Logo
 
 
Home
 
Mitglieder
 
Fragestellungen
 
Ethik in der
psychologischen
Forschung
 
Links
 
Ethische Richtlinien
 
Einreichung
 
Kontakt
 
 
 
Uni Wien
 

Ethische Richtlinien für die psychologische Forschung

 
 

Präambel

PychologInnen haben die Aufgabe, das Wissen über den Menschen zu vermehren und ihre Kenntnisse und Fähigkeiten für das Wohl des Individuums und der Gesellschaft einzusetzen. Sie tragen eine besondere Verantwortung gegenüber den Menschen, mit denen sie umgehen.
Aus ethischer Perspektive ist die Psychologie als Wissenschaft insofern ein sensibler Bereich, als sie sich vielfach in einem Spannungsverhältnis zwischen den "Mitteln" ihrer Forschung (den ForschungsteilnehmerInnen) und ihrem "Zweck" (dem Wohlergehen von Individuen und Gesellschaft) befindet. ForschungsteilnehmerInnen stellen ihre Erfahrungen in der Regel nicht zur Verfügung, um selbst unmittelbar von den Forschungsergebnissen zu profitieren, sondern um zum Wohlergehen Anderer und der Gesellschaft beizutragen.
Psychologische ForscherInnen müssen daher ein besonderes Augenmerk darauf richten, ethische Problemstellungen wahrzunehmen. Ihre Verantwortung gegenüber Individuen und Gesellschaft verpflichtet sie, sich in ethischen Problemsituationen auf einen Entscheidungsprozess einzulassen, der wohl durchdacht und explizit genug ist, um von anderen Personen nachvollzogen werden zu können. Auch eine persönliche Gewissensentscheidung, die am Ende eines solchen Prozesses stehen kann, muss auf einem kohärenten, nachvollziehbaren Set ethischer Prinzipien basieren.
Ziel der im folgenden ausgeführten Richtlinien ist es, ein solches "Grundgerüst" zur Verfügung zu stellen, um Forschenden und Studierenden in ihrer Entscheidungsfindung Orientierung zu bieten und ethisches Bewusstsein zu schärfen.

Da für die Belange der Ethikkommission der Fakultät für Psychologie in erster Linie die Forschung mit Menschen relevant ist, wird der Forschungsaspekt in Bezug auf den Humanbereich in den Vordergrund gestellt. Für die Forschung mit Tieren sei auf die ethischen Richtlinien des society and animals forum verwiesen.

 

I. Kompetenz

  1. Ethisches Bewusstsein
  2. Forschende müssen nicht nur über entsprechende fachliche, sondern darüber hinaus über Abwägungs- und Beurteilungskompetenzen auch in ethischer Hinsicht verfügen, diese in kommunikativen Austauschprozessen zur Disposition stellen und bereit sein, diese jeweils zu überdenken und bei Bedarf zu modifizieren oder zu korrigieren. [...]

  3. Grenzen der Kompetenz
  4. Forschende sind verpflichtet, ihre Forschungstätigkeit nur innerhalb der Grenzen ihrer durch Ausbildung, Training und Praxis erworbenen Kompetenzen auszuüben. (http://www.efpa.eu/ethics)

  5. Grenzen der Forschung
  6. Weiterhin sind die Forschenden verpflichtet, sich der Grenzen ihrer Forschungsmethoden und den Grenzen möglicher Schlussfolgerungen aus ihren Forschungsergebnissen in Hinblick auf die Aufklärung einer bestimmten Fragestellung bewusst zu sein.
    Sie müssen sich der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Theorien und Methoden durch die wissenschaftliche Gemeinschaft bewusst sein und ihre Forschungsarbeit hieran orientieren. (http://www.efpa.eu/ethics)

top

II. Verantwortung

  1. Nichtschadensprinzip
  2. In der Forschung an und mit sich zu Untersuchungen oder Studienzwecken zur Verfügung stellenden Personen ist stets das Prinzip des Nichtschadens zu beachten und einzuhalten. Dieses besagt, dass Anderen weder physischer noch psychischer Schaden zugefügt oder verursacht werden darf und somit das Wohlergehen, die Sicherheit und die Gesundheit der betroffenen Personen sichergestellt sein müssen. [...]

  3. Schweigepflicht vs. Intervention
  4. PsychologInnen sind verpflichtet, über alle ihnen im Rahmen ihrer Forschung anvertrauten und bekannt gewordenen Tatsachen sowohl gegenüber Familienangehörigen als auch gegenüber KollegInnen und Vorgesetzten zu schweigen, soweit nicht das Gesetz Ausnahmen vorsieht. Geraten PsychologInnen in einen Gewissenskonflikt darüber, ob sie ihre Verschwiegenheitspflicht zugunsten einer Anzeige verletzen sollen, so haben sie zunächst für sich selbst eine Interessenabwägung hinsichtlich der verschiedenen Rechtsgüter wie beispielsweise Schutz des anvertrauten Geheimnisses und Schutz von Leib und Leben vorzunehmen. Entschuldbar ist eine Verletzung der Verschwiegenheitspflicht nur dann, wenn hierdurch ein unmittelbar drohender bedeutender Nachteil von sich oder einem anderen abgewendet bzw. gegen eine Gefahr vorgegangen wird, die den Eintritt eines Schadens als sicher oder höchst wahrscheinlich erscheinen lässt. [...]

  5. Interventions- und Therapiestudien
  6. Studien zu Intervention und Therapie an klinischen Patientengruppen finden statt, um die Wirksamkeit von in der Praxis erprobten Methoden wissenschaftlich "abzusichern" (evidence based) bzw. um Behandlungsformen einer wissenschaftlichen Reflexion zu unterziehen. Hier kann es sich auch um die Anwendung einer Therapieform unter wissenschaftlichen Bedingungen handeln, die bislang noch nicht "an Menschen" erprobt wurde. Forschungen zu Interventionen haben es häufig mit Personengruppen zu tun, die eines oder mehrere Merkmale von Vulnerabiltität aufweisen. [...]

top

III. Respekt

  1. Allgemein
  2. StudienteilnehmerInnen wollen wahrgenommen und wertgeschätzt werden, und entsprechend sollte der Umgang mit ihnen sein. WissenschafterInnen und Studierende sollten also über sachgerechte wissenschaftliche Kompetenz im Umgang mit TeilnehmerInnen an Forschungsprojekten hinaus auch eine wertschätzende und respektierende Haltung einnehmen und diese in ihren Handlungen zum Ausdruck bringen. Verstehen sich die Forschenden/Studierenden als Personen, die nicht nur Daten erheben, sondern auch Menschen "begegnen", so entspricht dies einer adäquaten Haltung im Umgang mit Menschen im Rahmen von Forschungsprojekten. [...]

  3. Vertraulichkeit
  4. Die wichtigste Säule einer vertrauensvollen Beziehung zwischen ForscherIn und ForschungsteilnehmerIn ist der vertrauliche Umgang mit den im Rahmen der Forschung gewonnenen Daten. Jede Information, die im Rahmen eines Forschungsprojekts gewonnen wurde, sei es mündlich, schriftlich oder auf elektronischem Weg, muss von PsychologInnen als vertraulich behandelt werden. [...]

  5. Auf Aufklärung basierende Zustimmung
  6. Im Rahmen psychologischer Forschungstätigkeiten stellt sich generell die Frage der sachlich korrekten Information über Ziel, Inhalt, Zweck und Konsequenzen des jeweiligen Forschungsvorhabens an potenzielle TeilnehmerInnen. Hierbei ist vor allem sicherzustellen, dass diese Informationen auf einer Ebene bzw. einem Sprachniveau aufbereitet und vermittelt werden, die es den beteiligten Personen erlauben, die wesentlichen Zielsetzungen sowie die Konsequenzen einer potenziellen Teilnahme als ProbandIn an dieser Forschung zu verstehen und diese persönlich einschätzen zu können. Erst auf dieser Basis lässt sich eine informierte Zustimmung (informed consent) sicherstellen. [...]

    1. Besonderheiten für die Forschung mit bestimmten Personengruppen
    2. Kinder: In der Forschung mit Kindern sind die ForscherInnen verpflichtet, die auf Aufklärung basierende Einwilligung des Kindes für das Forschungsvorhaben einzuholen, indem das Kind seinem Entwicklungsniveau entsprechend informiert wird und Fragen des Kindes beantwortet werden. Die ForscherInnen sollten über Kenntnisse der Entwicklungspsychologie und Besonderheiten der Kommunikation mit Kindern verfügen. [...]
      Ältere Menschen: Bei der Aufklärung älterer Menschen als TeilnehmerInnen an einem Forschungsprojekt ist zu beachten, dass die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen gegenüber Jüngeren möglicherweise verändert ist. Es bedarf einer altersadäquaten Vorgehensweise, um sicherzustellen, dass die gegebenen Informationen tatsächlich verstanden wurden. [...]
      Menschen mit psychischen Störungen: Entscheidend für die Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit von Menschen mit psychischen Störungen sind die Persönlichkeit der Kranken, die Schwere, Dauer und Art ihrer Erkrankungen, ihr soziales Milieu, ihre soziale Unterstützung und die Art von Interventionen, für die ihre Einwilligungsfähigkeit festzustellen ist. Risiken und Belastungen, die durch die betreffenden Forschungsmethoden entstehen können, so zu besprechen, dass die Betroffenen mit Sicherheit deren Auswirkungen verstanden haben, bedürfen einer hohen Sensibilität und einer vertrauensvollen Beziehung. [...]

    3. Besonderheiten in der Online-Forschung
    4. Anders als in üblichen Untersuchungssituationen findet in der Online-Forschung kein Face-to-Face-Setting statt, das erlaubt, etwaige Unklarheiten oder Verständnisprobleme durch Rückfragen zu bearbeiten. Möglichkeiten zur Umsetzung einer Online-Aufklärung beinhalten Vorinformationen auf einer Eingangsseite vor Beginn des Fragebogens oder des Experiments. Bei Online-Untersuchungen besteht eine besondere Verpflichtung, vollständige Kontaktinformationen anzugeben. [...]

    5. Täuschung
    6. Da es im Kommunikationsprozess zwischen Forschenden und ProbandInnen auch um Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit usw. gehen muss, dürfen Täuschungen nur dann vorgenommen werden, wenn der zu erwartende Nutzen die mit der Täuschung einhergehenden Nachteile rechtfertigt, keine anderen Verfahrensweisen zur Verfügung stehen, keine nachhaltigen Schädigungen nach sich ziehen oder zu erwarten sind und wenn die ProbandInnen zum frühestmöglichen Zeitpunkt über die Täuschung informiert werden.

top

IV. Integrität

  1. Regeln guter wissenschaftlicher Praxis
  2. Die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis umfassen allgemeine Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit, wie
    a) die Arbeit lege artis,
    b) die Dokumentation der Resultate,
    c) das konsequente Anzweifeln aller Ergebnisse sowie
    d) die Wahrung strikter Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von PartnerInnen, KonkurrentInnen und VorgängerInnen.
    Hinsichtlich ethisch korrekter wissenschaftlicher Formulierungen verweisen wir auf die Style-Guide Richtlinien der American Psychological Association, die Sie hier einsehen können. [...]

  3. Wissenschaftliches Fehlverhalten
  4. Wissenschaftliches Fehlverhalten liegt vor, wenn in einem wissenschaftlichen Zusammenhang bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, wenn geistiges Eigentum Anderer verletzt oder wenn sonstwie deren Forschungstätigkeit beeinträchtigt wird. [...]

top

Literatur



© 2006–2011, letzte Änderung am 05.01.2011