Rezensionen

 

 

Robert Zion: Die Kontinuität des Bösen - Vincent Price in seinen Filmen. München: belleville 2000. 320 S., broschiert, ca. 100 Abb. (davon 30 in Farbe). ISBN 3-933510-21-X Preis: DM 58,-Preis: ATS 423,-/DM 58,-.
Rezensent: Martin Schwehla

 

Das Herz muss voll sein, wenn der Mund so überläuft

Die Horrorfilme von den 50er bis in die frühen 70er Jahre waren, obwohl sie sich weitgehend darauf beriefen, anders als die klassischen Horror-Originale des Vorkriegskinos. Sie begnügten sich nicht mit Andeutungen, die die Phantasie auf abschüssige Bahnen setzten, sondern liebten das schreckliche, genau buchstabierte Detail. Sie zeigten in historisierenden, manchmal auch in zeitgenössischen Kulissen eine dubiose und heruntergekommene Welt, in der sich das Böse und der Tod wohlfühlen. Die menschlichen Hauptfiguren waren Getriebene, Beschädigte und Heimatlose wie in der goldenen Ära des Horrorfilms, aber viel deutlicher war das Motiv der gefallenen Engel, die, in zynischer Perversion (oder perverser Erfüllung) ihrer gesellschaftlichen Rollen, ihrem abartigen Tun entschieden hedonistische Züge verliehen. Dafür wurden sie auch besonders grausam bestraft. Außerdem wurden sich diese Filme ihres Publikums bewusst und spielten an der "frontalen" Illusion vorbei mit dem Vorwissen und den Erwartungen der Zuschauer. Diese kannten nun bereits Ikonographie und Sprache des Genres und hofften jeweils zu wissen, wo der nächste Schrecken lauerte, während es Aufgabe der Filme war, dieses Wissen zu düpieren und die Horrorfilm-Dramaturgie immer wieder zu verändern und zu erweitern. Bis 1973, als Friedkins Exorcist zum Welterfolg wurde und sich auch die großen Studios wieder in das Horrorgenre stürzten, wurde dieses von einigen kleineren Produktionsfirmen kultiviert, die sich größtenteils den angloamerikanisch dominierten Markt teilten: Hammer und Amicus in Großbritannien, American International, New World und Admiral in den USA. Neben dem PR-Aktionisten William Castle und dem ästhetischen Experimentator Roger Corman, neben Peter Cushing und Christopher Lee wurde ein amerikanischer Schauspieler zur Symbolfigur dieser Ära: Vincent Price.

In den USA konnte Price seine Popularität als Schauspieler - nicht nur in Filmen, sondern auch in Radio und Fernsehen - dazu nutzen, seine wahre Leidenschaft einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln: Von Jugend an ein begeisterter Kunstsammler, hatte er 1935 das Magistrat in Kunstgeschichte erworben und entwickelte sich zum Kenner und zum "Kunsterzieher der Nation", der mit Büchern, Fernsehserien, Vortragsreisen, durch die Gründung von Museen und sogar als Einkäufer für eine eigene Kunstabteilung des Waren- und Versandhauskonzerns Sears Roebuck das amerikanische Kunstleben nachhaltig beeinflusste. Auch die Ästhetik des Gaumens interessierte ihn; so wurde er einem weiteren Zuschauerkreis als Hobbykoch, als Verfasser von Kochbüchern und als Gastgeber von Kochsendungen bekannt.

Das Bild dieser an Talenten, Interessen und Wirkungkreisen reichen Persönlichkeit (1911-1993) blieb außerhalb der USA jedoch ganz auf den Aspekt der Horrorfilm-Figur reduziert, und es erscheint folgerichtig, dass der deutsche Filmpublizist Robert Zion in der ersten deutschsprachigen Monographie über Price eine Annäherung von diesem Aspekt aus versucht - wenn auch etwas erweitert, denn Vincent Price in seinen Filmen schließt natürlich die Rollen außerhalb des Genres mit ein. Tatsächlich, und das macht Zions Buch nicht vollständig deutlich, landete Price als fertige Schauspielerpersönlichkeit im Horrorgenre und drückte ihm künstlerisch seinen Stempel auf, während gleichzeitig der Sensationswert der Genreauftritte irreversibel sein Image als Horrorstar prägte. Das Buch ist relativ einfach strukturiert: Einer Art Essay zu Biographie und Wirkungsgeschichte des Schauspielers folgen Kapitel, die streng chronologisch nach Produktionen und Studioverträgen geordnet sind und diese so zusammenfassen, wie sie nach Meinung des Autors die künstlerische Entwicklung von Vincent Price bestimmten. Zu jedem Abschnitt wird eine kleine Auswahl von Filmen noch einmal separat vorgestellt: insgesamt 18 Exkurse von Laura (1944) bis Edward Scissorhands (1990) mit Erörterungen zu Inhalt, Besetzung und Produktionsgeschichte kommen so zustande, die sich auch den spezifischen Beiträgen von Price intensiv widmen. Nach einem kurzen thematischen Resümee folgt der Apparat mit einem Filmverzeichnis und einer reichhaltigen Bibliographie; Register und Abbildungsverzeichnis bzw. -nachweise fehlen.

Nachdem er als Theaterschauspieler 1935 in London und im gleichen Jahr sehr erfolgreich am Broadway debütiert hatte, arbeitete Price von 1938 an auch für Hollywood und wurde vielseitig in Nebenrollen eingesetzt, zum Beispiel als zynischer Staatsanwalt in der Werfel-Adaption Song of Bernadette (1943), als zwielichtiger Playboy in Otto Premingers Laura (1944), als intriganter Kardinal Richelieu in Three Musqueteers (1948), als Werbemanager in der Komödie Champagne for Cesar (1950) oder als kapriziöser Schauspieler in His Kind of Woman (1951). Prices imponierende Körpergröße und sein eigenwilliges Gesichtsprofil, das je nach Ausdruck und Beleuchtung schroff oder verletzlich wirken konnte (oder beides zugleich), seine melodiöse Stimme, sein kontrolliertes, oft deutlich stilisiertes Spiel und seine Intelligenz und Flexibilität empfahlen ihn für das "problematische", das intrigante, auch für das komische Charakterfach, speziell aber für erratische Figuren der "besseren Gesellschaft": 1946 hatte er sich in diesem Segment mit Hauptrollen in zwei sehr unterschiedlichen Filmen etabliert, als verbitterter und für seine Umgebung zerstörerischer Gutsherr Nicholas Van Ryn in Dragonwyck und als Leiter einer psychiatrischen Klinik, der eine Mordzeugin zu beseitigen versucht, in Shock. Er blieb aber ein - sehr gefragter - Nebendarsteller, und die Aussicht, diese Figuren, genregemäß in teilweise abstruser Verzerrung, in Horrorfilmen als Hauptrollen zu spielen, trug sicher dazu bei, ihm den Weg zum "Horrorspezialisten" - unkomfortabel für einen Schauspieler, der in ernsthaften Rollen auch immer wieder auf der Bühne stand - schmackhaft zu machen. 1953 begann diese einschlägige Laufbahn mit der Rolle eines in den Wahnsinn getriebenen Künstlers, der die Opfer seiner Rache in Wachs eingießt, in The House of Wax. Bis 1958 waren noch die "normalen" Rollen in der Überzahl, danach arbeitete Price beim Film zu gut zwei Dritteln für das Horrorgenre. Den letzten Anstoß gab der Erfolg von The Fly, einer Kombination von Tier- und SF-Horror, in der Price als sympathische und unbelastete Figur auftrat. In ähnlicher Konstellation, als - nicht immer unschuldiger - Begleiter und Beobachter des eigentlichen Angsterregers, bewegte er sich in den beiden Castle-Produktionen House on Haunted Hill (1958) und The Tingler, in der Fortsetzung Return of the Fly und im Horrorkrimi The Bat (alle 1959).

Es war der Horrorfilm mit realen Menschen als Quellen des Erschreckens und der Angst, dem Vincent Price vor allem in den 60er Jahren zu einer eigenständigen Entwicklung verhalf. Diese Filme operieren in der Regel mit abstoßenden körperlichen und seelischen Deformationen, deren Manifestation nicht vorhersehbar sein und deren Ursachen nicht offen liegen dürfen, wenn den Zuschauern wirklich der Boden unter den Füßen weggezogen werden soll. Die psychologischen Studien, die Vincent Price auf dem Theater und im Film von gefährdeten und deformierten Charakteren lieferte - für den Psychopathen Dr. Manningham im Broadway-Stück Angel Street studierte er psychologische Fachliteratur -, wirkten hier kontraproduktiv: sie konnten im Horrorfilm die Spannung zwischen Ängsten und Erwartungen der Zuschauer und dem Geschehen auf der Leinwand zu einer kontinuierlichen Einsicht in die betreffende Figur aufbrechen, während gerade die Angst vor dem Unbekannten, die Konfrontation mit dem Unbegreiflichen, der Umgang mit dem - buchstäblich! - Unumgänglichen das eigentliche Ziel dieser Filme war. Wenn das Unbegreifliche nicht metaphysisch war (Vampire, Zombies), musste es sich auf eine menschliche Befindlichkeit außerhalb des Fass- und Wahrnehmbaren beziehen, und diese war bei Price im wesentlichen psychischer Natur. Für die Reihe von E.A. Poe-Adaptionen, die er mit Roger Corman drehte (1960-64), steigerte er die Intensität seiner ohnehin zeitlich und gesellschaftlich entrückten Figuren, die zwar konsistent blieben, aber psychisch in schwer erreichbaren Bezirken lebten, ins Rituelle und setzte damit einen komplementären Akzent zum traumwandlerischen, farbentrunkenen Stil Cormans. Auch in Michael Reeves Witchfinder General (1968) konnte die Figur des besessenen, gewalttätigen und zugleich bürokratischen Hexenjägers bei allem bohrenden Realismus nicht begreiflich gemacht werden, sondern blieb als Unsicherheit, auch auf ihre eigene Psyche bezogen, im Bewusstsein der Zuschauer. Sowohl Cormans Filme als auch der Witchfinder gingen damit über die Intentionen eines "kulinarischen" Horrorfilms hinaus. Ein anderer, häufig beschrittener Weg bestand für Price darin, das Potential seiner komischen Rollen für das Horrorgenre zu nutzen. Spiel- und Schadenfreude, gequältes und befreiendes Lachen konnte für und gegen das Publikum eingesetzt werden, und das bizarre Überzeichnen der Figuren korrigierte sich am (im Film) objektiven Schaden, den sie anrichteten, auf befremdliche Weise selbst. Während die beiden Dr. Phibes-Filme (1971-72), in denen Price als genialer Forscher Rache für seine getötete Frau nimmt, dieses Konzept zum Höhepunkt führen, markiert das Theatre of Blood (1973), wo er als in Grund und Boden rezensierter Schauspieler seine Kritiker nach Motiven Shakespeare'scher Tragödien hinrichtet, die bewusste Vollendung eines ironisierenden, retrospektiven Stils, mit dem Price sich über sein eigenes Image als Horrordarsteller, aber noch mehr über die Filme zu mokieren schien, die sich seiner nur mehr als Aushängeschild bedienten.

Robert Zion hat über diese Entwicklung ein Buch vorgelegt, dessen Reichtum an Details und Sympathie für sein Thema eines Fans würdig ist - nicht weniger, leider auch nicht mehr.

Er ist in seinem Element, wenn es um das kurzweilige Erzählen von Filmgeschichte(n) und um die "verbale Projektion" von Filmen geht: in den Beiträgen über Dragonwyck und Edward Scissorhands meint man sich in einem anderen Buch zu befinden. So gelingt es Zion auch, die Betrachtung der letzten Lebensjahre von Vincent Price, der praktisch bis zuletzt vor der Kamera stand, unaufdringlich und berührend zu einer exemplarischen Rückschau auf seine Arbeit werden zu lassen und auf das menschliche Profil, das er im Lauf seines Lebens gewann. Doch die Protagonisten, die die Arbeit des Schauspielers begleiteten und beeinflussten oder konsumierten und als Inspirationsquelle benutzten wie Tim Burton, erscheinen allesamt - naturgemäß mit weniger Strichen - kraftvoller und lebendiger gezeichnet als die Hauptfigur. Sie profitieren von Zions linearer, fröhlicher Beschreibung seiner Helden, von seinem unbefangenen Eintauchen in die Atmosphäre der Filmstudios, der Sets, der kleinen und großen Legenden, des Getuschels hinter den Kulissen. Vincent Price dagegen ist zwar (natürlich) ständig präsent, aber nicht greifbar, er nimmt erst in diesem letzten Kapitel präzisere Konturen an, die der Epilog sofort wieder verwischt.

Das Buch krankt am Titel: Die Kontinuität des Bösen will Zion im Weg von Vincent Price als Filmdarsteller finden, und von Anfang an geistert dieser Begriff als Phantom einer niemals formulierten Qualität bzw. Hypothese durch das Buch, an die sich deshalb auch keine klare Argumentation knüpfen kann. Der Anspruch des Titels wird für den Autor zur uneinlösbaren Hypothek. Es fehlt ihm schlicht das Instrumentarium für einen analytischen Ansatz, aber man gewinnt den Eindruck, auch der Wille. Zu groß scheint die Angst davor zu sein, am Ende akademisch und langatmig zu wirken. Zunächst ist er nicht vollständig Herr seiner Sprache, er gibt sie an Klischees ("kein Geringerer als ...", "Altmeister Hitchcock") und einen journalistischen Jargon aus der Hand, der sich gegenüber dem, was der Autor vielleicht tatsächlich sagen wollte, immer wieder selbständig macht. Was er selbst dazu beizuträgt, treibt spezielle Blüten: "Schauspieler" genügt nicht für Vincent Price, er ist durchgehend der "Mime" - ob Zion seinem Helden damit Reverenz erweisen wollte, fragt man sich, denn er stellt ihn damit nur in eine verbale Vitrine (zu den Wachsfiguren?). Wenn Roger Corman geschickt war bei der Auswahl seiner Mitarbeiter, bewies er damit sein "glückliches Händchen", und Shakespeare-Stücke sind "Theatervorlagen des berühmten englischen Barden". Die Dreharbeiten zu Premingers A Royal Scandal (Skandal bei Hofe, USA 1945) wurden durch die schwere Krankheit von Ernst Lubitsch (als Produzenten) überschattet, bei Zion geraten sie gleich zum "Desaster", wobei Lubitsch' Funktion zunächst nicht klar ist, weil nicht zwischen filmischer und allgemeiner Bedeutung des Begriffs "Produktion" unterschieden wird: "... Ernst Lubitsch bekam die Produktion zu keiner Zeit in den Griff: Eine dünne Rolle in einer mühevollen Produktion". An anderer Stelle "wurde 'Return of the Fly' ...von dem berüchtigten" (berüchtigt wofür?) "Regisseur Edward L. Bernds ...produziert", obwohl dieser nur Regie führte. In diesem Film übernahm Price wieder "die Rolle des Bruders der Fliege, der zwar ein guter Charakter war, aber trotzdem von ihm äußerst glaubwürdig verkörpert wurde": weil Zion kein zweites Mal das Wort "Rolle" verwenden wollte, wurde daraus der faule Anglizismus "Charakter". Und warum sollte man sich darüber wundern, dass Price, der zuvor immer wieder als ernsthafter Schauspieler und zudem als herzlich, offen und humorvoll beschrieben wird, eine positive Figur glaubwürdig darstellen konnte?

Kleinigkeiten? Aber leider Kleinigkeiten auf Schritt und Tritt, die nahtlos zu den Inkonsistenzen der Argumentation führen. Im Kleinen und im Großen widersprüchliche Darstellungen und Bewertungen lassen den Leser ständig im Unklaren über den eigentlichen Sachverhalt oder über den eigentlichen Gesichtspunkt des Autors. 1952 wurden Vincent Price eine Rolle im Broadway-Stück My Three Angels und die Hauptrolle im Film House of Wax angeboten. Price entschied sich (in diesem Fall) für Hollywood. Beide Unternehmen wurden zu außergewöhnlichen Erfolgen. Bei Zion hatte Price zunächst "viel Glück", weil er sich für den Film entschied, obwohl er "die Theaterarbeit zeit seines Lebens der Filmarbeit vorzog", einen Satz später war die Entscheidung die Folge einer "Vorahnung" (wovon?), im nächsten Absatz schließlich kommt die Erklärung: Das Theaterengagement hätte ihm keine Zeit für seine schon ausgedehnten Aktivitäten (auf dem Kunstsektor) an der Westküste gelassen. Bei der Fortsetzung von The Fly war zunächst das "schwächere Drehbuch ...einen ganz passablen Genre-Film zu tragen imstande", im nächsten Satz wurde "das ursprünglich sehr gute Drehbuch durch überflüssige Effekte kaputtgemacht", und schließlich kommt Price selbst zu Wort: "Das Drehbuch war einer dieser seltenen Fälle, wo die Fortsetzung besser hätte ausfallen können als das Original".

Der Schlüssel zu diesem Chaos liegt einmal darin, dass sich Zion zu seinem Thema kaum selektive Fragen stellt, um seine Ideen zu strukturieren, und was er aus Publikationen kompiliert, zueinander nur in sehr lose Beziehung bringt. Zum anderen fällt das Buch über Zions systemlosen Umgang mit den Quellen (Filme, Rundfunkdokumente, Prices eigene Publikationen, aber kein unpubliziertes Hintergrundmaterial) und der Sekundärliteratur. Ohne sich über Quellenkritik Gedanken zu machen, setzt der Autor originale und sekundäre Zitate häufig, aber genauso schlingernd und unscharf ein wie sein Vokabular. Wir erfahren kaum etwas über Zeitpunkt, Anlass und Adressaten der Aussagen von Price und seinen Mitstreitern, die offensichtlich auch launig geführten Interviews, PR-Aussendungen usw. entnommen und von entsprechend seichtem Gehalt sind, im Kontext von Zions Argumentation aber oft an überraschend prominenter Stelle auftauchen, wenn sie die Argumentation nicht überhaupt ersetzen. Dazu nur ein Beispiel: Auf Prices eigene Frage, ob die "Katharsis der Leidenschaften", die Aristoteles der Kunst als Wirkung zuschreibt, auch durch seine Horrorfilme und Figuren ausgelöst werden könne, folgt auf einen wirklich schwachsinnigen Spruch seines Sohnes Vincent Barrett Price ("Die Helden der Vincent Price-Filme sind gut aristotelisch - sie rufen Mitleid hervor und dienen der Katharsis. Er spielte wirklich niemals ein Monster. Nein, mein Herr. Nicht mein Vater. Er wurde jedesmal vom Schicksal in tragische Umstände getrieben, für die er auf eine tragische Art und Weise zu zahlen hatte. Und es brach mir jedesmal das Herz. Und ich bin furchtbar stolz darauf") ein Zitat von ihm selbst: "Ich bin jedoch immer auf eine glasklare und saubere Art böse". Zion ist weit davon entfernt zu erklären, wohin dieser Reigen führen soll, er setzt einfach ein Zitat neben das andere und überlässt es den Lesern, einen Zusammenhang zu finden. Am Ende der Gedankenkette steht Resignation: "Ist es also doch die von ihm (Price) immer wieder so hervorgehobene Katharsis, auf der seine Wirkung als Protagonist des Grauens beruhte? Da ich in meiner Funktion als Kritiker keine Lust verspüre, meinen Kater 'Vincent' in einer Pastete gebacken zu verspeisen, 1 werde ich mich fortan hüten, dem noch einmal zu widersprechen."

Zions Buch transportiert viel guten Willen und viel Liebe zum Film und seinen Protagonisten. Gutwillige Leser entlässt es zwar informiert, auf jeden Fall motiviert für die nächste Vincent Price-Retrospektive, aber sie haben dann auch ein zähes Stück Arbeit hinter sich. Dem thematischen Anspruch, der durch Titel und äußeren Aufbau suggeriert wird, war der Autor nicht gewachsen, der das ganze Buch hindurch kein Mittel findet, um die Fülle und Komplexität des Materials wirklich zugänglich zu machen. Dadurch ist es als Nachschlagewerk, als das es der Autor unter anderem empfiehlt, wenig geeignet. Weil kaum ein Gedanke einleuchtend zu Ende geführt, kaum ein Sachverhalt ohne Widersprüche dargestellt wird, ist auch das unbefangene Lesevergnügen begrenzt. Ein aufmerksames Lektorat hätte vielleicht geholfen; aber dieses war - bei einer grundsätzlich ansprechenden Ausstattung des Buches - nicht einmal imstande, für eine vollständige Beschriftung des Bildteils zu sorgen.


1 Anspielung auf den Film Theatre of Blood, wo der von Robert Morley gespielte Kritiker von Vincent Price gezwungen wird, seine beiden zu Pastete verarbeiteten Pudel zu essen, bis er daran erstickt.


Dr. Martin Schwehla

Studium der Kunstgeschichte. Entwicklung von E-Learning-Modellen für die aktive Partizipation von Studierenden und die Verbindung von Forschung und Lehre, E-Learning-Projekt ELOISE!

Projekthomepage: http://www.eloise.at

E-Mail: martin.schwehla@aon.at


© Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien
Letzte Änderung: 27.02.2001
email.GIF (73 Byte) Redakteurin: Beate Hochholdinger-Reiterer