ich an statt aller/
und helfft mit mir danken
ihr hell--schallende
Trompeten.


Auf diß hat der gesammte
Chor der Trompeten/ mit helllautendem
Paucken--Schall
ganz Freuden--voll sich
hoeren lassen.


HILF MIT !!!
Typewriter Mac.png
Eigene Texte hochladen

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