Medium is the message - Elektronisches Publizieren - Gernot Hausar - 2007

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Elektronisches Publizieren · Elektronisches Publizieren
The Medium is the Message
Hausar, Gernot (Autor) · Wien 2007 ()

Herausgeber: Elfriede Jelinek Forschungszentrum Wien · Verlag:  · (Ed)
ISBN/ISBN13:/ · ISSN:
Sprache: Deutsch · Version: v1.00 (Volltext)
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Hausar, Gernot: Elektronisches Publizieren Elektronisches Publizieren. In: eLib.at (Hrg.), 17. Januar 2019. URL: http://elib.at/
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Germanistik · Digitalisierung · Publizistik · Politikwissenschaft · Elektronisches Publizieren
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Volltext


Elektronisches Publizieren - The Medium is the Message

Gernot Hausar
Wien, 23. Mai 2007
Erstveröffentlicht bei JeliNetz (Elfriede Jelinek Forschungszentrums Wien)
Link zum Jelinetz-Artikel

"In a culture like ours, long accustomed to splitting and dividing all things as a means of control, it is sometimes a bit of a shock to be reminded that, in operational and practical fact, the medium is the message. This is merely to say that the personal and social consequences of any medium - that is, of any extension of ourselves - result from the new scale that is introduced into our affairs by each extension of ourselves, or by any new technology."
Marshall McLuhan, Understanding Media. [1]



Der Einzug des Personal Computers und seiner schicken portablen Verwandten in den Alltag des Durchschnittsbürgers der ersten Welt kann als vollzogen betrachtet werden. Offensichtliche Veränderungen, wie das Aussterben spezialisierter Berufszweige wie jenes des Setzers und die damit verbundenen Veränderungen in der Printindustrie sind damit einhergegangen.

Die internationalen Datennetze und der egalitäre Charakter der virtuellen Repräsentation eines Individuums eröffnen neue Sichtweisen. Eine private Homepage und die virtuelle Repräsentanz eines internationalen Konzerns sind vor dem Internet-Auge des Betrachters gleichwertig. Dies ist nicht nur für die Demokratie ein Segen oder der Grund permanenter Kopfschmerzen für übereifrige Sicherheitsexperten.[2] Auch kreative Impulse können so mit anderen geteilt, gemeinsam weiterentwickelt und die Ergebnisse verbreitet werden.

Gerade im Bereich der kreativen Berufe haben sich neben vielen offensichtlichen Veränderungen auch einige Vorgänge eingeschlichen, deren Konsequenzen unbeabsichtigt oder besser, unabsehbar waren. Die Notwendigkeit der elektronischen Übermittlung von Werken durch Musiker, Schriftsteller und andere Künstler an Agenturen und Druckereien bringt es mit sich, daß alle diese Werke in elektronischer Form vorhanden sind. Dies ermöglicht aber auch eine alternative Verbreitung dieser Werke im elektronischen Selbstverlag ohne Mitwirkung der Agenturen, die die elektronische Übermittlung der Texte aus Kostengründen fordern. Außerdem müssen sich dadurch auch technisch konservativ agierende Menschen mit den Tücken des elektronischen Publizierens auseinandersetzen. Dieser Vorgang erleichtert die Akzeptanz elektronischer Medien in großen Teilen der Bevölkerung.

Der Übergang zwischen Text und audio-visuellen Medien ist fließend, die Einbindung Inhalte Dritter mit einem Klick geschehen und die Trennung zwischen Sender und Empfänger durch Partizipations- und Feedbackmöglichkeiten, die man jüngst unter dem Begriff Web 2.0 neu entdeckt und zusammengefasst hat, verwischt. So stellt sich die Ausgangslage im Bereich des elektronischen Publizierens dar. Ob dies für den Autor alles oder doch nichts ändert, soll in folgenden Aufsatz kurz beleuchtet werden. Abschließend wird unter den geschilderten Aspekten kurz auf den elektronischen Text "Neid" von Elfriede Jelinek eingegangen.


Der Künstler im Netz

In Anbetracht der vielen Aufgaben, mit denen sich ein Künstler konfrontiert sieht, der im Netz publizieren möchte, ist eine Trennung nach klassischen Mustern nicht sinnvoll.

Der Künstler ist Webdesigner, Programmierer, Texter, Video- und Audio-Fachmann, Schriftsteller und Kritiker in einer Person. Er taucht oft auch nicht als Urheber auf und lässt seine Performance für sich sprechen. Gleichzeitig kann er mit Lesern und Besuchern in direkten Kontakt treten. Dies eröffnet viele neue Möglichkeiten, die im Moment oft noch unzureichend genutzt werden.

Auch der eigentliche Geschäftsvorgang verändert sich. Der elektronische Vertrieb kann ohne Mittelsmann direkt über den Künstler abgewickelt werden. Internetforen und Blogs sind wichtige Medien, um ein Werk bekannt zu machen und der Auftragsdruck ermöglicht es, auch bei kleinen Auflagen ein Werk lange verfügbar zu halten.

Dies ist ein Segen und ein Fluch. Während diese Alternative zur traditionellen Abwicklung zum Beispiel die Musikindustrie zwingt, ihre mittelalterlichen Knebelverträge, bei denen Künstler über Jahre an eine Firma gebunden sind, etwas zu lockern, kann es auch zu Gewinneinbußen für Kunstschaffende kommen, die ihr künstlersches Überleben gefährden.

Hier sind ein Verständnis der Ökonomie der neuen Medien und kreative Ansätze der Verwertung gefragt. Ein Beispiel für einen kreativen Ansatz, um aus den illegal zirkulierenden Kopien des Filmes "Herr der Ringe" für die Urheber ein Geschäft zu machen, war die Produktion von leeren DVDs (Rohlinge) mit Herr der Ringe Motiven, um die illegale Kopie des Filmes für die Sammlung zu Hause auch in angemessener Form archivieren zu können.

Auch die gleichzeitige Verfügbarkeit einer kommerziellen Print- und einer für den Privatgebrauch freien Online-Version eines Buches kann ein durchaus gangbarer Weg für Autoren sein, wie zum Beispiel das Buch Die Befreiung der Information[3] von Rene Spiegel beweist, die online und über den Buchhandel beziehbar ist.


text2hypertext

Text in elektronischer Form ist nicht automatisch Hypertext. Erst durch das Verlinken, eine semantische Einbindung und Kategorisierung erhält er dieses Prädikat. Die Einbindung verschiedenster Medien, wie Videos, Karten, Bilder, Ton und Animation sind ein weiteres Potential des Internet, welches genutzt werden sollte.

Während elektronischer Text alleine schon Vorteile bietet, wie die problemlose Umwandlung in Blindenschrift mittels einer Braille-Zeile, so daß auch blinde Menschen endlich eine größere Wahlfreiheit haben, ist dies für elektronisches Publizieren, daß den Namen auch verdient, eigentlich noch nicht genug.

Wir haben es hier mit einer neuen Form der virtuellen Realität zu tun, die nicht dann optimal genutzt wird, wenn sie blind Bekanntes reproduziert und ein reales Papierdokument emuliert, sondern dann, wenn durch die Akzeptanz der Eigenheiten etwas Neues entsteht. Insoweit kann man Umberto Eco recht geben, als er bei der Eröffnung der elektronischen Bibliothek von Alexandria behauptete, daß das Buch als Technologie nicht mehr verbesserbar sei.[4]

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Auch ein Video auf YouTube, welches im Rahmen eines Projektes von Prof Michael Welsch, Department of Cultural Anthropology, Kansas State University entstanden ist, beschäftigt sich mit digitalen Text und Web 2.0. Es thematisiert kurz die Entwicklung von HTML zu XML, wobei letzteres immer mehr auch den Inhalt beschreibt und nicht nur die Form. Wesentlich ist als Charakteristikum die Verlinkung. Auch zwei durchaus kritischen Antworten (Antwort1, Antwort2) sind ebenfalls sehens/lesenswert.


Berührungsängste

We look at the present through a rear-view mirror. We march backwards into the future. -Marshall McLuhan

Zwischen analoger und digitaler Kultur steht eigentlich nur der relativ einfache Vorgang der Konvertierung. Gerade Text ist schnell digitalisiert und mittels Texterkennung in von der Maschine lesbaren Code umgewandelt. Analoge und digitale Texte sind gleichermaßen wichtig für uns.

Gerade Bibliotheken könnten hier eine großartige Rolle übernehmen. Anstatt sich durch Digitalisierung bedroht zu fühlen, sollten sie die Aufgabe des Verteilens und Beratens auf diesen Teilbereich ausdehnen und Benutzern den Gebrauch elektronischen Texts näherbringen und ihre analogen Archive digitalisieren. Dies wäre eine Arbeitsplatzsicherung für viele, viele Jahre.

Durch tragbare Geräte wird der elektronische Text Teil des Alltages. Eine SMS, eMails, ein elektronisches Schriftstück - sie alle sind längst dabei, unverzichtbar für uns zu werden. Dabei findet ein Anpassungsprozeß statt, der auch unsere Art zu schreiben, zu denken und Informationen zu strukturieren verändert. Elektronischer Text ist leicht auszubessern, reproduzierbar, Fehler können rückgängig gemacht und Inhalte immer neu zusammengefügt werden.

Auf eine 2 GB Speicherkarte passt eine ganze Bibliothek, die mittels Handheld in der Sonne bequem gelesen werden kann. Ob dies wirklich ausreicht, um das angenehme Gefühl zu ersetzen, daß gedrucktes Papier für all unsere Sinne darstellt, bleibt abzuwarten. Interessant ist, daß für den kreativen Prozeß selbst Papier, Schreiben und physische Aufteilung von Information immer noch anregender ist, als die kalte Ordnung des papierlosen Büros. Dieser Zugang zur Erschließung von Information ist auch durch Erziehung und Gewohnheit bedingt und kann sich durch den frühen Zugang zu Technik verändern.


Wissensarchiv vs Copy & Paste Alptraum

The ignorance of how to use new knowledge stockpiles exponentially. - Marshall McLuhan

Das Ausbalancieren der kommerziellen Rechte des Einzelnen gegenüber dem Recht der Allgemeinheit auf Zugang zu Kunst und Kultur, sowie die Verpflichtung der Staaten, dies zu überwachen, ist in der europäischen und antiken Tradition tiefer verankert, als in der anglo-amerikanischen Rechts- und Kulturtradition.

Während Reisende in Alexandria nach Büchern durchsucht wurden und nicht weiterreisen durften, bis eine Kopie für die Bibliothek angefertigt worden war und in Europa die kommerziellen Rechte den Zugang der Öffentlichkeit zu Werken nie ganz verboten, wären beispielsweise Kafkas Werke nach anglo-amerikanischen Recht vielleicht nie an die Öffentlichkeit gelangt.

Ein spezifisches Problem elektronischen Publizierens ergibt sich aus der Wahl der Datenträger und des Kopierschutzes. Während Stein, Ton, Leder und Papier Informationen für Hunderte von Jahren transportieren können, hat sich die Halbwertszeit durch CDs und DVDs auf nominell 10 Jahre reduziert. Lokale Speicherung und Archivierung macht daher auf diesem Medium kaum Sinn, da der permanente Kopieraufwand ein vernünftiges Arbeiten unmöglich macht.

Durch die Vielzahl ähnlicher aber nicht kompatibler Datenträger und Dateiformate kann es auch passieren, daß mit dem technologischen Fortschritt die letzten Geräte zum Abrufen der Beiträge verschwinden und das Dateiformat nicht mehr richtig gelesen werden kann. Die Situation stellt sich dann ungefähr so wie in einer Bibliothek voller Schallplatten dar, in der kein einziger Plattenspieler mehr funktioniert.

Auch Kopierschutzmaßnahmen erschweren die Arbeit der Erhaltung und Dokumentation der Kultur. Kommerzielle Formate und Verschlüsselung haben es für Nationalbibliotheken erforderlich gemacht, diesen Schutz erst mühsam zu knacken, wofür in Deutschland sogar ein eigenes Gesetz geschaffen werden mußte. Dankenswerterweise beginnt auch hier ein Umdenken. So haben einige Musikkonzerne erklärt, daß sie in Zukunft keinerlei Kopierschutzmaßnahmen mehr einsetzen werden.

Das Internet ist hier eine gute Alternative. Ein literarischer Text, der einmal auf einer Homepage einer Künstlerin veröffentlicht wurde, wird auf einer Vielzahl von Servern zwischengespeichert und archiviert. So konnte beispielsweise auch die Universität in Göttingen große Teile ihres elektronischen Bestandes wiederherstellen, der durch einen Computercrash unwiederbringlich verloren war. Während mit der Bibliothek von Alexandria auch all ihr Wissen verbrannte, kann dies in Zeiten des Internet viel schwerer passieren, da die Informationen in leicht auszulesender Form mehrfach existieren.Dies gilt auch für Versuche der Zensur von systemkritischen Inhalten wie künstlerischen Werken, wie sie nicht nur aus China oder dem Iran bekannt sind[5].

Genau diese Tatsache ist allerdings für Autoren auch zu einem Problem geworden. Schüler, die komplette Artikel einfach kopieren und als eigenes Werk abgeben, Wissenschaftler und (angehende) Akademiker, die die Bedeutung des Wortes Recherche nicht so ganz verstanden haben, Staaten und Geheimdienste, die per Copy & Paste einen Krieg rechtfertigen[6] - das sind die neuen Probleme, die sich daraus ergeben.

Gleichzeitig erlauben die selben Mechanismen eine bessere Kontrolle des Staates, wie die oben erwähnte Geschichte des britischen Irak-Reports oder die Informationen zu den Vorgängen rund um den Tod des Italieners Nicola Calipari im Irak dokumentieren[7]. In diesem Fall konnte nur durch copy&paste Transparenz in einen Vorgang gebracht werden, der sonst nicht an die Öffentlichkeit gelangt wäre.

Ob es aber wie bei Studierenden einen Generalverdacht gegen den Staat gibt, bleibt abzuwarten. Alle Dokumente der Studierenen, die für diesen Vorgang in elektronischer Form eingereicht werden müssen, werden heute zwangsweise mittels einer Plagiatssoftware überprüft, auf eine ähnliche Kontrolle der unrechtmäßigen Übernahme privater Werke in staatlichen Dokumente, wie im Falle des Irak-Dossiers der britischen Regierung wartet man bis heute allerdings vergeblich. In diesem Zusammenhang sei das Projekt WikiLeaks empfohlen, welches es erlaubt, staatliche Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, auch wenn dies der jeweilige Staat verhindern möchte. Zensur wird in der neuen vernetzen Umgebung eine schwierige Kunst.

Politics offers yesterday’s answers to today’s questions. - Marshall McLuhan

Abschließend lässt sich sagen, daß der wissenschafliche Umgang mit Internet-Quellen noch nicht gängige Praxis ist. Warum wissenschaftliche Artikel in elektronischer Form nicht so gern zitiert werden, wie ihre gedruckten Freunde, ist heute nicht mehr einzusehen, da beide Medien Fehler enthalten. Gerade in diesem Zusammenhang ist jedes elektronisch publizierte Werk ein Schritt in die richtige Richtung, welcher die Hemmschwelle weiter herabsetzt und zum Umgang mit elektronischen Inhalten einlädt.


Geographie

And once again he was overwhelmed by the vague and mysterious idea of border." - Milan Kundera, the book of laughter and forgetting

Das Internet wurde als Netzwerk für einen reibungslosen und ungehinderten Datenaustausch konzipiert. Selbst im Falle eines Atomkrieges sollten die Informationen über Umwege und Ländergrenzen hinweg an ihr Ziel kommen. Diese egalitäre Struktur war auch für die Forschung sehr attraktiv. So entstand ein Netz des freundlichen Informationsaustausches, mit einer gewissen Liebe zum Detail und einem formlosen Umgangston. Inhalte wurden weltweit erfügbar und Fragestellungen können blitzschnell recherchiert werden.

Während Milliarden an Steuergeldern in die Infrastruktur floss und viel Zeit von Einzelpersonen für Inhalte aufgewendet wurde, setzt sich schließlich die Wirtschaft, ohne einen Cent dazu begetragen zu haben mit der Frechheit eines pubertierenden Jugendlichen ins gemachte Nest und stellte plötzlich Forderungen. Das Netz sollte sicher werden (ohne Kosten für die Unternehmen), ein Online-Katalog für Waren, in dem das Individuum am Gängelband geführt und in regelmäßigen Abständen geschröpft wird. Benutzerstatistiken wurden kostenfrei eingehoben und um teures Geld verkauft, Privatdaten in Business-Datenbanken eingespeist um Profile anlegen zu können. Dabei wurde ganz selbstverständlich davon ausgegangen, daß das Individuum doppelt zu zahlen habe und für seine eigenen Daten nicht entlohnt werden muß. Gegner wurden geklagt oder aufgekauft.

Der Staat leitete eine Reihe von Maßnahmen ein, die Urheberrechte auf Kosten der Demokratie, der Informationsfreiheit und zum finanziellen Schaden für den Einzelnen vor Persönlichkeitsrechte stellte. So ist der eigene Name als Homepage nicht schützenswerter als der gleichlautende Name eines Unternehmens aber ein regelmäßiges Publizieren im Rahmen einer Website durch eine Einzelperson journalistische Tätigkeit mit allen Haftungen, jedoch ohne daß diese Person den Schutz und die Vorteile ihres Berufsstandes genießt. Dies führt zu einem untragbaren Ungleichgewicht, welches den Einzelnen knebelt und zu dem der Staat nach europäischen Muster, der eigentlich der Hüter dieses Gleichgewichtes sein sollte, aktiv beiträgt.

Als Gegenbewegung entstand so auch die Open-Source und Open-Access Bewegung, bei der sich grenzüberschreitend Einzelpersonen zusammenschließen, um Inhalte und Werke zu entwickeln, die frei zugänglich sein sollen. Linux, Open Office oder auch der Browser Firefox, Wikipedia und Wikisource, Gutenberg und eLibrary Projekt (eLib) sind Beispiele für erfolgreiche Initiativen, die auf Grund ihres Erfolges die Wirtschaft trotz der Untätigkeit des Staates zu einer Kooperation zwingen. Jeder Text, der im Netz von Einzelpersonen veröffentlicht wird, und nicht über eine kommerzielle Datenbank abrufbar ist, hilft bei diesem Balanceakt.


Rechtliche Überlegungen

In big industry new ideas are invited to rear their heads so they can be clobbered at once. The idea department of a big firm is a sort of lab for isolating dangerous viruses. -Marshall McLuhan

Das Urheberrecht, das Internet-Recht sowie die neuen Lizenzen, unter denen Inhalte im Internet veröffentlicht werden, sind wichtige Aspekte, die es im Zuge elektronischen Publiierens zu beachten gilt. Dabei entwickelt sich erst langsam etwas, was man Rechtssicherheit nennen kann.

Entscheidungen, die auf einem Unverständnis des Internets beruhen, wie beispielsweise die Verantwortlichkeit für die Inhalte verlinkter Seiten, erschweren die Arbeit mit dem neuen Medium. Auch die Industrie betreibt durch Straf- und Zivilklagen Schadensbegrenzung für das Ignorieren des Internets und seiner Möglichkeiten auf Kosten des Einzelnen. Innovation wird zugelassen, dann geklagt und billig aufgekauft.

Beim Publizieren im Internet ist Vorsicht geboten. Diverse Plattformen zur Verbreitung und Bereitstellung von Inhalten schreiben in ihren AGBs fest, daß der Urheber seine kommerziellen Rechte am Werk verliert, wenn er ihre Dienste in Anspruch nimmt. Diese Situation dreht sich in den letzten Jahren allerdings um, seitdem die Betreiber für die Inhalte Ihrer Nutzer, durch deren Abrufen sie über Werbung gutes Geld verdienen, auch verantwortlich gemacht werden können - plötzlich sind sie nur Mittler und wollen nichts mit den Inhalten, über die Sie Geld verdienen, zu tun haben.

Auch die Wahl der richtigen Lizenz für die elektronisch publizierten Inhalte ist sehr wichtig. Kostenloses Publizieren im Rahmen einer der Open Access und Open Content Lizenzen, wie der Creative Commons oder der GNU General Public Licence kann dazu führen, daß Verwertungsgesellschaften die Zusammenarbeit mit dem Autor verweigern.

Andererseits kann das Publizieren in der "Öffentlichkeit" des Internet zu einer Einschränkung der Verwertungsmöglichkeiten führen oder Dritten erlauben, diese Inhalte ohne Kompensation kommerziell zu verwerten. Dies passiert zum Beispiel auch bei Plagiatssoftware, einem kommerziellen Produkt, welches alle im Internet befindlichen Inhalte durchsucht, ohne Rücksicht auf eine Lizenz, die dies ausschließt.

Ungeachtet der rechtlichen Problematik, die einem Juristen den Schweiß auf die Stirn treibt, wird fröhlich weiterpubliziert. Elektronische Inhalte erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und haben über tragbare Geräte ihren Weg in den Alltag gefunden. Die wachsende Gruppe der Benutzer und das damit einhergehende Verständnis um die Eigenheiten elektronischer Medien kann mittelfristig ein Umdenken herbeiführen und sich rechtlich positiv niederschlagen.


Neid auf echten Hypertext?!

Neid ist eine sehr unglückliche Bewunderung -Umberto Eco

Elfriede Jelinek bietet über Ihren Webauftritt eine Reihe von Informationen an. Inhalte umfassen Texte, Bilder und Links, Videos und Sounddateien sind nicht vorhanden oder sehr gut versteckt. Die Navigation ist leicht zugänglich und gut verständlich, so daß sich neue Besucher rasch zurechtfinden.

Möglichkeiten der Interaktion sucht man vergeblich, die einsame eMail-Adresse des Rohwolt-Verlages, die als Kleingedrucktes am unteren Ende zu finden ist, zeigt, daß die Autorin diese Funktionalität nur minimal in Ihre Website eingebaut hat. Es gibt keinerlei Möglichkeit zum Hinterlassen von Kommentaren auf der Seite oder bei den einzelnen Artikeln. Hier schließt das Projekt JeliNetz des Elfriede Jelinek Forschungszentrums eine Lücke und eröffnet interessante neue Möglichkeiten.

Insoweit ist Jelineks Seite wohl eher ein Archiv für das Speichern von Überlegungen, Aufsätzen und seit neuesten auch die Plattform für ihren Privatroman Neid. Dabei werden traditionelle Konzepte einfach aus der Realität übernommen, ohne auf die Eigenheiten des Internet Rücksicht zu nehmen, sowohl in der Art der Präsentation als auch in der Struktur des Textes. Links in den Texten selbst sind nicht vorhanden, es gibt lediglich Bilder und machmal Endnoten, die teilweise weiterverweisen. Audiovisuelle Medien sind gar nicht eingebunden.

Durch den Literaturnobelpreis wurde weltweit das Interesse an Elfriede Jelineks Texten geweckt. Elektronische Versionen erlauben es, daß ihre Texte unabhängig von der Verfügbarkeit in lokalen Buchhandlungen und Büchereien weltweit jederzeit verfügbar sind. Hier ist die Website wohl eine gute erste Anlaufstelle.

Und noch eine Reaktion wird durch den Nobelpreis provoziert: jene der Leser selbst. Können Koreaner die regionalen Anspielungen in Jelineks Werken verstehen? Gibt es einen Jelinek-Fanclub in Nordkorea, Marokko, Südafrika, Brasilien, Kanada, Albanien oder sonstwo?

Es gibt einen Austausch, der rasch und direkt in elektronischer Form stattfindet. Eine Suche auf Google-Diskussionsgruppen macht dies deutlich. Dies zeigen auch die YouTube-Videos, Wikipedia-Artikel, Blogs oder der elektronische Briefkasten Jelineks in Literaturhaus.

All diese Elemente könnte man im Rahmen des elektronischen Publizierens integrieren und für sich verwenden, was bis jetzt noch nicht passiert.

Nutzt Elfriede Jelinek nun die vollen Möglichkeiten des elektronischen Publizierens auf Ihrer Homepage? Nach den oben angelegten Kriterien kann man dies verneinen. Aber das muß sie gar nicht. Wenn Nobelpreisgewinner Ihre Texte auch nur statisch über die Datennetze zugänglich machen, dann hat dies einen positiven Mehrwert. Jeder Interessierte ist auch ein Multiplikator, der mit elektronischen Text arbeitet und mit seinen Eigenheiten konfrontiert wird. Interessierte aus der ganzen Welt können auf die Texte zugreifen und sie lesen, unabhängig von Verlagen, kommerziellen Überlegungen oder nationaler Zensur.

Vielen Dank.

Fußnoten

This information is top security. When you have read it, destroy yourself. -Marshall McLuhan
  1. McLuhan, Marshall. Understanding Media: The Extensions of Man. New York: McGraw Hill, 1964.
  2. Zum Stichwort 'staatlicher Übereifer' konsultiere der geneigte Leser zum Beispiel die Seiten der Electronic Frontier Foundation oder von Statewatch.
  3. Spiegel, Rene, Die Befreiung der Information, Berlin: Matthes & Seitz, 2006.
  4. Eco, Umberto, Text einer Rede zur Eröffnung der Bibliotheca Alexandria, http://weekly.ahram.org.eg/2003/665/bo3.htm (19. Mai 2007)
  5. Siehe dazu den Index on Censorship 2007
  6. Siehe dazu verschiedene Artikel ([1], [2]) auf Telepolis des Heise-Verlages (20. Mai 2007)
  7. Siehe dazu Slashdot, Corriere della Sierra, und C-Net (20. Mai 2007).


Über den Autor

Gernot Hausar studiert Jus und Geschichte, digitalisiert gemeinfreie Werke und versucht, mit seinem frei zugänglichen eLib Projekt eine Plattform zum Austausch von wissenschaftlichen Inhalten aufzubauen. Diese Bemühungen wurden 2006 mit dem MedidaPrix belohnt.

Weblinks


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