Zitate und Aphorismen (Alois Negrelli von Moldelbe)

Aus elib.at
Wechseln zu: Navigation, Suche

.


Alois Negrelli von Moldelbe


Zitate


Hier wurden vom eLib Austria Projekt einzelne Texte, Scan-Fragmente und Ausschnitte aus Werken, sowie Kurzgeschichten und Ähnliches zusammengefügt. Wir möchten uns für diesen Versuch entschuldigen, wollten aber unseren Lesern diese Texte nicht vorenthalten.


Über den Suezkanal

"Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass die Kommunikationsmittel in Egypten im Ganzen noch sehr mangelhaft sind, und dass die Eisenbahn, welche binnen wenigen Monaten Alexandrien über Kairo mit Suez verbinden wird, nur den Verkehr zwischen diesen drei wichtigen Städten und zugleich den Transport von Reisenden und Waren von und nach Ostindien vermitteln wird.[...] Die Verbindung der beiden Meere mittelst eines maritimen Kanals ist demnach sowohl für die Entfaltung des Welthandels durch Abkürzung des Weges zwischen Europa und den am indischen Ozean gelegenen reichen Ländern der alten Welt, als auch für die Belebung der Küstenfahrt Egyptens, verbunden mit dem Aufblühen der inneren Wohlfahrt dieses gesegneten Landes, eine unbestreitbare Nothwendigkeit."

"Die gegenwärtigen Transport- und Kommunikationsmittel Egyptens", A. Negrelli v. Moldelbe; 1856


Negrelli über Negrelli

Ich bin am 25. Jänner 1799 zu Primiero, dem östlichst gelegenen Ort des südlichen Tirols, an der venetianischen Grenze, von wohlhabenden Eltern, welche beide noch leben, geboren und zähle neben mir noch neun Geschwister. Unter diesen befinden sich sechs Schwestern, deren eine beim Kampfe der Tiroler gegen die Franzosen im Jahre 1809 an der Seite meines Vaters nicht unrühmlichen Anteil genommen hat.

Meine erste Erziehung, wie diejenige meiner Geschwister, wurde einem trefflichen Hauslehrer, Serafino Pastorini, anvertraut, und schon im Jahre 1810 wurde ich mit meinem Bruder, der jetzt Präfect und Professor der Literatur an der orientalischen Akademie in Wien ist, in ein Pensionat in der Gegend von Bassano geschickt. Im Jahre 1812 kam ich sodann, mit den übrigen zwei Brüdern, in die Bildungsanstalt von Feltre, wo ich mich nebst den literarischen Studien mit grossem Eifer der Zeichenkunst widmete und in beiden Fächern durch die Nachsicht meiner Professoren bei der Preisverteilung bedacht wurde. Anträge der französischen Behörden (Trentino war zu dieser Zeit von Frankreich besetzt, Anm.) zwei von uns Brüdern auf Staatskosten in der Militärakademie von Pavia studieren zu lassen, wurden von meinem Vater abgelehnt, der dann auch in der Folge von den Verfolgungen derselben viel zu leiden hatte und dadurch bedeutende Verluste an seinem Vermögen erlitt. Es hinderte jedoch der Glückswechsel den Fortgang unserer Erziehung nicht. Nachdem ich die philosophischen Studien unter der Leitung des ausgezeichneten Professors Folco vollendet hatte, ging ich nach Venedig, wo mir das Glück zu Teil wurde, dem verstorbenen Kaiser von Österreich, als dieser auf dem Rückwege von seinem Siegeszug nach Paris seine italienischen Staaten besuchte, vorgestellt und von ihm bei Vollendung meiner Studien grossmüthig unterstützt zu werden. Von Venedig ging ich nach Padua und bereiste jene an Baudenkmalen überreiche Gegend, wo ich Notizen sammelte, die mir später von grossem Vortheile wurden.

Im Jahre 1818 wurde ich zum ersten Mal nach Deutschland (Negrelli meint hier den Teil Österreichs, der deutsch spricht, Anm.) geschickt, theils um die praktische Laufbahn eines Ingenieurs zu beginnen, theils um die deutsche Sprache zu erlernen. Von der k.k. Provincial-Baudirection von Tirol und Vorarlberg in Innsbruck wurde ich als Prakticant angenommen.

Die vielen Arbeiten, womit diese Behörde in einem für die Baukunst, wegen der immer zerstörenden Kraft der Natur, sehr schwierige Land überhäuft war, verschafften mir bald Gelegenheit, hauptsächlich unter der Leitung des H. Duile in allen Fächern der Baukunst feste praktische Kenntnisse zu erwerben. Im Jahre 1820 war ich bereits in den Stand gesetzt, die allgemeine theoretische-praktische Prüfung als Ingenieur derselben Direction zu bestehen und mir dadurch das Ingenieur-Diplom zu erwerben.

Meine Leistungen wuchsen seit jener Zeit mit der Nachsicht, welche mir von Seite meiner hohen Vorgesetzten zu Theil ward, und der Inn, die Drau, die Brenta und die Etsch, dann die Arlbergstrasse, die grosse ampezzaner Strasse gegen Venedig und die Fortsetzung der wormser Strasse durch das Vintschgau waren der Tummelplatz meiner Bemühungen. Die vielen Aussteckungen und Nivellierungen, die ich dabei zu besorgen hatte, verhalfen mir zu einem sehr schnellen Überblicke und Beurtheilung ganzer Gegenden, welcher durch die vielen Reisen in alle Gegenden der Provinz, dann nach Ober- und Niederösterreich, Ungarn, Mähren, Böhmen, Italien und Illirien noch mehr bekräftigt wurde und zur schnellen Auffassung und Auseinandersetzung der Projekte von wesentlichem Nutzen ist. Im Jahre 1825 wurde ich zum Einstudieren der Theorie der Kettenbrükken nach Wien geschickt und bei meiner Rückkehr nach Vorarlberg gesandt, theils um die Projekte zur Vollendung der Strassencorrection in jenem Kreise, theils um das Projekt zur Correction des Rheinflusses anzubahnen und die Aufnahme der ganzen Thalfläche, mit Berücksichtigung aller hydraulischen Einwirkungen der Seitenflüsse in den Rhein, zu leiten.

Nach Vollendung dieser Arbeiten wurde ich mit Überspringung der reglementarischen Strassenmeisterstelle gleich zum Kreisingenieur-Adjuncten in Vorarlberg ernannt, in welcher Stellung ich, wie bei den vielen Berührungen, in welche ich am Rheine mit den Behörden des Cantons St. Gallen gekommen war, Gelegenheit hatte, mit der dortigen Cantonsregierung näher bekannt zu werden. Im Jahre 1830 berief sie mich als Experten zur Beurtheilung einiger neuer Strassenzüge, 1831 zur Prüfung der Aspiranten zur Stelle des Strassen- und Wasserbau-Inspectors, nach deren Beendigung sie mich einlud, die Stelle selbst anzunehmen. Ich verhiess, dem auf die schmeichelhafteste Weise geschehenen Antrage zu entsprechen, und kam bei der österreichischen Regierung um die Genehmigung meines Austrittes aus dortigen Diensten ein; allein sie wurde sowohl von der Baudirection, als von der h. Regierung in Innsbruck auf eine eben so schmeichelhafte und meine Zukunft sichernde Weise abgeschlagen, so dass in meinem Entschlusse wankend geworden wäre, wenn ich in St. Gallen nicht schon das Wort gegeben hätte. Das Wort ist heilig in meinen Augen, und so musste ich an S.M. selbst recurrieren, um die Genehmigung zu erhalten, welche mir auch endlich nach sieben Monaten von dem gerechten Monarchen, aber auf eine Art ertheilt wurde, die mir den Abschied aus dem theuren Vaterlande schwer, ja unvergesslich machte. Allmälig tröstete mich der Gedanken, dass die Natur dem denkenden Menschen keine Schranken gesetzt habe, Gutes zu wirken; dass jedes Land, wo er Gutes Wirken könnte, ihm Vaterland sei, und dass ihn keine Schattierung politischer Meinungen hindern könne, seinen Zweck zu verfolgen. Es hat auch das Zutrauen, welches mehre h. Regierungen der Schweiz und noch letzthin die Tagsatzung durch Übertragung des Linthgeschäftes mir bewiesen, sowie die Bekanntschaft mancher ausgezeichneter Schweizer, so magisch auf mich gewirkt, dass ich keine Zeit mehr fand, dem Schmerze der Trennung von meinem theuren Vaterland weiter nachzuhängen, oder denselben länger zu empfinden.



HILF MIT !!!
Typewriter Mac.png
Eigene Texte hochladen

Flattr this

|

[ Autoren ] · [ Werke ] · [ Literatur ] · [ Land ] · [ Themenkreis ] · [ Uni-Fachgebiet ] · [ Rezension ] · [ Tools ] · [ Schlagwort ] · [ Community ]